Presseartikel 2014/2015

Der PATRIOT 20. Mai 2015

Moderator Roland Vesper mit dem Kinderbuch "Babar der Elefant" (Fotos: Tuschen)

Moderator Roland Vesper mit dem Kinderbuch „Babar der Elefant“ (Fotos: Tuschen)

LIPPSTADT   In Porzellanläden sind sie nicht gern gesehen. Und auch im Konzertsaal sind Elefanten eher selten anzutreffen. Was sicher Platzgründe hat. Wo gibt es schon so große Sessel? Außerdem sind diese sonst so wunderbaren Riesen ja nicht unbedingt für ihre Dezenz bekannt. Und wer möchte schon, dass sie mitten in einer virtuosen kammermusikalischen Darbietung vor Begeisterung ganz elefantös dazwischentröten? Dass klassische Musik und die grauen Dickhäuter trotzdem ganz prächtig zusammenpassen können, bewies gestern das Kinderkonzert des Städtischen Musikvereins und der Conrad-Hansen-Musikschule im Lippstädter Stadttheater. Wie immer geht es bei dieser Veranstaltung eher locker zu. Die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen tragen zivil. Eine Geigerin hat ein kleines Kind neben sich sitzen, das vermutlich ansonsten unbeaufsichtigt gewesen wäre. Und auch Moderator Roland Vesper trifft genau den richtigen Ton, um das sehr junge Publikum für Musik zu interessieren, die sonst vermutlich nicht auf dem privaten MP3-Player läuft. Das Konzert beginnt sehr schmissig mit der „Zirkuspolka für einen Elefanten“ von Igor Strawinski. Die sei für einen echten Zirkus in New York geschrieben worden, erläutert Vesper. Junge Elefanten seien ja in ihren Bewegungen noch etwas unkoordiniert. Strawinski habe sein Stück daher so komponiert, „als ob die Zirkuskapelle versucht dem

Dirigent Burkhard A. Schmitt in Aktion

Dirigent Burkhard A. Schmitt in Aktion

Elefanten zu helfen, dass er wieder in den Takt kommt mit der Polka“. Doch das Hauptstück des Vormittags ist „Babar, der kleine Elefant“ von Francis Poulenc in der orchestrierten Fassung von Jean Françaix. Bevor das Ensemble unter dem Dirigat des künstlerischen Leiters des Musikvereins, Burkhard A. Schmitt, loslegt, stellt Vesper das Werk anschaulich vor. Poulenc habe ein „Bilderbuch für die Ohren“ geschaffen. Und zwar auf Anregung eines genervten Mädchens, das dem andauernd vor sich hinklimmpernden Komponisten das Kinderbuch „Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten“ von Jean de Brunhoffs aufs Klavier geknallt habe mit der Aufforderung, er solle doch gefälligst das mal spielen. Bevor das Orchester das ganze Stück aufführt, demonstriert die Neue Philharmonie Westfalen an kurzen Tonbeispielen, wie anschaulich Poulenc und Françaix die verschiedenen Figuren des Stückes mit Tönen gemalt haben. Vesper stellt dabei auch einige der Instrumente vor. So zeigt er mit den Musikern, wie sich die Tieftöner des Ensembles wie der Kontrabass, das Kontrafagott, die Tuba und die Pauke zur dahindonnernden Elefantenherde vereinen und wie das Heimweh des zeitweilig in der Stadt lebenden kleinen Elefanten durch die Posaune und die Klarinette veranschaulicht wird. Entsprechen gut vorbereitet folgen die Kinder sehr aufmerksam der anschließenden Aufführung, durch die Vesper als Erzähler führt. Am Schluss bedankt sich das junge Publikum bei den Musikerinnen und Musikern mit begeistertem Applaus.   bal

Der Patriot 12. Mai 2015

Nie nachlassende Intensität

Musikverein beeindruckt mit Robert Schumanns „Das Paradies und die Peri“

Überzeugende Solisten: Dagmar Linde (Mezzosopran), Stehanie Lönne (Sopran) und Jens Hamann (Bass)

Überzeugende Solisten: Dagmar Linde (Mezzosopran), Stehanie Lönne (Sopran) und Jens Hamann (Bass)

LIPPSTADT    Dass Musik und Poesie miteinander eng verbunden seien, das ist ein Grundgedanke der romantischen Kunsttheorie. Was aber kann einen Komponisten wie Robert Schumann dazu bewegen, sich zu einem Stoff entferntester Poesie anregen zu lassen, wie er ihn in seinem Erlösungsmythos „Das Paradies und die Peri“ bearbeitet hat? Gewiss wollte er zeigen, dass er auch ein weiteres Kompositionsfeld erfolgreich beackern und mit neuen Ansätzen erfüllen konnte, wenn auch eine Oper damit nicht möglich wurde. Vielleicht aber auch gestattete ihm diese Poesie eine Flucht aus „gegenwärtigen Ängsten“. Längst verfolgte ihn sein vor Jahren geäußerter „furchtbarer Gedanke“ wieder, „den Verstand zu verlieren“, und im Herbst vor dem Erscheinen der „Peri“ litt er wieder unter seiner „Nervenschwäche“. 1843 wurde dann dieses Oratorium vollendet und war voll so wunderbarer Musik, dass sich selbst Robert Schumanns Schwiegervater zu lapidarer Zustimmung bereitfand. Aber sie fordert eine am Liedkomponisten Schumann geschulte, sensible Einfühlung sowohl in die vokalen wie die instrumentalen Bereiche.

