Presseartikel 2008/2009

Aus „Der Patriot“ vom 14.05.2009
„Unglaublich hohes Niveau“

Heimische Musikschaffende können bei „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ mitwirken – zum Festakt kommt vermutlich der Bundespräsident

LIPPSTADT Die Ausrichtung der „Tage der Chor- und Orchestermusik“ sind so etwas wie das Sahnehäubchen anlässlich der Feier des 825-jährigen Bestehens der Stadt Lippstadt im kommenden Jahr. Zusammen mit der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO) will die Stadt die Veranstaltung am 13 und 14. März 2010, durchführen.Anlass ist der bundeszentrale Festakt zur Verleihung der ersten Zelter- und Pro-Musica-Plaketten des Jahres, der diesmal in Lippstadt stattfindet. Dabei zeichnet in der Regel der Bundespräsident persönlich die geehrten Chöre und Orchester aus. So darf auch Lippstadt darauf hoffen, dass das Staatsoberhaupt beim großen Festakt am Sonntag, 14. März, anwesend sein wird.
Über das Konzept der „Tage der Chor- und Orchestermusik“ und die mögliche Einbindung heimischer Chöre und Orchester konnten sich die Lippstädter Vereine und Institutionen am Dienstag im Rathaussaal informieren. Bei dem Gespräch mit dabei waren Bürgermeister Christof Sommer, KWL-Chefin Carmen Harms, Musikschulleiter Wolfgang Streblow, Evelyn Adam vom Städtischen Musikverein sowie Sabrina Fütterer, Fritz Hörter und Erik Hörenberg von der BDO.
„Es ist die erste Gesprächsrunde zu dem, was wir im nächsten Jahr vorhaben“, erklärte Bürgermeister Sommer und betonte, dass die „Tage der Chor- und Orchestermusik“ keine geschlossene Veranstaltung im Stadttheater werden sollen.
Aus fünf Bausteinen werde sich das Event zusammensetzen, erklärte Projektkoordinatorin Sabrina Fütterer. Den Auftakt mache die „Lippstädter Ouvertüre“, die schon eine Woche vor den „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ an den Start gehen könne und an der sich heimische Chöre und Orchester beteiligen sollen.
Die eigentlichen Veranstaltungstage werden am Samstagnachmittag, 13. März, mit einem ökumenischen Festgottesdienst eingeleitet. Daran schließen sich das Festkonzert und die „Nacht der Musik“ an. Der große Festakt ist für Sonntagvormittag, 14. März, im Stadttheater geplant. „Wir wollen zeigen, dass die Laienmusik eine unglaublich hohes musikalisches Niveau hat, und wir wollen gleichzeitig der großen Bandbreite von der Kammermusik über Jazz bis zur Volksmusik Raum geben, um sich vorzustellen“, fasste es BDO-Geschäftsführer Hörenberg zusammen.
Nun müssen sich die heimischen Musiker Gedanken darüber machen, wie sie sich in die Veranstaltung einbinden wollen. Bis zum 20. Juni haben die Chöre und Orchester aus Lippstadt und Umgebung Zeit, ihr Interesse anzumelden und erste Ideen vorzustellen.

Aus „Der Patriot“ vom 29.04.2009:
Rhythmisch pointiert

Tecchler-Trio spielt Kammerkonzert in der Jakobikirche. Jung-Musiker überzeugen durch abgestimmtes Zusammenspiel

LIPPSTADT Eigentlich ist es ja gar nicht schlecht, wenn man ab und an auf seine Vorurteilsbesetztheit aufmerksam gemacht wird. Denn das ein so junges Ensemble wie das Tecchler-Trio, das sich im letzten Kammerkonzert des Lippstädter Musikvereins in der Jakobikirche vorstellte, mit Wohlwollen würde betrachtet werden müssen, das wusste man. Zugestanden in großer Milde auch noch die Entwicklungsmöglichkeit einer so heiklen instrumentalen Verbindung.Und dann: Esther Hoppe (Violine), Maximilian Hornung (Violoncello), Benjamin Engeli (Klavier) mit einem Programm, das technisch und daraus entwickelt interpretatorisch die höchsten Anforderungen stellte. Mit welcher Souveränität, überzeugender Selbstverständlichkeit wurde da musiziert, bei aller Jugend mit einer Abgeklärtheit, die nicht an die Überlegenheit eines Beaux Arts-Trios heranreichen kann, auch nicht sollte, wohl aber ein hochkonzentriertes, klangsensibles Musizieren bot.
Lag es an meinem Hörerplatz – die Jakobikirche ist akustisch so einfach ja nicht – oder versank das Tecchler-Trio in Josef Suks Des-Dur-Elegie op. 23 doch zu sehr in etwas aufgesetzter klanglicher Weichheit, temperamentvoll fast nur durch das etwas zu laute Klavier vorwärts getrieben, zu verhalten die Violine, wundervoll klangintensiv das Violoncello.
Der Spieleinsatz von Esther Hoppe stellenweise bis an die Grenze der Selbstverleugnung gebracht, störte auch ein wenig die Strukturabläufe des herrlichen d-Moll-Trios op. 49 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dieses Meisterwerkes der Kammermusikliteratur. Da fanden dann die großen Cantilenen des prachtvollen Cellos nicht so rechte Fortführung. Aber der Gesamteindruck dieses Werkes war geprägt von höchster Sensibilität, klanglicher Intensität und absolut liebevoll abgestimmtem Zusammenspiel.
Höchste Virtuosität und musikalischer Überschwang dann in Sergej Rachmaninows Trio
élégiaque, seinem wohl bedeutendsten Kammermusikwerk. Und plötzlich setzt sich hier die Geigerin bei aller Sensibilität mit Kraft sogar gegen den Klaviersatz durch, was bei diesem Komponisten nicht so selbstverständlich ist.
Drei völlig eigenständige Interpretenpersönlichkeiten fanden hier zu einer im Rhythmischen pointierten, im Klanglichen prachtvoll übereinstimmenden Interpretation. Ein packender Abend also mit dem Tecchler-Trio. AK

Aus „Der Patriot“ vom 27.03.2009:
Singen wie die Großen

Der Musikverein führt die „Carmina Burana“ auf dem Rathausplatz auf.Mit dabei sind auch Schüler der Edith-Stein- und der Graf-Bernhard-Schule

