Presseartikel 2010/2011

Aus „Der Patriot“ vom 28.03.2011
Musizieren aus der Stille

Konzertchor Lippstadt Verdi Requiem

Der aus dem Konzertchor Lippstadt und dem Konzertchor Wirge zusammengestellte Chor überzeugte mit großer klanglicher Ausgeglichenheit, Flexibilität und höchst beachtlicher Differenziertheit. Fotos:Krumat

LIPPSTADT – Wie verhält sich ein Dirigent gegenüber einem Werk, das durch die ständig wiederholte Vokabel „opernhaft“ vorbelastet scheint? Wobei diese etwas naserümpfend gemeinte Bewertung eigentlich — wollte man es ein wenig spitz formulieren — nur von einem emotionsdürren Protestanten kommen kann. Giuseppe Verdis „Requiem“ wirkt nun einmal nicht wie eine intellektuelle Schreibtischarbeit, ist vielmehr voller musikalischer Vitalität und Gefühlstiefe. Und das wird durch die Kompositionsformen der Oper, die Verdi partienweise übernimmt, nicht etwa bagatellisiert sondern zum erschütternden Ausdruck einer Haltung gegenüber der „Requiem“-Thematik.

Burkhard A. Schmitt war der Leiter der Aufführung von Giuseppe Verdis „Requiem“, das so erschreckend genau in die Erfahrungen der letzten Zeit passte. Der musikalische Leiter des Städtischen Musikvereins Lippstadt verfügt in jedem Moment ebenso souverän wie entspannt über das Werk, dessen oft heftige Klangballungen er überlegt durchlichtete.

Was seine Interpretation aber entscheidend überzeugend machte, ist sein fast kammermusikalischer Ansatz, ein Musizieren, das seine Wirkung immer aus der Stille bezog, aus der Besinnung. Das konnte darum so eindrucksvoll gelingen, weil alle Ausführenden diesem Ansatz mit hoher interpretatorischer Kompetenz folgten.

Da war der aus dem Konzertchor Lippstadt und dem Konzertchor Wirges zusammengestellte große Chor, der mit großer klanglicher Ausgeglichenheit, Flexibilität und höchst beachtlicher Differenziertheit vom fast geflüsterten Pianissimo bis zum Fortissimoausbruch darum besonders überzeugte, weil auf diesem weiten dynamischen Feld von Burkhard A. Schmitt immer wieder elastische Binnendifferenzierung abverlangt werden konnte. Ebenso hochkonzentriert, klanglich von sensiblem Engagement war die Neue Philharmonie Westfalen, und diese Vorzüge zeichneten das Orchester sowohl in den klanglichen Explosionen wie in subtiler Begleitfunktion aus.

Musikverein Lippstadt Dirigent

Burkhard A. Schmitt verügte in jedem Moment ebenso souverän wie entspannt über das Werk.

Die klangliche Ausgeglichenheit des Solistenquartetts bewies sich nicht nur im „Offertorio“. Niemand musste stimmlich auftrumpfen, jeder fügte sich in das Konzept der Werkinterpretation. Dabei vermisst man nicht „des Basses Grundgewalt“ sondern freut sich an der schlanken, vornehmen Gestaltung durch Ulf Bästlein (Bass). Reginaldo Pinheiro (Tenor) brachte ein wenig „Italienita“ ein und machte das Schuldbekenntnis „Ingemisco“ zu einem ergreifenden Höhepunkt des Abends.

Von schönem, anrührendem Timbre ist der Mezzo von Dagmar Linde, wobei ihr abgedunkelter Altklang stellenweise Intonationsprobleme bereitete. Über allem strahlte der helle, schlanke nie artifizielle sondern texterfüllt klingende Sopran von Marietta Zumbült, wobei die kleine Intonationsdelle im „Libera me“ ihre prachtvolle Sopranleistung nicht trübte.

Die gesamte Aufführung zeugte von einer Hingabe aller Beteiligten an ein Werk, das man gerne unter weniger bedrückenden äußeren Ereignissen erlebt hätte. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 15.03.2011
Im vorerst letzten Gemeinschaftskonzert von Musikverein und Jazzclub nahmen Baroque and Blue das Publikum mit auf eine anregende musikalische Reise

LIPPSTADT – Das soll nun also das letzte Konzert gewesen sein, in dem sich der Städtische Musikverein mit dem Jazzclub Lippstadt verbinden konnte? Schade, wenn ein wie in anderen Städten auch prozentual geringer Kulturetat publikumswirksame Aktionen verschwinden lässt. Denn publikumswirksam war das Konzert in der Jakobikirche mit dem fabelhaften Ensemble Baroque and Blue, bestehend aus Christine Meininger (Flöte), Rainer Gepp (Klavier), Roger Goldberg (Bass) und Enno Lange (Schlagzeug). Kulturschockarme gegenseitige Kenntnisnahme hat dabei sicher manchen Besucher erstmals in den für das Konzert geeigneten Raum geführt.

Was war das besondere an diesem Konzert? Da waren zunächst zwei Interpreten, deren Herkunft aus der klassischen Musik spürbar war und die eine technisch wie musikantisch fabelhafte Händel-Sonate für Flöte und Klavier an den Programmbeginn stellten. Bravourös aber war schon hier Roger Goldberg (Bass), der als ausgewiesener Jazzmusiker der Barocksonate eine stabile Continuo-Basis lieferte. Er war es auch, der dem gesamten Programm mit einer brillanten Technik und famosem rhythmischem Gespür den inneren Drive vermittelte.

Und hierin steckte dann auch das Begeisternde an diesem Abend, an dem nicht einfach Musik unterschiedlicher Stilherkunft vermanscht wurde, wobei dann, wie so oft, etwa der Barockmusik durch leichte Synkopenverschiebung ein vermeintlich „modernes“ Gesicht gegeben werden sollte.

Phantasievoll und präzise

Das hat die Barockmusik auch wahrlich nicht nötig. Das bewies die wunderbare Flötistin schon am Beginn, wo die „alte“ Sonate mehr rhythmische Feinheiten offenbarte als die heutigen angeblich so rhythmusbewussten Musikfreaks aufzubieten vermögen.

Durchsichtig, technisch glänzend und phantasievoll-präzise war dazu Rainer Gepp am Klavier. Seinen großen Auftritt hatte schließlich im zweiten Programmteil der hochbegabte souveräne Einspringer Enno Lange an den Drums, nachdem ihm vorher nur Hintergrundgerühre zugestanden war.

So wurde es insgesamt eine höchst anregende Reise durch verschiedene Länder und Stile. Besonders reizvoll war dabei Australien mit Elena Kats-Chernin vertreten, aber nicht minder begeisterte der phantasiebeflügelte Francis Poulenc.

Mit diesen vier sympathischen Musikern, die zudem durch ihre freundlich-unaufwendige Moderation eine fast heimelige Atmosphäre schufen, gingen die Zuhörer gerne auf die Ohrentour von der Klassik zum Jazz. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 14.03.2011
Klaviervirtuose Matthias Kirschnereit und Landesorchester begeistern Zuhörer beim Sinfoniekonzert des Musikvereins

Lippstadt – Finnland und Russland präsentierten sich als würdige musikalische Repräsentanten beim Sinfoniekonzert des Musikvereins. Umrahmt von Werken des finnischen Komponisten Jean Sibelius stand Sergej Rachmaninows wohl beliebtestes Klavierkonzert Nr. 2 c-moll im glanzvollen solistischen Mittelpunkt: eine dankbare Paraderolle für den Klaviervirtuosen Matthias Kirschnereit.

Zusammen mit dem Landesorchester der Neuen Philharmonie Westfalen produzierte der Pianist bereits im ersten Satz mit seiner kunstvollen thematischen Verwobenheit, der sorgfältigen Biegung und Führung von Stimmen, Material und Satztechnik in einer einzigartigen Verquickung von Solo-Instrument und Orchester mit bewundernswerter virtuoser Sanftheit ein musikalisches Unikum im besten Sinne.

