Presseartikel 2007/2008

Als Poet am Klavier erzählt Kabarettist Lars Reichow von typisch deutschen Attitüden. Foto: Rosenthal
Aus „Der Patriot“ vom 19.05.2008
Raus aus dem Jammertal

Der Mainzer Kabarettist Lars Reichow zeigte auf der Bühne des Lippstädter Stadttheaters mit viel Witz und Musik, wie es sich „Glücklich in Deutschland“ leben lässt

LIPPSTADT Wenn Lars Reichow die Bühne betritt, dann wird er, wie er sich selbst bezeichnet, zum „Klaviator“, dann bilden er und sein Klavier eine Einheit, verschmelzen zu einem kabarettistischen Gesamtkunstwerk – bestehend aus pointenreicher Satire und genialer Musikalität. Am Freitagabend wurde der Mainzer Kabarettist auf der Bühne im Stadttheater zum „Klaviator“. Auf Einladung des Musikvereins präsentierte er sein Programm „Glücklich in Deutschland“. Dabei verfolgt Reichow ein Ziel: Er möchte die Deutschen aus ihrer Depression, aus ihrem selbstgeschaffenen Jammertal führen und ihnen Optimismus einhauchen. Seine Forderung: „Sieh dir dein Land an, so schlecht ist es nicht.“Reichow ist dabei jedoch kein überdrehter Motivationstrainer, der „Wir schaffen das“-Parolen predigt, sondern ein Geschichtenerzähler. Er ist ein Poet am Klavier, der mit starker und gefühlvoller Stimme augenzwinkernd und liebevoll von typisch deutschen Marotten singt. Wenn der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises detailverliebt den deutschen Alltag darstellt, von den „zeitlosen Terrorinstrumenten“ Laubbläser und Hochdruckreiniger spricht, oder erzählt wie er im weihnachtlichen Dekorationswahn seiner Frau selbst zum Teil der Deko wird, dann bringt er das Publikum reihenweise zum Lachen.
Doch die Komik wird auch von melancholischen Sequenzen abgelöst. Wenn der Grimassen schneidende „Klaviator“, begleitet von grollenden Tönen seines Instrumentes, von einem deutschen Arbeitslosen singt, der in China seinen alten Arbeitsplatz wiederfindet, dann beherrscht nachdenkliche Stille den Saal – dann bleibt das Lachen kurzzeitig im Hals stecken. Doch Lars Reichow versteht die Kunst, die bittere Wahrheit auszusprechen und diese im Rahmen seines Programmmottos positiv zu verkehren. „Wir sind die Sieger“ heißt deshalb ein weiterer Song. Wir haben als Erste in Europa den Müll getrennt, haben süße Eisbärbabies und eine Kanzlerin, die Dekollet
é zeigt. „Es geht uns gut!“, lautet sein Fazit und das Publikum stimmt mit tosendem Beifall zu.
Schade, dass nicht mehr Zuschauer diese gesellschaftliche Aufmunterung auf der Bühne des Stadttheaters miterleben wollten. Es ist klar, dass der Mainzer Musikkabarettist Lars Reichow auch dafür eine typisch deutsche Erklärung hat: „Bei dem schönen Wetter waren alle anderen Lippstädter beim Grillen.“ juro

„Bürger machen die Kultur“

NRW-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff zeichnete 21 Chöre und Instrumentalgruppen in Lippstadt mit Zelter- und Pro Musica-Plaketten aus

LIPPSTADT „Ist das nicht großartig“, fragte der Staatssekretär für Kultur des Landes NRW, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, gestern Morgen beim landesweiten Festakt zur Verleihung der Zelter- und Pro Musica-Plaketten in die Runde. Vorab hatte das aus allen Teilen NRWs angereiste Publikum im Stadttheater Beethovens Fantasie in c-moll genossen und den Beitrag des Gelsenkirchener Ensembles mit Bravo-Rufen honoriert.Ein dickes Lob gab es auch für Lippstadt, diesjähriger Gastgeber des zentralen Festaktes, bei dem das musikalische Engagement von sieben Orchesterensembles und 21 Chören mit 100-jähriger Vereinstradition geehrt wurde. Beide Plaketten (Zelter für Chöre und Pro Musica für Orchester) gelten als höchste Auszeichnung für Laienensembles in Deutschland. Lippstadt sei nicht nur als geschichtsträchtige Hansestadt ein idealer Austragungsort, sondern auch, weil sie eine Stadt ist, die vom kulturellen Engagement ihrer Bürger lebt.
„Der Staat kann keine Kultur machen“, schlug Grosse-Brockhoff einen weiten Bogen. „Die Bürger tragen sie und der Staat fördert sie“, hob er insbesondere die musikalische Förderung von Kindern hervor und erwähnte, dass die Landesregierung das Ehrenamt künftig mit einem eigenen Preis honorieren möchte, der am 5. Dezember am Tag des Ehrenamtes zum ersten Mal verliehen werden soll. Bevor der Staatssekretär die Urkunden und Plaketten an die Delegierten der Chöre und Instrumentalvereinigungen zwischen Weser und Rhein verlieh, übermittelte der Schirmherr Grüße von Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers des Landes NRW, das im Auftrag der Bundesregierung jedes Jahr die Plaketten verleiht.
Als Ehrengäste begrüßte Vize-Bürgermeister Franz Klocke u.a. Arnd Bolten vom Landesmusikrat NRW und Elmar Bergmann vom Verband Deutscher Konzertchöre des Landesverbandes NRW; jenen Verbänden, die für die Vergabe und Ausrichtung des Festaktes verantwortlich zeichneten.
Das musikalische Programm zeigte die große Bandbreite und hohe Qualität von Laienensembles. Während der Rodenkirchener Kammerchor und sein Orchester den Liedern von Johannes Brahms eine zarte, romantische Klangfarbe verlieh, kreierte er mit Antonin Dvoraks mährischen Klängen eine lebhafte wie liebliche Stimmung. Der Orchesterverein Solingen heimste mit dem gefühlvollen Spiel zweier Tangos des Komponisten Astor Piazolla mächtig Beifall ein. Klänge voller emotionaler Wucht, Leidenschaft und harmonischer Raffinessen waren zugleich eine Hommage an einen genialen Komponisten der Gegenwart (1921-1992).
Confido vocale & camerata hatte mit dem Pianisten Marek Korczak den Trumpf in der Hand. Beethovens c-moll-Fantasie geriet mit technisch einwandfreier und stimmgewaltiger Ausführung zum konzertanten Ohrenschmaus. Der Konzertchor Lippstadt des Städtischen Musikvereins schloss als gastgebender Verein den musikalischen Reigen mit einfühlsamen und andächtigen Interpretationen des Ave verum und zeitgenössischen Werken und entließ die Gäste in „ausgezeichneter“ Stimmung.rio

Aus „Der Patriot“ vom 15.04.2008:
„Bitte weniger richtig“

Kam die Jazz-Kantate „The Rio Grande“ noch etwas brav daher, so begeisterte der Städtische Musikverein spätestens mit Auszügen aus „Porgy and Bess“

LIPPSTADT Ein ungewöhnliches Programm bot der Städtische Musikverein Lippstadt bei seinem jüngsten Chorkonzert. Aber ein solches Programm tut dem Chor durchaus gut, wenngleich die rhythmischen Anforderungen auch nicht so erheblich waren.Aber das Engagement nicht nur des souverän und inspirierend leitenden Burkhard A. Schmitt war sehr wohl spürbar und übertrug sich auch auf eine gespannte Zuhörerhaltung, die sich nach den Nummern bei George Gershwin zunächst nur in gedachtem Beifall, am Ende aber in Begeisterung entlud.
Am Beginn Aaron Coplands „Apalachian Spring“, ein Klangstück, strukturiert durch eine Vier-Ton-Motivik, immer wieder in die Stille des Beginns zurückkehrend, von der Nordwestdeutschen Philharmonie mit Einfühlsamkeit und klanglicher Delikatesse gespielt und von Schmitt auch in den rhythmisch heiklen Momenten selbstbewusst gesichert.

Lebensvolles Klangterrain

In dem Genre nicht sonderlich zu Hause, hatte ich mir von dem Stück „The Rio Grande“, angekündigt als eine Jazz-Kantate des mir bislang unbekannten Constant Lambert, einige musikalische Erregungsmomente erwartet. Aber es war doch alles recht brav, auf Genauigkeit ausgerichtet.
Da fiel mir eine Bemerkung Klaus Doldingers ein, der mir bei einer Uraufführung, die ich singen durfte, sagte: „Kannst du das alles nicht ein wenig weniger richtig singen?“ Und das nur, um die musikalische Bravheit auszutreiben. Das hätte man sich hier auch etwas gewünscht, wobei der Chor klanglich ausgewogen und präzise sang, vom Orchester leider etwas zugedeckt, Christiane Theilig (Alt) Wohlklang verbreitete und vom Klavier durch Svetlana Travnikowa neben Präzision auch rhythmischer Schwung ausging.
Mit Auszügen aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin betrat der zweite Programmteil bekanntes Gelände. Für die Interpreten ist das natürlich nicht ganz ungefährlich, hat man doch die Interpretationen bekannter Musikanten im Ohr. Schöne, packende Musik ist das allemal, da lässt man sich gerne auch auf „stimmlich weiße“ Sänger ein, die erfreulicherweise nur ganz kurz mit Anschleifen der Töne nicht erreichbares Timbre zu imitieren versuchten.
Sabrina Martin (Sopran) sang eine sehr klangschöne Violetta, die mit strahlenden Höhen prunkte, und Timothy Sharp (Bariton) sangt einen kernigen, vitalen, stellenweise erfrischend zutreffenden Macho Escamillo.
Burkhard Schmitt bot gerade bei Gershwin eine große Konzentrationsleistung, übertrug dem fast kammermusikalisch geführten und klingenden Chor seine Freude am ungewohnten, dabei lebensvollen Klangterrain. Ein schöner Abend. AK

Aus „Der Patriot“ vom 09.04.2008:
Pfiffige Spielmusik

Das Trio Contraste bescherte den Zuhörern in der Jakobikircheeinen unterhaltsamen Konzertabend in ungewöhnlicher Besetzung