Die Vokalsolisten leisteten bei der beeindruckenden Aufführung von "Das Paradies und die Peri" den rößten Beitrag zu Robert Schumanns Komposition. Marietta Zumbült begeisterte mit strahlkräftigem Sopran (Fotos: Tuschen)

Die Vokalsolisten leisteten bei der beeindruckenden Aufführung von „Das Paradies und die Peri“ den rößten Beitrag zu Robert Schumanns Komposition. Marietta Zumbült begeisterte mit strahlkräftigem Sopran (Fotos: Tuschen)

Das kurze, schwebende Orchestervorspiel setzt dabei den Maßstab für die gesamte Aufführung. Und das gelang der Neuen Philharmonie Westfalen, so zauberhaft, so konzentriert und emotional erfüllt von Burkhard A. Schmitt abgenommen, dass die Hörer, die sich dem nicht besonders zugkräftigen Werk in immer noch erfreulicher Zahl gestellt hatten, von Beginn an eingefangen waren. Burkhard A. Schmitt war es auch, der mit nie nachlassender Intensität, voller Bewusstheit für das Klangpanorama musizierte. Der Chor folgte dabei mit klanglicher Disziplin, dynamischer Flexibilität, stimmlicher Eleganz wie etwa im Eingangschor zum dritten Teil oder artikulatorisch zupackend in den dramatischen Partien. Die Vokalsolisten leisten den größten Beitrag zu Robert Schumanns Komposition. Marietta Zumbült mit strahlkräftigem Sopran als Peri. Dazu Dagmar Linde mit einem Mezzo von großer Variabilität und Einfühlsamkeit, der herausragende, locker geführte Tenor Marcus Ullmann, der im dritten Teil besonders als Oratorienbass überzeugende Jens Hamann und Stephanie Lönne (Sopran) in einer Arie mit strahlender Höhe — alle zusammen aber, und das ist nicht selbstverständlich, in einem klanglich ausgeglichenen Quartett. Susanne Stingl und Heike Standinger durften als Chorsolisten zeigen, über welche Stimmen der Konzertchor Lippstadt verfügt, mit dem Schmitt hervorragend vorbereitet ein selten ausgeführtes Werk dem Lippstädter Publikum geboten hat. AK


Der Patriot 26. Februar 2015

Ausbruch und Reflektion

Christian Zacharias und die Stuttgarter Philharmoniker begeistern Lippstadt

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LIPPSTADT  Eine Sinfonie von Anton Bruckner zu erleben, ist immer ein Ereignis, und das wusste das Publikum dem Lippstädter Musikverein als Veranstalter herzlich zu danken. Gegen alle Anfeindungen, kamen sie nun von Johannes Brahms oder dem Kritiker Hanslick, hat sich der Komponist mit unbeugsamen Schaffensdrang durchgesetzt. So hat er dem Herrgott, dem er sich immer verpflichtet fühlte, wohl widersprechen dürfen, wenn der von ihm, wie er meinte, einmal sagen könnte: „Du Bürscherl. Ich habe dir Talent gegeben zur Erbauung und Veredelung der Menschen, um sie auf erhabene Gedanken zu bringen, und du hast nicht gearbeitet.“ Er hat wahrlich gearbeitet, und so ist bei allen Überarbeitungen das Wunderwerk der 2. Sinfonie c-Moll entstanden, diese Komposition des klanglichen Ausbruchs und der tiefen Reflexion, des hymnischen Humors und der vermeintlichen Naivität etwa im Trio des hinreißenden Scherzos. Da sind die letztlich gliedernden Pausen zwischen den bruchstückhaften Abschnitten, die bei Gelingen die Spannung der gesamten Interpretation ausmachen. Begeisternd, wie Christian Zacharias und die Stuttgarter Philharmoniker diesem Großwerk 2. Sinfonie von Anton Bruckner entsprachen. Man muss dem vielfach preisgekrönten Dirigenten keine Preisrede mehr nachschieben. Er ist ein ungewöhnlicher Zeichner mit Händen, ohne Taktstock, und Körpersprache, kein distanzierter Pultgrübler, vielmehr ein dem Moment verschriebener Musikant. Seine intellektuelle Durchdringung des Großwerkes kann sich nun in einer hochgespannten, in jedem Moment konzentrierten Musizierfreude entladen. Und die überträgt sich auf das Orchester der Stuttgarter Philharmoniker, die voller Farbreichtum, konzentriert, aber nie verspannt, immer dem Dirigenten animiert folgend der dynamischen Breitenskala des Werkes voll gerecht wurde. Die außerordentlich sensibel blasenden Holzbläser seien in einem insgesamt sehr ausgeglichenen Ensemble besonders erwähnt. Am Programmende schien einem „rückhörend“ Wolfgang Amadeus Mozarts wunderschönes Klavierkonzert, das „Krönungskonzert KV 537, ein wenig matt, wenn auch spritzig, klanglich sehr diszipliniert und vom Solisten Christian Zacharias mit Delikatesse und wunderschön nuanciert gespielt. Er ist eben auch ein herausragender Pianist, dem gerade der Mozart-Ton besonders „zu Handen“ ist. Er und die Stuttgarter Philharmoniker haben ebenso überwältigt wie begeistert. Ein großer Abend. AK


