Musikverein blickt nach vorn

Burkhard A. Schmitt Städtischer Musikdirektor

 

Die gute Nachricht zuerst: Die Kammerkonzerte des Städtischen Musikvereins Lippstadt sollen in der kommenden Saison alle wie geplant stattfinden – allerdings im Stadttheater. Und auch bei den größeren Konzerten hofft der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt, dass sie unter Corona-Bedingungen möglich sein werden. Wenn auch mit einigen Änderungen.

 

Von Andreas Balzer

LippstadtDie Absage des großen Festkonzerts, mit dem Musikverein und KWL am 29. August die neue Saison im frisch sanierten Stadttheater eröffnen wollten, war ein ziemlicher Schlag – allerdings kein unerwarteter. Doch wie sieht es für die Zeit danach aus?

Die Landesregierung hatte ab dem 1. September die Wiederaufnahme des regulären Betriebes auch in großen Theatern, Opern- und Konzerthäusern in Aussicht gestellt. Das dürfte jedoch angesichts strikter Abstandsregeln und Hygienevorschriften kaum möglich sein. Die KWL hat deshalb bereits angekündigt, alle Veranstaltungen ihres Theaterprogramms auf den Prüfstand zu stellen und auf Machbarkeit abzuklopfen.

Ähnlich sieht es beim Musikverein aus. Und hier gibt es bereits ein erstes, durchaus optimistisch stimmendes Ergebnis: „Wir haben die wirklich gute Nachricht für das Publikum, dass bis auf Weiteres alle Konzert, die in unserer Kammermusikreihe geplant sind, stattfinden können“, sagt der künstlerische Leiter Burkhard Schmitt. „Allerdings aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht in der Jakobikirche. Deshalb gehen wir ins Theater.“

Für Kammerkonzerte ist im Theater genug Platz

Dort gebe es nämlich zumindest bei den Kammerkonzerten der Reihe K „keinerlei Platzprobleme“. Nach aktuellem Stand dürften Schmitt zufolge höchstens 170 Besucher in den Zuschauerraum des großen Hauses gelassen werden. „Das sind nur etwas weniger, als wir sonst maximal in die Jakobikirche setzen können.“ Auch terminlich gibt es keine Probleme. Er habe sich beim „Umzug“ der Kammerkonzertreihe intensiv mit KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms abgestimmt, berichtet Schmitt. „Frau Harms ist alles durchgegangen und hat keinerlei Bedenken, was Terminkollisionen betrifft.“

Im Stadttheater werden nicht nur die Zuhörer ausreichend Platz haben. Auch die Musiker selbst – für die Kammerkonzertreihe sind neben den drei Solisten der „Klaviernacht“ vier Quartette angekündigt – können auf der großen Bühne den gebotenen Abstand halten. „Das ist alles absolut regelkonform. Da gibt es auch auf der Bühne überhaupt keine Probleme“, sagt der Städtische Musikdirektor.

„Sea Symphony“ wird verschoben

Das sieht bei den großen Orchesterkonzerten ganz anders aus. Dass alle sechs Konzerte der Reihe O genau wie geplant durchgezogen werden können, ist deshalb utopisch. Bei zwei Veranstaltungen geht Schmitt trotzdem davon aus, dass sie ohne große Änderungen stattfinden können. „Hier haben wir das Glück, dass wir Konzerte mit zwei Kammerorchestern haben.“ Und die rücken nun mal naturgemäß mit kleiner Besetzung an.

Für den 11. Dezember ist das Folkwang Kammerorchester aus Essen mit der „Himmlischen Weihnacht“ angekündigt. „Das sind nur 16 bis 18 Musiker, nach jetzigem Stand des Programms ohne Bläser“, sagt Schmitt. Blasinstrumente sind in Corona-Zeiten kritisch, weil sie – ebenso wie Gesang – „atmungsaktiv“ sind.

„Auch dieses Konzert können wir mit Sicherheit durchführen“, betont Schmitt. Er sei außerdem mit dem Orchester in Verhandlungen, um das – dafür vielleicht leicht verkürzte – Konzert an dem Tag zweimal stattfinden zu lassen, damit ein größeres Publikum erreicht werden kann.

Eine solche Lösung könnte sich Schmitt auch beim Konzert des Hungarian Chamber Orchestra am 12. März 2021 vorstellen, falls es eine entsprechende Nachfrage gibt. Auch der Auftritt dieses Ensembles, „das maximal 20 Musiker auf der Bühne hat“, lässt sich seiner Einschätzung nach gut realisieren.

