Presseartikel 2018/2019

 

 

 

 

 

 

Der Patriot 20.03.2019

Wenn die Posaune plötzlich miaut

Für jedes Tier gab´s die passenden Töne: Die Formation percussion Posaune Leipzig trat in der EG Aula auf. Foto: Meschede

Wer kennt nicht die Bremer Stadtmusikanten? Das Märchen der Gebrüder Grimm ist ein Klassiker, den jedes Kind kennt. Das Märchen hat der Berliner Komponist Frank Schwemmer vertont. Nun holte der Städtische Musikverein die „Bremer Stadtmusikanten“-Produktion des Ensembles percussion posaune Leipzig in die Aula des Evangelischen Gymnasiums. Vor knapp 300 Schülern führte das vierköpfige Ensemble das Stück auf.

Von Dagmar Meschede

Lippstadt – Grimms Märchen handelt von vier im Alter schlecht behandelten Tieren, die von ihrem Zuhause fortlaufen, um in Bremen Stadtmusikant zu werden. Allerdings kommen dort der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn nie an, weil sie das Haus einer Räuberbande erobern und dort wohnen bleiben. Doch wie hört sich das an? Zu Beginn des Konzerts geben die vier Musiker Joachim Gelsdorf (Bassposaune), Wolfram Dix (Percussion und Drums), Marton Palko (Alt- und Tenorposaune) sowie Stefan Wagner (Alt- und Tenorposaune) eine Kostprobe, die den Schülern musikalisch die Charakteristika von Esel, Hund, Katze, Hahn und Räuberbande wiedergibt. So begleiten beispielsweise gedehnte Töne den schleppenden Gang des Hunds. Ergänzend dazu ahmt Gelsdorf das Japsen des Tiers nach Luft nach. Bei der Katze hört man dagegen im Spiel der Musiker die divenhafte Gangart heraus. Zwischendurch blitzt bei den Bläsern ein mit ihren Instrumenten nachempfundenes Miauen auf. Und die Räuber, die in Grimms Märchen lustlos sind und sich untereinander nicht besonders mögen, begleitet eine leicht dissonant wirkende Musik.

Geradezu bildhaft lautmalerisch zeichnet das Ensemble percussion posaune Leipzig das Typische der Charaktere der Bremer Stadtmusikanten nach – was den Kindern Orientierung bei der anschließenden Aufführung von Schwemmers „Bremer Stadtmusikanten“-Komposition gibt. Bassposaunist Joachim Gelsdorf übernimmt die Rolle des Erzählers und liest das Grimmsche Märchen Stück für Stück vor. Dabei folgt auf jede Märchenepisode ein Musikstück, das die Geschichte nachzeichnet. Eingebettet sind in das Konzert unter anderem Anklänge von Volksliedern und klassische Jagdmotive. Visuell ergänzen Illustrationen von Ulrich Hoepfner die zehn Bilder der kammermusikalischen Dichtung. Schwemmers Komposition erfordert von den Viert- und Fünftklässlern ein feines Gehör und viel Konzentration. Auch wenn die Musiker zwischendurch kleine spielerische Szenen einfügen, hätte eine Einbeziehung des jungen Publikums zur weiteren Auflockerung des Konzerts beigetragen – zumal in der Komposition viele Anspielungen auf die Musikgeschichte stecken.

Unnützes Wissen

„Die Bremer Stadtmusikanten“ ist eine der bekanntesten Geschichten aus den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Die vier sympathischen Underdogs, die von ihren Herren getötet werden sollen, weil sie altersbedingt nicht mehr arbeiten können und deshalb nach Bremen abdüsen, um dort eine reichlich schräge Band zu gründen, werden nicht nur in der titelgebenden Hansestadt geehrt. Eine der bekanntesten plastischen Darstellungen der Stadtmusikanten steht vor der Petrikirche in der lettischen Hauptstadt Riga. Gestiftet wurde die von Christa Baumgärtel geschaffene Bronzestatue von der Partnerstadt Bremen. bal

 

Der Patriot 12.03.2019

Edle Perlen der Romantik

Das Finsterbusch-Trio musizierte mit der Pianistin Daniela Hlinkova

Von Lothar Brode

Andreas Finsterbusch (Violine), Christoph Starke (Viola) und Christoph Bachmann (Cello) musizierten gemeinsam mit Daniela Hlinkova (Klavier) in der Jakobikirche. Foto: Brode
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Lippstadt – Außergewöhnliche Klangqualität und musikalisch hochgradige Homogenität kennzeichneten das Spiel des Berliner Finsterbusch-Trios bei seinem Gastspiel in der Lippstädter Jakobikirche. Allen voran Namensgeber Andreas Finsterbusch als Spiritus Rector an der Violine im dynamischen Concertino mit seinen musikalischen Mitstreitern Christoph Starke (Viola) und Christoph Bachmann (Violoncello). Hier präsentierten sich drei profilierte Vollblutmusiker mit edlen Perlen aus der Romantik.

Das ging gleich spannend los mit vier Miniaturen für Streichtrio von Antonin Dvorák: Bezaubernder Streicher-Weichklang bei der moderat intonierten Cavatina und ein rasches, flüssig bewegtes Capriccio kontrastierten hier mit besinnlicheren Sequenzen in der inspirierend wirkenden Romanze und der versonnen-träumerisch verpackten Elegie im feinsten Allegretto-Stil. Mit einem rhythmisch eigentümlichen Pathos versah das Trio den Lento-Satz im Streichtrio g-Moll des finnischen Komponisten Jean Sibelius.

Da es mehr Literatur für Quartette als für Trios gibt, holte sich das Finsterbusch-Trio in seinem Lippstädter Konzert als Gast die slowakische Pianistin Daniela Hlinkova mit ins Boot, um auf diese Weise bekannte Klavierquartette der Romantik anbieten zu können, so etwa das dritte in c-Moll von Johannes Brahms. Der erste Satz nahm sich zunächst eher dunkel und schmerzlich aus, abgesehen von einigen Ausbrüchen der Streicher. Eine ganz andere Stimmung bot sich dagegen im resoluten kräftigen Allegro im rastlosen und unruhigen Scherzo-Satz, bevor sich im sanglichen Andante die Wogen wieder glätteten. Hier wurde das Thema von einer schönen Kantilene über viele Durchführungsstationen im moderaten Tempo zum Finale geführt, das alle Motive des Stückes noch einmal zusammenfasste und zu einem versöhnenden Ende brachte.