Der Patriot 5. Februar 2015

Wunderbares Menü ohne  Hauptgang

Das Concilium musicum Wien musizierte in der Jakobikirche

LIPPSTADT  „Grüße aus Wien“ überbrachte beim jüngsten Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins in der Lippstädter Jakobikirche das Concilium musicum Wien. Da sich diese Vereinigung um immer neue Kompositionsfunde bemüht, diese dann möglichst adäquat auf entsprechend historischem Instrumentarium vorstellt, konnte man einen anregenden Konzertabend erwarten. Nun hat gerade dieses Instrumentarium ein insgesamt begrenztes Klangvolumen, schafft damit einen intimen Musiziercharakter mit Nähe zur Hausmusik, dies aber keineswegs abwertend gemeint. Wer die österreichische Speisekarte kennt weiß, dass er sich auf ein in jeder Weise vollkommenes Menü freuen kann. Da ist zunächst die phantasievolle Vorspeise, und die wurde von den Musikanten durch Joseph Haydns Divertimento op. 5 Nr. 5 mit gebremstem Temperament, aber sehr klangschön serviert. Johann Georg Albrechtsbergers Partita D-Dur erzielte besondere Aufmerksamkeit durch das Mitwirken der Viola D’amore, einem Instrument mit Schwingsaiten, nirgendwo so erinnerungsstark eingesetzt wie in der „Johannespassion“ von Johann Sebastian Bach. Danach dann Wolfgang Amadeus Mozart mit einem kleinen Quartett in D-Dur, höchst musikantisch, unaufgeregt mit selbstverständlicher Technikkompetenz gespielt. So viel zur Vorspeise. Nach der Pause die Nachspeise mit Sinfonia, Wiegenlied und Tanz von Paul Angerer, einem Begründer des Wiener Ensembles. Mit hoher Klangkultur und rhythmischer Intensität wurden diese Stücke gespielt, die unprätentiös den Kompositionsstil der sechziger Jahre vertraten. Danach, wie könnte es bei einem Gast aus Wien anders sein, „Tanzmusik“ von Vater und Sohn Johann Strauß, mit leicht schlamperter Akkuratesse gespielt, und Joseph Lanner, dazu eine sehr klangsensibel gespielte Zugabe. Vor- und Nachspeise, wunderbar. Mir aber fehlte der etwas gewichtigere Hauptgang, den Wiener Komponisten durchaus zu kredenzen vermögen. Aber auch so war es eine Freude, dem lebensvollen Musizieren der Instrumentalisten des Concilium musicum Wien zuzuhören, der Flötistin Gertraud Wimmer, Robert Neumann (Violine), Christoph Angerer (Viola und Viola D’amore) und dem Cellisten Günter Schlagerl.   AK


Der Patriot 13. Januar 2015

Aus der Stille heraus

LIPPSTADT   Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte ein Liebhaber der Königsklasse im Bereich der Kammermusik, dem Streichquartett, ohne Überheblichkeit behaupten können, die großen Streichquartett-Formationen der Welt schon erlebt zu haben. Das wird seit mindestens zwei Jahrzehnten niemand mehr von sich sagen können, denn ebenso erfreulich wie überraschend tauchen aus vielen Ländern hochqualifizierte Streichquartette auf, die nicht etwa nur durch artistische Perfektion überzeugen, das ist ja im Pianistenbereich oft zu beobachten. Nein, da erscheinen wunderbar musikantische Musiker, die sich mit hoher Sensibilität in ein Werk versenken, es intellektuell ergründen, ohne sich als Interpreten wichtiger zu nehmen, als die Komposition. Solche Künstler konnte das Lippstädter Publikum beim Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins mit dem Brentano String Quartet in der Jakobikirche erleben. Nicht, dass die Werkauswahl ungewöhnlich gewesen wäre. Aber wie sie die Kompositionen von Joseph Haydn, Franz Schubert und Béla Bartók (auch programmatisch intelligent zusammengestellt) jeweils ausleuchten, das war von packender künstlerischer Qualität. Was waren die besonderen Merkmale ihres Spiels? Da fällt zunächst die klangliche Dezenz auf, mit der die vier Musikanten Mark Steinberg und Serena Canin (Violinen), Misha Amory (Viola), und Nina Marie Lee (Violoncello) an die Werke herangehen. Alles wird dynamisch und klanglich völlig homogen aus der Stille heraus entwickelt, was dann die Ausbrüche umso wirkungsvoller macht. Béla Bartóks Streichquartett Nr. 3, auch für den heutigen Hörer in seiner Kompositionsstruktur und seinen überraschenden Spieltechniken noch verstörend, wirkt bei den „Brentanos“ auch in den schroffen Momenten fast klassisch, nicht widerborstig. Das rhythmische Moment wird selbstverständlicher Motor des Spiels. Joseph Hadyns op. 50 Nr. 1 erklang am Programmbeginn mit liebevollem Spürsinn für die gar nicht naive, vielmehr von tiefer Heiterkeit bestimmte Kompositionsanlage. Und Franz Schuberts d-Moll-Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“, das eigentlich zu häufig auf den Programmzetteln erscheint, konnte man hier von dem Brentano String Quartet hören als erlebte man eine Neuentdeckung. Und das nicht nur wegen der völlig überzeugend gegeneinander wohl austarierten rasend raschen Tempi in den Schlusssätzen. Eher wegen eines in Spannung und Entspannung fast geheimnisvoll sich entwickelnden Eingangsallegro. Ganz gewiss aber wegen des atemberaubend differenziert erklingenden Variationssatzes Andante con moto, in dem jede Variation zu einer wirklichen Szene wurde. Ich gehöre nicht zu den Dauerjublern, zu denen, die heutzutage alles gleich „super“ oder gar „genial“ finden. Aber ein solcher Abend klanglicher Homogenität, Sensibilität und werkbestimmter Differenziertheit ist so bald nicht wiederholbar.  AK