Die übrigen Orchesterkonzerte stellen den Musikverein da schon vor sehr viel größere Herausforderungen. „Die sind wirklich groß besetzt, das sind Orchester mit 45 bis 65 Musikern“, sagt der künstlerische Leiter. „Da habe ich einen Plan B.“

Mit den Orchestern werde es sicher möglich sein, die Programme so zu verändern, dass sie auch mit kleiner Besetzung aufführbar seien. „Da bin ich schon in Gesprächen mit den Orchesterintendanten.“ So könne er sich vorstellen, dass die Neue Philharmonie Westfalen beim Konzert „The English Way of Heaven“ am 26. März 2021 Ralph Vaughan Williams’ große „London Symphony“ durch ein Werk ersetzt, das mit deutlich weniger Musikern auskommt.

Ähnlich will Burkhard Schmitt bei den eigenen Chor- und Orchesterkonzerten vorgehen. „Man sagt ja, Chor sei im Moment das gefährlichste Hobby der Welt“, sagt Schmitt. Ab dem 10. Juni seien Chorproben – die aktuell nur per Videokonferenz stattfinden können – zwar wieder erlaubt, aber nur unter sehr strengen Auflagen „Da müssen wir noch sehr vorsichtig und abwartend sein.“

In dieser Situation kommt es dem Musikverein entgegen, dass er neben dem großen Konzertchor auch noch den Kammerchor Con Brio hat. „So dass wir eventuell nur mit einem kleinen Chor auf der Bühne stehen, damit die Abstände gewahrt werden können“, erklärt Schmitt.

Natürlich lässt sich auf diese Weise nicht alles umsetzen. Die anspruchsvolle „Sea Symphony“, ebenfalls von Ralph Vaughan Williams, braucht zum Beispiel das ganz große Besteck. Um das Werk adäquat aufführen zu können, wollte sich der Konzertchor Lippstadt eigentlich mit Sängerinnen und Sängern aus vier weiteren Chören verstärken – in Corona-Zeiten schlicht undenkbar.

„Die ‚Sea Symphony‘ ist ganz offiziell verschoben in die Saison 2021/2022“, stellt der musikalische Leiter klar. Das Konzert am 8. November soll aber trotzdem stattfinden. „Wir denken darüber nach, dass der Chor vielleicht nur mit einer kleinen Sache auftritt, mit einem geistlichen Werk.“ Und zwar mit „Lux Aeterna“ von Morten Lauridsen.

Das fünfsätzige Chorwerk hat der Konzertchor erst im November 2019 gesungen, allerdings in der Elisabethkirche, „wo wir ja viel weniger Publikum erreicht haben als im Theater“. Die Wiederaufführung könnte also durchaus neue Zuhörer erreichen. Und für den Chor hätte es den Vorteil, dass es keiner langen Proben bedürfte. „Das muss nur aufgefrischt werden“, sagt der Chorleiter. Außerdem könne das eh schon klein besetzte Werk notfalls auch mit dem Kammerchor Con Brio aufgeführt werden.

Brahms funktioniert auch ganz reduziert

Noch reduzierter geht es bei Johannes Brahms’ „Deutschem Requiem“. Das ist für den 27. Februar 2021 angesetzt, und hier gibt es Schmitt zufolge eine deutlich eingedampfte Fassung, bei der der Chor nur von zwei Klavieren und Pauke begleitet wird. „Man könnte es also im Notfall ganz extrem herunterbrechen, so dass man es auch ohne Orchester aufführen könnte.“ Aber auch eine „mittlere“ Lösung mit kleinerem Chor und Orchester wäre denkbar.

Die Chance, dass die eigentlich groß besetzten Konzerte in einer abgespeckten Form stattfinden können, sieht der musikalische Leiter des Musikvereins derzeit bei „fünfzig-fünfzig“. Völlig offen ist dagegen zurzeit, was mit den beiden Silvesterkonzerten geschieht. Die sollen eigentlich wieder von Hermann Breuer dirigiert und moderiert werden. Als Orchester ist die Philharmonie Lemberg vorgesehen. Ob die ukrainischen Musiker aber Ende des Jahres nach Deutschland reisen dürfen, steht noch in den Sternen.