LIPPSTADT Man muss ja nicht vergangene Zeiten verherrlichen, aber wie war das denn wohl vor etwa 150 Jahren beim geselligen Miteinander, wenn man noch selbst die Hausmusik zur Unterhaltung machte, keine CD einwerfen konnte, sondern musizierte in gerade möglicher Besetzung?Etwa in der höchst ungewöhnlichen Besetzung des Trio Contraste mit Flöte, Viola und Gitarre, wie es beim letzten Konzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt in der Jakobikirche vorgestellt wurde. Den drei Künstlern Rainer Berger (Flöte), Martin Börner (Viola) und Stephan Schäfer (Gitarre) war mit dem nun erfreulicherweise vorhandenen Kammermusikraum der Ort geboten, die Intimität, das in sich ruhende Musizieren mit gleichzeitigem Unterhaltungseffekt damaliger geselliger Musik zu bieten.
Es kann kaum verwundern, dass die Grundvoraussetzungen gemeinsamen Musizierens dann auch zu originalen Kompositionen für die etwas bizarre Besetzung mit den drei Instrumenten führten, die in der Jakobikirche zu einem anheimelnden Zusammenspiel fanden, verbunden durch das klanglich Bindeglied der Viola.
Und die durfte hier ganz heiter solistisch aufspielen, musste nicht wehmütig klagen „Mein grauer Scheitel macht es mir zur Pflicht, den Abgrund euch zu nennen“, zu leiden, wie es Josef Weinheber der Viola zuschreibt. Gemeinsam mit Flöte und Gitarre konnte sie in nicht gerade tiefschürfenden, aber unterhaltsamen Kompositionen von Caspar Kummer (Serenade C-Dur op. 83) und Joseph Küttner (13. Potpourri über Gioachino-Rossini-Themen) – welcher Hörer des Abends hatte von diesen Namen zuvor gehört? – auf hohem künstlerischen Niveau aufspielen.
Auch die Werke der Moderne für die ungewöhnliche Besetzung waren nicht gerade hörerverwirrend: Harald Genzmers Trio (2004), für das Trio Contraste geschrieben, war durchaus herkömmliche, pfiffige Spielmusik, mit lebensvoller Artikulation geboten. Rudolf Kelterborns „Six Short Pieces“ erstellten ein breites Klangspektrum mit fast spätromantischen Anklängen.
Auch „leichte“ Musik – heute muss das ja schon betont werden – kann Substanz haben, wie durch das Programm und die Zugabe mit Bearbeitungen des Streichtrios Op. 8 von Ludwig van Beethoven bewiesen. Das Trio Contraste hat dem Lippstädter Publikum einen künstlerisch hochwertigen, fast frühlingshaft leichten Konzertabend beschert. AK

„Ganz schön schräg“

Kann man Kinder für Klassik begeistern? Das Trio Contraste präsentierte Viert- und Fünftklässlern im Forum der Marienschule „Hits“ von anno dazumal

LIPPSTADT Wie kann man 270 Mädchen und Jungen 45 Minuten lang für klassische Musik begeistern? Indem man die Musiker selbst kommen und live spielen lässt. Die Herren von Trio Contraste, die am Sonntag ein Kammerkonzert in der Jakobikirche gegeben hatten (siehe Rezension), verbrachten „extra für die Kinder“ eine Nacht in der Region, um am Montagmorgen – quasi ehrenamtlich – den Zehn- bis Zwölfjährigen im Forum der Marienschule „ihre“ Musik näher zu bringen.Möglich machte dies ein Projekt, das die Conrad-Hansen-Musikschule, der Städtische Musikverein, die Stadt Lippstadt und die Marienschule gemeinsam in die Wege geleitet hatten (wir berichteten). Das Ziel: Kinder schon früh an klassische Musik heranzuführen und Interesse am Erlernen eines Instrumentes zu wecken.
Projektleiterin Nam-Sig Gross freute sich riesig über die gelungene Veranstaltung, bei der die Musiker auch dem Publikum ein Lob zollten, denn nicht überall wären die Kinder so zu fesseln. Gekommen waren die vierten Klassen der Friedrichschule, der Martinschule, der Grundschulen Lipperode und Hörste sowie die fünften Klassen der Marienschule.
Rainer Berger (Querflöte), Martin Börner (Viola) und Stephan Schäfer (Gitarre) hatten keine Mühe, Kontakt mit ihrer jungen Hörerschaft zu knüpfen. Die drei erläuterten die Geschichte ihrer Instrumente und stellten fest, dass auch einige Kinder schon musikalische Erfahrung haben. Dabei ließen sich die Musiker durchaus auch persönliche Fragen gefallen. „Was verdient ihr?“ und „Habt ihr schon mal mit Pop-Stars gespielt?“
So aufgeweckt die Kinder Fragen stellten, so andächtig lauschten sie der Musik. Das Trio spielte Auszüge aus seinem Programm; einen echten „Hit“ aus dem frühen 19. Jahrhundert etwa, ein Potpourri aus Themen von Rossini, ein Menuett von Caspar Kummer oder eine Polonaise von Ludwig van Beethoven. „Ganz schön schräg“ klang das „Klagelied“ des zeitgenössischen Komponisten Rudolf Kelterborn. Auch das ist klassische Musik, wie das Ensemble vorführte. „Die klingt so komisch wie gruselige Filmmusik“.
Ein besonderes Stück war das Trio, das der erst vor kurzem verstorbene Komponist Harald Genzmer für das Ensemble geschrieben hatte – und zwar im Alter von 95 Jahren. „Ihr seht, dass man mit dem Komponieren ganz schön alt werden kann“, machte Martin Börner neugierig auf den Beruf.rio

Aus „Der Patriot“ vom 02.04.2008:
Musik reißt Schranken ein

Der Konzertchor Lippstadt singt Auszüge aus „Porgy and Bess“ sowie „The Rio Grande“

LIPPSTADT Auszüge aus George Gershwins legendärer Folk-Oper „Porgy and Bess“ präsentiert der Konzertchor Lippstadt am Sonntag, 13. April, im Lippstädter Stadttheaeter. Außerdem stehen die jazzsinfonische Kantate „The Rio Grande“ des englischen Komponisten Constant Lambert sowie das Orchesterstück „Appalachian Spring“ des Amerikaners Aaron Copland auf dem Programm. Die Solopartien übernehmen Sabina Martin (Sopran) und Timothy Sharp (Bariton). Darüber hinaus wirken Swetlana Travnikowa (Klavier) und die Nordwestdeutsche Philharmonie an der Aufführung des Städtischen Musikvereins mit. Die Leitung hat Burkhard A. Schmitt.
Gerschwins „American Folk Opera“ schildert das Leben von Afroamerikanern in Charleston um 1870. Obgleich sich der Komponist von der Musik der Schwarzen inspirieren ließ, hat Gershwin deren Gospels, Spirituals und Songs nicht einfach übernommen, sondern sie in seinen eigenen, vom Musical und Jazz beeinflussten Stil einfließen lassen.
Wie die Aufführungsgeschichte zeigt, barg der Stoff durchaus auch politischen Zündstoff. Die Metropolitan Opera wollte „Porgy and Bess“ uraufführen – schließlich war George Gershwin der meistgespielte amerikanische Komponist. Doch nie hätte der elitäre New Yorker Musentempel die Oper über einen schwarzen Behinderten und seine angebetete Bess mit farbigen Sängern besetzt – man bevorzugte dort Weiße mit schwarzer Schminke.

Erkennungsmelodien des Widerstandes

Gershwin entschied sich daher kurzerhand für eine andere Theaterbühne und suchte im ganzen Land nach schwarzen Sängern für seine Volksoper aus dem Hafenmilieu. Mit bemerkenswerten Folgen: Erstmalig wurden in amerikanischen Theatern die Rassenschranken vor und hinter der Bühne aufgehoben.
Auch Europas Faschisten bekamen das von ihnen als „jüdische Negeroper mit Urwaldgeschrei und Bauchtanz“ bezeichnete Werk zu hören: Songs aus „Porgy and Bess“ wurden zu Erkennungsmelodien des dänischen Widerstandes.
Dem „englischen Gershwin“ Constant Lambert ist solche Popularität versagt geblieben. Dabei ist ihm mit „The Rio Grande“ aus dem Jahr 1927 so etwas wie eine Vorwegnahme von Crossover-Musik gelungen. Das Werk ist ein swingender Mix aus Kantate und Klavierkonzert, in dem sich Jazz und Hispanismen mit englischer Choralmusik verbinden.
Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Karten sind in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, bei den bekannten auswärtigen Vorverkaufsstellen und – soweit noch vorhanden – an der Abendkasse erhältlich.

Aus „Der Patriot“ vom 29.03.2008:
Ungewöhnliche Kombination

Kummer, Küffner, Kelterborn: Trio Contraste gastiert am 6. April in der Jakobikirche

LIPPSTADT Mit einem ausgefallenen Programm gastiert am Sonntag, 6. April, das Trio Contraste in Lippstadt. Mit Rainer Berger (Flöte), Martin Börner (Viola) und Stephan Schäfer (Gitarre) haben sich drei international erfahrene Kammermusiker zu einem Trio zusammengefunden, das über ein Repertoire von der Barockzeit bis zur Gegenwart verfügt und sich so als eine außergewöhnliche Bereicherung der kammermusikalischen Szene präsentiert. In Lippstadt treten die Künstler im Rahmen der Kammerkonzertreihe des Lippstädter Musikvereins am Sonntag, 6. April, um 19 Uhr in der Jakobikirche auf.Die ungewöhnliche Instrumentenkombination der drei Künstler verspricht eine Zeitreise ins frühe 19. Jahrhundert, als Kammermusik vor allem in den Salons der gehobenen Gesellschaft aufgeführt wurde. Wer gesellschaftliche Ambitionen besaß, veranstaltete in seinen Räumen gastliche Soireen, bei denen sich Intelligenz, Kunst, Macht und Geld die Hand gaben.
Vor diesem Hintergrund wundert die umfangreiche Originalliteratur für diese Trio-Besetzung nicht. Ihrem Namen entsprechend werden die drei Künstler mit Caspar Kummers (1795-1870) Serenade op. 83 sowie Joseph Küffners (1776-1856) Rossini-Potpourri kontrastreich Werke jener Zeit neuer Musik gegenüberstellen: ein Trio des jüngst verstorbenen Harald Genzmers (1909-2007) sowie die „6 short pieces“ des Schweizers Rudolf Kelterborn (*1931).
Karten im Vorverkauf gibt es bei der Kulturinformation im Rathaus, Tel. (0 29 41) 5 85 11, und den bekannten auswärtigen Verkaufsstellen.