Das nächste Projekt des Städtischen Musikvereins ist gleich in doppelter Hinsicht ungewöhnlich: Am 27. Juni führt der Konzertchor Lippstadt Carl Orffs „Carmina Burana“ auf – doch nicht im Stadttheater, sondern open air auf dem Rathausplatz. Und das ist nicht die einzige Besonderheit. Neben den erwachsenen Sängern sind diesmal auch Schülerinnen und Schüler der Edith-Stein- und der Graf-Bernhard-Realschule mit dabei.Für das Projekt hat der Musikverein in Zusammenarbeit mit der Stadt Lippstadt gezielt Schulen ausgewählt, die weder einen Schulchor in der Mittelstufe noch eine Bläserklasse haben. 22 Kinder der Jahrgangsstufen 5 bis 7 waren bei der ersten Probe dabei, bei der zweiten sind es schon rund 30. „Das ist eine wirkliche hohe Zahl, von der ich nie zu träumen gewagt hätte“, sagt Chorleiter Burkhard A. Schmitt. Die Mädchen sind, wie nicht anders zu erwarten, in der Überzahl. Aber auch einige Jungen sind dabei.
Bis Ende April proben die Schüler einmal wöchentlich in der Edith-Stein-Schule. Danach wird es für die jungen Sänger spannend. Dann nämlich dürfen sie gemeinsam mit den „Großen“ im Forum des Ostendorf-Gymnasiums singen. Einige Mitglieder des Konzertchors haben sich aber auch schon bereit erklärt, vorher in die Schule zu kommen, um den Nachwuchs beim „Laufen lernen“ zu unterstützen. Bei den Schülern sei diese Idee auf regelrechte Begeisterung gestoßen, berichtet Schmitt. „Das fanden die richtig gut.“
Bis dahin müsse die jungen Sänger aber erstmal ein paar Grundlagen erarbeiten. Am Anfang der zweiten Probe stehen Stimmübungen auf dem Programm. „Damit wir lernen, aufeinander zu hören“, erklärt Schmitt. Die Kids machen gut mit, aber ein paar Albereien gehören einfach dazu. „Es wäre schön, wenn ihr nicht absichtlich falsch singt“, sagt der Chorleiter mit milder Strenge. „Ich höre immer noch viele falsche Töne.“ Die Schüler reißen sich am Riemen, und Schmitt geizt nicht mit Lob: „Toll, es wird immer besser!“
Nach dem kleinen Warm-up geht es gleich mit der „Carmina Burana“ weiter. „Der Text ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig“, räumt Burkhard Schmitt ein. „Ich mache das mal vor.“
Dann sind die Schüler dran. Für den Anfang klingt das Ergebnis schon ganz gut. „Die Töne sind nicht das Schwierige“, verrät Schmitt. „Ihr müsst versuchen, besser zu sprechen, damit man die Sprache besser versteht. Kommt, lass es uns noch einmal versuchen!“
LIPPSTADT bal

Aus „Der Patriot“ vom 24.02.2009
Charme und Poesie

Im Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen begeisterte insbesondere der vorzügliche Pianist Matthias Kirschnereit

LIPPSTADT Das gelingt ja nicht oft, dass sich eine Geburtstagsfeier zum Geschenk an die Gäste ausweitet. Burkhard A. Schmitt, musikalischer Leiter des Städtischen Musikvereins und des jüngsten Sinfoniekonzertes, hatte ein solches Glück. Und das Orchester, die Neue Philharmonie Westfalen, feierte ebenso mit wie das enthusiasmierte Publikum. Wenn man dann noch einen so vorzüglichen Stargast hat wie den Pianisten Matthias Kirschnereit, darf sich Schmitt durchaus auch selbst seines Geburtstages erfreuen.Dabei hatte das Konzert durchaus nicht mit jugendlicher Geburtstagsfeierlichkeit begonnen, dafür war Felix Mendelssohn Bartholdys „Hebriden“-Ouvertüre op. 26 leider zu erdenschwer, ohne das Geheimnis überlegt angesetzter Übergänge, die Bläser zu wenig in den Gesamtklang eingebettet, etwas buchstabiert klingend. Das Orchester wirkte dabei auch noch ein wenig unengagiert.
Aber dies alles änderte sich schlagartig bei Edvard Griegs a-Moll-Klavierkonzert. Da konnte Schmitt dem Orchester klangliche Elastizität, dynamisch vorbereitete Entwicklung abgewinnen, ließ sich die in Einzelbilder aufgelöste Kleinteiligkeit zusammenfügen.
Und dann war da Matthias Kirschnereit, dieser mitreißende Pianist, der dem Werk Poesie und Charme, Humor im rhythmischen Schmiss, im langsamen Satz beinahe musikalische Zärtlichkeit verlieh, sich aber sehr wohl auch notwendige Robustheit gestattete und so auch etwa dem etwas aufgeblasenen Lärm des Schlusssatzes strukturelle Berechtigung gab. Pianistenkultur von allerhöchstem Grade, Matthias Kirschnereit hat sie demonstriert.
Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie ist ebenso populär – ist das jedenfalls im Laufe der Werkgeschichte geworden – wie höchst anspruchsvoll für die Interpreten. Sie ist nicht von Bedeutungsschwere belastet wie etwa die 3. oder 5. Sinfonie. Aber die Beethoven´sche Leichtigkeit, seinen Humor zu treffen in dieser die herkömmlichen Regeln sprengenden Sinfonie, die ganz aus der Betonung des Rhythmischen lebt, ist immer ein Problem.
Burkhard Schmitt schien mit einem sehr langsamen, fast auf der Stelle tretenden Sinfonieeinstieg eine dunkle Seite des Werkes herausarbeiten zu wollen. Er tat das auch im zweiten Satz, immerhin doch ein Allegretto und kein Trauermarsch. Dabei hatte er aber den Gewinn, durch fast unmerkbare Tempozunahme die innere Spannung der Sätze zu fixieren und zu erhalten.
Fesselnde Tempi danach in Presto und Allegro, mitreißend das Finale, wenn am Schluss auch etwas lärmig. Verständlich aber wurde, dass der begeisterte Richard Wagner bei seinem letzten Venedig-Aufenthalt begleitet von Franz Liszt auf diesen Satz getanzt haben soll.
Tanzen konnte das Publikum nicht, aber es überschüttete mit heftigem und verdientem Beifall die klanglich souveräne Leistung des Orchesters und die Beethoven-Interpretation des Geburtstagsjünglings Burkhard A. Schmitt. AK

Aus „Der Patriot“ vom 12.02.2009:
Von ruppig bis lyrisch

Chorkonzert des Musikvereins würdigte 200. Geburtstag von Mendelssohn Bartholdy

LIPPSTADT Nun wird er also überall gefeiert, der 200. Geburtstag des musikalischen Wunderkindes Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Städtische Musikverein Lippstadt hat sich mit einem herkömmlichen, überlegten Programm unter die Gratulanten eingereiht.Kann man die aufgeführten Werke, Auszüge aus seinem „Paulus“ und die Hymne „Hör mein Bitten“, seinem Spätwerk zuordnen, in Erwartung von Ergebnissen einer künstlerischen Konzentration des Kunstschaffens? Wohl kaum, selbst wenn man erstaunt vor der Fülle der praktischen Betätigungen des Komponisten steht, die seine kompositorischen Entwicklungen sehr wohl auszuhöhlen vermochten. Vielleicht hat aber auch sein Frühwerk zu hohe, kaum erfüllbare Erwartungen genährt.