Pianistische Glanzpunkte mit stets souveränem Manualanschlag setzte die Gastkünstlerin Daniela Hlinkova vor allem beim Es-Dur-Klavierquartett von Robert Schumann. Mit raschen Laufkaskaden begeisterte die Künstlerin im lebhaften Scherzo, gestaltete dann das Andante-Thema äußerst melodiös, bevor sie dann, im klangschönen Concertino mit dem Streichtrio, im Finalsatz noch einmal kraftvoll zulegte und diesen freudestrahlenden Vivace-Satz mit seinen spritzigen Einfällen zu einem emphatischen Ende brachte.

 

 

 

Der Patriot 26.02.2019

Eindrucksvolle Klarheit

Sich entspannt zurücklehnen, vielleicht die Augen schließen und einfach genießen. Das kann so schön. Das vom Städtischen Musikverein veranstaltete Sinfoniekonzert mit dem Kammerorchester Sinfonietta Köln bescherte jedenfalls den Klassikfans in der Aula des Evangelischen Gymnasiums Hochgenuss pur.

Von Dagmar Meschede

Vielstimmig, vielschichtig, farbenreich: das Spiel des Kammerorchesters Sinfonietta Köln.
Fotos: Meschede

Lippstadt – Die Mischung macht’s: Hier ein bisschen populär Vertrautes, dort etwas spritzig Prickelndes und nebenbei noch eine kleine, fantastische Entdeckung. Das macht im Kern das Konzert aus. Unter der Leitung von Cornelius Frowein spannt das Kammerorchester Sinfonietta Köln den Bogen von Johann Christian Bach über Béla Bartók und Carl Maria von Weber bis zu Wolfgang Amadeus Mozart.

Vor allem Webers Klarinettenkonzert f-Moll bleibt in Erinnerung. Und das nicht nur wegen des herausragenden Solisten Christoph Schneider, der mit seinem warmen weichen Klarinettensound für wohlige Momente sorgt. Sein Spiel hat eine angenehme Tiefe und Weite und harmoniert perfekt mit dem Orchester.

Herausragender Solist: Christoph Schneider.

Schneider hat die Gabe, jedem Ton eine eindrucksvolle Klarheit zu verleihen. Man hat das Gefühl, dass hier jemand mit sicherem Röntgenblick Webers Komposition durchleuchtet. Selbst dramatisch wagnerische Momente blitzen auf. Da hört man sofort, wodurch sich Richard Wagner später für seine Opern inspirieren ließ.

Mit Tönen malen – das gelingt den Musikern der Sinfonietta Köln zuvor bereits äußerst mit den sechs Bagatellen von Béla Bartók. Das sind kleine Miniaturen – jeweils eine knappe Minute lang, aber in jeder Sekunde wirken sie ungemein belebend und erfrischend. Dabei entwickeln die Musiker Panoramen, die wie Landschaften wirken. Das mag dramatisch-düster wie die Musik zu einem Western klingen. Oder es hört sich leicht dissonant an, dafür aber gewitzt-heiter, so wie man sich beispielsweise die Filmmusik für einen Zeichentrickfilm vorstellt.

Für Bartóks Bagatellen findet die Sinfonietta Köln Klänge, zu denen sofort Bilder und Geschichten im Kopf entstehen. Lustvoll zelebrieren sie die die Stimmungswechsel. Keine Frage: Die Musiker kitzeln unendlich viel aus den einzelnen Stücken heraus und gehen ihnen auf den Grund.

Bei Mozart und Bach scheint das zwar ein wenig routinierter zu sein, aber es ist deswegen nicht weniger spannend. Überhaupt ist es ein gelungener dramaturgischer Kniff, das Konzert mit Bach zu beginnen und mit Mozart enden zu lassen. Der jüngste Bach-Sohn hat nämlich auf den jungen Mozart eingewirkt. Die beiden wirken im direkten Vergleich wie Seelenverwandte, und das hört man an der Art, wie die Kompositionen gebaut sind, heraus.

Vielstimmig, vielschichtig, farbenreich und lebendig so klingt Bachs Sinfonie D-Dur. Das ist entspannende Musik zum Wohlfühlen. Das gilt natürlich ebenfalls für Mozarts „Prager Sinfonie“, die ungleich komplexer als Bachs Sinfonie ist. Über die Dreisätzigkeit dieses Stücks hat die Musikwissenschaft viel spekuliert. Doch wer sich die Interpretation des Kammerorchesters Sinfonietta Köln anhört, hat das Gefühl, das alles so perfekt ist, wie es ist. Die Sache ist rund. Es fehlt nichts.

Einfühlsam arbeiten die Musiker die Motive dieser äußerst dicht gearbeiteten Komposition heraus. Entspannte Passagen wechseln mit spielerisch energischen, bisweilen auch temperamentvollen Stimmungen ab. Dabei zeigen Flöten, Streicher und Schlagzeug in ihrem Zusammenspiel, wie komplex dieser Mozart eigentlich ist. Und deswegen kann man ihn wieder und wieder hören. Man kann immer was entdecken.

Der Patriot 12.02.2019

Hochgradig virtuos gestaltete Spannung

„Lippstadt sucht den Superstar“: Eine Jury, würde es sie denn geben, hätte es sehr schwer, den besten Künstler zu finden: Die zweite Klaviernacht des Städtischen Musikvereins bestritten auf hohem Niveau drei international renommierte Spitzenkünstler, jeder eine Koryphäe auf seine Art. Zwar mit unterschiedlichen Ambitionen, dennoch jeder Virtuose eine Spitzenklasse für sich. Alle drei Konzerte waren in ihrem Charakter bewusst höchst unterschiedlich.

Von Lothar Brode

Franz Vorraber

Lippstadt – Aus der Fülle des musikalischen Angebotes seien nur einige der zahlreichen Höhepunkte herausgefiltert: Der aus Graz stammende Pianist Franz Vorraber gilt als profunder Kenner von Robert Schumann. Einen glaubhaften Beweis hierfür lieferte der Österreicher mit der lupenreinen Deutung des Klavierzyklus „Kreisleriana“, einem Schlüsselwerk der romantischen Klavierliteratur: In wohldosierter Tonstärke zauberte der Pianist mit häufigen Tempowechseln unterschiedliche Stimmungsbilder, mal feinfühlig-empfindsam bis elegisch-versonnen, dann wieder in teils schwerer Kost mit vollgriffigen Forte-Akkorden in äußerst lebhaft gestalteten Sequenzen bei der Verarbeitung manch kecker Themenmotive. Da ging kein Ton daneben, das war meisterhaft.