Aus „Lippstadt am Sonntag“ vom 23.03.2008:
Kammerkonzert in der Schule

Musikverein bringt Grundschülern Klassik näher

LIPPSTADT. (-tt) Das „Konzert nicht nur für Kinder“, das seit Jahren vom Musikverein Lippstadt im Stadttheater veranstaltet wird, ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen beliebt. Nun schlägt der Musikverein gemeinsam mit der Conrad-Hansen-Musikschule und der Stadt Lippstadt einen neuen Weg ein, um junge Zuhörer zu erreichen. Das Trio „Kontraste“ ist vom städtischen Musikverein eingeladen worden, am 6. April in der Jakobikirche ein Kammerkonzert zu geben. Einen Tag später, am 7. April, werden die drei Musiker anlässlich eines Schulkonzerts vor rund 250 Kindern Ausschnitte aus diesem Konzert im Forum der Marienschule spielen. Diese Aufführung werden die Schüler der 4. Klassen der Friedrichschule, Martinschule Cappel, Grundschule Lipperode, Grundschule Hörste und die Schüler der 5. Klasse der Marienschule besuchen.
„Wir gehen direkt zu den Kindern vor Ort“ beschrieb der musikalische Leiter des Musikvereins, Burkard Schmitt, am Montag im Pressegespräch die Grundidee des Projekts „Musik und Schule“, und die Initiatorin Nam-Sig Gross, die als Klavierlehrerin an der Conrad-Hansen-Musikschule tätig ist, ergänzte: „Je früher die Kinder mit Musik in Berührung kommen, desto besser. Wir gehen davon aus, dass es für Kinder etwas Neues ist und haben in anderen Projekten ein sehr schönes Echo durch die Kinder erlebt.“ Wie Schmitt betonte, bestehe auch von Seiten der Künstler ein großes Interesse bei der Aktion mitzuwirken: „Es läuft nicht wie in einem normalen Konzertrahmen ab. Die Kinder werden zu Fragen animiert. Das ist ‚Musik zum Anfassen‘ „. Interessant sei auch die Zusammenstellung der Instrumente, die beim Trio „Kontraste“ zum Einsatz kommen: Flöte, Viola und Gitarre. „Das ist eine seltene Besetzung – diese Instrumente sind nicht unbedingt alltäglich im Konzertbereich“, machte Schmitt deutlich.
Mindestens viermal im Jahr gibt es in Grundschulen und Allgemeinbildenden Schulen ein Schulkonzert. Damit sollen die pädagogische Hörerziehung und der frühzeitige Kontakt mit Musik gefördert werden. „Das Kennenlernen verschiedener Musikinstrumente und der nahe Kontakt mit den Künstlern machen die Konzerte zu einem besonderen Erlebnis. Die gemeinsame Erfahrung fördert die Kommunikation unter den Kindern und Jugendlichen und weckt gleichzeitig das Interesse, selbst zu musizieren“, so Organisatorin Gross. Mit diesen Aktionen erreicht die Musikschule pro Jahr rund 700 Kinder in den Schulen. Mit dem Projekt „Musik und Schule“ werde die Gelegenheit genutzt, Kinder aller Bildungsschichten anzusprechen. „In der Grundschule haben wir alle Kinder, danach gehen sie zu anderen Schulformen weg“, unterstrich der Leiter des städtischen Fachbereichs Schule, Kultur und Sport, Franz-Josef Brenke. Auf diese Weise könne eine Zuhörerschaft erreicht werden, die sonst nicht in die Konzerte des Musikvereins gehe.

Aus „Der Patriot“ vom 19.03.2008:
Schon in der Kindheit den Kontakt zur Klassik knüpfen

Musikverein, Stadt und Musikschule starten neues Projekt. Professionelle Ensembles sollen Konzerte in den Schulen geben

LIPPSTADT Deutschsprachiger Pop? Na klar, und ein bisschen Rap darf´s auch gerne mal sein. Vielleicht sogar schon die fetten Beats der amerikanischen Hip-Hop-Szene? Durchaus möglich, dass sich der Musikgeschmack der Jugendlichen schon in frühen Jahren so entwickelt. Bei dem einen Teenie früher, bei dem anderen später. Das ändert aber nichts daran, dass das nicht unbedingt etwas für Feingeister ist. Zur Hörerziehung taugt diese Musik ebensowenig wie die tägliche Einslive-Berieselung. Aber Kontakt zur klassischen Musik? Den bekommen die meisten Kinder wohl nur, wenn die Eltern beim Ostersonntag-Frühstück das Musikprogramm bestimmen. Das aber soll jetzt anders werden, haben sich die Stadt Lippstadt, die Conrad-Hansen-Musikschule und der Musikverein vorgenommen. Bei einer Pressekonferenz stellten sie das Projekt „Musik & Schule“ vor. Es soll die pädagogische Hörerziehung und den frühzeitigen Kontakt zur Musik fördern.So ist das Trio Kontraste eingeladen worden, nach seinem Kammerkonzert am Sonntag, 6. April, in der Jakobikirche noch einen Tag länger in Lippstadt zu bleiben. Warum? Die Musiker werden am nächsten Morgen mit Querflöte, Gitarre und Bratsche rund 45 Minuten lang Ausschnitte ihres Konzerts im Forum der Marienschule präsentieren. Und das vor rund 250 Kindern. Die Fünftklässler der Marienschule werden dabei sein, ebenso die Viertklässler der Friedrichschule, der Martinschule Cappel sowie der Grundschulen in Lipperode, und Hörste.
„Wir kommen zu den Kindern, und das mit professionellen Ensembles“, betont Burkhard Schmitt, musikalischer Leiter des Musikvereins, den innovativen Charakter des Projekts im Vergleich zu bestehenden Veranstaltungen wie dem großen Kinderkonzert im Stadttheater. Besonders erfreut ist er daüber, dass die Musiker „nahezu ohne zusätzliches Honorar“ auftreten, sich als Künstler zum Anfassen und offen für Fragen präsentieren wollen. Seiner Einschätzung nach ist es realistisch, dass künftig ein bis zwei solcher Konzerte pro Saison stattfinden können.
Die Musikschule habe zwar eine enge Bindung zu den Kindertagesstätten sowie den Schulen und erreiche derzeit rund 700 Kinder, schätzt Franz-Josef Brenke als Leiter des städtischen Fachdienstes Schule und Kultur – das Projekt bringe aber einen Qualitätssprung, der die Breitenwirkung und damit auch die Akzeptanz klassischer Musik erhöhe. „Ich hoffe, dass die Musiklehrer die Kinder auf das Konzert entsprechend vorbereiten“, so Brenke.
Der Erfolg des von Nam-Sig Gross geleiteten Projektes wird indes schwierig zu messen sein. Jedenfalls soll das Interesse der Kinder geweckt werden, sowohl selbst ein Instrument zu spielen als auch klassische Musik zu hören. Die Neugierde werde sich nicht unbedingt in zusätzlichen Anmeldungen bei der Musikschule oder jüngeren Besuchern bei künftigen Konzerten widerspiegeln, waren sich die Musik-Experten sicher. Vielleicht werde jedoch in 20 Jahren das Publikum bei klassischen Konzerten wieder jünger sein.
Aber wer weiß denn, ob sich nicht schon bald Poster des virtuosen und weltweit umjubelten Geigers David Garrett an Kinderzimmer-Wänden finden? axs

Aus „Der Patriot vom 12.03.2008:
Wie ein Orkan

Das Faust-Quartett interpretierte in der Jakobikirche äußerst abwechslungsreich und lebendig Werke von Schubert, Beethoven und Mendelssohn Bartholdy

LIPPSTADT Eigentlich reicht es für ein Konzert, wenn man den Musikern nur zuhört. Das Zuschauen ist dagegen zweitrangig. Ganz anders war es beim Gastspiel des Faust-Quartetts in der Jakobikirche. Wer da Joanna Kamenarska (1. Violine), Cordula Frick (2. Violine), Ada Meinich (Viola) und Birgit Böhme (Violoncello) beim Spielen zusah, staunte.Nicht nur ihre Körper bewegten sich im Rhythmus der Musik mit, auch ihre Gesichter sprachen Bände. Geschichten konnte man in ihnen lesen. Mal schauten sie finster drein, dann huschte ihnen ein Lächeln über das Gesicht. Es war so, als wollten sie sagen: „Die Musik ist unser Leben. Dafür geben wir alles.“
Auf dem Programm standen Franz Schuberts Quartettsatz c-Moll, Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett op. 44/2 e-Moll und Ludwig van Beethovens Streichquartett op. 59/3 C-Dur. Kraftvoll und leidenschaftlich wie ein Orkan, aber auch sanft und poetisch wie eine Katze, die zufrieden auf dem Schoß ihres Besitzers schnurrt, interpretierten die Streicherinnen die Stücke. Sie zeigten, welche Gefühlswelten in den Werken von Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Beethoven schlummern.
Und sie arbeiteten jede kleinste Nuance heraus. Es war so, als ob es die vier Musikerinnen darauf angelegt hätten, den kleinen Mikrokosmos der Kompositionen Stück für Stück wie eine Zwiebel zu häuten.
Beethovens Streichquartett begannen die Streicherinnen beispielsweise mit einem ruhigen, sanften Spiel, bei dem jeder Ton voll ausgekostet und gedehnt wurde. Manchmal hatte man das Gefühl, dass die Bögen die Instrumente nur zart berührten und sie zum Schwingen brachten. Doch die Musikerinnen beherrschten genauso gut die temperamentvolle Interpretation. Da flogen die Bögen dann energisch über die Instrumente.
Ähnlich abwechslungsreich und lebendig deutete das Faust-Quartett auch Mendelssohn Bartholdys Streichquartett. So gaben sich die Streicherinnen einen Moment lang temperamentvoll wie eine vor Wut schnaubende Geliebte, dann ließen sie langsam Ton auf Ton folgen. Jedes Instrument hatte dabei seine eigene Stimme. Ihr Zusammenspiel hatten Kamenarska, Frick, Meinich und Böhme genau aufeinander abgestimmt.
Kurzum: Es machte Spaß, dem Faust-Quartett zuzuhören. Man hat wohl selten ein so lebendig spielendes Ensemble erlebt. mes

Aus „Der Patriot“ vom 23./24.02.2008
Polyphon und selbstständig

Kammermusikreihe wird mit dem Faust Quartett in der Jakobikirche fortgesetzt

LIPPSTADT Die Kammermusikreihe des Musikvereins wird am Sonntag, 9. März, 19 Uhr in der Jakobikirche mit einem Kammerkonzert des renommierten Faust Quartetts fortgesetzt. Auf dem Programm stehen Franz Schuberts Streichquartettsatz c-Moll (D 703), Felix Mendelssohn-Bartholdys 4. Quartett e-Moll op. 44/2 sowie Ludwig van Beethovens Quartett C-Dur op. 59/3.Das Faust Quartett hat sich in den letzten Jahren zu einem der beachtenswertesten Streichquartette seiner Generation entwickelt. Joanna Kamenarska und Cordula Frick (Violine), Ada Meinich (Viola) und Birgit Böhme (Violoncello) können mittlerweile auf einige Wettbewerbslorbeeren verweisen. Beim „Internationalen Musikwettbewerb der ARD München“ 2004 erspielte sich das Quartett beispielsweise den zweiten Preis.
Durch rege Konzerttätigkeit, Rundfunkproduktionen und Konzertmitschnitte präsentiert sich das Ensemble inzwischen einem immer breiteren Publikum.
Das Repertoire des Faust Quartetts erstreckt sich von der klassischen Quartett-Literatur über die zeitgenössische Musik mit eigens dem Ensemble gewidmeten Kompositionen bis hin zu Werken in erweiterter Besetzung, die es unter anderem mit Musikern wie Dimitri Ashkenazy zusammen-bringt.
Neben dem Quartettspiel treten die Musikerinnen auch solistisch mit Orchestern wie der Staatskapelle Weimar und den Berliner Symphonikern und weiteren Klangkörpern in den Niederlanden, Ungarn und England auf.
Mit „Faust“, dem Namenspatron, bezieht sich das Quartett auf seinen Gründungsort Weimar und zitiert dabei gleichzeitig den Dichterfürsten Goethe mit seinem Ausspruch über die polyphone Selbstständigkeit aller vier Stimmen eines Streichquartetts: „Man hört vier vernünftige Leute sich unterhalten, glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen.“
Karten sind in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Tel. (0 29 41) 5 85 11, und bei den bekannten auswärtigen Vorverkaufsstellen erhältlich.