Trotzdem blickt Burkhard Schmitt inzwischen wieder deutlich optimistischer in die Zukunft. „Ich muss wirklich sagen, ich hatte vor einigen Wochen trotz meiner grundsätzlich positiven Grundeinstellung schon gewisse Sorgen, was die Durchführbarkeit der Saison betrifft“, gesteht er ein. „Aber jetzt sieht doch alles viel positiver aus.“

Kultur wieder live erleben

Das Folkwang Kammerorchester Essen stimmt mit dem Geiger Moritz Ter-nedden auf eine „Himmlische Weihnacht“ ein. www.petergwiazda.de

 

Noch weiß niemand, wie die Saison 2020/2021 wirklich aussehen wird. Doch wenn der Städtische Musikverein Lippstadt sein Programm Corona zum Trotz wie geplant umsetzen kann, darf sich das Publikum auf eine ganze Reihe hochkarätiger Konzerte und Gastkünstler freuen. Erste Einblicke gibt der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt.

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Die Höhepunkte jeder Musikvereinssaison sind natürlich die eigenen Chor- und Orchesterkonzerte. In der Regel sind das zwei pro Konzertjahr. Doch diesmal kommt der Konzertchor Lippstadt – so die Pandemie es zulässt – sogar viermal zum Einsatz.

Los geht es mit dem großen Festkonzert, mit dem der Musikverein am Samstag, 29. August, in Kooperation mit der KWL das frisch sanierte Stadttheater eröffnen will. Mit dem Pianisten Matthias Kirschnereit und der Sopranistin Manuela Uhl hat der Musikverein zwei renommierte Gäste verpflichtet. Und auch der vereinseigene Chor darf natürlich nicht fehlen. Mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford intonieren die Sängerinnen und Sänger des Musikvereins Ludwig van Beethovens „Chorfantasie“.

Ob das Konzert stattfinden kann, ist allerdings aufgrund der aktuellen Beschränkungen noch offen. Burkhard A. Schmitt hatte die Chancen vergangene Woche „bei fifty-fifty“ gesehen.

Einen sehr viel größeren Auftritt hat der Konzertchor Lippstadt dann am Sonntag, 8. November, wenn im Stadttheater „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams erklingt. Um das ebenso umfangreiche wie anspruchsvolles Werk zu stemmen, holen sich sie heimischen Sänger Unterstützung bei Chören aus Hamm, Siegen, Wirges und Gloucester.

„Das ist ein ganz großartiges Chorwerk dieses englischen Komponisten, das wir in vier Konzerten machen wollen, drei in Deutschland und eins in Gloucester – natürlich alles unter dem Vorbehalt Corona“, sagt Dirigent Burkhard A. Schmitt. „Das ist wirklich ein absoluter Höhepunkt der Saison.“ Mit dabei ist wieder Manuela Uhl, die sich die Solistenparts mit dem Bariton Andrew Finden teilt. Den Orchesterpart übernimmt diesmal die Philharmonie Südwestfalen.

Von Johannes Brahms bis Karl Jenkins

Wenn alles gut geht, ist die Sopranistin Manuela Uhl in der kommenden Saison gleich dreimal im Lippstädter Stadttheater zu hören.
Foto: kazimitowicz

Ein weiteres bedeutendes Werk steht am Samstag, 27. Februar 2021, auf dem Programm, wenn der Konzertchor Lippstadt unter Schmitts Leitung „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms intoniert. Wieder unterstützt von den Kollegen aus Hamm, Siegen und Wirges. Auch diesmal ist Sopranistin Manuela Uhl dabei. Den Baritonpart übernimmt Jean Christophe Fillol, als Orchester ist die Neue Philharmonie Westfalen mit an Bord.

Das wuchtige Werk hatte der Musikverein bereits 2012 aufgeführt. Es sei „in der großen Zahl von Requiem-Vertonungen eines der ergreifendsten, erschütterndsten, von einer Wirkung, der sich kein Hörer entziehen kann“, schrieb Patriot-Kritiker Alfred Kornemann damals in seiner Rezension. „Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass es so nahe bei dem Hörer ist, ihn begleitet durch die Erfahrung von tiefer Trostlosigkeit, Resignation hin zu einem getrösteten Aufgerichtetsein, von flehentlicher Bitte zu fugengefestigter Danksagung.“