Der Höhepunkt war jedoch das letzte Stück, die 2015 uraufgeführte Eigenkomposition „Get nine“ Das war schon verblüffend, wie aus einem einfachen siebentaktigen eingängigen Motiv im ungewöhnlichen 9/8-Rhythmus in umfangreichen Variationen und Modulationen ein eruptiv entwickelter brodelnder Klangvulkan in eigenwilliger Motorik und rhythmisch nachhaltigem Drive entsteht. Das war hochgradig virtuos gestaltete knisternde Spannung auf dem Konzertflügel.

Aleksandra Mikulska

Nicht minder temperamentvoll gab sich dann Aleksandra Mikulska, als Vertreterin der jungen Generation. Ihre durchaus ebenbürtige virtuose Meisterleistung war eine positive Überraschung. Die polnische Ausnahmepianistin stellte ihren Landsmann Frédéric Chopin in den Fokus ihres Beitrags, wobei sie die kompositorisch vorgegebenen Stimmungsschwankungen exzellent umsetzte: Einem kraftvollen Start mit brillanten Laufkaskaden und energischem Drive folgten feinste kantable Momente, dann wieder abgelöst durch explosionsartige Ausbrüche – ein temperamentvolles Energiebündel mit hervorragender Anschlagskultur auf der Tastatur.

Die Pianistin setzte dann noch das virtuose i-Tüpfelchen mit Motiven aus der „Ungarischen Rhapsodie“ a-Moll von Franz Liszt – auch wieder eine brillant entwickelte markante Thematik mit kraftvollen Akkorden.

Vadim Chaimovich

Ganz anders dagegen präsentierte sich der Dritte im Bunde: Der litauische Klaviervirtuose Vadim Chaimovich stellte auf seinem Streifzug durch drei Jahrhunderte Musikgeschichte unter dem Titel „Meisterwerke im alten Stil“ repräsentative Klangbeispiele aus dem Barock, der Klassik und der Spätromantik vor.

Mit stoischer Ruhe und Gelassenheit griff er dabei in die Tasten und eröffnete den Reigen mit der ursprünglich für Cembalo geschriebenen Partita G-Dur von Joseph Haydn. Bei der Chaconne f-Moll von Johann Pachelbel gelang die kontrapunktisch feingegliederte Tiefenlotung vortrefflich.

Zum Höhepunkt seines Beitrags gedieh dann die Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg: Angefangen von der festlich geprägten eingängigen Melodik im resoluten Allegro Vivace des Präludiums über ein träumerisches Andante-Thema der Sarabande und kecken Allegretto-Motiven in der Gavotte über die lyrisch-melancholische, teils liebliche Melodik im Andante der Air bis hin zum tänzerisch lebhaft gestalteten Allegro con brio im Finalsatz spannte sich ein gewaltiger, nachhaltig beeindruckender Klangbogen als würdiger Schlusspunkt eines großen Konzertevents.

Der Patriot 16.01.2019

Imaginäres Musiktheater

Das junge Vision String Quartet widmete sich in der Jakobikirche Werken von Samuel Barber, Maurice Ravel und Ludwig van Beethoven und entfesselte dabei ein wahres Saitengewitter.

von Marion Heier

Das Vision String Quartet spielt bevorzugt im Stehen, so auch hier in der Jakobikirche. Foto: Heier

Lippstadt – Für so einige ist die Interpretation des Streichquartetts h-Moll des zeitgenössischen Komponisten Samuel Barber (1910-1981) ein besonderer Höhepunkt, den sie sich mit dem Vision String Quartet am Sonntagabend in der Jakobikirche nicht entgehen lassen wollen. Wohl wissend, dass nicht nur der Komponist, sondern auch das Ensemble mit den vier jungen – und auch smarten – Musikern, das auf Einladung des Lippstädter Musikvereins gekommen ist, einen wahren Hörgenuss verspricht.

Es ist tatsächlich kaum zu beschreiben, was Jakob Encke (Violine), Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Cello) da abliefern, denn ihr Spiel ist von so einer perfekten Ausgewogenheit und ergreifender Musikalität, dass es erfüllender nicht geht. Mit welch zartem, leisen Strich entfaltet sich da das Pianissimo in dem sich aus dem Streichquartett verselbstständigten „Adagio for strings“. Mit welch elegischer Grazie und großartiger Empathie für das Stück kitzeln die Musiker den Kern, die innere Kraft des Werkes heraus, das eigentlich zu prominenten Traueranlässen und auch als Filmmusik gespielt wurde.

Durch die harmonische und an Klangfarben reiche Fülle des Werkes wird eine poetische Klarheit, eine – laut Programm – lyrisch-expressive Tonsprache erfahrbar, die einen gefangen nimmt. Da braut sich ein wahres Saitengewitter an, das sich mit leise schwingenden Bögen wieder davonstiehlt.

Ein imaginäres Musiktheater entfaltet auch Maurice Ravels Streichquartett F-Dur. In ihm spiegelt sich die musikalische Vision eines damals 27-Jährigen wider, die in der Umsetzung des Vision String Quartetts einen Gleichgesinnten hat. Die Gleichzeitigkeit verschiedener Rhythmen und ethnische Anleihen sind stilistische Charakteristika, die vom Quartett meisterhaft ausgearbeitet werden. Es wird heftig gestrichen, gezupft und geschlagen. Es wird wild und überbordend, melancholisch und romantisch. Die Techniken auskostend, entsteht so eine außerordentliche Klangfülle. Beethovens Streichquartett Nr. 14 in cis-Moll gibt sich da zunächst ein wenig moderater, formuliert es doch die eher klassische Tonsprache. Die aber kommt neben viel lieblichem Gestus auch mit sehr viel mutigem Beethoven daher. In dessen spätem Werk zeigt sich eine ungewöhnliche, ausdrucksreiche Dichte. Es wird schwermütig und stürmisch, federleicht und heiter mozartesk.