Aus „Der Patriot“ vom 20.02.2008
Sternstunden der Musik

Die Neue Philharmonie Westfalen gastierte mit einem außergewöhnlichen Programm im Stadttheater und hinterließ begeisterte Eindrücke

LIPPSTADT AK Ein außergewöhnliches Programm war es schon, mit dem die Neue Philharmonie Westfalen im Rahmen der Städtekonzerte NRW im Lippstädter Stadttheater gastierte. Ungewöhnlich wegen des profilierten Einsatzes von Saxophonen, die nicht gerade zum gängigen Besetzungsrepertoire von Sinfoniekonzerten gehören, ungewöhnlich wegen eines oft zentralen Einsatzes des Schlagwerkes und ungewöhnlich wegen einer zumindest oberflächlich so erscheinenden besonderen Anlehnung an Amerika-Assoziationen. Letzteres schien zumindest im ersten Programmteil das musikhistorische Spektrum ein wenig zu verengen. Aber dass man in dem kleinen, spritzigen Concerto von Jacques Ibert einen krankheitsbedingten Ausfall kurzfristig nicht würde ersetzen können, das war schon sehr verständlich.So begann dann also das Konzert mit „Manhattan Concerto“ von Siegfried Matthus, einem der Vorzeigekomponisten der ehemaligen DDR, der sich schon frühzeitig aus der Begrenzung herauskomponieren konnte. Sein Stück ist dramaturgisch einleuchtend gebaut, mit witzigem Einbau von Naturgeräuschen und einem hitzigen „Herrschaftskampf“ im Schlagwerk, einmal mit fast aleatorischen Momenten, an moderner Spielweise aber nicht über atmosphärisch überzeugende Glissandi hinausgehend. Angenähert an klassische Klangvorstellungen ist der langsame Satz, alles von intensiver Bildhaftigkeit.

Virtuoser Klangreiz der Saxophone
Quer durch Amerika zieht sich der Anregungsstrom für „Rhythm of the Americas“ von Bob Mintzer, hauptsächlich getragen von Jazz-Elementen und die nun wieder durch ein Saxophon-Quartett. Das wirkt nun stellenweise, besonders im ersten Satz, wie gefällige Filmmusik, gewinnt aber an hohem Reiz durch den ebenso emotionsgeladenen wie virtuosen Klangreiz der Saxophone.
Großartig die vier Solisten: Jan Schulte-Bunert, Sopran, Maike Krullmann, Alt, Christoph Enzel, Tenor und Kathi Wagner, Baritonsaxophon. Sie waren begeisternd, sowohl in scheinbar improvisatorischen Momenten des zweiten Satzes als auch in den brillanten Parallelläufen des Schlusssatzes. Sie überzeugten sogar im langsamen Satz, der ein wenig Dvorak angenähert ist, insgesamt aber mit seiner „Jeder-darf-mal“-Anlage doch recht flach wirkt. Große Begeisterung danach und eine pfiffige, atmosphärisch dichte Zugabe der Solisten.
Heiko Mathias Förster, der musikalische Leiter des Abends, hatte bisher mit seiner neuen Philharmonie Westfalen sehr einfühlsam, rhythmisch präzise und stimmungssicher begleitet. Eine wahre Sternstunde aber lieferte er mit Antonin Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“, diesem wohl populärsten und häufig gespielten Werk des Komponisten, das so häufig in emotionaler Klangverliebtheit ertrinkt.

Überwältigende Wirkung im Publikum
Ganz anders bei Heiko Matthias Förster mit seinem vergleichsweise klein besetzten Orchester. Fast kammermusikalisch geht er das Werk an, ohne die rauschhaften Aufschwünge zu verweigern. Aber was er an dynamischer und agogischer Differenzierung bis in die kleinsten Phrasen hinein besonders im zweiten Satz leistet, wie aus äußerster Temporeduktion Steigerungen erwachsen, immer ein Entwicklungsprozess verdeutlicht wird, wie keine Wiederholung ein Abspielen des Gleichen war, das war interpretatorisch packend. Die Wirkung beim Publikum war entsprechend: überwältigt und begeistert – und das zu recht.

Aus „Der Patriot“ vom 06.02.2008:
Klänge aus der neuen Welt

Mit einem außergewöhnlichen Programm lockt das nächste Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen

LIPPSTADT Die Neue Philharmonie Westfalen bittet am Sonntag, 17. Februar, zu einem „amerikanischen Abend“ ins Lippstädter Stadttheater. Im Gepäck haben die Musiker Jacques Iberts „Concertino da camera für elf Instrumente und Altsaxophon“ sowie das „Manhattan-Concerto“ des zeitgenössischen Komponisten Siegfried Matthus, in dem ein theatralischer Wettstreit von drei Schlagzeugern im Mittelpunkt steht.
Außerdem stehen Bob Mintzers „Rhythms of the Americans“ für Saxophon-Quartett und Orchester sowie Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ auf dem außergewöhnlichen Programm. Als Solisten wirken Jan Schulte-Bunert und das Saxophonquartett Clair-Obscur an der Aufführung mit. Die Leitung hat Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster.
Das Saxophon ist ein Spätstarter und führte in der klassischen Musik lange Zeit eher ein Stiefmütterchendasein. Als es 1841 erfunden wurde, war das Sinfonie-Orchester bereits komplett. Kein Bach, Händel, Mozart, Beethoven oder Schubert konnte jemals eine Note fürs Saxophon schreiben. Erst als es im Jazz des 20. Jahrhunderts Karriere machte, wachten die Komponisten auf: Für die letzten 50 Jahre sind mehr als 11 000 Werke und Transkriptionen registriert, in denen das Saxophon eine prominente Rolle spielt.
Keine Frage, der Klassik-Exot hat mittlerweile mächtig aufgeholt. Davon profitieren auch Ensembles wie das Saxophonquartett Clair-Obscur, das sich im Grenzbereich von Klassik und Jazz bewegen. Das Berliner Ensemble wurde 1997 von Studenten der Hochschule der Künste gegründet. Jan Schulte-Bunert (Sopransaxophon), Maike Krullmann (Altsaxophon), Christoph Enzel (Tenorsaxophon) und Kathi Wagner ( Baritonsaxophon) sind laut Vorankündigung alle Preisträger verschiedener Wettbewerbe und sammelten Orchestererfahrung unter anderem bei dem Orchester der Deutschen Oper Berlin oder den Berliner Philharmonikern.
Jan Schulte-Bunert konzertierte den Angaben zufolge sowohl solistisch als auch mit Clair-Obscur in ganz Europa und den USA. Dabei spielte er unter anderem in der New Yorker Carnegie-Hall, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen und bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern.
Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr. Karten gibt es in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11 und an der Abendkasse.

Aus „Der Patriot“ vom 31.01.2008:
Spende soll Qualität des Kulturangebots sichern

Eine besonders erfreuliche Chorprobe erlebte jetzt der Städtische Musikverein Lippstadt: Herbert Schiene, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Lippstadt, überreichte im Rahmen der Probe einen Scheck über 9000 Euro. „Mit dieser Spende soll das qualitativ sehr hohe Kulturangebot anerkannt und auch für die Zukunft gesichert werden“, erklärte Schiene. Den Scheck für den Musikverein nahmen Musikdirektor Burkhard Schmitt (r.) und zweite Vorsitzende Evelyn Adam entgegen. Vor allem zwei Veranstaltungen möchte die Volksbank mit der Spende tatkräftig unterstützen: zum einen den Auftritt des Musikkabarettisten Lars Reichow mit seinem Programm „Glücklich in Deutschland“, zum anderen eine weihnachtliche Veranstaltung mit dem Schauspieler Friedrich von Thun und der Sinfonia Varsovia am 3. Dezember diesen Jahres. Allerdings werden nicht nur diese beiden kulturellen Höhepunkte, sondern auch die vom Musikverein ausgerichtete Verleihung der Zelter-Plakette von den gespendeten 9000 Euro profitieren.