Und wenn alles läuft wie vorgesehen, wird der Konzertchor Lippstadt in der nächsten Saison noch ein viertes Mal im Stadttheater zu hören sein. Nämlich um die coronabedingt ausgefallene Neuaufführung von Karl Jenkins’ „The Armed Man: A Mass for Peace“ nachzuholen. Er habe bereits mit KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms abgestimmt, „dass wir ‚The Armed Man‘ in 2021 aufführen wollen, voraussichtlich auch wieder unter dem gemeinsamen Dach von Musikverein und KWL“, sagt Burkhard Schmitt. „Und zwar im Rahmen der 50-jährigen Städtepartnerschaft von Lippstadt und Uden. Da haben wir noch keinen Termin, und das ist auch gut so. Da sind wir nicht im Druck und können die Entwicklung der nächsten Monate in Ruhe abwarten, was Corona betrifft.“

Sehr freut sich der musikalische Leiter des Musikvereins aber auch auf die eingekauften Konzerte. Zum Beispiel auf die „Himmlische Weihnacht“, mit der das Folkwang Kammerorchester Essen und der Geiger Moritz Ter-Nedden am Freitag, 11. Dezember, im Stadttheater aufs Fest einstimmen. Das Kammerorchester sei in den letzten beiden Spielzeiten bei seinen Konzerten in der Marienschule „wirklich gefeiert“ worden, sagt Schmitt, der für das Weihnachtskonzert „auch einige Überraschungsmomente“ verspricht, bei denen Dirigent Johannes Klumpp auch das Publikum einbinden werde.

Dritte Klaviernacht in der Jakobikirche

Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska ist bei der dritten Klaviernacht in der Jakobikirche wieder dabei.
Foto: Hoffmann

„Besonders hochkarätig ist auch wieder die dritte Klaviernacht in der Jakobikirche besetzt“, sagt der Städtische Musikdirektor. Aleksandra Mikulska und Vadim Chaimovich waren schon 2019 beim Tastenmarathon mit dabei. Dritter im Bunde ist diesmal Dinis Schemann. „Mein persönlicher Wunsch ist, dass diese Klaviernacht eine Institution werden soll“, sagt Schmitt. „Drei Pianisten zu erleben, die in ihrer eigenen Persönlichkeit diese Werke interpretieren, ist immer wieder ein Erlebnis.“

Auch auf das Notos Quartett freut sich Schmitt sehr. Das Kammerensemble interpretiert am Sonntag, 27. September, in der Jakobikirche Werke von Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms. „Das ist im Moment das am höchsten preisdotierte deutsche Streichquartett überhaupt. Es ist ein Geschenk, dass dieses Quartett im Rahmen der Kammerkonzertreihe nach Lippstadt kommt.“ Wobei Schmitt mit Blick auf den Termin gleich hinzufügt: „Das ist früh, ich weiß. Man weiß nicht, ob das klappt.“

Mit einem englischen Programm kommt die Neue Philharmonie Westfalen am Freitag, 26. März, nach Lippstadt. „Dabei wird auch noch mal Ralph Vaughan William die Ehre erwiesen“, sagt Schmitt. Das im Ruhrgebiet ansässige Landesorchester hat nämlich die 2. Sinfonie („A London Symphony“) des Briten im Gepäck. Der Höhepunkt sei allerdings „das selten gespielte wunderschöne Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 von Edward Elgar“. Eingeleitet wird der Abend eher unbritisch, aber, wie Schmitt betont, musikalisch durchaus passend mit Gaetano Donizettis Ouvertüre zu seiner Oper „Roberto Devereux“.

Eine ganz andere Zielgruppe spricht ein Konzert an, auf das sich der Städtische Musikdirektor ebenfalls sehr freut. Nach längerer Pause ist die Neue Philharmonie Westfalen wieder mit dem Kinderkonzert „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew zu Gast. Und da ist die Bude immer rappelvoll, wie der Städtische Musikdirektor aus Erfahrung weiß. Geplant ist das Konzert für den 4. Mai. „Da können wir wirklich realistisch hoffen, dass es stattfindet. Und da freue ich mich jetzt schon drauf, dass das Theater voll sein wird und Kinder Kultur wieder live erleben können.“

Warten auf Politik

Burkhard A. Schmitt hofft, dass das Festkonzert zur Neueröffnung des Stadttheaters wie geplant stattfindet. Foto: Tuschen

Es soll ein fulminanter Neustart werden. Mit einem festlichen Chor- und Orchesterkonzert will der Städtische Musikverein am Samstag 29. August, das frisch sanierte Lippstädter Stadttheater eröffnen. Doch kann die Kooperationsveranstaltung mit der KWL überhaupt stattfinden? Der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt sieht die Chancen „bei fifty-fifty“.