Das Ensemble demonstriert nicht nur mit diesem Werk, dass es den höchsten Anspruch an sich und das Repertoire mit einer respektvollen Ehrerbietung gegenüber meisterlicher Kunst vereint. Und es geht nicht ohne Zugabe, in der sie eine selbst komponierte Samba zum Besten geben. Die ist so beschwingt und lässig und gibt einen Einblick in das weitere Repertoire des Vision String Quartets, das sich das Publikum unbedingt noch mal nach Lippstadt wünscht. Ja, bitte.

Generationswechsel in der Klassikszene

Das 2012 gegründete Vision String Quartet steht für einen Generationswechsel in der Klassikszene. Die vier Musiker sind nicht nur recht jung, sie öffnen sich auch anderen Klängen bis hin zum Jazz, Pop und Funk. Dieser Mix überzeugte den Südwestrundfunk so sehr, dass er das Quartett 2014 in sein Programm zur Nachwuchsförderung „SWR2 New Talent“ aufnahm. Auch die Präsentation unterscheidet sich von herkömmlichen Kammerkonzerten, spielt das Vision String Quartet doch auswendig und – mit Ausnahme des Cellisten – im Stehen, um eine andere Dynamik zu erzielen. bal

 

Der Patriot 02.012019

Musikalische Sektperlen

Da freute sich der Dirigent: Hermann Breuer, auch zum Jahreswechsel 2018/2019 wieder gut gelaunter Orchesterchef und Moderator, gratulierte dem Lippstädter Publikum zum Entschluss, trotz der Stadttheater-Sanierung der Tradition der Silvesterkonzerte treu geblieben zu sein.

Von Lothar Brode

Die Philharmonie Lemberg gestaltete ein fröhliches Silvesterkonzert in der Aula der Gesamtschule.
Foto: Brode

Lippstadt – Zwar ist die Aula der Gesamtschule nicht vergleichbar mit dem Stadttheater, aber dennoch stimmte das Ambiente des großen Saales trotz einiger Improvisationen der Orchesterleute. Die geringere Zuhörer-Resonanz in diesem Jahr, die zu einer Reduzierung des Angebots (nur ein Konzert statt zwei) geführt hatte, erscheint daher unverständlich. „Freunde, das Leben ist lebenswert“: Wie ein roter Faden zog sich die gleichnamige Arie aus Franz Lehárs Operette „Giuditta“ als musikalisches Leitmotiv durch das gesamte Konzert des Städtischen Musikvereins. Es wartete diesmal durchweg mit bekannten und beliebten Kompositionen der leichten Muse auf und sorgte mit reichlich Walzer- und Polka-Seligkeit für die adäquate innere Freude zum Jahresausklang.

Hermann Breuer begrüßte die Philharmonie aus Lemberg (Ukraine) in der Aula. Sie war in großer Besetzung „eigens über 1200 Kilometer angereist ist, um Sie hier in Lippstadt zu erfreuen“, rief Breuer dem Publikum zu.

Die Philharmonie ging dann auch gleich mit der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ von Franz von Suppé recht schwungvoll zur Sache, bevor der Orchesterchef beim wohl bekanntesten Ungarischen Tanz Nr. 5 g-moll von Johannes Brahms eine rasche Gangart vorgab. Leichtfüßig interpretierte das Orchester mit reichlich spielerischer Fantasie und Raffinesse den Walzer aus dem Ballett „Schwanensee“ von Peter Tschaikowsky. Nach der schnellen Polka „Bahn frei“ von Eduard Strauß gelang das gezupfte Streicher-Pizzicato aus dem Ballett „Sylvia“ vorzüglich.

Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre produzierte das Ensemble beim Walzer von Robert Stolz. Der pfeffrige Teufelstanz von Josef Hellmesberger, der Weibermarsch aus Franz Lehárs Operette „Die Lustige Witwe“ sowie der beliebte Frühlingsstimmenwalzer von Johann Strauß gehörten zu den weiteren konzertanten Höhepunkten.

Für vokalsolistischen Glanz sorgte der Tenor Manfred Fink mit so beliebten Operettenarien wie „Dein ist mein ganzes Herz“, der Titelmelodie „Freunde, das Leben ist lebenswert“ und dem berühmten Wolgalied von Franz Lehár. Auch im Opernfach ist der Kammersänger zu Hause, wie er stimmgewaltig mit der Arie „Nessum dorma“ aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini bewies.

Mit zwei im Charakter höchst unterschiedlichen Beiträgen von Leroy Anderson sowie einem musikalischen Feuerwerk „Donner und Blitz“ (Johann Strauß-Polka) und dem unverwüstlichen Radetzky-Marsch entließen die Lemberger Musiker ihr Publikum fröhlich in die Silvesternacht.

Auf Mozarts Spuren

Die Lemberger Philharmonie ist eines der angesehensten Orchester der Ukraine und wurde 1902 gegründet. Die Wurzeln des Orchesters reichen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zurück und sind eng mit dem Namen Franz Xaver Mozart verbunden. Der jüngste Sohn des berühmten Komponisten Wolfgang Amadeus wirkte fast 30 Jahre als Pädagoge, Komponist und Pianist in Lemberg und war Mitbegründer der ersten musikalischen Gesellschaft der Stadt.

 

Der Patriot 18.12.2018

Barocke Klangpracht, überwältigend umgesetzt

Musikverein begeistert mit Händels „Dettinger Te Deum“ und Bachs „Magnificat“

Von Marion Heier

Der Konzertchor Lippstadt sang aufgrund der Theatersanierung diesmal in der Elisabethkirche

LIPPSTADT Sie sind im gleichen Jahr geboren (1685) und beide Meister der barocken Kompositionskunst: Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Und doch trennen sie Welten. Bach saß als Thomaskantor beruflich fest im Sattel, Händel musste sich als Freischaffender nicht nur um Kunden kümmern, sondern auch ein breit gefächertes Repertoire bedienen.

In welchem Kontrast das musikalische Selbstverständnis aber auch die Werke dieser beiden alten Meister stehen, offenbarte sich den Zuhörern am Sonntagabend beim Chor- und Orchesterkonzert des Städtischen Musikvereins unter der künstlerischen Leitung von Burkhard A. Schmitt in einem ambitionierten Projekt in der Elisabethkirche — und dies mit einer überwältigenden Leistung aller Akteure.