Aus „Der Patriot“ vom 26.01.2008:
Shakespeare trifft Sting

Tuomi begeisterten in der Jakobikirche mit einer stimmungsvollen Mischung aus jazz, Pop, romantischem Kunstlied und klassischer Lyrik

LIPPSTADT Es ist mucksmäuschenstill in der Jakobikirche. Tuomi haben für ihre ersten beiden CDs geradezu euphorische Kritiken erhalten, und man versteht vom ersten Ton an, wieso. Der Städtische Musikverein und der Jazzclub haben das Trio um die Sängerin Kristiina Tuomi eingeladen, und damit einen guten Griff getan.
Es ist natürlich ein bisschen albern, dass die blonde Sängerin (auch in Lippstadt) als „noble Nordstimme“ verkauft wird, „die Finnland auf der Landkarte des modernen Jazz-Songwritings platziert“ – schließlich stammt die Halbfinnin aus Berlin, und das liegt bekanntlich nicht ganz so weit im Norden.
Aber das mit der großen Stimme stimmt schon. Ohne jede aufgesetzte Dramatik füllt die Altistin mit ihrem faszinierenden Gesang mühelos den Raum: schwebend und doch sehr präsent, zugleich leicht unterkühlt und äußerst sinnlich, manchmal etwas mädchenhaft, aber nie naiv.
Carsten Daerr (Piano) und Carlos Bica (Kontrabass), die auch für die Kompositionen verantwortlich sind, erweisen sich dabei als kongeniale Mitstreiter, die ihren Instrumenten scheinbar mühelos die faszinierendsten Klänge entlocken. Der Portugiese Carlos Bica webt mit seinem Kontrabass dichte Soundteppiche, benutzt ihn genauso als Rhythmus- wie als Melodieinstrument, während man Carsten Daerr die klassische Ausbildung immer wieder anhört.
Die musikalischen Einflüsse des Trios sind vielfältig. Jazz findet sich da ebenso wie das romantische Kunstlied, Pop oder skandinavische Folksongs. Umso bemerkenswerter ist die stilistische Homogenität der Kompositionen, in die sich das Police-Stück „King of Pain“ und die Sting-Ballade „When the Angels fall“ nahtlos einfügen. Auf Dauer wirkt der Sound allerdings vielleicht sogar etwas gleichförmig, sind sich die Stücke in ihrer Stimmung ein bisschen zu ähnlich.
Das Trio setzt vor allem auf ruhige, melancholische Stücke. Zu den Ausnahmen gehört das deutlich dramatischere Titelstück des zweiten Albums, „The Expense of Spirit“, die Vertonung eines Shakespeare-Sonetts. Überhaupt läuft die Band oft zur Hochform auf, wenn sie sich an klassischer Lyrik abarbeitet, an Edgar Allan Poe etwa („Bridal Ballad“) oder William Butler Yeats („An Isle in the Water“).
Aber sie können auch anders, etwa in Kristiina Tuomis selbst getexteter Abrechnung mit dem Ex: „I really don’t care who you fuck out there“ („Golden Brown“). Es muss ja nicht immer Shakespeare sein. Eine klare Sprache hat manchmal auch etwas für sich.
Für die Zugabe hat sich das Berliner Trio etwas Besonderes aufgehoben, „Carlos (Sweet)“, ein träumerisch-beschwingtes Liebeslied von Carlos Bica, das keine Sekunde in billigen Kitsch abgleitet. Und man ist sehr dankbar, dass es keine weitere Zugbe gibt. Mit dieser Melodie im Ohr möchte man nach Hause gehen. bal

Aus „Der Patriot“ vom 22.01.2008:
Seltene Sternstunde

Das Kammerkonzert des Jacques Thibaud Trios in der Jakobirche begeisterte durch interpretatorische Meisterschaft ohne Sterilität

LIPPSTADT Wie heikel – darum auch so selten und von Komponisten nicht in großer Fülle bedient – ist doch meine kammermusikalische Traumbesetzung des Streichtrios. Heikel, weil immer auf dem schmalen Grad zwischen intimer Durchhörbarkeit und dem unerfüllbaren, überbordenden Klangausbruch.Wunderbar, wenn man mit dem Jacques Thibaud Trio aus Berlin im Raum der Jakobikirche ein Musizieren in dieser Besetzung erlebte, das an Vollendung grenzte. Was aber zeichnet ein solches Musizieren aus? Da ist zunächst ein klanglich höchst ausgeglichenes Instrumentarium, warm und von hoher Homogenität. Dann ist es das hochsensible Zusammenspiel, das jede dynamische Differenzierung wie selbstverständlich von allen drei Künstlern erfüllt findet.
Wenn dann auf der Höhe der gebotenen interpretatorischen Meisterschaft ohne Sterilität, lebensvoll aus der Musik heraus musiziert wird, dann fasst den Hörer ein Gefühl gespannter Aufmerksamkeit und gleichzeitiger Aufgehobenheit im Bewusstsein, eine seltene Sternstunde zu erleben.
Burkhard Maiß (Violine), Philip Douvier (Viola) und Bogdan Jianu (Violoncello) waren die souveränen, unartifiziellen Musikanten, deren auf spannungsvollem Miteinander begründete wunderbare Gelassenheit sich besonders in den erfüllten Pausen zeigte. Das ist ein oft übersehener Maßstab erfüllten Musizierens, breitet sich doch innere Unruhe beim Hörer aus, wenn die Pausen aus dem Maß des musikalischen Ablaufs herausfallen. Genug der Lobeshymnen!

Eine vollendete Unvollendete
Ein großes Allegro eröffnet das Streichtrio Es-Dur op. 3 von Ludwig van Beethoven, wobei erhebliche Klangfülle und Durcharbeitung wahrlich nicht auf ein Frühwerk des Komponisten hinweisen. Den hier geforderten fast orchestralen Anspruch erfüllte das Thibaud-Trio bei aller Dezenz ebenso prachtvoll wie die emotionalen Ansprüche im Adagio.
Franz Schuberts Streichtrio B-Dur ist unvollendet. Aber gibt es vollendetere Musik als die unvollendete bei Franz Schubert?
Schließlich das umfängliche Streichtrio (W 460) von Heitor Villa-Lobos. Nun ist dieser Komponist bei uns wirklich kein Unbekannter mehr, aber er bleibt geheimnisvoll, weil er sich so ganz einer beliebten Kategorisierung entzieht. Hier erlebte man vitale, packende, rhythmisch nicht besonders aufregende, aber aufwühlende Musik von prachtvoller Farbigkeit, und das besonders im Sordino-Satz des mit Flageolett und Glissandi durchsetzten Andante.
Viel Beifall und eine Zugabe. Mein Wunsch wäre ein Haydn gewesen. AK

Aus „Der Patriot“ vom 02.01.2008:
Ein Traum von Winter zum Silvester-Konzert

Im Stadttheater ließen die Sopranistin Gudrun Sidonie-Otto und das Radio-Sinfonie-Orchester Krakau musikalische Sektperlen aufsteigen

LIPPSTADT Auch diesmal schneite es wieder in der Silvesternacht auf dem Rathausplatz. Schon einige Stunden vor Mitternacht wurden vorzeitig die Silvester-Raketen gezündet. Das ehrwürdige Rathaus erstrahlte im Glanz des Silvester-Feuerwerks: Zum zweiten Mal wurde die gelungene Computer-Illusion des Musikvereins auf der mit roten und goldenen Kugeln und Raketenköpfen festlich dekorierten Bühne des Stadttheaters im Rahmen des traditionellen Silvesterkonzertes eingesetzt. Die musikalischen Raketen indes zündete auch diesmal wieder das Radio-Sinfonie-Orchester Krakau. Gleich zweimal hintereinander wurde das unterhaltsame Musikfeuerwerk abgebrannt.In einem wohldosierten konzertanten Konfetti-Mix stimmten die Krakauer mit teils besinnlichen, teils heiteren Highlights aus Klassik, Oper und Operette, Musical und Filmmusik auf die Silvesternacht ein. Zu den musikalischen Sektperlen des Silvesterkonzertes gehörten beliebte Märsche und Konzertwalzer von Emil Waldteufel, Johann Strauß und Johann Schrammel in der großartigen Klangkultur der KuK-Tradition ebenso wie klangschöne Paradestücke aus Filmen und Musicals.
Für vokalsolistischen Glanz sorgte die quirlige Sopranistin Gudrun Sidonie-Otto mit erlesenen Arien aus Oper, Operette und Musical, unterstützt von adäquater Mimik und Gestik. Als „Unschuld vom Lande“ aus der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ gewann sie spielend das „Casting“ vor der gestrengen Jury – dem wohlwollend mitgehenden Lippstädter Publikum. Orchester-Chef Breuer schmunzelnd: „Sie ist engagiert!“ Auch mit dem Walzer „Der Kuß“ (Hermann Breuer: „Jeder darf sich angesprochen fühlen!“) wickelte die Sängerin mit ihren breit gefächerten stimmlichen Fähigkeiten ihr Publikum auf recht charmante Art schnell ein. Mit der virtuos erspielten Tarantella „La Dansa“ von Giacomo Puccini und Musical-Medleys aus „My fair lady“ und Showboat steigerte sich das Ensemble zum grandiosen Finale, das mit Martin Böttchers unsterblicher Winnetou-Filmmusik und dem unverwüstlichen Radetzky-Marsch als zündende Zugaben ihren Höhepunkt erhielt. LB

Aus „Der Patriot“ vom 24.12.2007:
Begeisternde Souveränität

Der Trompeter Guiliano Sommerhalder bewies im Stadttheater sein überragendes Vermögen

LIPPSTADT „Die Trompete, die schmettert“, diesen Beitrag zu einem Quodlibet haben wir wahrscheinlich alle gesungen, singen die Kinder wohl auch noch heute. Vielleicht wird damit eine Hörerwartung vorgeprägt. Aber die wahrhaft großen Trompeter haben eine ganz andere, weit größere Ausdrucksskala. Sollte man es vorher nicht gewusst haben, beim jüngsten Sinfoniekonzert des Lippstädter Musikvereins unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt mit dem wunderbaren Trompetensolisten Guiliano Sommerhalder konnte man es erfahren.
Mit stupender Technik spielte er das populäre Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel, eines der wenigen Solokonzerte für Trompeter. Er spielte es zusammen mit dem für diese Komposition angemessen verkleinerten Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen, das geschmeidig und spürbar vom Solisten angeregt begleitete.
Die dynamische Breite des Solisten war dabei ebenso begeisternd wie seine technische Souveränität, mit der er, und das war besonders faszinierend, Triller zur Musik machte, sie nicht als brillante Verzierungen verkümmern ließ.
Ihm gehörte auch die Begeisterung des Publikums in der musikalisch nicht besonders tiefsinnigen, aber durchaus amüsierenden Fantasie mit Motive aus „La Traviata“ für Trompete und Orchester von Amilcare Ponchielli in der Orchestration seines Vaters Max Sommerhalder. Dies Werk bot dem Solisten die Bühne vom pathetischen Auftrumpfen bis hin zur lyrischen Wendung. Die danach begeistert geforderte Zugabe nutzte er dann zu einer erneuten Demonstration seines überragend technischen und musikantischen Vermögens.
Eine emotional erfüllte Ouvertüre zu Engelbert Humperdincks Ober „Hänsel und Gretel“ hatte am Programmbeginn Burkhard A. Schmitt mit dem Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen gespielt, damit zutreffend auf ein Programm eingestimmt, das nicht unbedingt gewichtige kompositorische Grundsuppe löffeln wollte.
So gelang auch die schmissige Ouvertüre „Karneval“ op. 92 von Antonin Dvorák mit Temperament und Klanggefühl atmosphärisch überzeugend, hatte ihren besonderen Glanzpunkt in dem zweimal angesetzten, spannungsvollen Stringendo des Schlussabschnitts.
Insgesamt also ein erwärmendes Konzert, das sich durchaus über die Kälte des Heimwegs hinwegretten ließ. AK