Der Patriot 02. Januar 2015

Mit Radetzkymarsch und Blumenwalzer ins neue Jahr

 

Sopranistin Nathalie de Montmollin und die Mährische Philharmonie unter Leitung von Hermann Breuer begeistern mit musikalischen Sektperlen im Silvesterkonzert. Foto: Brode

Sopranistin Nathalie de Montmollin und die Mährische Philharmonie unter Leitung von Hermann Breuer begeistern mit musikalischen Sektperlen im Silvesterkonzert. Foto: Brode

Lippstadt   „Liebe, du Himmel auf Erden“ – dieses Motto aus Franz Lehárs Operette „Paganini“ durchpulste als Titelsong das traditionelle Silvesterkonzert des Städtischen Musikvereins im nahezu ausverkauften Stadttheater. Mittlerweile „Stammgast“ in Lippstadt: Dirigent Hermann Breuer, zugleich blendend gelaunter Moderator, brachte wieder die Mährische Philharmonie mit. Die sympathischen Gäste aus Olomouc (Olmütz) eröffneten ihren bunten Melodienstrauß mit der flüssig-bewegten Ouvertüre zu „Donna Diana“ des weniger bekannten österreichischen Komponisten Emil Nikolaus von Reznicek mit dem Titelmotiv „Erkennen Sie die Melodie?“ aus der gleichnamigen ZDF-Quizserie mit Ernst Stankovski aus den siebziger Jahren. Sentimental gefärbt offenbarte sich die „Morgenstimmung“ aus der nordischen Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg, dessen Schauspielmusik in der „Halle des Bergkönigs“ eine programmatische Steigerung der musikalischen Spannung erfuhr. Passend zur Jahreszeit interpretierten die Musiker aus Peter Tschaikowskis Ballettmusik „Der Nussknacker“ den leichtfüßig dahinschwebenden „Trepak“ sowie den beliebten Blumenwalzer mit den eingängigen Harfenmotiven. Weniger bekannt war auch der Konzertwalzer „Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust“ von Josef Strauß, einem Bruder des Walzerkönigs Johann Strauß. Rhythmisch eindrucksvoll nachvollzogen und tonmalerisch umgesetzt wurden die Bewegungen von Schlittschuhläufern im gleichnamigen Konzertwalzer von Emil Waldteufel. Unvergleichlich rasant ging es zu bei der schnellen Polka „Auf der Jagd“ von Johann Strauß, bevor das Orchester mit der walzertanzenden Katze „Waltzing Cat“ des amerikanischen Komponisten Leroy Anderson musikalisch kecke Gags unterhaltsam umsetzte. Zu den Höhepunkten des Abends gehörte auch die von Manfred Grafe arrangierte Orchesterversion von „Salome“ (Robert Stolz) mit wechselndem Cantus Firmus in den Streicher- und Bläsergruppen. Vokalsolistische Glanzpunkte setzte die Sopranistin Nathalie de Montmollin mit dem Titelsong des Konzerts sowie mit Solveigs Lied aus der Peer-Gynt-Suite, aber auch als frivole Juditha mit Franz Lehárs Song „Meine Lippen, sie küssen so heiß“. Dabei präsentierte die Sängerin eine erstaunlich große Bandbreite stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten. „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ – mit diesem Robert Stolz-Lied als Zugabe bedankte sich die Sängerin bei ihrem begeisterten Publikum, während das Orchester mit dem unverwüstlichen Radetzkymarsch von Johann Strauß sein Publikum in die Silvesternacht entließ.  LB


Der Patriot 09. Dezember 2014

Elektrisierendes Spiel

 

Vor dem Konzert im Lippstädter Stadttheater besuchte Gabor Boldoczki auf Einladung des Städtischen Musikvereins die Drost-Rose-Schule. Empfangen wurde er vonden drei von elke Schiermeister geleiteten Bläserklassen, die den ungarischen Trompeter mit einem Ständchen begrüßten. Anschließend gab es kurze Solodarbietungen einiger Schülerinnen und Schüler, die nachher von gabo Boldoczki kleine Tipps - zum Beispiel bezülich der richtigen Haltung beim Musizieren - erhielten, bevor er selbst eine Kostprobe seines Könnens und natürllich Autogramme gab. Foto: Krumat