Präzise Artikulation, blasse Moderation
Burkhard A. Schmitt hatte nun dankenswerterweise kein Mendelssohn-Highlight-Programm erstellt, hatte vielmehr eine moderierte Auszugsfassung aus dem Oratorium „Paulus“ zusammengeführt. Das muss zulässig sein, könnte aber etwas weniger Blässe in Moderation (Willi Hagemeier) und Texten vertragen.
Schmitt hatte alles auf äußerste Konzentration und präzise Artikulation angelegt, und der Chor machte mit sehr in sich ruhend ausgeglichenem Klang prachtvoll mit. Ruhe- und Höhepunkt waren jeweils die Choräle, und um das so zu empfinden, muss man keine Ergriffenheit durch den immer durchhörbaren Johann Sebastian Bach spüren.
Burkhard A. Schmitt hatte sich erst gar nicht auf die leidige Diskussion um die Einhaltung von Fermaten eingelassen, sondern wählte überzeugend den sich am Text orientierenden Mittelweg. Dabei konnte er sich auf eine insgesamt erfreulich breite Ausdrucksskala des Chores von ruppig bis lyrisch verlassen.

Solisten aus dem Chor rekrutiert
Beachtlich auch das Orchester, die Neue Philharmonie Westfalen, wobei sich die Bläser besonders auszeichneten. Schmitt begleitete besonders die Rezitative mit höchster Sensibilität, seinen Klangvorstellungen waren dazu die Streicher konzentriert dienlich. Dass Solisten aus dem Chor rekrutiert werden konnten, ist erfreulich (Isabell Markgraf-Seubert, Sopran; Susanne Stingl, Alt; Klaus Stuckenschneider, Tenor; Hans-Bernhard Bröker, Bass).
Die Auszüge aus Mendelssohn Bartholdys „Paulus“ ließen nur noch zwei große Partien zu. Marietta Zumbült (Sopran) war besonders in ihren lyrischen Aufschwüngen packend, der Bass Karsten Schröter von überzeugend dramatischen Vermögen.
Eine inhaltlich und musikalisch einleuchtende Hinzufügung an die „Paulus“-Auszüge war die Hymne „Hör mein Bitten“ nach Psalm 55, ein Gewinn für die Beschäftigung mit dem Jubilar besonders dann, wenn so engagiert musiziert wird wie in diesem Konzert, wodurch dann die romantischen Klangvorstellungen nicht allzu verbraucht erscheinen. Insgesamt also ein würdiges Geburtstagsgedenken. AK

Aus „Der Patriot“ vom 02.02.2009
Ohne Ablenkungsmanöver

6-Zylinder präsentieren sich als ein Quintett mit homogenem Sound. A cappella statt Acapulco: „Sagt nicht, dass es keine Musik ist!“

LIPPSTADT „So viele Menschen sagten zu uns, ihr macht doch so Acapulco. Gesang ohne Musik. Das Programm ist ein Kompromiss. Wir nennen es Acapulco, dafür sagt ihr nicht mehr, dass es keine Musik ist.“ Das 6-Zylinder-Urgestein Henrik Leidreiter brauchte am Freitagabend sein Publikum gar nicht erst einzunorden. Auf den ersten Blick mag der Satz eine Erklärung sein, denn bis auf den ersten Song „Mexico“ hat der bunte, ohne Instrumente begleitete Pop-Jazz-Mix aus Eigenkompositionen und arrangierten Coverversionen mit Acapulco nicht viel am Hut. Auf den zweiten Blick könnten Kenner der Szene den Satz auch als Anspielung auf eine der weltbesten A-cappella-Formationen, „real group“, verstehen, die einen Titel „A cappella in Acapulco“ nennen. In jedem Fall muss man bei den alten Hasen der im Jahre 1984 gegründeten Formation schon genau hinhören, denn zwischen den Zeilen versteckt sich nicht nur der Schalk, sondern immer auch ein wenig Ironie.Das Publikum am Freitag ist eines, das sich mit den 6-Zylindern, den Pionieren der deutschen A-cappella-Pop-Szene und dieser Musik auskennt. „Wo ist Tilo?“, ruft gleich einer Richtung Bühne. Dort ist statt Sextett nämlich ein Quintett zu sehen.
In derart langlebigen Ensembles sind wechselnde Besetzungen eine Frage der Zeit. Seit September 2008 also gehört Countertenor Tilo Beckmann nicht mehr dazu. Zu den Urgesteinen, Schlagzeugimitator („Boxbeater“) Henrik Leidreiter, Thomas Michaelis und Joss Gerritschen haben sich Matthias Ortmann und Wiedereinsteiger Winne Voget dazugesellt. „Es bleibt alles anders“, schreiben sie auf ihrer Homepage.
Das Klangbild hat sich jetzt sicherlich ein wenig verändert. Ohne die hohe, prägende Falsettstimme ist der Sound nun homogener. Bedenkt man die kurze Zeit seit der Umbesetzung, erstaunt es, wie gut die fünf aufeinander abgestimmt sind. Musikalisch sind sie top, ihre Klangfülle ersetzt ein ganzes Orchester. Lässig übernimmt Ortmann Soloparts und auch bei Voget meint man, er sei nie weg gewesen. Oberwitzig: Michaelis in seinen Paraderollen als Kartoffelbauer und „Stiller Zecher“, dem besoffensten Tiroler auf Erden. Gerritschen ist der sanfte Solotenor.
Der Auftritt bleibt jedoch in einer Hinsicht ein wenig „blass“. Die 6-Zylinder verzichten auf die früher übliche Kostümierung und erscheinen im lässigen Jeans-Aufzug. In Club-Atmosphäre würde das sicherlich nicht groß ins Gewicht fallen, auf der großen Bühne hingegen ist die Erwartungshaltung nach etwas außergewöhnlicher Optik immer etwas größer. Hier aber soll die Musik im Mittelpunkt stehen, ohne große Ablenkungsmanöver.
Doch ist ja nicht alles nur Gesang. Die Fünf tänzeln auf der Bühne umher und bieten eine kleine „Stomp“-Show mit Klappstuhl und Harke, mit denen sie dem Rhythmus noch weitere Klanglaute entlocken als der eigenen Mundperkussion. Die Zuschauer machen locker mit und kassieren als „hell(a)waches“ Publikum ein fettes Lob. Der letzte Titel ist einer der schönsten: Leo Sayers „When I need You“, in engsten Harmonien gehalten und butterweich in reinster Polyphonie gesungen. Ein echter Schmachtfetzen. Sehr wirkungsvoll – auch ganz ohne Show. rio