Ausführende sind neben dem Konzertchor Lippstadt auch das Folkwang-Kammerorchester Essen sowie die Solisten Hanna Ramminger (Sopran), Ileana Mateescu (Mezzosopran) Carola Göbel (Alt), Michael Nowak (Tenor) und Jens Hamann (Bass). Am Cembalo: Daniel Tappe.

Triumphale
Wirkung

Auf dem Programm stehen Bachs „Magnificat“, das er 1723 für den Vespergottesdienst an Weihnachten komponiert hatte und Händels „Dettinger Te Deum“, das eigentlich dem Sieg Englands über den Erbfolgekrieg mit den Franzosen 1743 gewidmet war, jedoch angesichts des sich hinziehenden Krieges keine große musikalische Anerkennung entfalten konnte.

Der Kontrast ist gleich gegenwärtig. Das „Te Deum“ erfährt mit jubilierenden Pauken und Trompeten einen gewaltigen Auftakt, der sich in ähnlich wirkungsvoller Weise durch das ganze Stück zieht, denn nahezu jeder Vers dieses pathetisch, in barocker Orchesterpracht angelegten Stückes endet mit einem Akkord, der jedes Mal auch ein Schlussakkord hätte sein könnte.

Das ist durchaus auch eine anstrengende, energetische Leistung, die die Sängerinnen und Sänger da vollbringen und die sie sich — auch sichtbar als hoch engagiertes und hörbar als stimmstarkes Ensemble — immer wieder abfordern. Die Kombination von englischer Sprache und Pathos hinterlässt durchaus eine royale, triumphale Wirkung. Es gelingt den Akteuren meisterlich, dieses Werk in all seiner Strahlkraft und Lebendigkeit umzusetzen.

Es fällt auf, dass der Mezzosopran einige im Werk für Alt vorgesehene Passagen übernimmt, wie etwa beim „Thou sittest at the right hand of God“, einem sinnlichen Andante mit melodiösem Gesangsthema. Dessen warmes Timbre hätte sich mit dem lyrischen und weichen, sanft pointierenden Alt, wie er sich bereits im „Magnificat“ positioniert hatte, womöglich auch gut entfalten können. Durchweg zeigen die Solisten eine schlanke, wohlgefällige Stimmführung.

Die Solisten (v.l.): Jens Hamann (Bass), Michael Nowak (Tenor), Carola Göbel ( Alt), Hanna Ramminger (Sopran), und Illeana Mateescu (Mezzosopran). Fotos: Heier

Wie feierlich erstrahlt das Bach’sche Werk, in dem er seine meisterliche Kunst, Textaussagen mit einem doch recht umfassenden Instrumentarium auszudeuten, demonstriert. Burkhard Schmitt erweist sich als achtsamer Dirigent, der die autarken Stimmführungen der Solisten mit Chor und Orchester geschmeidig zusammenführt. Ohne Frage ist das Orchester in seiner präzisen Ausführung eine professionelle Stütze.

Hervorragender Konzertraum

Daniel Tappe gibt mit seinem Orgelkonzert in F-Dur von Händel ein willkommenes Intermezzo. Mozartesk muten seine wenigen Läufe in sich höchstgradigem Tempo auf dem Cembalo an, die an verspielte Hofmusik erinnern und vom warmen Strich der Streicher umfangen werden, insbesondere beim Andante.

Ein irdisches — oder himmlisches? — Vergnügen bereitete der Musikverein seinem Publikum da. Für jeden was dabei. Noch dazu erwies sich die Elisabethkirche für eine Veranstaltung dieser Größe als ein hervorragender Konzertraum mit einer raumfüllenden, nicht von Hall überladenen Akustik. Und wenn es nach dem Geschmack der Autorin ginge, hätte Händel gewonnen.

Der Patriot 04.12.2018

Ein berauschendes musikalisches Abenteuer

Kammersinfonie Stuttgart und Christoph Soldan begeistern in der Marienschule

von Dagmar Meschede

Die Kammersinfonie Stuttgart spannte den Bogen von Peter Warlock bis zu Antonio Vivaldi.  Foto: Meschede

 

LIPPERBRUCH Es passiert wie beiläufig. Eben noch hört man ein wildes Tohuwabohu der sich auf das Konzert einstimmenden Streicher, dann klingt’s plötzlich tänzerisch-zeremoniell, so als würde man mit der Zeitmaschine per Knopfdruck von der Gegenwart in die Renaissance katapultiert. Aber so einfach ist es bei diesem vom Städtischen Musikverein veranstalteten Konzert im Forum der Marienschule nicht. Ausgerechnet die am ältesten wirkende Komposition ist das modernste Stück.

Peter Warlock hat seine „Capriol Suite“ in den 1920er geschrieben. Anregung und Material entnahm er einem im 16. Jahrhundert veröffentlichten Buch. Ja, und die sechs Miniaturen mit ihrem energischen satten Klang, den tänzerischen Anleihen, ihrer spielerischen Leichtigkeit, aber auch sakralen Zwischenstücken klingen sehr renaissancemäßig, wenngleich Warlock ab und an ein paar Dissonanzen hineinschmuggelt.

Die Kammersinfonie Stuttgart unter der Leitung des Konzertmeisters Daniel Rehfeldt kostet solche Finessen bei der Aufführung lustvoll aus und reicht dem Publikum Warlocks „Capriol Suite“-Miniaturen wie kleine Vorspeisenhäppchen, die Lust auf mehr machen.

Überhaupt ist dieses vom Städtischen Musikverein veranstaltete Konzert ein berauschendes sinnliches Abenteuer. Dabei machen die Musiker quasi die Rolle rückwärts vom 20. Jahrhundert in den Barock hinein. Von Peter Warlock geht’s nämlich direkt weiter zu Wolfgang Amadeus Mozart und schließlich zu Antonio Vivaldi.

Die Mixtur ist etwas für Gourmets mit einer fluffig leichten Vorspeise — eben jener besagten Suite von Peter Warlock — und zwei leicht bekömmlichen Hauptgängen, wobei der erste Hauptspeisengang mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Es-Dur etwas Besonderes ist. Denn es spielt der Pianist Christoph Soldan, der einst mit Leonard Bernstein tourte.