Mit machtvoll aufsteigenden Akkordballungen leitete der Künstler das leidenschaftlich groß von den Streichern ausgebreitete und von klangvoll sich ausbreitenden Klavier-Arpeggien umrauschte Hauptthema ein. Bereits dieser stimmungsvolle Auftakt stellte die Weichen für den großartigen Erfolg der Interpretation. Auch das zweite, vom Klavier solo vorgetragene Thema, führte nach anfangs lyrischem Einsatz zu kraftvollem Aufschwung, um dann erstaunlich zart zu verklingen. Aus dieser matten Verlorenheit baute sich dann die Durchführung in kraftvoll angesetzten Steigerungen zu einem großen Crescendo auf, das sich in der Reprise des Hauptthemas als prunkvoller Marsch zum triumphalen Höhepunkt des Satzes entwickelte.

Der stimmungsvolle, zuweilen etwas langatmig wirkende Mittelsatz enthielt pianistisch effektvolle Elemente, bevor das spritzige Finale mit seinem feurigen Tanzthema in verschiedenen reizvollen Verwandlungen und dem lyrischen Seitenthema in hymnischer Größe zum sieghaften Schluss und zu spürbar herzlichem Applaus (und einer Zugabe) führte.

Mit der „Finlandia“, dem bekannten nordischen Tongedicht von Jean Sibelius, eröffnete das Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster das Sinfoniekonzert. Wenngleich wenig finnisch-folkloristisches Material verarbeitet ist, bestach die Interpretation dieses zur Siegeshymne avancierten Kampfliedes durch seine saubere Instrumentführung im Concertino.

Zum sinfonischen Höhepunkt gedieh am Schluss die Sinfonie Nr. 5 von Jean Sibelius. Bereits in der Thematik des ersten Satzes machte sich ein lebensbejahendes Gefühl breit, als der langsame Sonatensatz mit den Zügen eines Scherzos über einem Orgelpunkt von 90 Takten ein befreiendes Ende erreichte. Das im zweiten Satz mehrfach variierte Thema des lyrischen Intermezzos wurde in feinster kantabler Gangart herausgespielt, bevor die in den ersten beiden Sätzen angedeuteten Themen im Finale zu einem triumphierenden Abschluss gebracht wurden – eine Meisterleistung des Orchesters und auch des Dirigenten. – LB

Aus „Der Patriot“ vom 22.02.2011
Betörende Sensibilität

Das weltbekannte Kodály-Quartett interpretierte in der Jakobikirche Werke von Zoltán Kodály, Béla Bartók, Robert Schumann und Franz Schubert

LIPPSTADT: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden, die Luft einziehen, sich ihrer entladen“ — so ähnlich heißt es bei Johann Wolfgang von Goethe, und könnte doch so als Beschreibung des Musizierstils des weltbekannten Kodály-Quartetts stehen, das beim jüngsten Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins in der Lippstädter Jakobikirche gastierte.

Da ist dieses hochkonzentrierte, gespannte Eindringen in die musikalische Substanz der ausgeführten Werke und dazu diese fast entspannte, in Klang ausbrechende Musizierlust. Da herrscht kein Perfektionsdrang, technische Perfektion ist bei den vier Künstlern Basis ihres Musizierens. Vielmehr herrscht hier ein ungekünstelt-abgeklärtes Spiel, eine gemeinsame Spielfreude, fern aller Routine. Das ist schon erstaunlich wenn man bedenkt, dass Attila Falvay und Erika Tóth (Violinen), János Féjervári (Viola) und György Éder (Violoncello), ein Quartett, das aus der großen Zahl heutiger glänzender Streichquartette noch herausragt, fast ständig unterwegs sind, heute in Lippstadt, morgen bei Dresden, übermorgen in Norddeutschland usw.

In dieser künstlerischen Spitzenstellung ist dann auch keine Anbiederung an das Publikum mehr nötig, und das zeigt sich in der Programmauswahl, bei der die beiden ungarischen Rahmenwerke die Verbindung einer nationalen Überlieferung mit Kompositionsvorstellungen des 19. Jahrhunderts darstellten. In diesem Bestreben verbanden sich Zoltán Kodály und Béla Bartók, wobei der Namensgeber des Kodály-Quartetts noch stärker überkommenen Formen verhaftet bleibt.

In seinem Streichquartett Nr. 2 op. 10 ebenso wie bei Béla Bartóks beliebtem 5. Streichquartett erweist sich die besondere klangliche Qualität der vier ungarischen Künstler. Es ist die bei allem Temperament betörende Sensibilität, die eine changierende Farbgebung auf engem Raum zulässt, und es ist die rhythmische Festigkeit, die ja überhaupt das Gerüst eines vollkommenen Musizierens ausmacht, weil aus ihr heraus jede innere Bewegung entwickelt werden kann.

Musterbeispiel dafür war an diesem Abend das rhythmisch ungeheuer komplizierte Scherzo in Bartóks 5. Streichquartett, dem ein mit höchster Differenzierungskunst gebotenes Andante folgte. Die zwei bedeutenden ungarischen Komponisten Kodály und Bartók rahmten das a-Moll-Quartett op. 41 von Robert Schumann, ein bei aller rhythmischen Betontheit doch über weite Strecken poetisch heiteres Werk. Und hier war es wieder die hochsensible klangliche Abschattierung, mit der die Musiker dem Werk seine breite Farbskala auch in Momenten kontrapunktischer Sprödigkeit abgewannen.

Die sympathischen Künstler verabschiedeten sich mit einem liebevoll durchleuchteten Schubert-Menuett. Das Publikum wusste ihre Meisterschaft nach dem für beide Seiten anspruchsvollen Konzertabend begeistert anzuerkennen. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 15.02.2011
Von Schumann hätte gelächelt

Musiker, Weggefährten und Sohn Siegfried von Schumann erinnerten am 100. Geburtstag des einstigen Lippstädter Musikdirektors an seinem Grab an sein Leben und sein Werk

RÜTHEN – „Liebes Väterchen“, begann Siegfried von Schumann seine Erinnerungen am Grab seines Vaters Heinz von Schumann an dessen 100. Geburtstag. Rund 40 Musikfreunde aus Lippstadt und Rüthen waren am Montag auf dem Friedhof zusammengekommen, um seinem Schaffen mit Worten und Liedern zu gedenken.

Sein Vater war ein Getriebener, „immer war eine innere Unruhe zu spüren“, bekannte sein Sohn. Der Verlust der Heimat und „sein Streben, musikalisch das Beste zu gestalten“, nannte der Sohn als Gründe. Dementsprechend gab es in der Wohnung weniger ein Wohnzimmer als vielmehr einen Musentempel, vor dem für die acht Kinder vor allem eins galt: Ruhe! Die vielen Aufführungen aber entschädigten die Kinder für den gestrengen Vater. „Dirigent der Familie war Mutter – eine Allroundfrau“, bekannte der Sohn. Christel von Schumann ruht an der Seite des früheren Lippstädter Musikdirektors.

Angesichts der musikalischen Darbietungen des Konzertchors des Städtischen Musikvereins Lippstadt würde Heinz von Schumann „beschämt lächeln und sich tief verneigen“, meinte Sohn Siegfried und schüttelte die Hände aller Akteure in seinem Namen.

Rolf Gockel, Vorsitzender des Kulturrings Rüthen, erinnert sich dankbar an die Pensionärszeit des Verstorbenen, die ihn auch in die Bergstadt führte. Man bewahre ihm hier ein ehrendes Gedenken. – fred

Aus „Der Patriot“ vom 14.02.2011
Wie eine Spieluhr

Das ungarische Kodály Quartet interpretiert in der Jakobikirche Werke von Zoltán Kodály, Robert Schumann und Béla Bartók

LIPPSTADT – Das ungarische Kodály Quartet ist am Samstag, 19. Februar, in Lippstadt zu Gast. Auf dem Programm stehen das 2. Streichquartett op. 10 von Zoltán Kodály, das a-Moll Quartett op. 41 von Robert Schumann sowie das 5. Streichquartett von Béla Bartók. Das Konzert beginnt um 19 Uhr in der Jakobikirche.