Aus „Der Patriot“ vom 21.01.2009
Nicht flexibel genug

Trotz einer gelungenen Uraufführung konnte das Konzert der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg nicht durchweg überzeugen

LIPPSTADT Da darf sich der Städtische Musikverein Lippstadt durchaus gewürdigt fühlen. Der in Italien hochangesehene Komponist, der 40-jährige Marco Taralli, hat ihm mit seiner „Hommage à Mendelssohn“ ein Werk für Kammerorchester gewidmet. Und dieses Stück, handwerklich einleuchtend und überzeugend gearbeitet, klanglich eher am 19. Jahrhundert zugehörig, von großer dynamischer Breite durch Zitate strukturiert, von denen besonders Johann Sebastian Bach durchscheint, wurde im Sinfoniekonzert der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg in Lippstadt uraufgeführt.Zugleich war man damit in einem Geburtstagsprogramm mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Joseph Haydn, die beide nicht mit sonderlich inspirierten Kompositionen vertreten waren. Mendelssohns 12. Streichersinfonie g-Moll am Beginn ist kompositorisch gekonnte Arbeit, wurde im Andante auch atmosphärisch dicht gespielt, litt aber unter verwaschener Präzision und fehlendem straffen Zugriff, den Federico Longo, der musikalische Leiter des Abends, der Kammerphilharmonie nicht immer aufzwingen konnte.
Es ist nicht nur subjektiv bestimmt, aber auch, wenn einen Musik langweilt. Das Klavierkonzert G-Dur von Joseph Haydn hat mich gelangweilt. Es ist zwar kein mitreißendes Stück, aber es wurde auch zu wenig spannungsvoll musiziert. Alles klang nicht flexibel genug. Auch die hochgepriesene Solistin Ana-Marija Markovina (Klavier), technisch makellos, konnte dem Werk kaum musikantischen Atem einhauchen, dafür verweigerte sie zu stark die nur angedeutete differenzierte Anschlagskultur. So bleibt von der Interpretation dieses Klavierkonzertes die Oboe des Orchesters mit ihrem lebensvollen Ton in Erinnerung.
Was die Pianistin über technische Perfektion hinaus zu leisten vermag, das bewies sie in ihren ebenso temperamentvollen wie klangsinnigen Zugaben. Da steigerte sich zu Recht der Beifallspegel. Zu einer wirklich überzeugenden klanglichen Leistung brachte Federico Longo die Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg schließlich mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 44 e-Moll.
Da wurde mit Intensität und dynamischer Überlegenheit musiziert, konnten auch die Geigen der dritten Pulte engagiert mit einbezogen werden, wurde der jeweilige innere Spannungsbogen der einzelnen Sätze überlegt ausgespielt, besonders im prachtvoll gestalteten Adagio. Damit setzte Federico Longo einen begeisterten Schlusspunkt, und das Publikum honorierte ihn. AK

Aus „Der Patriot“ vom 12.01.2009:
Versunkene Schätze

Christiane Hagedorn und ihre Band Lolou versprühen Jazz-Klänge. Scheues Publikum wagte den Zwischenapplaus nicht

LIPPSTADT Einen lang versunkenen Schatz bargen die Sängerin Christiane Hagedorn und ihre Band Lolou am Freitagabend in der Jakobikirche. Superseichte Jazzballaden aus der Feder von Kurt Weill – musikalischer Vertreter der Gesellschaftssatiriker des frühen 20. Jahrhunderts aber auch Komponist solcher Stücke, wie sie von Miles Davis und John Coltrane übernommen wurden – sind eher unbekannt.Rund 200 Zuhörer, darunter Insider als auch Fans der leichteren Jazz-Muse, folgten der Einladung des Gemeinschaftsprojekts von Jazzclub und Musikverein. Christiane Hagedorn und ihre Band Lolou verleihen in ihrem ungewöhnlichen wie außergewöhnlichen Programm „Weillness“ den Weill´schen Kompositionen fernab der Dreigroschenoper ein modernes, ein der neuen Generationen angepasstes Gewand.
Von ausgezeichneten Musikern umgesetzt ist das mit Überraschungen gespickte Programm durch seine zum Teil experimentelle Interpretation auch ein wenig speziell. Hinter dem Gesicht mit den rehbraunen Augen verbirgt sich eine Sängerin, die der Liebesgeschichte der lasziven und extrovertierten Jenny Konturen verleiht. Hagedorns chamäleonartige Stimme über vier Oktaven reicht vom Sprechgesang bis hin zur schillernden Sirene.
Ihre leidenschaftlichen Mitstreiter präsentieren sich als mitreißende Band, die die vielfältigen Klangfacetten des Jazz beherrscht und sich dabei zu neuen Ufern aufmacht. Martin Scholz (Piano), Robert Kretzschmar (Sax) und Alexander Morsey (Kontrabass) warten u.a. mit einer überraschenden Instrumentierung auf, kramen Clarinova und Tuba hervor.
Schade nur, dass dieser so lebendigen Band ein scheues Publikum gegenübersaß, das den Zwischenapplaus nicht wagte. Sicher, hier lief man keine Gefahr, dass das Programm in einer Musikbar versacken könnte. Abgesehen von der schlechten Akustik an den Seiten aber schien es, als ob das kirchliche Ambiente die Zuhörer einschüchterte. Vielleicht muss sich das Publikum einfach daran gewöhnen, dass die Kirche Kulturraum unterschiedlicher Genres sein kann, die Emotionen erlauben. rio

Aus „Der Patriot“ vom 09.12.2008
Ohne Überzuckerung

Der literarisch-musikalische Abend „Weihnachten mit Friedrich von Thun“ erwies sich als gelungene Einstimmung auf die Festtage