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Im Moment sind wir alle Sokrates: Wir wissen, dass wir nichts wissen. Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen coronabedingt bundesweit verboten. Doch fallen Konzerte und Theaterabende im rund 800 Besucher fassenden Stadttheater überhaupt darunter?

Was genau unter Großveranstaltungen zu verstehen ist, befinde sich gerade „in der Länderabstimmung“, teilte gestern die Pressestelle der Landesregierung auf Patriot-Anfrage mit. Und natürlich ist auch noch völlig offen, wie es mit all den anderen Veranstaltungen weitergeht, die ja bis auf Weiteres ebenfalls untersagt sind.

Fulminantes Programm zur Neueröffnung

Niemand weiß, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Davon wird aber wohl maßgeblich abhängen, ob es weitere Lockerungen oder vielleicht sogar – bei einer von vielen befürchteten „zweiten Welle“ der Pandemie – eine Verschärfung der bisherigen Maßnahmen gibt.

In so einer zutiefst unsicheren Situation musste Burkhard A. Schmitt noch nie in eine neue Saison starten. Trotzdem versucht der künstlerische Leiter des Musikvereins, die Sache so optimistisch und pragmatisch wie möglich anzugehen. „Realistisch gesehen müssen wir uns in dieser Situation ein bisschen einrichten“, sagt er.

Für das große Festkonzert zur Wiedereröffnung des Stadttheaters nach zwei Jahren Sanierung soll – dem Anlass angemessen – ordentlich aufgefahren werden. „Im Eröffnungskonzert huldigen wir dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven, der fällt ja in diesem Jahr aufgrund der Krise auch ein bisschen hinten runter“, sagt Burkhard Schmitt. Denn vom 250. Geburtstag des genialen Tonsetzers spricht zu Corona-Zeiten niemand mehr. Das soll sich zumindest in Lippstadt ändern. „Er steht zentral im Programm mit seinem berühmtesten Klavierkonzert Nr. 5. – und das mit dem grandiosen Pianisten Matthias Kirschnereit, den man in Lippstadt kennt und auch sehr schätzt.“ Den Orchesterpart übernimmt die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, die an diesem Abend – wie die gesamte Veranstaltung – von Schmitt geleitet wird.

In Lippstadt ein alter Bekannter:
Matthias Kirschnereit

„Echo Klassik“-Preisträger Kirschnereit sei „nicht nur ein absoluter Pianisten-Star, sondern auch ein guter Freund“ schwärmt der Dirigent. Ebenso begeistert ist er von der Sopranistin Manuela Uhl, die „zwei wunderbare Arien“ singen wird, nämlich „Leise, leise, fromme Weise“ aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ und Antonin Dvoráks „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka”. Die Sängerin sei „ein Star der Deutschen Oper in Berlin“ und habe schon mit allen großen Dirigenten in Europa auf der Bühne gestanden“. Mit der „Freischütz“-Ouvertüre leitet das Orchester den Arien-Teil ein.

Der Konzertchor Lippstadt kommt schließlich bei Beethovens Chorfantasie op. 80 zum Einsatz. „Damit schließt sich der Kreis“, sagt Schmitt. Das Werk wird wegen der Ähnlichkeit der Hauptmelodie mit dem Schlusschor der „Ode an die Freude“ auch die „Kleine Neunte“ genannt. „Das ist ein fulminanter Abschluss des Eröffnungskonzerts. Die Kraft des Menschen in der Schöpfung findet hier ihren Widerhall. Von daher ein angemessenes Programm für so ein besonderes Konzert.“

Doch wie groß ist die Chance, dass dieses Konzert überhaupt stattfinden kann? „Ich gehe da mit einer grundsätzlich positiven Einstellung ran, die ich natürlich auch haben muss, und sehe die Chance im Moment noch bei fifty-fifty“, sagt der Dirigent. „Ich klammere mich ein bisschen an den kleinen Hoffnungsfaden, dass das Ende des Veranstaltungsverbots vielleicht doch um ein, zwei Wochen vorgezogen wird. Das ist vielleicht nicht ganz realistisch, aber optimistisch.“

