Presseartikel 2018/2019

Der Patriot 06.11.2018

Mit feinster Sensibilität

Der Fagottist Theo Plath erwies sich als faszinierender Interpret

Von Alfred Kornemann

LIPPERBRUCH Es kann durchaus sein, dass die größere Zuhörerzahl zum Konzert des Musikvereins Lippstadt mit dem Folkwang-Kammerorchester ins Forum der Marienschule Lipperbruch gekommen war, um Kindheitserinnerungen zu bestätigen. Denn wer erinnert sich nicht des gemütvollen Fagott-Großvaters aus „Peter und der Wolf“? Der aber hätte seinem wunderbaren Fagottkollegen Theo Plath kein „Gib Acht“ zugerufen bei den technischen Eskapaden durch den gesamten Klangraum seines Instruments.

Johann Nepomuk Hummels Konzert für Fagott und Orchester, in dem es hingebungsvoll „ mozärtelt“ (kein Wunder, wenn der Komponist mehrere Jahre im Haus Mozarts lebte und dort die Aufgabe des Vorspielers erfüllte), fand in Theo Plath einen bravourösen, technisch souveränen, im Cantablen einfühlsamen und im Musikantischen faszinierenden Interpreten. Seine humorvolle-kesse Zugabe — gemeinsam mit dem Konzertmeister des Folkwang-Kammerorchesters — war dann das musikalische Sahnehäubchen, das Burkhard A. Schmitt , der Dirigent des Abends , mit intensivem, dabei ganz elastischem Orchesterklang vorbereitet hatte.

Vorausgegangen war im ersten Programmteil das „Dissonanzenquartett“ von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen erste namensgebenden Takte für lange Zeit Rätsel aufgaben, bis hin zu der Vermutung, der Komponist habe sich hier wohl verschrieben.

Aber es ist eines seiner großartigsten Quartette, das in der Fassung für Streichorchester ein wenig von seinem Charme und seiner klanglichen Durchsichtigkeit an sinfonisches Gewicht abtreten muss, zumal sich die Bassgruppe hier klanglich zu beherrschend positioniert. Sehr sensibel gelangen danach Burkhard A. Schmitt und dem Orchester die Adagio-Einleitungen, die Wolfgang Amadeus Mozart den drei Fugen aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperierten Klavier“ vorangestellt hat.

Internationale Geltung hat die norwegische Musik entscheidend durch Edvard Grieg erlangt, obwohl er mit Ausnahme des Klavierkonzertes kaum zu großdimensionierten Werken zu bewegen war. Mit Bühnenmusiken und Orchestersuiten, die deutlich Nationalkolorit haben, wurde er zum bedeutendsten skandinavischen Komponisten. Eines seiner beliebtesten Werke ist die Suite „Aus Holbergs Zeit“ die stimmungsvoll kurze Sätze aufreiht, die nach seinen Worten „die nordischen Volkslieder und meine eigene Natur“ kennzeichnen.

Mit hoher Emotionalität, zugleich aber mit feinster Sensibilität trafen Dirigent und Orchester dieses klangvolle Werk am Ende eines begeistert aufgenommenen Konzertabends.


Der Patriot 27.10.2018

Ergriffenheit und Beklemmung

Lippstädter Sänger beteiligen sich an Berliner Aufführung von „The Armed Man“

Im April 2017 hat der Konzertchor des Städtischen Musikvereins Karl Jenkins‘ „The Armed Man: A Mass for Peace“ gesungen. 14 Chormitglieder beteiligen sich jetzt an einer Berliner Aufführung. Die Leitung des Konzerts hat Karl Jenkins selbst.

LIPPSTADT 14 Sängerinnen und Sänger des Konzertchors Lippstadt beteiligen sich am Freitag, 2. November, in Berlin an einer großen Aufführung von Karl Jenkins „The Armed Man: A Mass for Peace“. Das Konzert erinnert an die Opfer des Ersten Weltkriegs, dessen Ende sich am 11. November zum 100. Mal jährt, aber auch an die Menschen, die heute in bewaffneten Konflikten ihr Leben verlieren.

2000 Chorsängern aus 27 Ländern und das World Orchestra for Peace werden die Aufführung nach Angaben des Städtischen Musikvereins Lippstadt gestalten. Am Dirigentenpult steht der walisische Komponist Sir Karl Jenkins persönlich.