„Das Kodály Quartet gehört in unserer schnelllebigen Zeit fast schon zu den Legenden der Kammermusik“, heißt es in der Vorankündigung des Städtischen Musikvereins. Gegründet wurde das Ensemble 1966 in Budapest als Sebestyén Quartet. Bereits im Gründungsjahr erhielt es das Sonderdiplom der Jury des in Genf ausgetragenen Internationalen Quartett-Wettbewerbs. Nach personellen Umbesetzungen firmierte die Formation unter dem Namen Kodály Quartet.

Der neue Name war dem Komponisten Zoltán Kodály gewidmet und wurde laut Vorankündigung aufgrund der Ausnahmestellung des Quartetts vom ungarischen Ministerium für Kultur und Bildung verliehen. Daher gehöre die authentische Interpretation der Werke von Zoltán Kodály zu den wichtigsten Zielsetzungen des Quartetts.

Auch die Werke des zweiten großen ungarischen Komponisten, Béla Bartók, stehen immer wieder im Zentrum der Programme. Über das 5. Streichquartett sagte der Erste Geiger Attila Falvay: „Zunächst einmal kann man sagen, dass die Ausdruckskraft von Bartóks Musik hier einen neuen Höhepunkt erreicht. Auffällig ist das Finale mit den spieluhrmäßig gesetzten Akkorden. Bartók hat als Spielanweisung geschrieben: con indifferenza, meccanico. Das Phänomen ist wirklich einzigartig in Bartóks Werk. Und es ist sehr unterschiedlich gedeutet worden. Da ist die Rede von Collagetechnik des Surrealismus, andere sehen darin eine Grimasse gegenüber denjenigen Hörern, die Bartóks Musik zu schwierig finden.“

Für das Klassiklabel Naxos spielte das Kodály Quartet unter anderem die kompletten Streichquartette von Beethoven, Haydn und Schubert ein. Die Einspielung der Oktette von Max Bruch und Felix Mendelssohn Bartholdy wurde im Jahr 2007 von der BBC für den Preis „Beste Kammermusikaufnahme des Jahres“ nominiert. Konzertgastspiele führten die vier Musiker bis nach Japan, Australien, Neuseeland sowie Nord- und Südamerika.

Karten sind im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, bei den bekannten auswärtigen Vorverkaufsstellen und — soweit noch vorhanden — an der Abendkasse erhältlich.

Aus „Der Patriot“ vom 25.01.2011
Betörend schön

Das Finsterbusch-Trio aus Berlin begeisterte das Publikum in der Jakobikirche

LIPPSTADT – Streichtrio ist ja nicht die Schrumpfausgabe des viel beachteteren Streichquartetts, obwohl es sowohl bei Komponisten — gemessen an der Zahl der für diese Formation entstandenen Werke — als auch für den Hörer auch heute noch so erscheinen mag.

Wenn man dem Wortbeitrag von Andreas Finsterbusch, dem Geiger des Finsterbusch-Streichtrios Berlin folgen will, dann lag die unterschiedliche Gewichtung im Ansehen von Trio und Quartett an den unterschiedlichen Erwartungen an die eigenen instrumentalen Fähigkeiten im öffentlichen und im heimischen Raum. Ordnet man das Trio der Spielfreude von Hausmusikern zu, dann kann man sich nur wundern, welchen Anspruch von Komponisten diese offenbar weitgehend zu erfüllen wussten, selbst wenn es wohl nicht so fabelhaft geklungen haben mag wie bei dem Kammerkonzert des Finsterbusch-Streichtrios Berlin mit Andreas Finsterbusch (Violine), Christoph Starke (Viola) und Christoph Bachmann (Violoncello).

Wird das Streichquartett qualifiziert als das Gespräch zwischen vier intelligenten Gesprächsteilnehmern, dann ist das Streichtrio, wie es in der Lippstädter Jakobikirche zu erleben war, das packend feinfühlige, die Komposition in ihrer Tiefenstruktur auslotende, gleichgerichtete Miteinander dreier mentalitätsverschiedener, technisch gleich souveräner Musiker.

Andreas Finsterbusch (Violine) ist der Motor für eine klanglich und rhythmisch nie nachlassende Intensität. Christoph Starke (Viola) ist der Stoiker, der mit wundervollem Bratschenton die Angebote seiner Mitspieler zusammenfasst, und Christoph Bachmann (Violoncello) ist der Sensibilissimus, der mit größter Wachsamkeit auf die klanglichen Nuancen seiner Spielgefährten reagiert.

Auf dieser Basis eines wirklichen Ensemblespiels rücken die Werke des Programms ganz unterschiedlicher Entstehungszeit dicht zueinander. Rhythmisches Raffinement und harmonische Besonderheiten bei drei Fantasien von Henry Purcell finden sich im Streichtrio von Alfred Schnittke dreihundert Jahre später ebenso wieder wie die Forderung an die hier gebotene fabelhaft präzise Artikulation und überlegte Dynamik. Purcell blickt in die Zukunft, Schnittke in der Abwägung von Motorik und Lyrik zurück auf Jahrhunderte Kompositionsgeschichte, kann selbst fast banale Zitate damit adeln.

Und wenn es noch eines Beweises für wunderbare Trio-Musik bedurft hätte, das Finsterbusch-Trio lieferte ihn mit dem Divertimento Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Betörend schön die Klanglichkeit des Adagio, von lebensvollem Charme mit geradezu atemberaubender Schlussvariation das Andante, so begeisterten die Künstler aus Berlin und gewannen damit die Zuhörer für eine Ensemblemusik, die damit des Artenschutzes nicht mehr bedarf. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 02.01.2011
In Urlaubsparadiese entführt

Orchester der Großpolnischen Philharmonie Kallisch zündete bei den beiden Silvesterkonzerten musikalische Raketen aus Spanien und Italien

Lippstadt – „Kennst Du das Land, wo die Zitronen blüh’n?“ Diese Frage stellten die Musiker des Silvesterkonzerts an ihr Publikum, und zwar auf musikalische Art. Diese Frage stand zugleich Pate für das Neugier weckende Konzertmotto des traditionellen Jahresabschlusskonzertes, das wegen der großen Nachfrage wieder im Doppelpack angeboten wurde.

Das aus vorwiegend jungen Musizi bestehende Orchester der Großpolnischen Philharmonie Kallisch entführte sein festlich gewandetes Publikum auf musikalisch pfiffige Art in die beliebten Urlaubsparadiese des sonnigen Südens mit ausgesuchten Konzertstücken aus Spanien und Italien. Auch die Kulisse stimmte: Auf der großen Hintergrund-Leinwand erinnerte man mit gemalten Motiven (Lippstädter Kirchen, Rathaus, Wasserturm) noch einmal an das 825-jährige Stadtjubiläum, davor die festliche Bühnendekoration mit goldenen Kugeln und Raketen.

Musikalische Raketen indes zündete das Orchester mit einer würzigen Mischung aus der Opern- und Konzertliteratur. Angesichts der nasskalten Witterung mundeten die Evergreens aus dem sonnigen Süden besonders gut. Das begann im spanischen Sevilla mit dem dortigen Barbier. Auch der Mozart-Barbier wurde mit der Cavatine aus „Figaros Hochzeit“ zitiert. Hier zeigte Patrick Rohbeck sowohl stimmlich wie auch mimisch-gestisch seine Domäne im Opernfach.

Das Konzertmotto „Wo die Zitronen blüh’n“ erklang mit dem gleichnamigen Konzertwalzer – für Dirigent Hermann Breuer der schönste, aber zugleich auch schwierigste Walzer von Johann Strauß, an dem das Orchester besonders intensiv geprobt hatte.