Aus „Der Patriot“ vom 12.12.2007:
Verhaltene Dynamik

Das Ensemble Epoca Barocca würdigte in der Jakobikirche auch die „zweite Liga“

LIPPSTADT Jetzt hat Lippstadt den Raum, der für Kammerkonzerte so lange vermisst wurde. So kann dann in der Jakobikirche ein typisches Adventsprogramm mit der Epoca Barocca, als Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt, zu hektikbremsender, musikalisch überzeugender Festvorbereitung werden.Abhängig war natürlich die erreichte innere Ruhe von den ungewöhnlich unaggressiv klingenden originalen Instrumenten, auf denen die Ausführenden höchst stilvoll musizierten: der warme Ton der Oboe von Alessandro Piqu
é, der schlanke, bewegliche Fagottton des Veit Scholz (der, anders als sonst so oft üblich, überhaupt keine Großvaterklangassoziationen aufkommen ließ), die klangschöne, sauber intonierende Viola da Gamba von Hartwig Groth, und schließlich ein sensibel, aufmerksam musikantisch gespieltes Cembalo von Christoph Anselm Noll.
Das Programm war, ganz dem Namen Epoca Barocca der Vereinigung entsprechend, auf Barockmusik abgestellt. Und im Bemühen um Raritäten tauchen dann auch Komponistennamen auf, von denen ich zumindest zwei (Theodor Schwarzkopff und Christoph Schaffrath) noch nicht gehört hatte. Das ist verdienstvoll, macht deutlich, wie abhängig die „Erste Liga“ davon ist, dass es eine „Zweite“ gibt. Sensibles Hören verlangen sie natürlich alle. Hören auf einen Klang verhaltener Dynamik, der aber von ausgefeilter Artikulation an Stelle von Lautstärke lebt.
Das leisteten die vier Ausführenden in bewundernswerter Weise: bravouröse Virtuosität das Fagott in C-Dur-Sonate von Johann Friedrich Fasch, subtile Artikulation die Oboe in Johann Adolph Hasses D-Dur-Sonate, musikalisch glänzend ausgeleuchtet die G-Dur-Sonate von Christoph Schaffrath durch Viola da Gamba und Cembalo. (Christoph Schaffrath hätte man im Largo mit der Zunge seiner Herkunft gerne zugerufen „Mähr dich aus!“)
Nach der Pause dann die „Erste Liga“ mit Johann Friedrich Faschs Fagott-Sonate, der F-Dur-Sonate für Oboe, Fagott und Basso continuo von Georg Friedrich Händel. Am Ende dann Georg Philipp Telemanns F-Dur-Quartett für die vier Interpreten, alles Musik mit hohem kompositorischen Einfallsreichtum, atmosphärischer Erfülltheit und der Möglichkeit, technisches wie interpretatorisches Vermögen aller Ausführenden zu demonstrieren.
Ein stilvolles Musizieren, ein musikalisch auf hohem Niveau erfreuender Konzertabend im Advent, und das alles im angemessenen Rahmen der Jakobikirche. AK

Aus „Der Patriot“ vom 10.12.2007:
Gefühlvolle Arrangements

Lara Schallenberg und Eddie Nünning interpretieren Jazz, Rock und Folk mit ganz persönlicher Note

LIPPSTADT Es ist ein buntes Sammelsurium an Folk, Jazz, Rock und Pop, das Lara Schallenberg (Gesang) und Eddie Nünning (Gitarre) am Samstagabend bei der Vorstellung ihres neu eingespielten Albums „From a wooden house“ in der ausverkauften Jakobikirche präsentieren. Das musikalische Programm des Duos steckt voller Vielfalt. Die Songs aber sind kaum wieder zu erkennen, und das ist gut so.Mit ihrer Stimme und seiner Gitarre haben die beiden ihren Lieblingsstücken eine ganz persönliche Note verliehen. „From a wooden house“ ist ein sehr intimes Album. Das zeigt schon der Titel. Er bezeichnet den im Lippstädter Stadtteil Esbeck ausgebauten Probenraum in einem „Haus aus Holz“, in dem all die wunderschönen Jazz/Rock- und Folk-Songs herangereift sind. Die beiden sind ein eingespieltes Team, vollkommen unprätentiös – unplugged eben, so wie ihre Musik. Hier stiehlt niemand jemandem die Show.
Am Samstag sind nicht nur neue Titel, sondern auch Jazz-Klassiker zu hören wie „My funny Valentine“ oder „On a clear day“. Die stimmungsvollen Arrangements sind Balladen gehobener Qualität, die einladen zum Nachdenken, Träumen und Entspannen. James Taylor, Tom Waits, Sting und Prince gehören an dem Abend auch dazu.
Eddie Nünning ist ein fabelhafter Gitarrist, dessen Begleitung immer auch ein Solo sein könnte. Er schöpft aus einem vierteiligen Gitarrenarsenal, wobei er sich die Zeit nimmt, die Saiten zu stimmen. Ein Perfektionist auch im Spiel, bei dem er technische Raffinessen auskostet. Man wundert sich, wie vielstimmig die Gitarre als Melodie- und Rhythmusinstrument ist und eine Band ersetzen kann.
Meistens moderiert sie die Stücke an. „Seinen“ Song aber kündigt er selber an, denn die Neil Young-Platte, die er mit neun Jahren von dem langhaarigen Freund seiner Schwester geschenkt bekommen hatte, prägte seine musikalischen Vorlieben. Bei „Don´t let it bring you down“ singt er mit, der Sound kommt dem Original sehr nah. Viele der Augen haben sich längst geschlossen, die Zuhörer befinden sich – wie die Musiker – in einer Art Trance.
Bei Lara Schallenberg ist es Joni Mitchells´ „Urge for going“. Die Stücke in der Singer-Songwriter-Tradition kommen sehr authentisch rüber. Sie entwickelt besonders in der mittleren Lage ein ausdrucksstarkes Timbre, weiß ihre Stimme zu nutzen; liebt Koloraturen, wie Soul-Sängerinnen sie gerne anbringen. Sie imitiert und variiert mit ihrer Stimme in „The man with the child in his eyes“ die so einzigartige sprunghafte und kecke Stimme einer Kate Bush.
In die gleiche Kategorie fällt Rickie Lee Jones mit einer oft zerbrechlich wirkenden, sprechartigen Singweise. Auch die hat die Schallenberg bestens studiert. Sie alle sind gefühlvolle Interpretationen, wärmstens zu empfehlen. rio

Aus „Der Patriot“ vom 21.11.2007:
Geradezu verschwenderisch

Die Nordwestdeutsche Philharmonie bewies, dass man auch mit einem nicht gerade gängigen Programm das Publikum begeistern kann

LIPPSTADT Wie man mit einem nicht gerade gängigen Programm die Begeisterung des Publikums wecken kann, das bewies das Sinfoniekonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt mit der Nordwestdeutschen Philharmonie. Allerdings trafen dabei auch mehrere Glücksfälle zusammen: Eine glänzende Violin-Solistin, ein bestens disponiertes Orchester und ein geradezu verschwenderisch das Orchester animierender, immer präzise werkorientiert agierender Dirigent.Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist zweifellos das führende Orchester in weitem Umkreis und bewies seine Qualität bereits bei einer spannungsvollen, dynamischen Interpretation mit angemessener Profilierung der Bläser in Robert Schumanns Ouvertüre zur Oper „Genoveva“.
Echte Volkslieder und ihre melodische Schönheit waren immer im Blick von Max Bruch. Seine „Schottische Fantasie“ Es-Dur op. 46 speist sich aus diesem Fundus. Aber er fügt nicht einfach Volksmelodien zusammen, sondern benutzt sie als Material, das in eine sinfonische und in der „Schottischen Fantasie“ in eine konzertante Form gefügt wird.
Thema eines jeden Satzes ist dabei ein schottisches Volkslied, dessen Text den jeweiligen Charakter der Sätze bestimmt.Die Fantasie ließe sich als Max Bruchs 3. Violinkonzert bezeichnen, ist von hoher Virtuosität und melodischer Schönheit, dass es kaum begreiflich erscheint, wie es auf der Beliebtheitsskala von Max Bruchs Violinkonzerten so weit unten rangiert. Und das schon vom Beginn der Veröffentlichung an, so dass der verbitterte Komponist schreiben konnte: „Wozu noch länger Perlen vor die Säue werfen.“
Sabrina-Vivian Höpcker (Violine) hatte dieses Werk jedenfalls als Perlensammlung verstanden und teilte sie großzügig an ein begeistertes Publikum aus. Souveräne Bewältigung größter Schwierigkeiten im Grifftechnischen, emotionale Erfüllung ohne aufgesetzte Gefühlsdrücker, prachtvolle Doppelgriffpartien und spielerischer Witz etwa im Tanz zusammen mit den Holzbläsern, das waren Kennzeichen einer rundherum begeisternden Interpretation. Edwin Outwater gab ihr mit seinem Orchester in jedem Augenblick einen klanglich wohl abschattierten und metrisch disziplinierten Rahmen.
Und damit ist der Name des heimlichen Stars dieses Konzertabends gefallen. Das war zweifellos Edwin Outwater, dieser hochtalentierte Dirigent, der mit großem Respekt, Temperament und feinem Gespür für die dynamischen Abschattierungen der Partitur die selten gespielte 1. Sinfonie von Edward Grieg anging.
So wurde nicht gelärmt im Intermezzo, wurde die Poesie des 2. Satzes erschlossen, hatten die Ecksätze in jedem Moment metrische Festigkeit, womit nichts in leerlaufende Virtuosität abdriftete. Und immer wieder die musikalisch wunderbar selbstverständlichen Übergänge. Großes Kompliment. AK

Aus „Der Patriot“ vom 13.11.2007:
Dramatische Attacke

Puccinis „Missa di Gloria“ kann als Werk nicht so recht überzeugen. Dafür bot der Musikverein eine engagierte und konzentrierte Aufführung

