Presseartikel 2017/2018

Der Patriot, 07. November 2017

Techno-Klänge in Klassiksphären

Die Formation Spark begeistert mit ihrem eigenwilligen Sound

Von Dagmar Meschede

Lustvoll, leidenschaftlich und immer punktgenau: Die Band Spark beeindruckte die Zuhörer bei ihrem Gastspiel auf der Lippstädter Studiobühne.
Foto: Meschede

Lippstadt   Zum Schluss heißt’s „On the Dancefloor“. Da zeigt die Formation Spark, dass sie selbstverständlich auch den Techno-Sound klassisch mit Flöten, Cello, Geige und Konzertflügel aufbereiten kann. Die fünf Musiker drehen voll auf. Das Spiel lädt sich emotional auf. Und es wummert ordentlich auf der Studiobühne des Stadttheaters. Da wähnt man sich schon in einem der angesagten Berliner Szenepartyschuppen aus den 1990er Jahren. Man spürt, dass die Musiker ihren Spaß haben. Sie treiben ihr Spiel auf die Spitze. Ein wahrlich großer Rausch ist dieser Ausflug in die Techno-Welt, so wie auch das Konzert ein einziger endloser Rausch ist. „Yesterday once more“ lautet das Motto des vom Musikverein und dem Jazzclub initiierten Gastspiels der „klassischen Band“ Spark, die aus den Musikern Daniel Koschitzki (Flöte), Andrea Ritter (Flöte), Stefan Balzsovics (Violine, Viola), Victor Plumettaz (Violoncello) und Arseni Sadykov (Klaiver) besteht. Dabei ist der Titel Programm. So schöpft die im Jahr 2011 mit dem „Echo Klassik“-Preis ausgezeichnete Formation aus einem reichen Repertoire, blickt aber auch weit über den Tellerrand der klassischen Musik hinaus. Uraufführung auf der Studiobühne Mitunter bedeutet das eine Uraufführung. In diesem Fall ist es das Stück „Oceans Message“, das der Pianist der Band, Arseni Sadykov, komponiert hat. Die Komposition hat den typischen Spark-Sound — ein bisschen Folk, ein bisschen Klassik, aber auch etwas Modernes zwischen New Age, Rock-Pop und Minimal Music. Im Tempo ist das Spiel der Musiker schnell und kraftvoll, gleichwohl lässt es Platz für romantisch zarte Momente. Alles klingt sehr sinnlich. Schließlich kommt Salykovs Komposition als ein sich ins Unendliche erstreckendes Wabern daher, das an die Bewegungen der Wellen erinnert. Mitten im Stück meint man gar Möwenschreie zu hören. Überhaupt steckt in den musikalischen Auslegungen von Spark viel Experimentierfreude. Eine Blockflöte ist nicht bloß eine Blockflöte: Immerhin stehen knapp 20 solcher Instrumente auf der Bühne, und sie werden alle im Laufe des Konzerts eingesetzt. Auch Cello und Violine sind nicht einfach die gewohnt klassischen Streichinstrumente, sondern Balzsovics und Plumettaz zweckentfremden sie als gitarren-, ukuelen- oder mandolinengleiches Zupfinstrumente. Als ganz unkonventionell entpuppen sich entsprechend auch die Interpretationen. Dabei ist keine Stimme nur Begleitung. Flöten, Violine, Cello und Klavier — gleichwertig stehen die einzelnen Instrumente nebeneinander und behaupten sich. Das verleiht dem Spiel des Quintetts seine Spannung. Was in einem großen Tohuwabohu enden könnte, fügt sich bei Spark zu einer geordneten Harmonie mit einem eingängig frischen und leidenschaftlichen Spiel. Selbst wenn man meint, dass da auf der Bühne nur noch reine Ekstase ist, greift ein Rädchen ins andere. Gepimpte Orgelpfeifen Und die Band überrascht ihr Publikum mit ungewohnten Instrumenten wie beispielsweise dem mannshohen Pätzold-Bässen — das sind gepimpte Orgelpfeifen —, die an eine überdimensionale frühneuzeitliche Flöten-Robotermaschine erinnern. Wer von diesem Instrument wuchtige Töne erwartet, irrt. Denn es sind dunkel gefärbte, tuckernde Töne, mit denen der Flötist Koschitzki Michael Nymans Komposition „Jack“ einen ganz eigenen groovenden Sound verleiht. Damit aber nicht genug. Wenig später setzen Ritter und Koschitzki beim selben Stück ihr Spiel mit zwei Flöten im Mund fort. Sie lassen es neben den Streichern Balzsovics und Plumettaz sowie dem Pianisten Sadykov ordentlich rocken. Aber auch Klassiker wie Vivaldis „G-Moll-Konzert“ bleiben bei Spark faszinierend – jenseits abgedroschener Interpretationspfade. Und so jagen die Musiker gleichermaßen lustvoll wie spielerisch durch die Takte. Das bereitet außerordentliches Vergnügen – nicht nur für die Musiker, sondern auch für das Publikum.

Der Patriot, 07. Juli 2017

Bewährte Kräfte

Musikverein bestätigt Vorsitzenden Dr. Peter Knop im Amt

Dr. Peter Knop (r.) ehrte die Jubilare Franz Ulrich Lücke, Eugenie Friesenhausen, Ulrike Kaiser, Christiane Schäfer (v.l.)