Dank Soldans Interpretation erlebt man Mozart herrlich unangestrengt. Er kitzelt die Feinheiten aus der Komposition heraus und verleiht ihr damit Leichtigkeit. Karfunkelnd wie geschliffene Diamanten breiten sich die Töne im Raum aus. Man hat das Gefühl, diesem Mozartschen Stück auf den Grund blicken zu können. So klar und präzise ist Soldans Spiel. Ganz natürlich und organisch fügt sich bei ihm alles wie bei einem Mosaik zusammen. Mal sind es temperamentvolle Tonfolgen, mal entspannte an eine Träumerei erinnernde Klänge.

Etwas für Genießer ist schließlich Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, das letzte Stück des Konzerts. Dabei ist es wie bei der guten alten Weihnachtsgans. Es kommt auf die Zutaten an. Und die sind in der Interpretation des Violinisten und Konzertmeisters Daniel Rehfeldt schmackhaft und wohl dosiert gewählt.

Vivaldis „Jahreszeiten“ verfügen über eine schillernde Farbigkeit und erzeugen vielfältige Stimmungen. So klingt der „Frühling“ in großen Teilen beispielsweise recht wild. Man meint die liebestollen Vögel laut zwitschern zu hören. Das Spiel hat Tempo. Mittendrin wandelt sich die Stimmung.

Der an den Frühling anknüpfende „Sommer“ wird düsterer. Man meint aus Rehfeldts Interpretation die erdrückend bleiernde Sommerhitze zu spüren. Das Ganze entlädt sich irgendwann in einem schnellen, geradezu feurig leidenschaftlichen Spiel der Musiker, als bräche plötzlich ein kräftiges Sommergewitter herein.

Und der Herbst? Nun, der fängt spielerisch-heiter an und wandelt sich zu langsam gespielten, gedehnten Tönen. Das Schroffe und Harte des Winters macht sich dagegen vor allem im temperamentvollen Auftakt des vierten Teils der „Vier Jahreszeiten“ bemerkbar. Das Spiel gewinnt so seine eigene Dynamik.

Keine Frage: Vivaldi rockt, und er ist und bleibt ein großes Abenteuer. Aber das kann man auch von diesem Konzert insgesamt sagen.

Der Patriot 20.11.2018

Vollkommenes Musizieren

Trio Con Brio Copenhagen begeistert in der Jakobikirche

von Alfred Kornemann

LIPPSTADT Was macht vollkommenes Musizieren aus? Nicht das Streben nach Perfektion, schon gar nicht nach technischer Souveränität — das muss bei einem Ensemble wie dem hochrenommierten Trio con Brio Copenhagen, das am Samstag in der Lippstädter Jakobikirche zu Gast war, als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Was das Ensemble mit Soo-Jin Hong (Violine), Soo-Kyung Hong (Violoncello), und Jens Elvekjaer (Klavier) aber auszeichnet, ist der nie nachlassende sensible Umgang mit den Werken des Programms, die ständige Konzentration auf das Kompositionszentrum.

Dieses Zentrum war bei den erst vor wenigen Jahren entstandenen Klaviertrio „Phantasmagoria“ des Dänen Bent Sørensen, für die Kopenhagener Interpreten geschrieben, das Verschwinden vermeintlich gesicherter Assoziationen, verwischt durch die Glissandi der Streicher.

Dabei leistet die Klangschönheit der „Dolcissimo“ bezeichneten Sätze so etwas wie den Trostcharakter für die vorausgegangene Verunsicherung in den „Misterioso“-Sätzen. Wem hier die Hörgewohnheit für ein Stück des 21. Jahrhunderts fehlte, den fesselte doch die Klangintensität der Interpreten.

In einer Zeit musikalischer Dauerberieselung kann der Sinn für die Bedeutung von Musik hinter der Frage nach der Nützlichkeit verschwinden, wie sie dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch oft genug gestellt wurde. Diese löst sich auf, gleichgültig, bei welchem Genre, wenn deutlich hohe Maßstäbe an Werk und Interpreten gelegt werden.

Das geschieht landläufig ja nur zu selten. Welches Glück dann, wenn man bei einem Konzert mit dem Trio con Brio Copenhagen ein Ensemble erleben darf, das den Erwartungen an höchste Interpretenkultur so vollkommen entspricht. Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 ist im Zentrum von Trauer bestimmt, dem Andenken seines Freundes Iwan Sollertinski gewidmet. So sind die einzelnen Sätze von dessen liebenswürdigem Verhalten ebenso geprägt wie von seiner Scharfzüngigkeit und von seinem kaum fassbaren geistigen Horizont.

So entsteht ein Werk von ebensolcher Sensibilität, feiner Heiterkeit und packender Dynamik. Stand das Beaux Arts Trio bei diesem Werk lange auf einsamer Interpretationshöhe, so hat sich nun zweifellos das Trio con Brio an seine Seite gestellt.

Felix Mendelsohn Bartholdys Klaviertrio opus 49 gehört zu den beliebtesten Werken dieses Genres. Das ist verständlich, lässt man diese klanglich gesangvolle Komposition so in sich selbst schwingen, wie es dem wunderbaren Trio aus Copenhagen bei diesem Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins gelang.

Und als Zugabe dann noch ein Satz aus Antonin Dvoráks berühmten „Dumky-Trio“, der glanzvolle Abschluss eines Konzertabends vollkommenen Musizierens.

 

Der Patriot 06.11.2018

Mit feinster Sensibilität

Der Fagottist Theo Plath erwies sich als faszinierender Interpret

Von Alfred Kornemann

LIPPERBRUCH Es kann durchaus sein, dass die größere Zuhörerzahl zum Konzert des Musikvereins Lippstadt mit dem Folkwang-Kammerorchester ins Forum der Marienschule Lipperbruch gekommen war, um Kindheitserinnerungen zu bestätigen. Denn wer erinnert sich nicht des gemütvollen Fagott-Großvaters aus „Peter und der Wolf“? Der aber hätte seinem wunderbaren Fagottkollegen Theo Plath kein „Gib Acht“ zugerufen bei den technischen Eskapaden durch den gesamten Klangraum seines Instruments.