LIPPSTADT Es ist schon eine komische Sache, dass ausgerechnet die Zeit, die angeblich der Besinnung gewidmet ist, für viele die mit Abstand stressigste des ganzen Jahres ist. Umso dankbarer ist man, wenn man wirklich mal die Gelegenheit erhält, für zwei Stunden durchzuatmen und in sich zu gehen. Der vom Städtischen Musikverein angebotene literarisch-musikalische Abend „Weihnachten mit Friedrich von Thun“ im Lippstädter Stadttheater erwies sich am Sonntag als so ein Glücksfall.Der österreichische Schauspieler ist nicht allein. Mit ihm sind die Sinfonia Varsovia und die wunderbaren jungen Solistinnen Koari Fujii (Querflöte) und Mirjam Schröder (Harfe) nach Lippstadt gekommen. Zusammen präsentieren sie ein Programm, dass erfreulich frei ist von vorweihnachtlicher Überzuckerung und Sentimentalität. Das wird schon beim Eröffnungsstück deutlich, dem energiegeladenen, fast schon treibenden dritten Satz aus dem Konzert für Flöte und Orchester Nr. 1 in d-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach.
Und dann betritt Friedrich von Thun die Bühne. Der populäre österreichische Schauspieler besitzt auch auf der Bühne eine unglaubliche Präsenz. Wie es sich für den perfekten Gentleman des deutschen Fernsehens gehört, lobt er erstmal die hübsch dekorierte Innenstadt und den Weihnachtsmarkt, und dann legt er los.
Für den Leseabend hat Friedrich von Thun einige seiner liebsten Weihnachtsgeschichte- und -gedichte mitgebracht. Das angekündigte Lukas-Evangelium fehlt zwar, aber dafür gibt es unter anderem Texte von Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Ludwig Thoma, Alfred Polgar und Jean Anouilh.
Es sind überwiegend nachdenkliche Texte, die immer wieder die Verlassenen und Vergessenen in den Mittelpunkt rücken. „Es ist eine G’schicht‘ für die Armen, kein Reicher war nicht dabei“, heißt es schließlich schon in dem Gedicht „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma.
Es gibt sehr bittere Geschichten wie die „Bescherung“ von Alfred Polgar, aber auch das nette Schmunzelstück „Pelle zieht aus“ von Astrid Lindgren. Große Überraschungen, unerwartete Perspektiven auf Weihnachten gibt es nicht. Aber das erwartet bei so einem Abend ja auch niemand.
Friedrich von Thun verzichtet auf alle Einleitungen oder Kommentare, und doch hat man nie den Eindruck, dass da jemand routiniert sein Programm abspult. Das verhindert schon diese warme, freundliche Stimme, die sich sanft in die Gehörgänge schmeichelt.
Umrahmt ist das ganze von feinster Musik, viel Barock – von Henry Purcell und Antonio Vivaldi bis zu Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach, aber auch Ravel und Massenet. Und selbst das Weihnachtslied „Still, still, still“ – in einer wunderbaren Fassung für Flöte, Harfe und Kammerorchester – fügt sich da nahtlos ein, ohne das Ganze ins Kitschige abgleiten zu lassen.
Ein gelungener Abend. Nur bei dem Versuch, das Stadttheater vorweihnachtlich aufzuhübschen, haben es die Veranstalter vielleicht etwas übertrieben (diese Bauernstuben-Fototapete ist wirklich scheußlich). Aber man will sich nicht beschweren. Ein bisschen zu viel von allem gehört zu Weihnachten ja irgendwie dazu. bal

Aus „Der Patriot“ vom 25.11.2008
Aus größter Stille entwickelt

Das Daedalus Quartet verband in seinen differenzierten Interpretationen Witz und Tiefe

LIPPSTADT Es ist erst wenige Jahrzehnte her, da konnte man, nicht ohne bescheidenen Stolz behaupten, alle führenden Streichquartette der Welt mindestens einmal erlebt zu haben. Und heute? Es gibt eine Fülle von höchstqualifizierten Quartetten, die sowohl technisch als auch interpretatorisch diese wohl schönste, sensibelste und auch schwierigste Instrumentalvereinigung selbst für Komponisten der Gegenwart attraktiv gemacht haben. Nach Gründen dafür könnten vielleicht die Psychologen fragen.
Ein Streichquartett solch höchster Interpretationsfähigkeit war mit dem New Yorker Daedalus Quartet beim Kammerkonzert des Lippstädter Musikvereins in der Jakobikirche zu Gast. Erstes Merkmal dieser Vereinigung: Äußerste klangliche Disziplin, immer aus größter Stille entwickelt, deren Verfeinerung manchmal kaum über das störende Heizungsgebläse des Kontertraumes hinweg kam. Und das schon in dem wohl bedeutendsten Streichquartett von Joseph Haydn, dem Lobkowitz-Quartett op. 77 Nr. 2, das ohne Erdenschwere klanglich in sich selbst kreiste.
Differenzierung, als zweites Merkmal des Daedalus Quartet, bis in die feinsten kompositorischen Verästelungen hinein, auf einem wundervoll ausgewogen klingenden Instrumentarium. Und dies konnte die meditative Stimmung des dritten Satzes in den drei Stücken von Igor Strawinsky, die immer wieder die geistvolle kompositorische Wandlungsfähigkeit dieses Komponisten zeigen, ebenso überzeugend erfassen wie die oft abrupten Farbwechsel des Streichquartetts Nr. 3 von David Horne.
Diese beiden verhalten modernen, mit durchaus klangraffinierten Partien ausgestatteten Werke ins Zentrum des Programms gerückt zu haben, zeigt ein intelligentes Verantwortungsgefühl gegenüber musikalischen Entwicklungen unserer Zeit, verbunden mit Ausprobieren instrumentaler Möglichkeiten, eine Kombination von Witz und Tiefe.
Das diesen Künstlern die „Voces intimae“ von Jean Sibelius bewundernswert gelingen würden, das war nach dem ersten Programmteil zu erwarten. Das dieses Werk mit einer bei aller Sensibilität klanglichen Kraft, mit einem Aushorchen feinster Nuancen erfüllt werden könnte, blieb dennoch ein kleines Wunder.
Müßig festzustellen, dass souveräne Technik bei den Musikanten selbstverständliche Voraussetzung ihres packenden Musizierens war, ebenso das in keinem Moment nachlassende Engagement. Nichts erscheint ihnen leichtgewichtig, und das wird nicht erst in der gewitzten, jazzigen Zugabe deutlich.
Das Daedalus Quartet mit Kyu-Yong Kim und Min-Joung Kim , die uneitel auch noch ihre Position als 1. und 2. Violine wechselten, Jessica Thomson (Viola) und Raman Ramakrishnan (Cello) haben einen musikalischen lange nachwirkenden Konzertabend beschert. Und wann kann man das heute in dem Ausgeliefertsein an ständige Musikberieselung schon sagen? AK