Vor dem Konzert im Lippstädter Stadttheater besuchte Gabor Boldoczki auf Einladung des Städtischen Musikvereins die Drost-Rose-Schule. Empfangen wurde er von den drei vonEelke Schiermeister geleiteten Bläserklassen, die den ungarischen Trompeter mit einem Ständchen begrüßten. Anschließend gab es kurze Solodarbietungen einiger Schülerinnen und Schüler, die nachher von Gabor Boldoczki kleine Tipps – zum Beispiel bezüglich der richtigen Haltung beim Musizieren – erhielten, bevor er selbst eine Kostprobe seines Könnens und natürllich Autogramme gab. Foto: Krumat

LIPPSTADT   Was wäre die Adventszeit ohne Barockmusik, was wäre sie ohne ein „Weihnachtskonzert“ von Arcangelo Corelli, auch wenn es nicht das „richtige“ ist? Aber schließlich adventet es ja in all seinen Concerti Grossi op. 6. Und wenn dann die Nr. 4 so stilvoll, klanglich hochkonzentriert mit einem bestens abgestimmten Concertino gespielt wird wie vom Franz-Liszt-Kammerorchester im Lippstädter Stadttheater, dann lässt sich alle Fernseh-Advents-Geschmacklosigkeit verlustfrei abschalten. Wie sich Temperament mit Präzision, Musizierfreude, Witz und hohes Klangbewusstsein mit lebensvoller perfekter Technik verbinden lassen, das bewiesen alle Werke des Italien-Programms, die vitaleren der reinen Streicher-Komposition von Benedetto Marcello ebenso wie die eher auf emotionale Klangwirkung und strenge Rhythmik bedachten „Antiche Danze e Arie“ für Streicher von Ottorino Respighi. Oder auch die charmante, klanglich nie ins Sentimentale abrutschende Streichersonate Nr. 1 von Gioachino Rossini. Die Musikanten des Franz-Liszt-Kammerorchesters aus Budapest hätten ganz ungeteilt den Beifall des Publikums verdient, wäre da nicht noch Gábor Boldaczki gewesen, dieser Trompeter, dessen Spiel ebenso elektrisierend wie atemberaubend war — letzteres für die Zuhörer offenbar sehr viel mehr als dem Künstler selbst. Natürlich war er der Star des Abends, aber eben ein mitmusizierender Star, ohne Herausstellungsattitude, mit feinem Musiziersinn für abgestuftes Zusammenspiel mit dem Orchester. Wie beides aufeinander eingespielt war, wurde musterhaft erkennbar in den feinen Nuancen von Temposchwankungen im langsamen Satz des für Trompete und Streicher bearbeiteten D-Dur-Konzertes op. 3 von Antonio Vivaldi. Das war ein lustvoll-liebevolles, spielerisches Ausloten von kompositorischen Momenten, wie es nur ein lebendiges Musizieren fernab von Tonträgern möglich macht. Nörgeln gegen Bearbeitungen erübrigt sich, wenn die zu so überzeugenden klanglichen Ergebnissen führen wie das Zusammenspiel zwischen Trompete und dem wunderbaren Konzertmeister der Budapester in Antonio Vivaldis Konzert B-Dur op. 12. Das leuchtet dann schon mehr ein als eine etwas matte Komposition wie das Trompetenkonzert von Guiseppe Torelli, voller meisterhaft gespielter technischer Bravour, aber trotz engagierten Einsatzes aller Musikanten eben matt. Dem Publikum wurden nach heftigem Applaus Zugaben geschenkt, mal temperamentvoll virtuos, mal emotional – ein großes Türchen im Adventskalender wurde an diesem Abend aufgetan.   AK


Der Patriot 24. November 2014

Wunderbare Dynamik

 