Auch die vertraute Walzerseligkeit „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauß entführte das Publikum ebenso in südliche Gefilde wie die feurig-rasante Konzertfassung „Valencia“ von José Padilla und die Tarantella „Südlich der Alpen“. Zum guten Schluss lief noch einmal Patrick Rohbeck zu großer Form auf, als er sich als Don Giovannis Diener Leparello in der berühmten Registerarie zum großen Weiberhelden kürte.

So durfte sich das Publikum für sein Zugabe-Couplet „Nehmen Sie’n Alten“ besonders amüsieren, bevor das Orchester traditionell mit dem unverwüstlichen Radetzky-Marsch dem Publikum ein gutes Neues Jahr wünschte. – LB

Aus „Der Patriot“ vom 27.12.2010
Ungewöhnlich klassisch
Kammerchor con brio des Lippstädter Musikvereins lässt bei seinem Konzert im Haus des Gastes in Bad Waldliesborn vor allem deutsches Liedgut erklingen.

Bad Waldliesborn – Die weihnachtliche Liedkomposition „Daheim“ traf am Donnerstagabend im Haus des Gastes ziemlich genau die Stimmung des Konzertabends mit con brio, dem Kammerchor des Lippstädter Musikvereins. Der Chor wolle nicht nur die äußere, „sondern auch die innere Wärme „rüberbringen“, wünschte sich sein musikalischer Leiter Burkhard A. Schmitt. Und das war dem Chor vor vollem Haus auch gelungen, zumal im Anschluss an das Konzert beim Singen bekannter Weihnachtslieder die Gemeinschaft ganz im Vordergrund stand.
Das Programm war geradezu ungewöhnlich klassisch und vor allem – bis auf einen kleinen Ausreißer – mit deutschem Liedgut bestückt. Ungewöhnlich deshalb, weil im weihnachtlichen Konzertrepertoire der Chöre immer öfter internationale und seltene Kompositionen auftauchen. Burkhard A. Schmitt setzte ganz bewusst auf die Tradition der deutschen Weihnacht und traf damit genau den Nerv des Publikums. „Es kommt ein Schiff geladen“, „Wachet auf ruft uns die Stimme“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ erklangen in zum Teil neuen, sehr tonalen Bearbeitungen, aber auch im Original.
Frohlockende Melodien und witzige Phrasierungen beschrieben in „Daheim“ die urgemütliche Atmosphäre in der Stube, in der sich die Familie in froher Erwartung aufs Fest versammelt. Bei dem Stück „Wie soll ich dich empfangen“ bewegte eine Zuhörerin die Lippen mit. Die Dame fühlte sich offensichtlich
angesprochen von der Liedauswahl, die anscheinend dem Gemüt des Publikums entsprach. Ergänzt wurde das Programm mit weihnachtlichen Gedichten von Rainer Maria Rilke und Solo-Gesängen wie dem „Christkind“.
Schmitt setzte bei Felix Mendelssohn-Bartholdys „Wachet auf“ mit dem begleitenden Spiel am Klavier dynamische Akzente. Große Feinfühligkeit bewies er in der Sonate e-moll von Johann Sebastian Bach an der Querflöte. Auszüge aus Bachs Oratorium brachten schließlich die Weihnachtsgeschichte nach dem
Evangelium von Lukas näher.
Die rund 20 Sängerinnen und Sänger schreckten an diesem Tag auch vor doppelchörigen, achtstimmigen Sätzen nicht zurück. Bei der „Heiligen Nacht“ von Johann Friedrich Reichardt oder auch „Unser lieben Frauen Traum“ aus den acht geistlichen Gesängen von Max Reger traten diffizil erarbeitete Stimmen zum Vorschein, die diesmal nicht einen Kirchenraum erfüllten, sondern einen nicht von Hall getragenen präzisen Chorklang zur Geltung kommen ließen.
rio

Aus „Der Patriot“ vom 30.11.2010
Musik der Stille

In ungewöhnlicher Besetzung präsentierte das Münchner Debussy Trio die „Sérénade Cadiz“

LIPPSTADT – Eine ungewöhnliche Besetzung ist es schon, in der das Debussy Trio München eine „Sérénade Cadiz“ beim Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins in der Lippstädter Jakobikirche bot: Flöte, Viola und Harfe. Da ist es verständlich, dass das Programm mit Musik spanischer Herkunft weitgehend aus Transkriptionen bestand. Aber solches Vorgehen ist ja nicht selten und zudem ein Gewinn für Ausführende wie Zuhörer, wenn es so freundlich-souverän in einen musikgeschichtlichen Zusammenhang gestellt wird wie hier durch Gunter Pretzel, den Streicher des Ensembles.

Dass bei dem Ensemble eine Musik der Stille geboten würde war zu erwarten, ein Musizieren im Musikzimmer und manchmal auch im Salon. Ein bisschen viel „Gezupfe“ kam dabei heraus, wenn sich Gunter Pretzel (Viola) mit der Harfinistin Rosemarie Schmidt-Münster im Instrumentaleinsatz verband, auch manche Sentimentalität. Aber was spricht dagegen, wenn die Intimität des Musizierens rhythmisch so lebendig, dynamisch so ausgewogen und von klanglicher Eleganz ist? Und Bettina Fuchs gab mit dem Einsatz unterschiedlicher Flöten allem noch eine besondere Farbe, womit sie dann dem partiellen Eindruck von gepflegter Langeweile entgegenwirkte.

Zweifellos war das bedeutendste Werk des Programms die Sonate für Flöte , Viola und Harfe von Claude Debussy, die außerordentlich klangsensibel, mit feinem Gespür für die Farbigkeit der Komposition erklang und – das ist nicht ironisch gemeint – durch die klangliche Verwischung eines reizvollen Hauches leichter Verstimmtheit zwischen den Saiteninstrumenten an Atmosphäre gewann.

Natürlich darf in der Klasse spanischer, oft folkloristisch beeinflusster Musik ein Jacques Ibert nicht fehlen. Aber die reizvollsten Werke des Abends neben den Originalkompositionen kamen doch von Isaac Albeniz, dem Gunter Pretzel mit der kurzen Einführung in dessen wahrlich aufregende Biographie noch besonderes Profil verlieh.

Grotesker Ausklang dann die Zugabe eines Stückchens von Eric Satie, mit dem die Zuhörer aus einem intimen Konzertabend des technisch wie klanglich hochbegabten Debussy Trio München verabschiedet wurden. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 11.11.2010
„Die Musik ist dem Wort am Ende überlegen“

Lars Reichow ist heute auf der Studiobühne zu Gast — im Interview spricht er über die Freiheit auf der Bühne, die Bedeutung des Weinens fürs Kabarett und sein Vorbild Hüsch

LIPPSTADT – Bereits als Schüler begleitete Lars Reichow Hanns Dieter Hüsch auf dessen Hagenbuch-Tournee, inzwischen gehört er selbst zu den Größen seiner Zunft und nennt unter anderem den Deutschen Kleinkunstpreis (1997) und den Berliner Kabarettpreis (2009) sein Eigen. Am heutigen Freitag stellt der Musikkabarettist auf der Lippstädter Studiobühne sein Liederprogramm „Wie schön du bist“ vor. Vorab fand der 1964 in Mainz geborene Künstler Zeit für ein Gespräch mit dem Patriot.

Ihrem Programm liegt laut Vorankündigung „die Form einer begrenzten Chronologie zugrunde: Alle Lieder zusammen beschreiben einen ganzen Tag.“

Reichow: Das war eine Überlegung vom Anfang. Jetzt orientiert sich das Programm mehr am Begriff Schönheit. Es geht um Schönheit von außen, durch operative Eingriffe, um die spirituelle Schönheit, mit der Kirche zum Beispiel, und um die innere Schönheit, den Charakter, die Moral und so weiter. Das zieht sich als lockeres Gerüst durch den Abend.

Das Programm hat sich also im Laufe der Zeit verändert?