LIPPSTADT Nein, dieses Konzertes des Städtischen Musikvereins Lippstadt unter der überaus engagierten Leitung von Burkhard A. Schmitt konnte ich nicht recht froh werden. Das lag weitgehend an der „Missa di Gloria“ von Giacomo Puccini. Wenn man Guiseppe Verdi bei seinem Requiem eine zu große Opernhaftigkeit vorgeworfen hat, dann müsste man diesen Einspruch gegenüber Puccinis Messe potenzieren. Das ist über weite Strecken süffige Musiziermusik, oft von hoher Einfalt, oft ohne erkennbaren Textbezug.Man muss gegenüber dem Messtext ja keine protestantische Gefühlsstrenge erwarten, aber wenn beim „Qui tollis“ zum Beispiel ein „Nabucco“ um die Ecke schaut, dann wird der Hörer entweder kribbelig oder er versenkt sich in Gefühligkeit, aus der ihm dann auch keine kurzatmigen Fugen-Versuche heraushelfen.
Gut, ein junger Mann mit spürbarer Opernzukunft hat das Werk geschrieben, und wenn es mit dem Engagement musiziert wird wie beim Konzert des Städtischen Musikvereins, dann kann man sich an der konzentrierten Darstellung erfreuen.
Leichter Herbstnebel lag immer mal wieder auf den Chorsopränen, besonders im Kodály-Werk, Sekundenabstiege sind nun mal immer gefährlich, insgesamt aber ist die Chorleitung hoch anzuerkennen. Zudem war das Orchester der Bergischen Symphoniker von erfreulicher klanglicher Flexibilität, hoch konzentriert und in den verschiedenen Instrumentengruppen, selbst in solistischen Partien, sehr ausgeglichen.
Überraschung des Abends
Eine sehr beachtliche Begegnung erlebten die Hörer mit dem Tenor Gary Bennett. Überzeugte er zunächst mit dramatischer Attacke, bewies er dann ebenso erfülltes lyrisches Vermögen. Ulf Bästlein war der souveräne, sympathisch timbrierte Gestalter der Bariton-Partie, der er, bei aller emotionalen Beteiligung, eine angemessene Distanz verlieh.
Ganz anders, musikalisch aufregender, wenn auch manchmal etwas plakativ, war der erste Programmteil mit Zoltán Kodálys „Psalmus hungaricus“. Hier war dann auch der Chor klanglich besonders gefordert, unisono wie a cappella, etwa in „Als der König…“, und bewältigte auch kleine rhythmische Klippen klangschön und mit Eleganz.
Burkhard A. Schmitt leitete mit großer Souveränität den nicht sehr großen, aber umso beweglicher reagierenden Chor, war ebenso dem Orchester der absolut zuverlässige, die Klangwelten aufmerksam aushorchende Lenker durch die Partitur. Und dann ist in der anspruchsvollen Solo-Partie noch einmal Gary Bennett zu nennen, die Überraschung des Abends.
Das Publikum reagierte auf das Werk von Zoltán Kodály verhalten, ließ sich aber nach Giacomo Puccinis Messe zu anhaltendem Beifall bewegen. AK

„Macht so weiter“

Bürgermeister Sommer ehrt Preisträger von „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“

LIPPSTADT Im Rahmen des Chorkonzerts des Städtischen Musikvereins Lippstadt (siehe Artikel links) hat Bürgermeister Christof Sommer die Schüler und Schülerinnen geehrt, die bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“ erfolgreich waren. „Das gute Abschneiden der jungen Musiker freut uns sehr. Es wäre schön, wenn ihr so weitermachen würdet“, betonte der Bürgermeister am Sonntag im Stadttheater.Als Geschenk erhielten die Nachwuchsmusiker jeweils einen Gutschein für den Kauf von Noten. Schließlich solle, so Sommer, „der Übungsbedarf groß bleiben“.
Zu den Gewinnern des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ gehören in der Solobewertung: Manuel Dewenter-Schlegel (1. Preis), Carolin Körner (2. Preis) und Romy Hermeyer (3. Preis). Für ihren Erfolg im Ensemblespiel bei „Jugend musiziert“ zeichnete Sommer zudem Nele Charlotte Eisenbrecher (1. Preis) und Carolin Marx (1. Preis aus).
Beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ waren folgende Solisten erfolgreich: Caris Hermes (1. Preis), Maximilian Gross (2. Preis) und Luc Hermes (2. Preis). Für ihre Gruppenleistung wurden das Quartett Blue Sand (3. Preis) mit den Musikern Caris Hermes, Luc Hermes, Johanna Kleffmann und Lukas Schwegmann sowie das Saxophonquartett Blue Job (3. Preis) ausgezeichnet. Blue Job besteht aus Christian Bönicke, Daniel Hagenbrock, Annelen Reimer und Hannah Stöwer. mes

Aus „Der Patriot“ vom 16. Oktober 2007:
Von ruhig und düster bis quirlig-sprudelnd

Das Arirang-Quintett spielte zum Auftakt der Kammermusikreihe des Musikvereins in der Jakobikirche Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert

LIPPSTADT Mensch und Tier sind sich erstaunlich ähnlich. Den Beweis für diese These lieferte auf musikalische Art das Arirang-Quintett im gut besuchten Kammerkonzert des Musikvereins in der Jakobikirche.Das im Jahre 2002 aus einer Initiative von Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie gegründete Bläserquintett, das sich seinen ungewöhnlichen Namen während einer Orchestertournee durch Nord- und Südkorea gab, widmete sich in seinem Lippstädter Gastspiel ausschließlich kompositorischen Raritäten des 20. Jahrhunderts.

Dazu gehörte Luciano Berios zeitgenössisches, eher witzig wirkendes Opus Number Zoo (Childrens Play) für Bläserquintett. Für den Zuhörer war es spannend und amüsant zugleich, die Intentionen des Komponisten nachzuvollziehen, der sich mit musikalischen Stilmitteln und phonetischen Ausdrucksmitteln der menschlichen Sprache gleichermaßen in den Blickwinkel der Tierwelt hineinzuversetzen weiß.
Neben dem Tanz in der Scheune, dem Pferd, der Maus und dem Kater wurden auch die Instrumente des Bläserquintetts in musikalisch anschaulichen Bildern thematisiert. Die vier dem Zyklus zugrunde liegenden Gedichte von Rhoda Levine wurden in der 1970 überarbeiteten Fassung vor dem tonmalerisch fundierten Background der Instrumente von den Musikern mimisch effektvoll rezitiert.

Mit Carl Nielsen, dem dänischen Gegenstück zu Gustav Mahler, präsentierte das Bläserquintett zu Beginn einen Einblick in das nordische
Musikschaffen der Spätromantik. Das As-Dur-Quintett op.43 erforderte in seiner Vielschichtigkeit der musikalischen Gedanken die volle Konzentration nicht nur der Musiker, sondern auch die des Publikums. Mit Friedrich Haberstock (Flöte), Jörg Schneider (Oboe), Monika Schneider (Fagott), Sebastian Schindler (Horn) und Steffen Dillner (Klarinette) rekrutierte sich ein ausgezeichnet aufeinander eingespieltes
Bläserquintett, dessen differenziertes Concertino mit wechselnden, stets exakten Intonationen im moderat dosierten Allegro nachhaltig beeindruckte.
Wie eine musikalische Perlenkette reihten sich die pfiffigen Motive im Menuett mit seinen barocken Anklängen. Recht düster wirkte das
Präludium, bevor die solistisch philosophierende Flöte das Choralthema des Variationssatzes intonierte, dessen Durchführung in wechselndem Cantus Firmus und unterschiedlich besetzem Concertino (Solo, Duett, Terzett, Quartett) bis hin zum vollen Ensembleklang in wohldosierten Tempi für eine motivisch abwechslungsreiche Interpretation sorgte.

In recht virtuoser Gangart deuteten die Künstler Maurice Ravels „Tombeau de Couperin“, in Mason Jones´ Bearbeitung für
Bläserquintett eine Art kunstvoll-distanzierte Hommage an den französischen Barock. Quirlig-sprudelnd offenbarte sich gleich das Prelude. Wirkungsvoll gab sich das von der Flöte intonierte kurze, aber prägnante Thema im Forlane-Satz, von den übrigen Instrumenten nacheinander kunstvoll verarbeitet. Ein eher ruhiger harmonischer Glanz breitete sich wie eine Klang-Oase im Menuett aus, ehe der Rigaudon-Finalsatz in resoluter Machart einsetzte. Das Quintett zeigte sich auch hier recht spielfreudig.
Virtuose Glanzleistungen der Musiker mündeten in ein glaubwürdiges Concertino als musikalische Erfolgsgaranten für eine künstlerisch
hochkarätige Deutung. Das begeisterte Publikum forderte eine Zugabe. LB

Aus „Der Patriot“ vom 09.10.2007:
Explosive Spannung

Die japanische Ausnahmepianistin Mari Kodama begeistertebeim Lippstädter Gastspiel des Osnabrücker Symphonieorchesters

LIPPSTADT Mit einer halben Hundertschaft durchweg junger Musiker reiste das Osnabrücker Symphonieorchester zum ersten Sinfoniekonzert des Städtischen Musikvereins nach Lippstadt. Die viel beachtete „Generalprobe“ zu diesem ersten Konzert des Ensembles nach der Sommerpause fand Ende August in Teheran statt, wo die Osnabrücker als erstes westliches Orchester im Iran auftreten durften (wir berichteten).Der musikalische Erfolg des Iran-Konzerts setzte sich auch in Lippstadt fort. Dafür sorgte mit Argusaugen der agile Spiritus Rector auf dem Dirigentenpult: Wenn Generalmusikdirektor Hermann Bäumer zum Taktstock greift, überlässt er nichts dem Zufall. Mit seinem präzisen, zuweilen recht lebhaften Dirigat ruft er minutiös die Einsätze ab, eliminiert erfolgreich bereits im Ansatz die problematischen Klangbrei-Verschmelzungen bei den Streichern und ordnet mit souveränem Gespür die eruptiven Klangexzesse in den Prestissimo-Phasen der Partitur.
Das Orchester parierte mühelos und konnte sich somit konzentriert den kompositorischen Feinheiten der Werke widmen. Das gelang bereits recht eindrucksvoll bei Beethovens dritter „Leonoren“-Ouvertüre, die mit zwölf Minuten Spielzeit eher als eigenständige sinfonische Tondichtung wirkte und die Grenzen der Opernouvertüre sprengte. Die durchaus dramatische Entwicklung der Konflikt-Themen gipfelte meisterhaft im sieghaften Triumphmarsch. Ein wahres Energiebündel