Johann Nepomuk Hummels Konzert für Fagott und Orchester, in dem es hingebungsvoll „ mozärtelt“ (kein Wunder, wenn der Komponist mehrere Jahre im Haus Mozarts lebte und dort die Aufgabe des Vorspielers erfüllte), fand in Theo Plath einen bravourösen, technisch souveränen, im Cantablen einfühlsamen und im Musikantischen faszinierenden Interpreten. Seine humorvolle-kesse Zugabe — gemeinsam mit dem Konzertmeister des Folkwang-Kammerorchesters — war dann das musikalische Sahnehäubchen, das Burkhard A. Schmitt , der Dirigent des Abends , mit intensivem, dabei ganz elastischem Orchesterklang vorbereitet hatte.

Vorausgegangen war im ersten Programmteil das „Dissonanzenquartett“ von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen erste namensgebenden Takte für lange Zeit Rätsel aufgaben, bis hin zu der Vermutung, der Komponist habe sich hier wohl verschrieben.

Aber es ist eines seiner großartigsten Quartette, das in der Fassung für Streichorchester ein wenig von seinem Charme und seiner klanglichen Durchsichtigkeit an sinfonisches Gewicht abtreten muss, zumal sich die Bassgruppe hier klanglich zu beherrschend positioniert. Sehr sensibel gelangen danach Burkhard A. Schmitt und dem Orchester die Adagio-Einleitungen, die Wolfgang Amadeus Mozart den drei Fugen aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperierten Klavier“ vorangestellt hat.

Internationale Geltung hat die norwegische Musik entscheidend durch Edvard Grieg erlangt, obwohl er mit Ausnahme des Klavierkonzertes kaum zu großdimensionierten Werken zu bewegen war. Mit Bühnenmusiken und Orchestersuiten, die deutlich Nationalkolorit haben, wurde er zum bedeutendsten skandinavischen Komponisten. Eines seiner beliebtesten Werke ist die Suite „Aus Holbergs Zeit“ die stimmungsvoll kurze Sätze aufreiht, die nach seinen Worten „die nordischen Volkslieder und meine eigene Natur“ kennzeichnen.

Mit hoher Emotionalität, zugleich aber mit feinster Sensibilität trafen Dirigent und Orchester dieses klangvolle Werk am Ende eines begeistert aufgenommenen Konzertabends.


Der Patriot 27.10.2018

Ergriffenheit und Beklemmung

Lippstädter Sänger beteiligen sich an Berliner Aufführung von „The Armed Man“

Im April 2017 hat der Konzertchor des Städtischen Musikvereins Karl Jenkins‘ „The Armed Man: A Mass for Peace“ gesungen. 14 Chormitglieder beteiligen sich jetzt an einer Berliner Aufführung. Die Leitung des Konzerts hat Karl Jenkins selbst.

LIPPSTADT 14 Sängerinnen und Sänger des Konzertchors Lippstadt beteiligen sich am Freitag, 2. November, in Berlin an einer großen Aufführung von Karl Jenkins „The Armed Man: A Mass for Peace“. Das Konzert erinnert an die Opfer des Ersten Weltkriegs, dessen Ende sich am 11. November zum 100. Mal jährt, aber auch an die Menschen, die heute in bewaffneten Konflikten ihr Leben verlieren.

2000 Chorsängern aus 27 Ländern und das World Orchestra for Peace werden die Aufführung nach Angaben des Städtischen Musikvereins Lippstadt gestalten. Am Dirigentenpult steht der walisische Komponist Sir Karl Jenkins persönlich.

Die Friedensmesse ist nach Angaben der Konzertchor-Sängerin Tina Selig das weltweit am häufigsten gesungene Werk eines lebenden Komponisten. Seit der Uraufführung vor 18 Jahren sei es in rund 2000 Aufführungen zu hören gewesen. Die heimischen Sänger sind auf das Berliner Konzert bestens vorbereitet. Der Konzertchor des Städtischen Musikvereins hat das Antikriegsstück im April 2017 im Lippstädter Stadttheater gesungen.

Karl Jenkins „The Armed Man: A Mass for Peace“ versteht sich als ein musikalischer Aufruf zum Frieden in Zeiten des Krieges. „Komponiert als Reaktion auf den Krieg im Kosovo, ist es aktueller denn je. Es verdeutlicht die verschiedenen und doch immer gleichen Abläufe, die zum Krieg und seinen schrecklichen Folgen führen“, erläutert Tina Selig vom Musikverein. Dabei wechsele die Atmosphäre zwischen tiefer Ergriffenheit, ekstatischen Ausbrüchen, mitreißenden Rhythmen und beklemmenden Passagen der Stille.


Der Patriot 15.10.2018

Klar und friedvoll

Hannah Köpf & Band sorgen für musikalische Entspannung

von Marion Heier

Hannah Köpf ist der Kopf der Band, die mit ihrer außergewöhnlichen Instrumentierung dem „Americana“-Sound frönt. Foto: Heier

LIPPSTADT Noch steht der Titel des neuen Albums nicht fest, doch einer Kostprobe der so friedvollen Singer- und Songwriter-Titel, die ab März von Hannah Köpf & Band erscheinen werden, konnte das Publikum beim Gemeinschaftskonzert von Jazzclub und Musikverein am Samstagabend schon mal in der Jakobikirche lauschen.

So zugänglich wie die Sängerin, ist auch ihre Musik. Eigentlich kommt sie, die bereits mehrmals auf Einladung des Jazzclubs in Lippstadt zu Gast war, aus dem Jazz. Nun folgt sie der Tradition jener Folk- und Country-Musikerinnen wie Judee Sill und Rickie Lee Jones, dem „Americana“, einer Mischung aus Folk, Country, Blues und Rock.

Durch die Erweiterung des typischen Akustik-Sounds mit einer einzigartigen, charaktervollen Instrumentierung entwickelt sich aus dem romantischen Balladen-Folk ein atmosphärisch dichter Country-Folk, der einen ganz tiefenentspannt einen Sommerabend auf einer Veranda verbringen lässt – oder wo der Mensch sonst seinen Ausgleich findet.

In Lippstadt spielt die Band zum ersten Mal in dieser Besetzung und das lässt sich ganz wunderbar an. Mit Hannah Köpf (Gesang, Klavier, Gitarre, Ukulele), Jakob Kühnemann (Kontrabass), Tim Dudek (Schlagzeug, Gitarre, Klavier), Bastian Ruppert (Gitarre, Gesang) und – ganz neu dabei – Nathan Bontrager aus Amerika an Cello, Fiddle und Banjo formiert sich eine ganz ausgezeichnete Band in einer ganz ausgezeichneten Kombination. Köpf sitzt diesmal selber am Klavier, zupft an der Gitarre und erzählt kleine Geschichten.