Reichow: Ja, es ändert sich immer ein bisschen. Es gibt natürlich Sachen, die bleiben von Anfang an gleich, aber wenn man mal was Neues hat oder ein Thema gerade aktuell ist, kann man das in den Vordergrund rücken. Ein Liederprogramm ist da etwas flexibel. Ich kann sogar auf Wünsche des Publikums Rücksicht nehmen, wenn sie vor 20 Uhr geäußert werden. Das gibt es manchmal, dass Leute kommen und sagen: „Bitte spielen Sie heute Abend das und das.“ Und dann mache ich das auch, wenn es irgendwie geht.

Die thematische Bandbreite ist recht groß. Angekündigt sind zeitlose Liebeslieder ebenso wie ein Lied über „Bad Banker“. Wo liegt der Schwerpunkt, auf dem Politischen oder dem Privaten?

Reichow: Ich tue so, als ob es privat wäre, aber eigentlich ist es öffentlich. Wenn ich über mich spreche, über Liebe, Kindheit und so weiter, dann sind das zwar sehr persönliche Dinge, aber sie sind natürlich übertragbar und jeder denkt: „Ach, das kenne ich.“ Das ist natürlich der schönste, der beste Fall, wenn das Publikum sagt: „Ich konnte mich mit diesen Themen identifizieren“ oder „Ich war traurig“. Es sind ja sehr lustige Sachen dabei, aber eben auch ein paar Balladen und ein bisschen anrührende Geschichten. Und das finde ich ganz toll, wenn das Publikum durch beide Phasen läuft, Lachen und Weinen. Das ist ja der Klassiker der Bühnenkunst.

Sie nennen sich selbst „Der Klaviator“. Aber so rabiat kommen Sie doch eigentlich gar nicht rüber …

Reichow: Der Klaviator ist ein Beiname. Ich hatte mal ein Programm das so hieß, und da war der Klaviator so eine Art James Bond, so ein Alleskönner-Held — daher der Name noch. Aber in diesem Programm bin ich nicht der Klaviator, sondern eher der singende Reichow.

Aber der Name läuft so durch. Der ist ja auch in Ihren Ankündigungen immer noch drin.

Reichow: Weil es natürlich griffig ist. Jetzt muss es natürlich immer ein Flügel sein — aber „Flügeliator“ klingt nicht so doll.

Gleich zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie noch als Schüler Hanns Dieter Hüsch als Posaunist auf seiner Hagenbuch-Tournee begleitet. Sehen Sie Ihre eigenen Programm heute noch in der Tradition von Hüsch?

Reichow: Ich bin sehr, sehr froh, dass ich mit Hüsch zusammenarbeiten könnte, als Jugendlicher mit der Posaune und später als Kabarettist und Kollege auf der Bühne. Wir haben uns zum Beispiel in seiner Sendung im Saarländischen Fernsehen getroffen, in der ich dann zu Gast war. Ich habe ihn sehr gemocht, insbesondere auch wegen seiner Lieder. Er hat wunderschöne Lieder geschrieben. Wenn man seine Stimme singen hört: „Ich sing‘ für die Verrückten, die geistig Umgeknickten“ — das sind wirklich unglaublich berührende Sachen. Und vielleicht kann man sagen, dass ich in diesem Sinne auch Kabarett verstehe, dass man herzlich lacht, aber auch ganz herzlich weinen kann.

Verstehen Sie sich selbst in erster Linie als Kabarettist oder als Musiker?

Reichow: Das kann man so ein bisschen drehen wie man will. Ich bin der Musiker unter den Kabarettisten und der Kabarettist unter den Musikern. Ich verstehe mich eher als Unterhaltungskünstler denn als Kabarettist. Ich möchte eigentlich die Freiheit haben, alles zu machen. Ich möchte sehr privat werden, ich möchte sehr politisch werden, wenn das Thema kommt, wo ich losschlagen will. Ich möchte, dass es unbefangen, witzig wird. Ich will mir die Freiheit auf der Bühne erhalten, das ist eigentlich das Wichtigste.

Könnten Sie sich für die Zukunft ein reines Wortprogramm oder einen musikalischen Abend ganz ohne kabarettistischen Einschlag vorstellen?

Reichow: Das Liederprogramm ist ein Schritt in Richtung etwas ernsthafterer Musikabend. Umgekehrt könnte ich mir glaube ich einen ganzen Wortabend nicht vorstellen, weil die Musik ganz grundsätzlich — und das sage ich jetzt nicht, weil ich mich für so einen tollen Musiker halte — dem Wort am Ende überlegen ist. Sie ist die höhere Kunst. Aber in den Medien wird sie darunter gestellt. Ein Comedian mit Wort wird immer einem musikalischen Kabarettisten vorgezogen, weil die Quote besser ist, weil Musik im Fernsehen nicht mehr funktioniert.

Warum ist aus Ihrer Sicht die Musik die höhere Kunst?

Reichow: Weil sie berührender ist, weil sie viel tiefer geht in die Schichten der Emotionalität als das Wort. Man kann über einen Witz sehr gut lachen, aber eine Musik kann einen richtig im Innersten treffen. – bal

Aus „Der Patriot“ vom 10.10.2010
Strenge Rhythmik

Die Karlsbader Philharmonie interpretierte unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt Werke von Mendelssohn, Mozart und Dvorák

LIPPSTADT Man muss ja nicht unbedingt „Italien“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Italienischer“ Sinfonie Nr. 4 A-Dur heraushören.
Das wäre ja nur möglich, hätte der Komponist eindeutig Folklore verarbeitet, und das tut er im Ansatz nur im Schlusssatz. Aber ein wenig von Heiterkeit und Unbeschwertheit, von der Stimmungshaftigkeit, die einen Italienbesucher wohl beeinflussen kann, scheint sich dann doch in Mendelssohns Sinfonie niederzuschlagen. Mit dieser Sinfonie begann das Programm des Städtischen Musikvereins mit der Karlsbader Philharmonie unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt. Nun ließ sich mit der relativ kleinen Orchesterbesetzung und den etwas spröden ersten Violinen kein sonderlich empfindsamer, schmelzender Orchesterklang erzeugen, aber das wurde durch überzeugende klangliche Disposition und eine besonders gute Bläserbesetzung ausgeglichen. Das konnte deutlich das Andante durch intime Klangintensität und der dritte Satz durch intensiven Bläsereinsatz beweisen. Burkhard A. Schmitt musiziert auf der Basis strenger Rhythmik, bei der sicherlich begrenzten Probenzeit unbedingt nötig, wobei natürlich dann das emotionale Moment bei der Interpretation ein wenig verloren geht. In Wolfgang Amadeus Mozarts Oboenkonzert KV 314 ließ sich der Solist Jan Adamus zu Recht feiern. Seine feinnervige Dynamik besonders im Andante, seine technische Brillanz in den Kadenzen, sein musikantisches Temperament befeuerten stellenweise auch das Orchester und gaben selbst dem kompositorisch nicht sonderlich einfallsreichen Schlusssatz innere Leichtigkeit. Bei Antonin Dvoráks „Böhmischer Suite“ op. 39 war das Orchester dann klanglich zu Hause trotz der etwas sperrigen Geigen. Hier hatte die Polka Temperament und Schmelz, bekam das Andante besonders durch Flöte und Englischhorn Atmosphäre, brachte Burkhard A. Schmitt gerade im rhythmisch heiklen Presto mit bewundernswerter Präzision das Orchester um alle Klippen. Teile dieses Satzes gab es dann auch als Zugabe, aus gutem Grund, denn damit hatte das Publikum den Ohrwurm für einen beschwingten Heimweg. AK

Aus „Der Patriot“ vom 05.10.2010
Klangsensibel ausgeleuchtet

Die Jungen Sinfoniker Bielefeld interpretierten hinreißend Holsts „Planeten“. Die Solistin Atsuko Oba begeisterte bei Chopins 1. Klavierkonzert

LIPPSTADT – Gustav Holst, der Komponist der „Planeten“, war schon fast 30 Jahre, als er sich in einem Brief an seinen Komponistenkollegen Vaughan Williams darüber beklagt, dass es so gar keine Musiktradition in England gebe, an die man anknüpfen könne. Die vorherrschende deutsche Musik des 19. Jahrhunderts lehnte er ab, also musste man Verbindungen zur Volksmusik suchen, Komponisten anderer Länder taten das ja auch.