Aus „Der Patriot“ vom 04.11.2008
Eindrucksvolle Klanggemälde

Der Städtische Musikverein Lippstadt bot unter dem Motto „Beethoven trifft Bernstein“ einen ungewöhnlichen Konzertabend

LIPPSTADT „Beethoven trifft Bernstein“ – dieses Motto machte neugierig. In der Tat lebte das erste Chor- und Orchesterkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt in der neuen Saison vom Kontrast. Umrahmt von Ludwig van Beethoven stand Leonard Bernsteins 1965 in Connecticut (USA) entstandenes Kompositionsexperiment „Chichester Psalms“ – ein Auftragswerk für das alljährliche Festival im südenglischen Chichester im Mittelpunkt.Diese dreiteilige Suite für gemischten Chor, Knabenstimme und Orchester birgt in der Tat reichlich musikalischen Zündstoff in seiner gerade mal knapp 20-minütigen Gesamtlänge. Charakteristische Gestaltungsmerkmale im gesamten Stück sind irreguläre Taktarten (z.B. 10/4, 7/4) und markante Echoeffekte zwischen den Chorstimmen.
Eine immense Herausforderung für den Konzertchor des Städtischen Musikvereins, der durch den Konzertchor Wirges verstärkt wurde. Hinzu kam ein intensives Büffeln der hebräischen Sprache – kein leichtes Unterfangen für die Sänger. Das spürbar intensive Werkstudium hat sich indes bezahlt gemacht.
Auch die Bochumer Symphoniker meisterten mit geschmeidigem Orchestersound manch tückische Hürden der Partitur. So konnte in einer souverän herausgearbeiteten Soundkombination ein höchst eindrucksvolles Klanggemälde entstehen, das mal mit mächtiger Klangfülle, mal mit elegischen Episoden verschiedene Stilelemente geschickt miteinander verband.
Das für das Gesamtwerk prägende fünftönige Kopfmotiv im einleitenden Jubelpsalm im Charakter eines heiteren Liedes oder Tanzes explodierte ekstatisch im Mittelteil, bevor im zweiten Teil in zart melodiöser Klangpoesie der hohen Stimmen, von den Harfen intoniert, wieder Ruhe einkehrte. Doch auch diese wurde jäh unterbrochen von den rhythmisch vorpreschenden Männerstimmen („Warum toben die Heiden?“), doch die sanfte Melodik setzte sich durch.
Zum gesanglichen Höhepunkt avancierte hier der Countertenor des belgischen Altus-Solisten Patrick van Goethem mit herrlichen knabenhaften Stimmlagen. Im dritten Satz erklang das Anfangsmotiv diesmal in reichlich dissonanter Form.
Eher bruchstückhaft setzte sich, begonnen von den Männerstimmen, noch einmal zarte Chorklangidylle des zweiten Satzes durch. Der besinnlich fließende Chorgesang, teils a cappella gesungen, mündete schließlich in das beeindruckende Friedensgebet des Schlusschors.
Mit der Egmont-Ouvertüre f-Moll öffneten die Bochumer Symphoniker in großer Besetzung den Beethoven-Rahmen und präsentierten in bester Spiellaune ihre musikalische Visitenkarte.
Mit dem lateinischen Messgesang in Beethovens C-Dur-Messe betraten die Chorsänger wieder bekanntere Pfade: Die zunächst noch ruhige Andante-Gangart im Kyrie mündete mit einem überaus lebhaft gestalteten Allegro con brio in das mächtige Gloria. Dankbare Interpretationsaufgaben für den Chor bot das breit angelegte Credo mit seinen wechselnden Tempodosierungen. Die Allegro-Ecksätze rahmten einen zarten Adagio-Mittelteil. Das Sanctus-Adagio des A-cappella-Chores sorgte zunächst für eine Beruhigung, ehe in einem spannungsgeladenen Klangbogen der Chor im eruptiven Allegro losbrach („Pleni sund coeli“). Die kompositorisch eigenwillig, nahezu instrumentale Behandlung der Singstimmen kam hier gut zur Geltung.
Auch das Solistenquartett mit Estelle Krüger (Sopran), Annette Küttenbaum (Alt), Anton Saris (Tenor) und Karsten Schröter (Bass) wusste sich der musikalischen Aussage adäquat anzupassen (Höhepunkt: Die innige, zartfühlende Benedictus-Klangelegie). Die gewaltigen Schlussakkorde des Ensembles („Dona nobis pacem“) mündeten in einen spürbar herzlichen Applaus.
Der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt war als Spiritus Rector am Pult sichtlich zufrieden. Das Publikum auch.LB

Aus „Der Patriot“ vom 31.10.2009
Kühner Zeitsprung

Celloherbst 2008: Ensemble Westfalen mit den Solisten Felicitas Stephan und Professor Matias de Oliveira Pinto beeindruckt mit Konzert in der Jakobikirche

LIPPSTADT Klangvoller Celloherbst zum Herbstwochen-Ausklang in der ehrwürdigen Kulisse der Jacobikirche: Das eigens für das Hellweg-Konzertfestival zusammengestellte Kammerorchester Westfalen war mit einem guten Dutzend junger engagierter Absolventen und Studenten der Musikhochschule Münster nach Lippstadt gekommen. Im solistischen Vordergrund standen die Celli, virtuos intoniert von den künstlerischen Leitern des Konzertzyklus Felicitas Stephan und Professor Matias de Oliveira Pinto.Gespannt war man auf die Gegenüberstellung der stilistisch völlig gegensätzlichen Violoncello-Doppelkonzerte von Antonio Vivaldi und Jaime Zenamon. Zauberhafte Streicheridylle des italienischen Barock entwickelte sich bei Vivaldis „G-Moll-Concerto“ mit den bewegten Allegro-Ecksätzen, die das höchst feinsinnige Largo-Thema des Cello-Duos umrahmte. Hier konnten die beiden Solisten in feinster Cantabile-Gangart eine eindrucksvolle Palette zartfühlender Stimmungen abrufen und ihre Instrumente „singen“ lassen. Quasi als barocke Zugabe interpretierte das Ensemble noch Vivaldis kurzes G-Dur-Concerto „Alla rustica“ mit einem nachdenklichen Adagio und freudig bewegten Presto- und Allegro-Rahmenmotiven.