LIPPSTADT    Natürlich ist für Liebhaber der Kammermusik das Streichquartett das Glück des musikalischen Erdenlebens. Aber manchmal wird diese Voreinstellung ein wenig angekratzt, wenn man da etwa einem — zumindest mir bisher unbekannten — Klaviertrio wie dem Atos Trio aus Berlin begegnet. Da werden plötzlich zwei der großartigsten Kompositionen für diese Besetzung, das c-Moll Trio op. 66 von Felix Mendelssohn Bartholdy und das Klaviertrio op. 99 von Franz Schubert zu einem Interpretationsereignis. Und das, obwohl gerade diese beiden häufig gespielten Werke immer in Konkurrenz zu den wenigen und darum umso bekannteren Ensembles stehen. Das Maß aller Dinge ist dabei das Beaux Arts Trio in seiner ersten großen Spielphase. (Dass es diese Qualität nicht immer über Jahrzehnte halten konnte, dürfte nicht verwundern, das Ensemble bleibt aber der Maßstab). Wenn einem nun beim Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt mit dem Atos Trio ein solcher Vergleich einfällt, dies nicht als zu hoch gegriffen empfindet, dann muss man mit Annette von Hehn (Violine), Stephan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier), wohl großartigen Musikern begegnet sein. Dieser Eindruck entstand schon bei Joseph Haydns Klaviertrio in E-Dur, anspruchsvolle Hausmusik mit der Gefahr, als Einspielstück vor den Großwerken benutzt zu werden. Nicht aber beim Atos Trio, das dieses Stück für Klavier und noch nicht emanzipierte Streicher mit großer Ernsthaftigkeit spielte und dem Pianisten dabei besonders im Allegro die Demonstration feinster, sensibelster Anschlagkultur bot. Große klangliche Sensibilität, Disziplin und wunderbar ausformulierte, weitgespannte Dynamik bestimmten dann die beiden Großwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert. Emotional aufgeladen waren beide, immer aber in einem Schwebezustand, den Spannung wie Entspannung überzeugend bestimmten. Da konnte die Hörerschaft die Bodenhaftung verlieren. Und von welcher Intensität waren gerade die Pausen erfüllt, die ja immer das hochkünstlerische Interpretationsmoment sind. Dass die Überleitungen manchmal fast an der Grenze zur Überästhetisierung waren, sie aber nicht überschritten, trug letztlich bei zu einem begeisternden Kammermusik-Abend. Abgeschlossen und fast entspannt wurde das Konzert in der Jakobikirche mit einer klangvollen kleinen Nocturno-Zugabe von Ernest Bloch, dem geistvollen und klangbewussten Komponisten aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.  AK


Der Patriot 11. November 2014

Innige Klangsymbiose

Die Solo-Klarinettistin Shirley Brill konzertierte im Lippstädter Stadttheater mit dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag unter Leitung von Petr Vronsky. Foto: Brode

Die Solo-Klarinettistin Shirley Brill konzertierte im Lippstädter Stadttheater mit dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag unter Leitung von Petr Vronsky.
Foto: Brode

Lippstadt   Bezaubernde Klassik durchpulste das Stadttheater: Zu Gast war das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag unter Leitung seines Chefdirigenten Petr Vronsky — ein Orchesterchef, der gern auf Podium und Taktstock verzichtet und seine Musiker mit der „Sprache“ seiner Finger zu motivieren weiß. Als Introduktion wählten die Prager Sinfoniker mit Carl Philipp Emanuel Bachs dreisätziger „Berliner Sinfonie“ e-Moll ein kurzes adrettes Bravourstückchen mit flüssig gestalteten Allegro-Ecksätzen. Im Mittelpunkt des Konzertes stand das berühmte Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart — ein Paradestück für die hochdekorierte Klarinettistin Shirley Brill. Nach einer langen Orchestereinleitung löste sich das Soloinstrument mit dem wiederholten, fugierten und verzierten Hauptthema ab. Auch das zweite kunstvoll herausgearbeitete Thema erklang bei gleichberechtigtem Orchestersatz in betont heiterer und fröhlicher Gangart. In feinster Cantabile-Manier versah die Solistin in inniger Klangsymbiose mit dem Orchester das gefühlvoll interpretierte Adagio-Thema im zweiten Satz und gab sich vor sensiblem Streicher-Background im versonnenen Piano sehr zurückhaltend, bevor die musikalisch kecken Motive in freudig hüpfenden Sologängen das tänzerische Rondo-Thema mit seinen reizvollen Wendungen und Kontrasten einleiteten, die sich dann nahezu ins Groteske steigerten — eine virtuose Glanzleistung der Ausnahme-Klarinettistin. Für den minutenlangen Beifall des Publikums bedankte sich die Künstlerin mit einem Solo-Prelude als Zugabe. Nach der Pause spannten die Prager einen kompositorisch reizvollen Bogen von Mozart zu Franz Schubert, dessen 5. Sinfonie B-Dur sich deutlich an Mozart orientierte. Anmutige, von keiner Tragik gestörte Klänge wurden in ihrer prächtigen Synthese der klassischen Form und romantischer Kantilene und Harmonik im ersten Satz transparent. Gefühlsbetont gaben sich die Musiker im zweiten Satz, dessen innig eingefärbte Andante-Thematik ebenfalls durch keine Gegenführung getrübt wurde. Im Menuett spannten reizvolle Ländlerrhythmen eine weit ausgelegte Melodie zum bordunartigen Bass, bevor sich im einfachen Sonatensatz des Allegro Vivace ein Bündel lebhafter Melodien in sinfonischem Gewand zum temperamentvollen Finale vereinte. Umrahmt wurde die Schubert-Sinfonie von zusätzlichen Kurzkompositionen wie Antonin Dvoráks Konzertwalzer A- und D-Dur, einem Mozart-Menuett sowie einem feuriger Tanz aus „Carmen“ von Georges Bizet.   LB


Der Patriot 17. Oktober 2014

Leidenschaftliches Spiel

Die Band SPARK überzeugte  mit packendem Musizieren auf der Studiobühne

 