Dann aber wendet sich Holst als Astrologe dem Firmament zu und schreibt vor dem Hintergrund klassischer Horoskope eines seiner ganz wenigen Werke, die heute noch mit ganz großem Erfolg auf den Programmzetteln erscheinen, seine „Planeten“. Und damit gelingt ihm ein Werk von solchem instrumentalen Farbreichtum, solchen rhythmischen Raffinement, dass es bis heute mitreißend wirkt.

Wenn es dann die Jungen Sinfoniker aus Bielefeld im ersten Saisonkonzert des Lippstädter Musikvereins auch noch so hinreißend spielen, ihr eigenes Engagement auf das Publikum übertragen, dann lässt sich ein erfreulich junges Publikum begeistern.

Aber wie anders hätten die jungen Musiker auch spielen sollen bei dem hochtalentierten musikalischen Leiter Witolf Werner, der sicher und hochkonzentriert durch alle rhythmischen Fallen führte, ganz klangsensibel die Partitur ausleuchtete.

Das war eine beachtliche Leistung, die sich schon im „Sinfonischen Tanz“ op. 45 Nr. 1 andeutete, wo er die Streicher mit wohltuend untheatralischer Hinwendung durch den heiklen Beginn brachte. Da spürte man die gegenseitige Zuneigung von Orchester und Dirigent, eine Zuverlässigkeit, die nur aus einem gesund routinierten Miteinander erwächst.

Nicht ganz so klangelastisch waren die Jungen Sinfoniker in Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert op. 11. Oder lag dieser Eindruck eher daran, dass die Solistin Atsuko Oba nicht nur technisch die auf Bravour angelegte Partitur prachtvoll bewältigte, sondern ihr zudem einen musikalischen Atem gab, eine Poesie, die sie mit einem völlig für die Musik einnehmenden, metrisch bewusst instabilen Spiel bewirkte.

Viel Beifall gab es danach für sie, wie denn überhaupt an diesem Abend heftig applaudiert wurde, und das nicht nur von jugendlichen Enthusiasten, die man auch in folgenden Konzerten gerne wiedersähe. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 05.10.2010
Stadt ehrt „Jugend-musiziert“-Preisträger

Lippstadt – Unzählige Übungsstunden liegen hinter ihnen, nun sind sieben Schüler im Stadttheater dafür belohnt worden. Bürgermeister Christof Sommer ehrte die Lippstädter Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ zu Beginn des Konzerts der Jungen Sinfonikern Bielefeld (siehe Rezension oben) mit einer Urkunde.

Ohne die Hilfe ihrer Eltern wären diese herausragenden Leistungen der Kinder und Jugendlichen im Regional- und Landeswettbewerb nicht möglich gewesen, hob Sommer hervor und wagte einen Blick in die Zukunft, indem er darauf verwies, dass unter den Jungen Sinfonikern Bielefeld auch so mancher Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ sitze.

Ausgezeichnet wurde Lydia Schlegel (Violoncello), die den 1. Preis im Regionalwettbewerb und den 3. Preis Landeswettbewerb erhielt. Erfolgreich im Regionalwettbewerb waren Lorena Radtke (Violine, 1. Preis), Sarah Wenzel (Violine, 1. Preis), Corinna Körner (Klavier, 1. Preis) sowie das Trio Zupfinstrumente mit Nele Charlotte Eisenbrecher (Mandoline), Carolin Marx (Mandoline) und Nico Schlüter (Gitarre). Sie belegten den zweiten Platz beim Regionalwettbewerb. – mes

Aus „Der Patriot“ vom 20.09.2010
In Kunstvoller Natürlichkeit

Welche Wirkung Volkslieder entfalten können, erlebten die Besucher des Nachtkonzerts der von Volker Hempfling geleiteten Kölner Kantorei

LIPPSTADT – Was bringt einen hochbegabten Kirchenmusiker, der aus diesen Wurzeln heraus sich viele Bereiche der Werkgeschichte von der Renaissance bis in die Moderne erarbeitet und beispielhaft interpretiert hat, dazu, nach fast vierzig Jahren dieser konzentrierten Tätigkeit nun die Bedeutung des Volksliedes aufzuzeigen und mit seiner Kölner Kantorei in kunstvoller Natürlichkeit vorzustellen?

Das hat natürlich ganz persönliche Gründe, etwa wenn Volker Hempfling von seiner Großmutter erzählt, die den Keim mit glockenheller Stimme Abendlieder am Kinderbett singend legte. Aber je länger je mehr wird die Bedeutung von Volksliedern, gesungen auf allen Altersstufen, für die menschliche Entwicklung erkannt, und man muss sie ja nicht unbedingt nur Heino oder Gotthilf Fischer überlassen, die allerdings das unbestrittene Verdienst haben, Volkslieder überhaupt am Leben gehalten zu haben. So genannte „Volksmusik“, inzwischen sogar im Fernsehen austrocknend, hat dazu selten einen Beitrag geleistet.

Welche Wirkung das Volkslied entfalten kann, bekannte Fassungen ebenso wie schwungvolle Neubearbeitungen, erlebte eine Zuhörerschaft in der dichtgefüllten Jakobikirche, und das um 23 Uhr bis weit über die Mitternacht hinaus. Kaum entlassen wollten die Zuhörer Volker Hempfling mit seiner Kölner Kantorei im Rahmen des 6. Rheinisch-Westfälischen Landeschorfestes. Sie hatten erlebt, warum dieser Chor zu den führenden Kammerchören in Deutschland gehört, wie Volker Hempfling hochkonzentriert und doch mit souveräner Leichtigkeit diesen Chor leitet.

Klanglich erfrischende Elastizität, prächtige Differenziertheit, ohne dabei überheblich artifiziell zu werden, unaufdringliche, immer hochpräzise Artikulation, rhythmischer Pfiff, ja, und dazu eine mitreißende Freude am Tun. Das führte ohne Bruch zum großen Chor aller Hörer, vom musikalischen Leiter geführt und mit behutsamen Interpretationshinweisen versehen.

Begeisterung, die sich von überzeugender Interpretation des Chores auf die Hörer übertrug, so kann das Volkslied ins Bewusstsein zurückgeholt werden, wirkungsmächtig und ganz ohne Nostalgie. Aber dazu müssten sich nicht nur Einzelveranstaltungen bekennen, dazu bedarf es eines Bildungsverständnisses, das nicht wie heute so häufig Bildung mit rascher Ausbildung verwechselt.

Das 6. Landeschorfest in Lippstadt hat mit Volker Hempfling und seiner Kantorei einen hoffentlich wirksamen Anstoß gegeben. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 20.09.2010
Neues Laub, neues Hoffen

Zum Abschluss des Landeschorfestes traf in der Jakobikirche Chormusik des 20 Jahrhunderts auf Kompositionen von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy

Lippstadt – Zwar war das 6. Landeschorfest in Lippstadt der Musik der Romantik gewidmet, doch bildete der Bach-Chor aus Hagen (Leitung: Johannes Krutmann) am Sonntagmorgen beim Abschlusskonzert in der Jakobikirche einen hübschen Ausreißer mit Ausschnitten aus der Chormusik des 20. Jahrhunderts. Damit trug er zu einem „wunderbaren Chorwochenende“ bei, wie es Elmar Bergmann, der Landesvorsitzende des Verbandes Deutscher Konzertchöre (VDKC), hervorhob.