Fest steht für Schmitt, dass es bei dem Konzert „nur ein Entweder-oder geben kann“ und keine Aufführung unter erschwerten Corona-Bedingungen. Denn bei einem großen Chor- und Orchesterkonzert lassen sich vor allem auf der Bühne strikte Abstandsregeln einfach nicht umsetzen. Und der Chor muss auch die Möglichkeit haben, vorher gemeinsam zu proben. „Das erschwert die Sache natürlich. Ohne ein frühzeitiges klares Go sind die Chancen sehr schlecht, dass das umzusetzen ist.“

Deshalb setzt Schmitt auf möglichst schnelle Vorgaben seitens der Politik. „Ich hoffe, dass wir Anfang Mai Klarheit haben, damit wir entscheiden können“, sagt der Städtische Musikdirektor. „Und dann müssen wir das auch entscheiden. Wir können Solisten, Chor und Orchester ja nicht erst vier Wochen vorher informieren. Das wäre unrealistisch.“

Entscheidung muss bis Mitte Juni fallen

Ein bisschen Luft ist aber noch. Spätestens „Anfang bis Mitte Juni“ müsse er endgültig Gewissheit haben, um das Konzert noch stattfinden zu lassen“, betont Schmitt. „Das wäre noch machbar. Das habe ich auch so mit dem Intendanten des Orchesters (Andreas Kuntze; Anm. d. A.) besprochen.“

Der Konzertchor Lippstadt trete ja nur bei der kleinen Chorfantasie gemeinsam mit dem Orchester und dem Pianisten auf. Bei den anderen Werken sei der Chor außen vor. „Das hat in dieser Situation natürlich Vorteile.“ Hinzu kommt, dass der Konzertchor die Chorfantasie bereits kennt, wurde sie doch bereits 2005 unter Schmitts Leitung im Stadttheater aufgeführt.

Die Sängerinnen und Sänger seien gut instruiert und probten das Werk bereits fleißig im Selbststudium ein, erklärt der musikalische Leiter. „Der Chor steht also in den Startlöchern, und dieses Werk ist auch sehr kurzfristig auf die Bühne zu bringen. Der Chor ist nicht nur musikalisch in der Lage, das zu leisten, sondern auch von seiner ganzen Disziplin und Grundeinstellung her. Da mache ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen. Und die übrigen Werke mit dem Orchester und den Solisten sind relativ schnell und einfach, zur Not zwei Tage vorher, gemeinsam zu proben.“

Stolz präsentiert Simplicissimus am Lippstädter Bürgerbrunnen den druckfrischen Flyer 2020/2021 des Städtischen Musikvereins Lippstadt e.V.

Foto:Duan Li

Lippstadt. Wenn es die Corona-Pandemie erlaubt, werden zu Freude der Verantwortlichen  die Chor- und Orchesterkonzerte nach mehr als zweijähriger Renovierungszeit wieder im Stadttheater Lippstadt auf die Bühne gebracht werden können.

In Zusammenarbeit mit der KWL soll am Samstag, den 29.08.2020 das „Festkonzert zur Wiedereröffnung des Stadttheaters Lippstadt“ stattfinden. An diesem Konzert wirken der Konzertchor Lippstadt, der Pianist Matthias Kirschnereit, die Sopranistin Manuela Uhl und die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford mit. Das Konzert steht unter der Leitung  des städtischen Musikdirektors Burkhard A. Schmitt.

Die kommenden Konzerte der ABO-Reihe O beinhalten zudem drei weitere Sinfonie-  sowie zwei große Chorkonzerte.

Die fünf Kammermusikkonzerte finden wie gewohnt in der vertrauten Atmosphäre der Jakobikirche statt. Ein Höhepunkt wird am Samstag, den 06.02.2021 die 3. Klaviernacht sein, in der eine Pianistin und zwei Pianisten das Programm gestalten.

Abonnementbuchung sind ab sofort möglich, der freie Verkauf für die Konzerte beginnt nach derzeitiger Planung am 21. Mai 2020.

Foto: Duan Li

Abonnenten und Wahlabonnenten bekommen den Konzert-Flyer 2020 / 2021 zugeschickt.

Der Konzert-Flyer ist in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus erhältlich, kann aber auch telefonisch (Tel.: 0 29 41 / 5 85 11) oder per Mail (post@kulturinfo-lippstadt.de) angefordert werden.