Lippstadt:   Temperament, Agogik und Klangbewusstsein, das alles auf der Basis eines rhythmisch gefestigten Grundgerüstes, damit zeichnet sich packendes Musizieren aus. Solches Musikantentum erlebten die Zuhörer eines Konzertes mit der Gruppe SPARK auf der Studiobühne des Lippstädter Stadttheaters, das oberflächlich gesetzte Grenzen zu sprengen schien. Zudem war das Programm der klassischen Gruppe SPARK an sich schon per Definition kaum zu fassen. Das war kein heute oft so hilfloses „cross over“, das war auch kein Verwursten möglichst beliebter und bei allen Hörerschichten bekannter musikalischer Thematik. Hier wurde vielmehr höchst ernsthaft, geistreich, leidenschaftlich und gewissenhaft mit vorgegegebenen kompositorischen Angeboten klassischer, oft folkloristischer, leider nur in Maßen avantgardistischer Kompositionen gespielt. Das konnte dann vom Barock bis in die Gegenwart reichen, immer mit stilistischer Bewusstheit, Klangtransparenz und in allen musikalischen Formen, von klassischer Variation bis zu vermeintlich improvisatorischen Momenten europaweiter Thematik, immer mit einer geradezu verblüffenden Virtuosität. Zudem war das Programm von erfrischender Besetzungsvielfalt, zu der die Demonstration der ganzen Flöten-Familie natürlich besonders beitrug. Aus dieser instrumentalen Flötenvielfalt ergab sich dann auch eine natürliche Choreographie mit der bei Blockflötisten üblichen leichten Aerobicanmutung. Was aber den SPARK-Sound so besonders auszeichnete, war neben elektrisierendem Temperament und glänzender Virtuosität die klangliche Sensibilität, die nicht nur in den Solostücken, sondern nicht minder in den Ensembles bewiesen wurde. Und diese klangliche Sensibilität war das eigentliche Ereignis dieses höchst verdienstvoll vom Jazzclub Lippstadt gemeinsam mit dem Städtischen Musikverein organisierten Abends. Man wird dieses Konzert mit den Flötisten Andrea Rittert und Daniel Koschitzki, dem Cellisten Victor Plumettaz, dem Geiger und Bratschisten Stefan Glaus und dem Pianisten Mischa Cheung als eine Gruppe begeisternder Musikanten in Erinnerung behalten.   AK


Der Patriot 12. September 2014

Der Smarte und der Zarte

Andreas Kern und Paul Cibis begeisterten ihr Publikum mit der „Piano Battle“

 

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Schwarz gegen weiß, sensibler Künstler gegen lauter Rock’n’Roller: Paul Cibis und Andreas Kern bei der Piano Battle

LIPPSTADT   Es geht schon reichlich steif zu im Klassikbetrieb. Nicht nur wegen der altertümlichen Fräcke und dunklen Anzüge, die manche Beerdigung wie ein fröhliches Happening wirken lassen. Auch dieses völlig durchritualisierte Händeschütteln, Aufstehen und wieder Hinsetzen, Abgehen und Wiederkommen, mit denen sich Dirigenten, Solisten und Orchestermusiker auf der Bühne so die Zeit vertreiben — neben dem Musizieren, versteht sich — mag für beinharte Fans ja das Salz in der Suppe sein. Die zwingend notwendige Zutat, ohne die sie ihren Mozart, Bach oder Wagner einfach nicht genießen können. Aber junge Hörer versetzt man damit kaum in Ekstase. Fehlt der Klassik also ein ordentlicher Schuss Rock’n’Roll? Vielleicht. Denn mit einer gewitzten Präsentation lassen sich selbst Kinder und Jugendliche für die Klänge alter Meister begeistern — ohne dass die Musik dabei Schaden nimmt. Geradezu euphorisch wurden die Pianisten Andreas Kern und Paul Cibis am Mittwochmorgen im ausverkauften Lippstädter Stadttheater von ihrem sehr jungen Publikum gefeiert. Dabei hatten sie mit Stücken von Chopin, Skrjabin, Schubert, Debussy und anderen durchaus Anspruchsvolles im Gepäck. Doch die Klaviervirtuosen begnügen sich nicht damit, die Stücke einfach flitzfingrig beim Publikum abzuliefern. Nein, sie nutzen sie sozusagen als Munition, um in einer „Piano Battle“ die Gunst der Zuhörer für sich zu gewinnen. „Sechs Runden, keine Regeln“, lautet die Devise. Der gebürtige Lippstädter Paul Cibis, im dezenten dunklen Anzug, gibt den sensiblen, eher introvertierten Musenfreund. Man möge ihm nur ganz leise applaudieren, rät Andreas Kern. „Er mag ja die Stille.“ Kern selbst erinnert mit seiner schwarzen Tolle und dem weißen Anzug nicht zufällig an Elvis. Er ist der Rock’n’Roll-Typ, der gegen seinen Kontrahenten eine Spitze nach der anderen raushaut und keine Gelegenheit auslässt, um sich selbst zu feiern. Doch sobald sie sich an den Flügel setzen — ein Bösendorfer und ein Steinway stehen sich wie zwei Stiere in Angriffsposition direkt gegenüber — sind beide nur noch eines: hervorragende Musiker. Dann hat der Clown einen Moment Pause und der Künstler zeigt, was in ihm steckt. Und das ist so atemberaubend, dass auch die jungen Zuhörer ganz gebannt zuhören und sich auf die oft sehr poetischen Klangwelten einlassen. Anschließend darf wieder getobt werden. Denn das Publikum ist bei der „Battle“ die Jury. Jeder hat eine Stimmkarte, mit der er nach jeder Runde für Cibis (schwarze Seite) oder Kern (weiße Seite) abstimmen kann. Nach jedem Voting darf der jeweilige Gewinner seinen Flügel etwas weiter in Richtung Ziellinie an der Rampe schieben. Einige Zuschauer werden auch direkt in den Wettkampf einbezogen. Die Musiker bitten vier Jungpianisten auf die Bühne, die stellvertretend für die beiden eine Art Klavier-Staffellauf absolvieren, wobei jeder immer einen Teil von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ spielen muss. Und ein Wunschkonzert gibt es auch. Nach Zurufen aus dem Publikum improvisieren Cibis und Kern abwechseln ein furioses Medley, in das unter anderem „Für Elise“, „Summertime“ und die Filmmelodien aus „Star Wars“ und „Pink Panther“ Eingang finden. Als Künstler sind sich die beiden ebenbürtig, doch bei den Kindern und Jugendlichen kommt der smarte Showman Andreas Kern besser an. Vor allem in der ersten Runde dominiert „ein Meer von Weiß“ (Kern). Im Laufe der Show holt Paul Cibis zwar deutlich auf, doch am Schluss schiebt trotzdem sein weißgewandeter Kontrahent den Flügel als Erster über die Ziellinie. Grämen muss sich Cibis trotzdem nicht. Am Abend gibt es schließlich eine Revanche. Und die gewinnt der Lippstädter.    bal