Spannend ist ja, wie die Werke alter Meister aber auch zeitgenössischer Komponisten chorisch interpretiert werden. Darunter sind oft klassische, stets charaktervolle Interpretationen. Jedoch kommt es immer wieder zu überraschenden Hörgenüssen, so wie am Sonntag.

Eine hinreißende Vokalpolyphonie mit vielen stimmungsdichten Passagen entwickelte der Bach-Chor in kurzen Kompositionen von Maurice Duruflé, Peter Aston, Knut Nystedt oder Olivier Messiaen. Es präsentierte sich ein Chor, dessen Stärken in einer reizvoll ausgestalteten Dynamik und Harmonik liegen. Der Wechsel von laut und leise, harmonisch und dissonant machten diese Werke lebendig.

Die Stimmen hielten sich zum Teil in einem Pianissimo, das sich auf der Grenze zur Hörbarkeit bewegte. Oder sie wirkten wie Glockengesang, der seine Auflösung in gefälligen Harmonien fand. Der Bach-Chor ist ein Chor, der Herausforderungen sucht und in Johannes Krutmann einen mutigen Lehrmeister gefunden hat.

Das Chorfest-Thema „Rose-Mädchen-Engel — Schumann und seine Zeit“ griff das Bach-Ensemble Niederrhein (Leitung: Uwe Schulze) auf. „Taufrisch“ (Schulze) für Lippstadt einstudiert hatte der Chor Lieder der Romantik, darunter von Clytus Gottwald bearbeitete Kompositionen Robert Schumanns und Lieder von Johannes Brahms, in denen es um die menschlichen Dramen in der Liebe geht.

Manche Lieder ließen sich zunächst sehr tonal und überschaubar an. Der Volksliedcharakter wurde jedoch mit Raffinessen angereichert, die aus lieblichen Klangbildern Lieder voller romantischer Kraft werden ließen. Besonders beschwingt und nahezu modern erklang Robert Schumanns „Heidenröslein“.

Thematisch wie eine Erzählung angeordnet, entwickelten sich musikalische Frühlingsgefühle, Sehnsüchte und Trauer. Die Kompositionen beschrieben einen Zyklus der Liebe, den Felix Mendelssohn Bartholdy in seinem Herbstlied mit den Worten „Neues Laub, neues Hoffen“ zusammenfasste. Sie wurden unter dem präzisen Dirigat Schulzes zu sensibel, teils melancholisch erzählten Geschichten, ergingen sich im zarten Legato oder entwickelten sich zu kompakten Klangbildern, die von sauberen Stimmen geformt werden. – rio

Aus „Der Patriot“ vom 20.09.2010
Chöre gestalteten Gottesdienste

Mit flauschig weichen Stimmen singen die Lipperoder Burgschwalben das Lied „Himmlischer Vater“. Die Stimmen der Sänger sind glockenhell. Wie aus einem Guss kommen die Worte aus ihren Kehlen und dringen in den Kirchenraum. Im Rahmen des Landeschorsfestes stellten die Burgschwalben (Leitung: Ursula Tillmann) die Kompositionen im katholischen Gottesdienst im Lipperoder Josefshaus vor. Nahezu gleichzeitig wirkte der Oratorienchor Köln (Leitung: Andreas Meisner) in der evangelischen Marienkirche in Lippstadt beim Gottesdienst mit. „Rosen, Mädchen, Engel“ übertitelten die Burgschwalben ihre musikalische Darbietung. Dabei zeigten die Sängerinnen und Sänger , dass das Leben für sie „ein Fest“ ist. Der Chor kombinierte bei seinem Auftritt Lieder aus seinem Repertoire mit sakralen Stücken wie „Kleines Senfkorn Hoffnung“. Da durften dann die Gläubigen mit in den Gesang einstimmen. – Foto: Meschede

Aus „Der Patriot“ vom 19.09.2010
Suggestive Deutung

Konzertchor Lippstadt gelang überzeugende Gestaltung zweier eher spröder Schumann-Werke – Chorgemeinschaft glänzte mit Mendelssohns „Lobgesang“

LIPPSTADT – Es sollte ja nicht der Eindruck entstehen, als würde im Festkonzert des 6. Rheinisch-Westfälischen Landeschorfestes in Lippstadt um die Wette gesungen oder um die Wette um die Gunst des Publikums gebuhlt. Dafür waren die vom Musikverein Lippstadt und den versammelten Chören aus Paderborn, Oelde und Loburg gebotenen Kompositionen auch viel zu unterschiedlich. Und das nicht etwa in ihrem jeweiligen künstlerischen Anspruch, wohl aber in ihrer in den Werken angelegten Wirkungsintensität auf das Publikum.

Die beiden Werke von Robert Schumann im ersten Programmteil waren das härtere Brot, auch nicht die inspiriertesten Kompositionen. Da gibt es im „Nachtlied“ fesselnde Passagen, bietet auch das „Requiem“ tiefschürfende Momente. Aber vieles bleibt eben doch spröde, oft konstruiert. Kein Zweifel aber, das Burkhard A. Schmitt gerade mit dem stimmungsdichten „Nachtlied“ op. 108, der Vertonung eines Gedichtes von Friedrich Hebbel, ein durchaus stilbildendes und schon darum wichtiges Werk vorgestellt hat.

Bei aller Bindung an den in Schumanns Schaffen bedeutenden Beitrag zur Gattung „Lied“ wird hier zwar diese Form ausgeweitet in eine erweiterte Besetzung hinein, bleibt aber bei Schumanns umfassender Kenntnis und Neigung zum Dichterwort deutlich in der klanglichen Nachzeichnung der philosophischen Dichte des Textes.

Schmitt gelang dabei mit dem Konzertchor Lippstadt eine suggestive Deutung der inneren Entwicklung dieses „Nachtliedes“ mit einem homogenen Chorklang, der elastisch Stimmungswerte deuten konnte.

Die Leistungsfähigkeit des Chores bewies sich ebenso in Robert Schumanns „Requiem“, das eine souveräne klangliche Gestaltung fordert. Eine solche Gestaltung gelang dem musikalischen Leiter, der die Partitur sowohl im Blick auf die musikgeschichtlichen Anlehnungen wie auf das ungewöhnlich Neue überzeugend durchleuchtete. Die Sprödigkeit einer nachlassenden Schöpferkraft konnte aber auch sein großes Engagement nicht verdecken.

Das Solistenquartett (Dorothee Fries, Sopran; Dagmar Linde, Alt; Stephan Zelck, Tenor; Clemens Morgenthaler, Bass) war von unauffälliger Homogenität, sehr klangvoll im „Benedictus“. Die Neue Philharmonie Westfalen spielte konzentriert und engagiert, sie wurde aber erst deutlicher gefordert in Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 2, dem „Lobgesang“.

Matthias Hellmons, der mit einer riesigen Chorgemeinschaft des Städtischen Musikvereins Paderborn, des Musikvereins Oelde und der capella Loburgensis den zweiten Programmteil bestritt, lieferte zunächst enthusiastisch mit dem Orchester ein emotional aufwühlendes 3-Sätze-„Vorspiel“ (im Blech vielleicht etwas zu plakativ). Im Kantatenteil schaffte er mit dem großen Chor eine erstaunliche dynamische und agogische Ausdrucksbreite, die alle unterschiedlichen Stilelemente des Werkes erfasst. Höhepunkt war dabei der mit großer Sensibilität vorgetragene A-cappella-Choral, der Ruhepunkt in klanglichen Turbulenzen.

Insgesamt eine interpretatorisch glänzende, beifallüberschüttete Leistung von Matthias Hellmons, in die die schon genannten Solistinnen sowie der stimmlich besonders beachtliche Stephan Zelck (Tenor) einbezogen waren. – AK

Aus „Der Patriot“ vom 19.09.2010
Das echteste Organ der Musik

Das Eröffnungskonzert des Landeschorfestes präsentierte neben Klassikern von Verdi und Puccini auch eine deutsche Erstaufführung

Lippstadt – „Das echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik allein ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme.“ Zum Eröffnungskonzert des Landeschorfestes im Stadttheater bediente sich Bürgermeister Christof Sommer der Worte des Komponisten Richard Wagner. Wie er voraussah, gerieten die zweieinhalb Stunden zu einem chorsinfonischen Hörgenuss, wobei die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen ein grandioses Zusammenspiel mit den drei Chören leisteten.