Die Friedensmesse ist nach Angaben der Konzertchor-Sängerin Tina Selig das weltweit am häufigsten gesungene Werk eines lebenden Komponisten. Seit der Uraufführung vor 18 Jahren sei es in rund 2000 Aufführungen zu hören gewesen. Die heimischen Sänger sind auf das Berliner Konzert bestens vorbereitet. Der Konzertchor des Städtischen Musikvereins hat das Antikriegsstück im April 2017 im Lippstädter Stadttheater gesungen.

Karl Jenkins „The Armed Man: A Mass for Peace“ versteht sich als ein musikalischer Aufruf zum Frieden in Zeiten des Krieges. „Komponiert als Reaktion auf den Krieg im Kosovo, ist es aktueller denn je. Es verdeutlicht die verschiedenen und doch immer gleichen Abläufe, die zum Krieg und seinen schrecklichen Folgen führen“, erläutert Tina Selig vom Musikverein. Dabei wechsele die Atmosphäre zwischen tiefer Ergriffenheit, ekstatischen Ausbrüchen, mitreißenden Rhythmen und beklemmenden Passagen der Stille.


Der Patriot 15.10.2018

Klar und friedvoll

Hannah Köpf & Band sorgen für musikalische Entspannung

von Marion Heier

Hannah Köpf ist der Kopf der Band, die mit ihrer außergewöhnlichen Instrumentierung dem „Americana“-Sound frönt. Foto: Heier

LIPPSTADT Noch steht der Titel des neuen Albums nicht fest, doch einer Kostprobe der so friedvollen Singer- und Songwriter-Titel, die ab März von Hannah Köpf & Band erscheinen werden, konnte das Publikum beim Gemeinschaftskonzert von Jazzclub und Musikverein am Samstagabend schon mal in der Jakobikirche lauschen.

So zugänglich wie die Sängerin, ist auch ihre Musik. Eigentlich kommt sie, die bereits mehrmals auf Einladung des Jazzclubs in Lippstadt zu Gast war, aus dem Jazz. Nun folgt sie der Tradition jener Folk- und Country-Musikerinnen wie Judee Sill und Rickie Lee Jones, dem „Americana“, einer Mischung aus Folk, Country, Blues und Rock.

Durch die Erweiterung des typischen Akustik-Sounds mit einer einzigartigen, charaktervollen Instrumentierung entwickelt sich aus dem romantischen Balladen-Folk ein atmosphärisch dichter Country-Folk, der einen ganz tiefenentspannt einen Sommerabend auf einer Veranda verbringen lässt – oder wo der Mensch sonst seinen Ausgleich findet.

In Lippstadt spielt die Band zum ersten Mal in dieser Besetzung und das lässt sich ganz wunderbar an. Mit Hannah Köpf (Gesang, Klavier, Gitarre, Ukulele), Jakob Kühnemann (Kontrabass), Tim Dudek (Schlagzeug, Gitarre, Klavier), Bastian Ruppert (Gitarre, Gesang) und – ganz neu dabei – Nathan Bontrager aus Amerika an Cello, Fiddle und Banjo formiert sich eine ganz ausgezeichnete Band in einer ganz ausgezeichneten Kombination. Köpf sitzt diesmal selber am Klavier, zupft an der Gitarre und erzählt kleine Geschichten.

Auch gibt es ein paar Songs zum allerersten Mal zu hören, neue Kreationen von Köpf und Dudek, wie etwa „Cinnamon“, eine verträumte Ballade über den Zimt-Duft, der sie an die Oma erinnert oder „Paper Boat“, in dem es um einen Liebesbrief geht, der endlich abgeschickt wurde. „Something Has Changed“ widmet sie der neu empfundenen Heimat, „Golden Leaves“ ist eine Hommage an die Eltern.

Die warmen Streicher verleihen dem Sound seinen friedvollen Charakter und lassen den Goldenen Oktober auch musikalisch ins Ohr ziehen.

Andächtig und berührend

In dem in seinem Arrangement fast schon wie ein Musical-Song nachempfundenen „The Kiss“ entwickelt sich eine andächtig berührende Stimmung. Immer wieder wechseln die Musiker ihre Instrumente, verleihen der mehrstimmige Backgroundchor der Männer, das Banjo von Bontrager oder die Bottleneck-Guitar von Rupperts den Titeln eine wunderbare Klangfarbe.