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Auch der Nachwuchs muss mal ran. Und wenn er nicht schnell genug ist, wird er halt geschoben. Photos: Krumat


Der Patriot 09. September 2014

Großer Farbenreichtum

Der Städtische Musikverein begeisterte mit Dvoraks „Stabat mater“

 

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Antonín Dvoráks „Stabat Mater“ ist ein großartiges Werk, allerdings häufiger fast hymnisch gefeiert als tatsächlich populär. Dazu tragen nicht unerhebliche Anforderungen an das Solistenquartett, an den Chor und an das Orchester bei. Aber letztlich ist es auch ein in sich unausgewogenes Werk, das Momente der Musikgeschichte bis hin zu folkloristischen Elementen verarbeitet, ohne alles immer überzeugend zu bündeln. Das hat sicherlich seinen Grund auch in seiner Entstehungsgeschichte. Aber es fasziniert auch darum, weil ein großer klanglicher Farbenreichtum durch sensible Instrumentierung gelingt, und es fasziniert, wenn eine so durchleuchtete, atmosphärisch überzeugende Aufführung gelingt, wie sie Burkhard A. Schmitt im Konzert des Lippstädter Musikvereins mit dem aus dem Konzertchor Lippstadt und Mitgliedern der Singakademie Plauen zusammengesetzten Chor ablieferte. Der Chor nämlich war künstlerischer Mittelpunkt der Darstellung. So flexibel und stimmlich ausgeglichen, so konzentriert dem Dirigenten durch eine breite dynamische Skala folgend, so klanglich krampflos (ein Sonderlob dem Chorsopran) habe ich den Chor lange nicht erlebt. Zu diesem Konzertniveau leistete das Orchester mit großer Aufmerksamkeit einen bemerkenswerten Beitrag. Bei aller Präzision doch mit größter klanglicher Beweglichkeit, prachtvollen Holzbläsern neben etwas aufdringlichem Blech, nuancierten Streichern (ein kleiner Patzer am Schluss sei nur erwähnt, um nicht eines tauben Pauschallobs geziehen zu werden) war das Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen dem Werk unter einem ebenso präzisen wie musikantischen Leiter Burkhard A. Schmitt ganz nahe. Antonín Dvoráks „Stabat Mater“ ist stark auf ein Solistenquartett konzentriert, das sich in gutem Ensemblegeist finden muss. Und das hat Schmitt einen sehr guten Griff getan. Da war der Bass Peter Lobert, der ebenso über des Basses Grundgewalt wie verhalten emotionale Töne verfügt (endlich mal ein Bass aus der Fülle meist nur abgebrochener Baritöne!). Da war der Tenor Anton Saris, ein sehr musikalischer Solist, dem man in dieser Partie nur etwas lyrisches Unterfutter wünschte, und da war die Mezzosopranistin Kerstin Descher, mit klanglicher Erfülltheit und in allen Lagen stimmlicher Ausgeglichenheit. Und da war Camilla Nylund mit ihrem gefeierten, immer unaufdringlichen, ganz werkzugewandten, ensembleangepassten und nie divenhaften Sopran, dem man am Schluss auch noch mit dankbaren Applaus eine nicht gerade programmkonforme Zugabe abnahm. Burkhard A. Schmitt hat den überaus zahlreichen Zuhörern einen erinnerungswürdigen Oratorien-Abend geschenkt.   AK

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Feierlich wurden bei der letzten Mitgliederversammlung einige unserer treuesten Unterstützer gewürdigt (von links nach rechts):

Susanne Wicker  10J
Ursula Storch 25J
Matthias Diekhans 10J
Evelyn Maas 10 J
Dagmar Liebscher 10J
Alle Damen Alt, der Herr Tenor

jubilare_2014-06-23