Sicherlich gehört Sergej Prokofjews C-Dur-Klavierkonzert Nr. 3 zu den populärsten und wirkungsvollsten Werken des Meisters. Hier setzte die japanische Ausnahme-Pianistin Mari Kodama brillante Akzente auf dem Flügel. Mit kraftvoll-vitalem Anschlag dominierte sie gleich zu Beginn das musikalische Geschehen, dem sich das Orchester unterzuordnen hatte.
Die zierliche Künstlerin entwickelte sich zu einem wahren Energiebündel in den rasanten Allegro-Passagen. Souverän und treffsicher moderierte sie ihre Solopartien. Zu den schönsten Momenten gehörten die eingängige Transparenz der volksliedhaften Melodie zu Beginn sowie das mit rasanten Läufen der Streicher bespickte Hauptthema mit dem burlesken Seitenthema im ersten Satz.
Eine ganze Welt voller Gefühle offenbarte die Pianistin im zweiten Satz mit den klangschönen, rhythmisch betonten Variationen zum stimmungsvollen Andantino-Thema. Aus tiefen Tönen entwickelte sich das Finale zu einem brillanten Scherzo, ehe die Solistin mit dem Orchester die lyrische Episode zu einer begeisternden Stretta zu steigern wusste. Der spürbar herzliche Applaus honorierte diese Meisterleistung.
Die 4. Sinfonie von Johannes Brahms bildete den markanten Abschluss. Ruhiger Glanz breitete sich bei den elegisch vorgestellten Kopfthemen des ersten Satzes aus, ehe die musikalischen Machtkämpfe in der Durchführung entbrannten, die nach der endlich erreichten Reprise in der breit ausgebauten Coda ihr wirkungsvolles Ende fanden.
Die moderate Andante-Thematik des zweiten Satzes begann mit einem melodiös klingenden Bläser-Thema vor rhythmischem Pizzicato-Background der Streicher und hatte seine besondere Ausstrahlung durch den herben Reiz aus dem Wechsel der Überlagerung von phrygischer und klarer Es-Dur-Tonart.
Auch bei der sanften Kantilene des zweiten Themas überwog die elegische Grundstimmung. Dagegen gab sich das Scherzo im dritten Satz eher lärmend-heiter, wenngleich das musikalische Lächeln zeitweilig etwas verkrampft wirkte.
Eine prächtige Vielfalt musikalisch effektvoller Ideen und Motive durchpulste die Chaconne mit ihren 31 Variationen im Final-Allegro. Hier gefiel besonders die Bläsergruppe, angefangen von gefühlvoll vorgetragenen Soli der Flöte und der Oboe, bis hin zum Ensemble der Bläser, die in mächtigen musikalischen Spannungsbögen die spürbar explosive Spannung der Musik hautnah zu beeinflussen wussten und zusammen mit den leidenschaftlich aufspielenden Streichern für einen furiosen Schlussakkord sorgten. LB

Aus „Der Patriot“ vom 23.06.2007:
Städtischer Musikverein ehrt Jubilare

Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Städtischen Musikvereins Lippstadt sind zahlreiche Jubilare geehrt worden. Über die Auszeichnung freuen konnten sich (stehend, v.l.): Ingeborg Hecht (25 Jahre), Anne Enß-Horstmann (20 Jahre), Lydie Wahner (zehn Jahre), Monika Roters (zehn Jahre), Christiane Jehn (zehn Jahre), Friedrich Jehn (50 Jahre), Winfried Verhoff (20 Jahre), (hockend:) Jutta Morkramer (zehn Jahre), Margarete Wilke (25 Jahre), Dr. Ulrike Knop (25 Jahre) und Monika Severin (20 Jahre). Auf dem Foto fehlt Gisela Hollmann (30 Jahre). Musikdirektor Burkhard Schmitt lobte das besondere Engagement der Sängerinnen und Sänger, die in der vergangenen Saison viel zusätzliche Probenarbeit zu schultern hatten für die Chorreise nach Danzig, die Eröffnung der Jakobikirche und den Auftritt in der Brüderkirche beim Hansetag.

Aus „Der Patriot“ vom 19.06.2007:
Bis an die Hörgrenze

Das Quatuor Danel beeindruckte mit Werken von Mozart und Schostakowitsch

LIPPSTADT Die Konzertreihe des Städtischen Musikvereins Lippstadt ist zu Ende gegangen, und im Bereich der Kammermusik war sie eine der bedankenswertesten, an die ich mich in den letzten Jahren erinnern kann. Sie wurde geprägt durch die Jubiläen von Wolfgang Amadeus Mozart und Dmitri Schostakowitsch und durch den überzeugenden Einfall, die Streichquartette des wunderbaren und immer mehr ins Bewusstsein der Hörer (nicht nur der politischen Erbsenzähler) rückenden russischen Komponisten mit denen des unerreichten österreichischen Komponisten zu kontrastieren. Und weil zu diesem musikalischen Marathon vier großartige, nicht einmal der bekanntesten Streichquartette gewonnen werden konnten, war das Ergebnis unvergesslich.Das letzte Konzert nun in der akustisch noch nicht eindeutigen Jakobikirche mit dem Quatuor Danel, einem Quartett französischer Musiker, deren Qualität sich in dem Gewinn der größten Wettbewerbe und in Einladungen zu den bedeutendsten Festspielen niederschlägt.
Aber was besagt schon der Gewinn eines Wettbewerbs neben dem lebendigen Erlebnis dieser hochsensiblen absolut homogen musizierenden jungen Künstler Marc Danel und Gilles Millet (Violinen) Vlad Bogdanas (Viola) und Guy Danel (Violoncello)? Musizierprinzip ist das engagiert kunstvolle Ausleuchten des Atmosphärischen der Musik, kunstvoll ohne artifiziellen Überdruck, dynamisch den feinsten Verästelungen folgend und dabei manchmal fast an die Pianissimo-Hörgrenzen führend, tiefe Melancholie wie stürmische Aggression erfüllen.
So verlor das weitgespannte, die Sätze nicht trennende Quartett Nr. 5 op. 92 von Dmitri Schostakowitsch in keinem Moment seine Intensität und klangliche Souveränität. Wolfgang Amadeus Mozarts „Hoffmeister-Quartett“, KV 499 wirkt danach in seiner Durchsichtigkeit und kontrapunktischen Seriosität fast spröde, wurde von den Quartettlern mit höchster Sensibilität gespielt, immer aus der Stille heraus, unfassbar homogen, im zweiten Satz fast höfisch – aber hier hätte ich mir bei aller klanglichen Verfeinerung ein wenig mehr Vitalität gewünscht.
Und danach dann das wohl bekannteste und geschätzteste Quartett von Dmitri Schostakowitsch, sein Quartett Nr. 8 c-Moll, op. 110. Welch ein beeindruckendes, in seiner Ausdrucksstärke kaum zu beschreibendes Werk ist dieses fünf Sätze zusammenfassende Quartett. Und welch eine intensive, nuancenreiche, vitale und klangüberwältigende Interpretation bot das Quatuor Danel, das sämtliche Quartette Schostakowitschs auch schon eingespielt hat.
Bewunderung für eine Komposition, die in immer neuem emotionalen Zusammenhang die Initialen des Komponisten D-Es-C-H durchspielt, Bewunderung für eine fesselnde Interpretation. AK

Aus „Der Patriot“ vom 02.05.2007:
Wundervolle Klarheit

Die beeindruckende Aufführung des Brahms-Requiems durch den Städtischen Musikverein deckte die tiefe Emotionalität der Komposition auf

LIPPSTADT „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, für mich ist es eines der ganz großen Wunder der Musikgeschichte. Schon die eindeutige formale Werk-Disposition würde diese Bezeichnung rechtfertigen, bedenkt man dabei die lange Entwicklungsgeschichte, die immer neuen Anstöße zur Verfertigung des Werkes.Nicht minder eindrucksvoll aber ist die Selbstständigkeit der Zusammenstellung biblischer Texte, die eine eigene theologische Aussage ermöglichen, welche sich von den liturgisch festgelegten Requiem-Vorgabe löst, den Schrecken des Jüngsten Gerichtes den Trost der Überwindung von Hölle und Tod gegenüberstellt. Darum steht im Herzzentrum des Werkes der bewegend klangschöne Chor „Wie lieblich sind deine Wohnungen“.
Wenn der so klangintensiv, fast beschwingt und in allen Stimmen ausgewogen beweglich erklingt wie am Samstag bei der Aufführung des Städtischen Musikvereins Lippstadt im Stadttheater, dann kann er nur ergreifen. Und von diesem Stück aus ist ein Blick auf die gesamte Interpretation des Requiems von Johannes Brahms zu werfen.
Der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt hat sich damit selbst ein Geschenk zu seiner zehnjährigen Arbeit in Lippstadt gemacht, seinen Hörern, aber wohl auch seinen versammelten Chören. Er scheint eine tiefe Beziehung zu dieser Komposition zu haben, erreicht mit seinem die sensiblen Nuancen des Werkes herausarbeitenden Dirigat das gerade hier wohl bewundernswerteste Ergebnis: Nicht Emotion wird ihm auferlegt, sondern die tiefe Emotionalität der Komposition wird aufgeweckt durch ein hellhöriges Erfühlen und musikalisches Erfüllen ihrer Tiefenschichte.
Das stellt erhebliche Aufführungsanforderungen. Aber die Bedingungen dafür waren auch besonders günstig. Der Konzertchor Lippstadt, die Mitglieder des Konzertchores Wirges und des Städtischen Musikvereins Hamm, dazu der hochqualifizierte Akademische Chor der Universität Danzig schufen einen in seiner Geschlossenheit seiner Beweglichkeit und klanglichen Differenzierungsfähigkeit überwältigenden Klangraum. In ihm konnte Schmitt die Unerbittlichkeit („Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“) herausmeißeln, konnte eine dynamischen Höhepunkt des sechsten Satzes mit seiner krönenden Schlussfuge erstellen, wie es eben nur günstige Bedingungen erlauben.
Dazu verhalf neben den Chören die Baltische Philharmonie Frederyk Chopin Danzig, die der sensiblen Instrumentation und damit auch dem geforderten melodischen Zauber des Brahms-Werkes eindrucksvoll entsprach.
Nur zwei Solisten fordert das Requiem, von denen die allgemeinen Textaussagen auf die persönliche Ebene gehoben werden. Mit wundervoller Klarheit, untheatralisch und durch perfekte Technik gestütztem Nuancenreichtum sang Agnieszka Tomaszewska (Sopran) die trostvollen Worte ihres Parts. Von stimmlich sehr direkte Darstellung der Bariton-Partie durch Ryszard Kalus hätte man etwas charakteristischere Nuancen gewünscht, dafür nahm der Sänger aber durch die uneitle, unaufgesetzte Emotionalität für sich ein.
Burkhard A. Schmitt hat sich zu seinem kleinen Jubiläum ein Geschenk gemacht. Dank sei ihm dafür, dass er alle, Ausführende wie Hörer, daran hat teilhaben lassen. AK