Mit einer deutschen Erstaufführung, einem frisch überarbeiteten Auszug des Oratoriums „My Rose“ des zeitgenössischen Komponisten Steve Dobrogosz, gelang dem Audienda-Chor aus Krefeld (Leitung: Pavel Brochin) ein brillanter Auftakt. Shakespeares Sonette lieferten die beste Vorlage für dieses emotionale Kraftpaket.

Dichte Harmonien, satte Streicherakkorde, chromatische Auf- und Abgänge: Hier wurden die musikalischen Möglichkeiten der musikalischen Stilelemente von Klassik, Jazz und Musical effektvoll eingesetzt und mit großer Leidenschaft von Chor und Orchester interpretiert. Ein Liebesfilm hätte nicht schöner vertont werden können.

Der Oratorienchor aus Köln (Leitung: Andreas Meisner) präsentierte mit Giuseppe Verdis „Quattro pezzi sacri“ ein geistliches, klanggewaltiges Werk voller musikalischer Kontraste — ein opulentes, majestätisches Stück, das sich im Wechselspiel der Stimmungen äußerst facettenreich darstellte und nicht nur einem Passionsdrama, sondern stilistisch einer Kurzform der Oper gleichkam. Da flogen die Bögen, brummten die Bässe, wechselten sich im reizvollen Spiel Fortissimo und Pianissimo ab.

Der Oratorienchor Letmathe (Leitung: Paul Breidenstein) offenbarte mit Giacomo Puccinis „Messa die Gloria“ eine Musik der Romantik, die mit vielfältigen Stimmungen arbeitet und herrlich lebendig ist, nahezu tänzerisch und doch tiefgründig. Dies unterstrichen der Tenor Michael Kurz und Bassbariton Clemens Morgenthaler in Soli und Duett. Das war nicht nur Lobpreis Gottes, sondern auch ein Lobpreis an die Musik. – rio

Aus „Der Patriot“ vom 19.09.2010
Unglaubliche Unterstützung

Staatssekretär Klaus Schäfer und der VDKC-Landesvorsitzende Elmar Bergmann lobten beim Festkonzert das außergewöhnliche kulturelle Engagement der Stadt

LIPPSTADT – Zu Beginn des feierlichen Festkonzertes am Samstagabend hießen Staatssekretär Professor Klaus Schäfer vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sowie Elmar Bergmann, Vorsitzender des Landesverbandes NRW des Verbandes Deutscher Konzertchöre (VDKC), die Gäste im Stadttheater herzlich willkommen.

Beide Redner würdigten das außergewöhnliche kulturelle Engagement der Stadt, das laut Schäfer „nicht selbstverständlich“ sei. Bezüglich der Austragung des 6. Rheinisch-Westfälischen Landeschorfestes habe es von den Lippstädter Kooperationspartnern eine „unglaubliche Unterstützung“ gegeben, „die wir auf diese Weise noch nie erlebt haben“, betonte Bergmann.

Das Landeschorfest verdeutliche, so Schäfer, „den Reichtum im Chor- und Instrumentalwesen“. Die so genannte Laienmusik, „die in keinster Weise laienhaft ist“, besitze für die Landesregierung einen hohen Stellenwert. Besonders dem gemeinschaftlichen Singen sprach Schäfer eine hohe soziale Bedeutung zu. So werde damit auch Erziehungs- und Bildungsarbeit geleistet.

Laut Schäfer müsse deshalb, „ein Kulturrucksack für Kinder aller sozialer Schichten“ gepackt werden, um kulturelle Bildung in Form von Musik bereits in frühen Lebensjahren zu vermitteln. Ein besonderes Dankeschön richtete er an die vielen Ehrenamtlichen, die sich in diesem Bereich engagieren.

„Sechs Millionen Deutsche beteiligen sich aktiv am Chorsingen“, ergänzte Elmar Bergmann. Eine beeindruckende Zahl, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass die Chorkultur weiter gefördert werden müsse. „Das Singen ist eine elementare Lebensäußerung des Menschen. Beim Singen öffnet sich die Seele des Menschen“, so Bergmann.

Bereits vor dem Festkonzert hatte sich Staatssekretär Klaus Schäfer im Beisein von Bürgermeister Christof Sommer Klaus Schäfer ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. – juro

Aus „Der Patriot“ vom 06.07.2010
Sinn für Subtilitäten

Wetterbedingt musste das für die Stiftsruine geplante Konzert des Kammerchors Con Brio in die Jakobikirche verlegt werden

LIPPSTADT – „Schöne Nacht — Du Liebesnacht“ — die sollte natürlich nicht wetterabhängig sein, und die Stiftsruine hätte dafür sicherlich das angemessene Ambiente geboten. Aber argentinische Tränen vergossen sich auch über Lippstadt, und so zog der Kammerchor des Städtischen Musikvereins unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt mit seinem Liebesnacht-Programm in die Jakobikirche und gewann eine große Hörerzahl auch dort für sein freiluftiges Musizieren.

Aber so ganz „freiluftig“ wurde es dann doch nicht, denn die Vorbereitungen auf eine anders geartete akustische Bedingung machen sich in dem geschlossenen Kirchenraum dann doch nicht nur positiv bemerkbar. Burkhard A. Schmitt musizierte mit seinem Con-Brio-Kammerchor sehr diszipliniert, um Elastizität und Farbreichtum bemüht. Das gelang am besten in einzelnen der Liebesliederwalzer op. 52 von Johannes Brahms. Aber leider war der Sopran oft zu direkt, steif, da, wo Schmitt beweglichen Klang erbat, doch zu muskulös.

Zweifellos hat dieser Kammerchor des Musikvereins musikalisches und technisches Potenzial, übrigens ein momentane Lieblingsvokabel überall da, wo man sich mit mehr oder weniger Phantasie Entwicklung erhofft, bei der Fußballweltmeisterschaft oder nach der ersten Rede des neuen Bundespräsidenten. Dieser Chor Con Brio wird zweifellos an klanglicher Homogenität gewinnen, auch vielleicht durch ein deutlicheres Bass-Fundament gestützt.

Und dass Burkhard A. Schmitt Sinn für klangliche Subtilitäten hat, die der Chor auch mehrfach erfüllte, das machte er nicht nur in seinem eigenen Solo-Beitrag erfreulich deutlich. Da sang er Duette von Robert Schumann zusammen mit der Mezzosopranistin Takako Teichmann-Onodera, und diese Duette hatten Humor und Gewicht.

Für die beiden Lieder von Hugo Wolf schien mir die Stimme der Mezzosopranistin bei aller klanglicher Farbabstufung, die ihr auch pianistischer Begleiter anbot, ein wenig zu schwer.

Wenn es in der Brahms-Literatur heißen kann, dass die vierhändigen Walzer op. 39 ein harmlos-liebenswürdiger Zyklus seien, leicht auszuführen wie zu verstehen, dann ist das zumindest im Blick auf die Ausführbarkeit nahe an einer Fehleinschätzung. Kumiko Watzinger und Christina Cosmann (Klavier) spielten diesen Zyklus, aus dem man auch ohne Strukturstörung eine Auswahl treffen könnte, mit überlegener technischer Souveränität. Aber klangliche Differenzierung ließ das Instrument kaum zu. Das klang zu schnell grob und uncharmant — was nicht den Ausführenden anzulasten ist.

Freudige Zustimmung des Publikums hat die „Schöne Nacht“ gefunden. Und wenn sie dann irgendwann doch mal in der Stiftsruine zu erleben wäre? Man kann nur hoffen und den Ausführenden dazu Mut machen. – AK