Und er steht zum Download auf der Homepage des Musikvereins www.musikverein-lippstadt.de und auf der Lippstädter Internetseite https://bit.ly/2V9RqCG zur Verfügung.

 

Hausaufgaben fürs Homeoffice

Dirigent Burkhard Schmitt verbreitet per Mail an die Chormitglieder Trost, Zuspruch und Optimismus, dass ein Teil der gesteckten Ziele noch erreicht werden kann. Foto: Heier

Lippstadt – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen ebenfalls den Städtischer Musikverein massiv. „Dennoch müssen Weichen gestellt werden für die Zeit danach“, lässt die stellvertretende Musikvereinsvorsitzende Beate Mainka in einem Schreiben an die Presse wissen.

„Die Zeit ist aus dem Takt, die Stille an den Aufführungsorten ohrenbetäubend, und das gemeinsame Singen und Proben wird von allen vermisst. Musik verbindet, das wird jetzt schmerzlich bewusst“, so Mainka.

Der Konzertchor habe sich schließlich einiges für die nächsten Monate auf die Fahnen geschrieben. Bereits verschoben seien die Aufführungen von Karl Jenkins „Mass for Peace“. Der Städtsiche Musikverein wollte dieses Projekt mit dem Udener Chor Kantoor anlässlich des 75. Jahrestags der Beendigung des Zweiten Weltkrieg im April in Uden und Lippstadt realisieren. „Noch am 9. März saßen bei der montäglichen Chorprobe 20 Schüler des Evangelischen Gymnasiums im Forum des Ostendorf-Gymnasiums, um den Konzertchor bei den Proben zu unterstützen. Eine Woche später ist der Traum geplatzt“, schreibt Mainka.

Keine Schule, keine Probe und vorerst kein Konzert. Nicht nur die Probenarbeit des Chors sei vom Coronavirus ausgehebelt, auch das Konzertprogramm werde ausgesetzt, die Konzerte am 22. März und 2. April seien auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wie gehen der musikalische Leiter Burkhard A. Schmitt und sein ehrenamtlicher fünfköpfiger Vorstand unter dem Vorsitz von Dr. Peter Knop damit um? „Das Programm für die nächste Konzertsaison steht, die Flyer werden gerade gedruckt, die Erwartungen an die erste Saison im frisch renovierten Stadttheater sind hoch“, versichert Mainka in ihrem Bericht für die Presse. Die Proben für das große und für den Chor anspruchsvolle Projekt Sea Symphony von Ralph Vaughn Williams mit vier geplanten Aufführungen müssten nun Corona-bedingt pausieren. Stattdessen gebe es nun für die Sänger „Hausaufgaben“.

Der Musikverein hofft, spätestens in der zweiten Jahreshälfte seinen Konzertbetrieb wieder aufnehmen zu können, teilt Mainka mit. Zeitlich sei das knapp, weil der Konzertchor die Stadttheatereröffnung Ende August mit Beethovens Chorfantasie musikalisch begleiten will.

Chormitglieder übernehmen Sesselpatenschaft im Stadttheater

Wer künftig das frisch renovierte Stadttheater Lippstadt besucht, der sitzt womöglich in dem Sessel des Musikvereins. Die Konzertchormitglieder haben fleißig gesammelt und für 400 Euro die Patenschaft für einen der neuen Sessel übernommen. Stolz überreichten unser erster Vorsitzender Dr. Peter Knop und seine Stellvertreterin Beate Mainka den Scheck an den Bürgermeister Dr. Sommer. Der rote Sessel wird mit einem Schild versehen, auf dem der Musikverein als Pate angeführt wird. Wir freuen uns schon auf Theatererlebnisse mit unserem Patensessel! Auch weitere Sessel warten noch auf Paten, falls auch Sie Interesse haben. Informationen finden Sie auf der Website der Stadt Lippstadt.

Sängerinnen feiern 10-Jähriges

Gleich drei Sängerinnen des Konzertchor Lippstadt konnte der Vorsitzende Dr. Peter Knop zur 10-jährigen Mitgliedschaft beglückwünschen und mit einem Blumenstrauß seinen Dank für das Engagement aussprechen.
(von links nach rechts: Dr. Peter Knop (Vorsitzender), Brigitte Hesse-Schmidt (Sopran), Maria Hobbie (Alt), Beate Mainka (Sopran)