Auch gibt es ein paar Songs zum allerersten Mal zu hören, neue Kreationen von Köpf und Dudek, wie etwa „Cinnamon“, eine verträumte Ballade über den Zimt-Duft, der sie an die Oma erinnert oder „Paper Boat“, in dem es um einen Liebesbrief geht, der endlich abgeschickt wurde. „Something Has Changed“ widmet sie der neu empfundenen Heimat, „Golden Leaves“ ist eine Hommage an die Eltern.

Die warmen Streicher verleihen dem Sound seinen friedvollen Charakter und lassen den Goldenen Oktober auch musikalisch ins Ohr ziehen.

Andächtig und berührend

In dem in seinem Arrangement fast schon wie ein Musical-Song nachempfundenen „The Kiss“ entwickelt sich eine andächtig berührende Stimmung. Immer wieder wechseln die Musiker ihre Instrumente, verleihen der mehrstimmige Backgroundchor der Männer, das Banjo von Bontrager oder die Bottleneck-Guitar von Rupperts den Titeln eine wunderbare Klangfarbe.

Liebevoll sentimental, klar und voller Seele – das ist die Musik von Hannah Köpf & Band. Absolut genießbar.foto Kritik Hannah Köpf

Der Patriot 09.10.2018

Auf dem Weg zu höchster Ensemblekunst

Monet Quintett nimmt Publikum begeistert ein

Lippstadt Das gibt es also auch noch. In einer Zeit, wo jede instrumentale Regung zu Unvergleichbarem hochstilisiert wird, meistens wegen mangelnder Vergleichsfähigkeit, gibt es also hinter der Abkürzung BAKJK eine Gruppierung, die sich in der Bundesauswahl um die Förderung junger Künstler bemüht. So also auch um das Monet Quintett, ein Bläserquintett, das zum Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins in die Jakobikirche geladen war.
So ganz umfangreich ist das Repertoire für diese Besetzung nicht, in der sich Anissa Baniahmad (Flöte), Johanna Stier (Oboe), Nemerino Scheliga (Klarinette), Marc Gruber (Horn) und Theo Plath (Fagott) zum Ensemble gefunden haben. So hört man, und das kann zum Vergleich sehr reizvoll sein, manches Programm in der Wiederholung. Ein Werk aber war eine echte Überraschung, weil es mit Gustav Holst von einem Komponisten stammt, den man über seine Orchester-Suite „Die Planeten“ hinaus kaum kennt. Auch nicht, dass er am Anfang des 20. Jahrhunderts um ein nationales Idiom bemüht war, Volksmelodien sammelnd über Land zog (das taten auch Komponisten anderer Nationalitäten) und hohe Anerkennung genoss.
Dass er als Vertreter aggressiver Moderne galt, kann man sich als heutiger Hörer kaum vorstellen. Das Aushorchen romantischer wie barockisierender Anklänge dieser Komposition trafen die jungen Künstler sehr eindrucksvoll. Rhythmischen Pfiff und klangliche Farbigkeit hatte das Bläserquintett Nr. 1 von Jean Francaix ebenso wie die „Trois pieces breves“ von Jacques Ibert, die durch temperamentvollen Schwung überzeugten.
Hübsche Spielmusik trug das Quintett e-moll op. 100 von Anton Reicha zum Programm bei, während die Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“ am Programmbeginn bei allem klanglichen Engagement ein wenig verhetzt schien.
Das sympathische Monet Quintett hat ein Konzert geboten, bei dem die temperamentvolle Spielfreude das Publikum begeistert für sich einnahm. Es ist noch auf dem Weg zu höchster Ensemblekunst, bei der sich Flöte und Oboe nicht bis zur Selbstverleugnung zurückhalten sollten, das Horn weniger Überpräsenz einnehmen, Klarinette und Fagott aber weiterhin ihren glänzenden Beitrag erhalten sollten. AK

Der Patriot 11.07.2018

Konzert mit Chor aus England

Mitgliederversammlung des Städtischen Musikvereins:

Internationales Projekt geplant

Lippstadt Musikfreunde können sich auf einige Konzerte des Städtischen Musikvereins freuen, die wegen des Stadttheaterumbaus in der Elisabethkirche, der Aula des Evangelischen Gymnasiums und dem Forum der Marienschule stattfinden. Und damit für eine Trendwende in der kommenden Saison sorgen sollen, wie sich der Leiter des Musikvereins, Burkhard Schmitt, bei der Mitgliederversammlung des Musikvereins im Forum des Ostendorfgymnasiums optimistisch zeigte.

Die Sänger des Chores hingegen blicken auch schon ein ganzes Stück weiter in die Zukunft – sie freuen sich auf ein internationales Projekt, das Schmitt ihnen bei der Mitgliederversammlung vorstellte: Anlässlich der Wiedereröffnung des renovierten Stadttheaters im Jahr 2020 werden sie gemeinsam mit verschiedenen Chören aus Deutschland und den Schulchören der Lippstädter Gymnasien ein Konzert geben.

Mit dabei ist auch ein englischer Chor aus Gloucester im Südwesten Englands, mit dem der Chor die „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams auf die Bühne bringt. „Die Planungen laufen, aber man kann noch nichts konkretes sagen“, teilte Vorsitzender Dr. Peter Knop auf Nachfrage mit.

Der Vorsitzende warf zudem einen Blick auf die Konzertsaison 2017/18. Das Werben um junge Zuhörer sei erfolgreich gewesen, man habe mehr Menschen unter 25 Jahren im Publikum gesehen, so Knop. Die stagnierenden Zuschauerzahlen bei großen Sinfoniekonzerten seien jedoch kein Grund zur Freude. Sonst seien die Zahlen aber konstant, so Knop.

Geehrt wurden für ihre zehnjährige Mitgliedschaft im Musikverein (v.l.): Hans Bernhard Bröker, Mechthild Gähr-Krause, Susanne Stingl, Burkhard Schmitt, Karin Ramsbrock und Dr. Peter Knop