Rhythmus-Kapriolen im Schlusssatz
Dann der kühne Zeitsprung von rund 300 Jahren: Eigens für den Hellweg-Celloherbst 2008 komponierte der 1953 in Bolivien geborene Dirigent und Konzertgitarrist quasi als „Composer in Residence“ sein Violoncello-Doppelkonzert „Angra“, das nur zwei Tage nach seiner Uraufführung in der Kirche Holzwickede auch im Lippstädter Zyklusbeitrag vorgestellt wurde. Dieses für Solisten und Ensemble gleichermaßen dankbare Auftragswerk vereinte in einem durchaus homogenen Klangfundament eine Vielzahl kompositorisch interessanter Facetten, angefangen vom noch recht harmlos wirkenden Tranquilo-Beginn bis hin zu den lebhafteren Rhythmus-Kapriolen im Schlusssatz mit Pizzicato- und Tremolo-Effekten, Unisonogängen der Streicher, Walzer-Rhythmen und ergänzendem „Drive“ durch das Background-Vibraphon.
Am interessantesten gestaltete sich in teils schwelender Dramatik der solistische Mittelsatz mit diversen Tonspielereien und durchaus hörbaren Klangexperimenten der beiden Cellosolisten Felicitas Stephan und Matias de Oliveria Pinto.
Für die Blumen und den überwältigenden Applaus bedankten sich die Solisten mit einer bekannten Filmmelodie aus „Orfeo Negro“ als Zugabe. Passend zum Länderschwerpunkt Südamerika wurde der Abend von Astor Piazollas „Vier Jahreszeiten“ aus Buenos Aires abgerundet – zu Vivaldis bekanntem Zyklus ebenfalls ein reizvoller Kontrast: mit teils eigenwilliger Rhythmik und ausgereifter Sommer-Melodik, langsam verblassender Fröhlichkeit und schwermütigen Herbst-Elementen, ruhig-verhaltener Winterlandschaft im Wechsel mit harschen Akkorden. Bis dann in kraftvoller, melodiöser Steigerung das musikalische Frühlingserwachen programmatisch dargestellt wurde.
Am elektrischen Klavier sorgte die Koreanerin Sara Kim als herausragendes Energiebündel für Tempo. Das Publikum bekundete nach dem Konzert schließlich seine Begeisterung mit Standing Ovations. LB

Aus „Der Patriot“ vom 23.09.2008:
Jazziges Unterfutter

Das Alliage Quintett eröffnete die Kammermusikreihe des Musikvereins mit mitreißenden und oft witzigen Bearbeitungen barocker Werke

LIPPSTADT Es ist ja in der Musikgeschichte nicht ungewöhnlich, dass Komponisten Bearbeitungen vornehmen, eigener Kompositionen oder solcher von Kollegen. Darum war das Musizieren des Alliage Quintetts, vier Saxophonisten und eine Pianistin, zum Kammerkonzert des Lippstädter Musikvereins in der Jakobikirche durchaus reizvoll mit all seiner Bearbeitung, und legitim sowieso.Aber ungewöhnlich war es doch, besonders in den Bearbeitungen von Antonio Vivaldis „Jahreszeiten“ von Jun Nagao. Denn die vier prachtvollen Saxophonisten – Daniel Gauthier (Sopran), Lutz Koppetsch (Alt), Koryun Asatyran (Tenor) und Sebastian Pottmeier (Bariton) – boten zusammen mit der Pianistin Jang Eun Bae eher Erinnerungen an das bekannte Werk. Das Original wurde nur in Fetzen durchscheinend, erschien stellenweise geradezu „improvisando“, bekam in dem unverkrampft hoch musikantischen Musizieren ein jazziges Unterfutter.
Das war über weite Strecken mitreißend, oft witzig, wenn die Bearbeitungen bis hin zu kompositorischen Turbulenzen oder der Verwendung von Phrasen aus Weihnachtsliedern reichte. (zum Beispiel in „Der Winter“). Das war schon erfrischend, aber auch ein wenig respektlos, wenigstens wenn man es etwa mit der Gesualdo-Bearbeitung von Igor Strawinsky vergleicht, auf den sich ja das Ensemble durchaus bezog.
Bearbeitungen von Werken Johann Sebastian Bachs gibt es vielfältig. Das reicht in alle musikalischen Genres, entspricht ja auch sehr wohl dem Vorgehen des berühmten Komponisten selbst. Das Ensemble spielte die Bach-Werke in unterschiedlicher Besetzung, wie aus einem Atem und höchst einfühlsam. Wenn die große musikalische Linie durch linienstörendes Staccato im BWV 813 ein wenig verloren ging, dann war der in sich ruhende Klang der Instrumente in der bekannten „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 umso beglückender, ebenso wie das Choralvorspiel „Ich ruf zu dir“.
Wegen ihrer großen Interpretationsqualität muss die Pianistin Jang Eun Bae noch besonders genannt werden, die in den Vivaldi-Bearbeitungen eine glänzende Farbmischung einbrachte und in der Zugabe von Dmitri Schostakowitschs „Second Walzer“, ein technisches Bravourstück, gemeinsam mit den bravourösen Saxophonisten brillierte.
Ein sympathischer, auf hohem Interpretationsniveau aufspielender Kammermusikauftakt des Städtischen Musikvereins. AK

Aus „Der Patriot“ vom 08.09.2008:
„Wir sind die Prinzen für Arme“

… aber das macht gar nichts. Das A-cappella-Quintett Basta begeisterte das Publikum bei der Spielzeiteröffnung
KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms und die Vorsitzende des Städtischen Musikvereins Lippstadt, Evelyn Adam (v.l.), begrüßten zur gemeinsamen Spielzeiteröffnung im Stadttheater nicht nur zahlreiche Freunde, Unterstützer und Kollegen, sondern insbesondere auch die Abonnenten. „Es ist Ihr Vertrauen, das das ermöglicht, was heute Abend seinen Auftakt feiern darf“, betonte Carmen Harms.