Liebevoll sentimental, klar und voller Seele – das ist die Musik von Hannah Köpf & Band. Absolut genießbar.foto Kritik Hannah Köpf

Der Patriot 09.10.2018

Auf dem Weg zu höchster Ensemblekunst

Monet Quintett nimmt Publikum begeistert ein

Lippstadt Das gibt es also auch noch. In einer Zeit, wo jede instrumentale Regung zu Unvergleichbarem hochstilisiert wird, meistens wegen mangelnder Vergleichsfähigkeit, gibt es also hinter der Abkürzung BAKJK eine Gruppierung, die sich in der Bundesauswahl um die Förderung junger Künstler bemüht. So also auch um das Monet Quintett, ein Bläserquintett, das zum Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins in die Jakobikirche geladen war.
So ganz umfangreich ist das Repertoire für diese Besetzung nicht, in der sich Anissa Baniahmad (Flöte), Johanna Stier (Oboe), Nemerino Scheliga (Klarinette), Marc Gruber (Horn) und Theo Plath (Fagott) zum Ensemble gefunden haben. So hört man, und das kann zum Vergleich sehr reizvoll sein, manches Programm in der Wiederholung. Ein Werk aber war eine echte Überraschung, weil es mit Gustav Holst von einem Komponisten stammt, den man über seine Orchester-Suite „Die Planeten“ hinaus kaum kennt. Auch nicht, dass er am Anfang des 20. Jahrhunderts um ein nationales Idiom bemüht war, Volksmelodien sammelnd über Land zog (das taten auch Komponisten anderer Nationalitäten) und hohe Anerkennung genoss.
Dass er als Vertreter aggressiver Moderne galt, kann man sich als heutiger Hörer kaum vorstellen. Das Aushorchen romantischer wie barockisierender Anklänge dieser Komposition trafen die jungen Künstler sehr eindrucksvoll. Rhythmischen Pfiff und klangliche Farbigkeit hatte das Bläserquintett Nr. 1 von Jean Francaix ebenso wie die „Trois pieces breves“ von Jacques Ibert, die durch temperamentvollen Schwung überzeugten.
Hübsche Spielmusik trug das Quintett e-moll op. 100 von Anton Reicha zum Programm bei, während die Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“ am Programmbeginn bei allem klanglichen Engagement ein wenig verhetzt schien.
Das sympathische Monet Quintett hat ein Konzert geboten, bei dem die temperamentvolle Spielfreude das Publikum begeistert für sich einnahm. Es ist noch auf dem Weg zu höchster Ensemblekunst, bei der sich Flöte und Oboe nicht bis zur Selbstverleugnung zurückhalten sollten, das Horn weniger Überpräsenz einnehmen, Klarinette und Fagott aber weiterhin ihren glänzenden Beitrag erhalten sollten. AK

Der Patriot 11.07.2018

Konzert mit Chor aus England

Mitgliederversammlung des Städtischen Musikvereins:

Internationales Projekt geplant

Lippstadt Musikfreunde können sich auf einige Konzerte des Städtischen Musikvereins freuen, die wegen des Stadttheaterumbaus in der Elisabethkirche, der Aula des Evangelischen Gymnasiums und dem Forum der Marienschule stattfinden. Und damit für eine Trendwende in der kommenden Saison sorgen sollen, wie sich der Leiter des Musikvereins, Burkhard Schmitt, bei der Mitgliederversammlung des Musikvereins im Forum des Ostendorfgymnasiums optimistisch zeigte.

Die Sänger des Chores hingegen blicken auch schon ein ganzes Stück weiter in die Zukunft – sie freuen sich auf ein internationales Projekt, das Schmitt ihnen bei der Mitgliederversammlung vorstellte: Anlässlich der Wiedereröffnung des renovierten Stadttheaters im Jahr 2020 werden sie gemeinsam mit verschiedenen Chören aus Deutschland und den Schulchören der Lippstädter Gymnasien ein Konzert geben.

Mit dabei ist auch ein englischer Chor aus Gloucester im Südwesten Englands, mit dem der Chor die „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams auf die Bühne bringt. „Die Planungen laufen, aber man kann noch nichts konkretes sagen“, teilte Vorsitzender Dr. Peter Knop auf Nachfrage mit.

Der Vorsitzende warf zudem einen Blick auf die Konzertsaison 2017/18. Das Werben um junge Zuhörer sei erfolgreich gewesen, man habe mehr Menschen unter 25 Jahren im Publikum gesehen, so Knop. Die stagnierenden Zuschauerzahlen bei großen Sinfoniekonzerten seien jedoch kein Grund zur Freude. Sonst seien die Zahlen aber konstant, so Knop.

Geehrt wurden für ihre zehnjährige Mitgliedschaft im Musikverein (v.l.): Hans Bernhard Bröker, Mechthild Gähr-Krause, Susanne Stingl, Burkhard Schmitt, Karin Ramsbrock und Dr. Peter Knop