LIPPSTADT  Dr. Peter Knop ist von den Mitglieder des Städtischen Musikvereins Lippstadt als Vorsitzender bestätigt worden. Ebenso bestätigten sie den zweiten stellvertretende Vorsitzende Friedhelm Arnoldt sowie Schatzmeister Winfried Verhoff in ihren Ämtern. Neu im Vorstand ist Beate Mainka, die als stellvertretende Vorsitzende Miriam Steinbüchel ablöst. In der Position der Schriftführerin folgt Nicola Gerold auf Maria Hobbie. Als weitere Mitglieder des Gesamtvorstands wurden Wilhelm Börskens, Heiko Held, Franz-Ulrich Lücke, Isabell Markgraf-Seubert, Christian Schwade, Dr. Olav Freund und Wolfgang Streblow wiedergewählt. Der künstlerische Leiter Burkhard A. Schmitt blickte im Rahmen der Mitgliederversammlung nicht nur auf die Höhepunkte der Konzertsaison 2016/2017 zurück, sondern widmete sich auch den kommenden musikalischen Projekten. Als nächstes eigenes Chor- und Orchesterkonzert steht Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ an, das der Konzertchor des Musikvereins am Samstag , 18. November, im Stadttheater aufführt. Der Vorsitzende Peter Knop ehrte vier Jubilare. Eugenie Friesenhausen und Ulrike Kaiser zeichnete er jeweils für 25-jährige Mitgliedschaft, Franz Ulrich Lücke und Christiane Schäfer für zehnjährige Mitgliedschaft aus.

Der Patriot, 24. Juni 2017

„Luther“ als musikalisches Abenteuer

Stephan Graf von Bothmer begeistert mit Stummfilmkonzert

Das Spiel mit verbundenen Augen beherrscht Stephan Graf von Bothmer aus dem Effeff. Foto: Meschede

Lippstadt  Nun gut, dieser Gag muss sein. Bevor Stephan Graf von Bothmer am Konzertflügel den Stummfilm „Luther“ begleitet, gibt’s auf der Studiobühne ein Vorspiel mit Zeichentrick-Werbefilm, Trailern und einem autonomen Stück, sprich: einer solistischen Musikeinlage. Dazu spielt Bothmer mit verbundenen Augen Sergei Rachmaninows „Präludium Nr. 5“. So viel zunächst einmal zur Einstimmung zu diesem vom Städtischen Musikverein Lippstadt initiierten Stummfilmkonzert. Klar ist nach dieser unterhaltsamen Einlage: Bothmer beherrscht alles aus dem Effeff. Das ist gut so, denn beim anschließenden Hauptfilm „Luther“ ist äußerste Konzentration gefordert. 111 Minuten und zwölf Sekunden dauert der 1927 entstandene Stummfilm, von dem es seit kurzem eine restaurierte Fassung gibt. Gezeigt wird alles an einem fortlaufenden Stück ohne Pause. Damit tourt der Komponist und Pianist durchs Land. Man könnte deshalb meinen, dass Bothmer alles routiniert spielt, aber keine Minute dieses Konzerts hinterlässt solch einen Eindruck. Das Gegenteil ist der Fall: Ungemein präsent, lebendig und auf den Punkt gebracht untermalt Bothmer mit seinem Klavierspiel den Film, der entscheidende Lebensstationen Luthers expressiv, allerdings auch plakativ nachzeichnet. Gewittererlebnis, Pilgerreise nach Rom, die 95 Thesen, Luthers Auftritt vor Kaiser Karl V. in Worms und natürlich die Bibelübersetzung sind im Film angerissene Themen. Geradezu klassisch verhält sich dazu Bothmers Komposition. Streng-steif wird’s nie. Dazu geben sich seine Interpretationen zu lustvoll-spielerisch. Wie Kommentare zu den einzelnen Filmszenen lesen sie sich und unterstreichen Eigenheiten der Charaktere. So erscheint Luther – im Film von Eugen Klöpfer verkörpert – reichlich verklärt als strahlender, deutscher Held und Revolutionär. Bothmer kennzeichnet dies musikalisch überspitzt mit heroisch-erhabenen Akkorden. Aber Klöpfers Luther kann auch nachdenklich sein. Für diesen Charakterzug Luthers findet Bothmer ruhige, melancholische Moll-Klänge. Natürlich wird’s mitunter auch dramatisch – etwa wenn man das Volk in Aufruhr gegen die Mächtigen sieht und sie Heiligenstatuen und Kirchenschätze niederreißen. Dann macht sich ein geradezu raumgreifendes, dramatisches Wabern breit. Der „Luther“-Stummfilm fordert Bothmer und dem Publikum viel ab. Fulminant meistert der 46-jährige Komponist und Pianist diese Herausforderung. Doch auch vom Publikum wird viel gefordert. Hin- und hergerissen ist es zwischen der Musik und dem Film. Wem soll man mehr Aufmerksamkeit schenken? Schließlich beeindruckt Beides, aber es plättet nun einmal auch. Bei einem zweieinhalbstündigen Non-Stop-Stummfilmkonzert kommt man an seine Grenzen. Nichtsdestotrotz lohnt sich dieses Abenteuer. mes

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