LIPPSTADT Eigentlich ist diese Rezension ja von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zumindest wenn es nach Grillparzer geht. „Beschriebene Musik ist wie erzähltes Essen“, zitierte die Musikvereins-Vorsitzende Evelyn Adam in ihrer Begrüßung zur gemeinsamen Spielzeiteröffnung mit der KWL ein Bonmot des österreichischen Dramatikers. Und wer könnte da ernsthaft widersprechen. Wir wollen es dennoch versuchen, zumal der Abend, um im Bild zu bleiben, ausgesprochen gut gemundet hat. Dabei war es eher leichte Kost, die das Kölner A-cappella-Quintett Basta seinem Publikum am Samstag im voll besetzten Lippstädter Stadttheater servierte. Vielleicht nicht allzu nahrhaft, aber sehr wohlschmeckend und fein garniert.
Das Markenzeichen von Thomas Aydintan, Werner Adelmann, René Overmann (Tenöre), William Wahl (Bariton) und Andreas Hardegen (Bass) ist eine gelungene Mischung aus A-cappella-Pop und Comedy, bei der die witzigen Ansagen fast ebenso große Bedeutung haben wie die mitreißenden Songs. Textlich geht es dabei immer wieder um die Liebe in all ihren Facetten. Allzu gefühlsduselig geht es dabei freilich nicht zu, auch wenn das Quintett „Meine neue Freundin“ mit den Worten ankündigt: „Das ist ein romantisches Liebeslied, deshalb werden wir es auch mit Ständern singen.“ Mikrofonständer natürlich. Was dachten Sie denn?
Aber auch andere Themen wie schlechte Ernährungsgewohnheiten („Ich werde fett und alt weil ich nur noch bei Esso ess“ zur Musik von Abbas „S.O.S.“) oder Promi-Rummel („Gibst du Ben Becker was aus, kommst du ganz sicher groß raus“) werden ironisch aufgearbeitet. Musikalisch setzt der Gesangsfünfer immer wieder auf gelungene Parodien und lässt dabei kaum ein Genre aus. Nicht nur Abba, Reinhard Mey und sogar Rammstein müssen dran glauben, unversehens schmuggelt sich sogar ein kleines, feines Madrigal ins Programm.
Natürlich erweisen die Herren mit den Comedian Harmonists auch den Urvätern des Genres ihre Reverenz und behaupten keck: „Wir sind die einzige A-cappella-Gruppe, die zumindest teilweise vor deren original Publikum auftritt.“ Charmant.
Als Leadsänger geben sich Thomas Aydintan, William Wahl, Werner Adelmann und René Overmann die Mikros in die Hand. Und da Basta ein Herz für Randgruppen haben, darf auch Bassist Andreas Hardegen mal ran. Der bedankt sich mit einem trotzigen „Merci, dass es mich gibt!“.
Ganz neu ist diese Mischung aus poppigen A-cappella-Gesang und witzigen Texten sicher nicht. Die Prinzen und die Wise Guys haben das Feld schon ganz gut beackert. Basta lassen sich (und ihrem Publikum) dadurch den Spaß nicht verderben und antworten ihren Kritikern mit einem selbstbewussten: „Wir sind die Prinzen für Arme. Das könnt ihr ruhig so schreiben – oder lasst es einfach bleiben!“
Zur Hochform laufen die fünf auf, wenn sich Parodien ineinanderschieben und gegenseitig befruchten. Das ist die Spezialität von René Overmann. In einer „doppelten musikalischen Geisterbeschwörung“ holt er gleich zwei verstorbene Künstler auf die Bühne: Dean Martin (richtig tot) und Madonna (künstlerisch tot). Auf einem Barhocker sitzend, das Whiskyglas in der Hand, schnasselt sich der Tenor fröhlich durch „Like a virgin“. Spirituelles und Spirituosen passen schließlich gut zusammen.
Und auch wenn man Grönemeyer-Parodien eigentlich nicht mehr hören kann, ist die dritte und letzte Zugabe ein echter Knaller. Als Mariannes Schwager Herbert Rosenberg nuschelt sich Overmann durch ein völlig unverständliches „Er gehört zu mir“ und erntet dafür Standing Ovations. Ein feiner, sehr entspannter Abend. Jetzt kann die Spielzeit kommen. bal

Aus „Der Patriot“ vom 03.07.2008:
Musikverein ehrt treue Sänger

Der Städtische Musikverein Lippstadt hat langjährige Mitglieder für ihre Treue zum Konzertchor geehrt. 40 Jahre mit dabei sind bereits Dr. Helene Decking und Anke Kitlas, auf 25 Jahre Mitgliedschaft kommt Annerose von Manstein, und seit zehn Jahren singt Reinhard John im Konzertchor. Als Ansporn für alle Chormitglieder wurden außerdem für den häufigsten Probenbesuch in der vergangenen Saison ausgezeichnet: Beate Steinmann und Helga Herberhold (Sopran), Karin Ramsbrock und Annerose von Manstein (Alt), Martin Pawlik und Joachim Schulze (Tenor) sowie Wolfgang Stade und Rainer Hoffmann (Bass). Das Foto zeigt (v.l.): Helene Decking, Reinhard John, Anke Kitlas und Annerose von Manstein.

Aus „Der Patriot“ vom 19.06.2008:
„Überregionale Anerkennung“

Evelyn Adam zur Vorsitzenden des Städtischen Musikvereins gewählt

LIPPSTADT Evelyn Adam ist vom Städtischen Musikverein Lippstadt jetzt auch offiziell zur Vorsitzenden gewählt worden. Kommissarisch hatte die bisherige stellvertretende Vorsitzende die Leitungsfunktion bereits vor rund eineinhalb Jahren übernommen, nachdem ihr Vorgänger Rolf Kaiser auf eigenen Wunsch aus dem Amt geschieden war (wir berichteten).Bei der Mitgliederversammlung im Forum des Ostendorf-Gymnasiums bedankte sich Evelyn Adam bei den Mitgliedern des Konzertchores für die weit über die üblichen zwei Chorkonzerte hinausgegangene Arbeit in der vergangenen Saison. Insbesondere die Veranstaltung des Landesmusikrates zur Verleihung der Pro-Musica- und Zelter-Plaketten im Mai habe zusätzliche Probenarbeit gefordert. Der auswendig vorgetragene A-cappella-Beitrag habe dafür aber auch überregionale Annerkennung geerntet.
Der künstlerische Leiter Burkhard A. Schmitt wies auf die gestiegenen Besucherzahlen bei den Kammerkonzerten in der Jakobikirche hin. Dieser besondere Konzertraum sei inzwischen auch schon im Ruhrgebiet bekannt.
Außerdem stellte Schmitt die neue jährliche Stimmprüfung für alle Sänger ab 55 Jahren vor. Dabei, so betonte Schmitt, handele es sich nicht um ein Auswahlverfaren, sondern um eine „Stimmberatung“, die den Umgang mit dem „Instrument“ des Sängers optimieren soll.
Im Rahmen der Vorstandswahlen wurden außerdem Isabell Markgraf-Seubert und Friedhelm Arnold als stellvertretende Vorsitzende gewählt. Schriftführerin ist Susanne Wicker und das Amt des Schatzmeisters wird von Winfried Verhoff ausgeübt. Friedhelm Arnold und Susanne Wicker sind dabei Neuzugänge im geschäftsführenden Vorstand. In den Gesamtvorstand wählten die Mitglieder Wilhelm Börskens, Franz-Josef Brenke, Klaus Laufkötter, Franz-Ulrich Lücke, Wolfgang Schulte Steinberg, Martin Schulz und Joachim Schulze.