Presseartikel 2019/2020

Der Patriot, 17.09.2019

Ein Erlebnis mit einem lyrischen Tenor

von Alfred Kornemann

Lippstadt – Natürlich war es nur ein kleiner Ausschnitt im Programm des Liederabends mit dem Werk von Clara Wieck – aber zwischen Liedern des unvergleichlichen Komponisten Franz Schubert und der epochalen „Dichterliebe“ ihres Mannes Robert nach Texten von Heinrich Heine kann sich gerade die Bescheidenheit von Clara Schumanns Werkfolge angemessen auszeichnen. Schließlich war es die zu ihrem 200. Geburtstag in aller Welt gefeierte bewundernswerte Pianistin, weniger eine Komponistin von Rang, womit sie ihren Mann Robert durchaus im Bewusstsein der Zeit verdrängte. Der konnte schon mal danach gefragt werden: „Machen Sie auch etwas mit Musik?“ Der hatte immerhin mit der „Dichterliebe“ den bedeutendsten Liederzyklus der Romantik geschrieben und konnte ihn neidlos neben die Zyklen von Franz Schubert stellen.

Ein Sänger, ein Pianist

So wurde Clara Schumann als Pianistin angemessen in dem Jubiläumskonzert des Lippstädter Musikvereins mit ihrem eigentlichen Metier herausgestellt. Das Erlebnis des Abends aber, in jeder Weise erinnerungswürdig, waren die Interpretationen der beiden Künstler Ilker Arcayürek (Tenor) umd Daniel Heide (Klavier).

Arcayürek ist ein Sänger von geschmeidiger Ausgeglichenheit, klanglicher Bruchlosigkeit und Souveränität in allen einem lyrischen Tenor abverlangten Lagen. Sein Timbre lässt jede klangliche Variation zu bis zu dem von selbstverständlichem Textbezug und einleuchtender Textausdeutung. Es galt, einen lyrischen Tenor zu bewundern, dessen Texterfassung bei Franz Schuberts weitem Anspruch ebenso überzeugte wie in der etwas melancholischen „Dichterliebe“ von Robert Schumann.

Vollkommen aber wurde der künstlerische Eindruck durch den Pianisten Daniel Heider. Was ihm als Impulsgeber, als Erfüllung gerade in den Nachspielen von Robert Schumann ebenso gelang wie in den breiter gefächerten Liedern von Franz Schubert, das verdiente große Anerkennung. Von tiefer Empfindung die beiden Zugaben von Franz Schuberts „Nacht und Träume“ und „Wanderers Nachtlied“ – tief beeindruckend.

 

Der Patriot, 31.08.2019

„Das erzeugt besondere Emotionen“

Moment mal, das gab es doch gerade erst! Genau, Karl Jenkins’ musikalische Messe „The Armed Man: A Mass for Peace“ hatte der Städtische Musikverein Lippstadt erst im April 2017 mit großem Erfolg aufgeführt. Warum sich das opulente Werk jetzt wieder im Programm befindet und was der Konzertchor Lippstadt in der Saison 2019/2020 außerdem vorhat, erklärt der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt im Gespräch mit dem Patriot.

Von Andreas Balzer

Burkhard A. Schmitt

Lippstadt – Der Impuls zur Wiederaufführung des Jenkins-Werkes kam zumindest indirekt aus der niederländischen Partnerstadt Uden. Der Koor Karakter habe bezüglich eines gemeinsamen Konzerts in Lippstadt angefragt, berichtet Burkhard Schmitt. „Da war aber das Programm noch völlig offen.“ Die bereits vom Musikverein für die Spielzeit geplanten großen Chorkonzerte hätten sich jedoch für eine Kooperation nicht so gut geeignet, „weil das von der Vorbereitungszeit für den Chor nicht möglich gewesen wäre, sich da einzuklinken“. Und da als Termin der April 2020 ins Auge gefasst wurde, kam schnell die Idee auf, etwas zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu machen, das sich im nächsten Jahr zum 75. Mal jährt. „Und da hieß es im Vorstand sofort: Da wäre der Jenkins noch mal was, vielleicht haben die Udener den drauf“, sagt Schmitt.

Und tatsächlich, der Udener Chorleiter Alex Wiersma hatte „The Armed Man“ auch schon mal aufgeführt, und zumindest einige Sänger seines Koor Karakter waren daran beteiligt gewesen. Beste Voraussetzungen also für das Kooperationsprojekt. „Sofort war die gemeinsame Idee geboren, mit großer Begeisterung“, sagt Schmitt. „Es soll nicht einfach nur ein Gedenkkonzert sein, das das Ende des Zweiten Weltkriegs betrifft, sondern wir möchten in erster Linie – auch als Ergebnis der ganzen Nachkriegsgeschichte – Völkerverständigung, Frieden, Freiheit, Demokratie und Kulturaustausch betonen. Diese Schlagworte sind gewissermaßen die Überschriften für dieses gemeinsame Chorprojekt. Und ich freue mich riesig darauf.“

Konzertchor Lippstadt Fotos: Tuschen

 

Das Konzert findet am Samstag, 25. April, zunächst in Uden statt, unter der musikalischen Leitung von Burkhard A. Schmitt. Die zweite Aufführung gibt es dann am Sonntag, 26. April, in der Aula der Lippstädter Gesamtschule. Hier wird voraussichtlich – anders als bisher angekündigt – der Udener Chorleiter Alex Wiersma den Taktstock schwingen.

Deshalb, so Schmitt, sei es durchaus auch möglich, dass sich beide Aufführungen des Jenkins-Werkes etwas unterscheiden, je nach dem individuellen künstlerischen Zugriff des jeweiligen musikalischen Leiters. Auch seine eigene Interpretation werde sich vermutlich etwas von der 2017er-Aufführung unterscheiden. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es andere Ansätze gibt.“ Nicht zuletzt „aus einer gewissen Emotionalität heraus“, weil das Werk „einen geschichtlichen Hintergrund gerade im nächsten Jahr erfährt“, so Schmitt. „Besonders spannend wird natürlich, wie Herr Wiersma das macht. Jeder Chorleiter, jeder Dirigent hat andere Ansätze, ist ein anderer Mensch und geht anders an Musik heran.“

Das Kooperationsprojekt werde „sicher sehr, sehr spannend und auch sehr emotional“, sagt Schmidt, „denn gerade mit den Holländern als Nachbarn ein solches Friedenskonzert zu gestalten, das erzeugt in mir jetzt schon ganz besondere Emotionen.“

Die Lippstädter Veranstaltung findet in Kooperation mit der KWL statt, die das Konzert in ihr Abo-Programm aufgenommen hat, während sie beim Musikverein als freies Konzert im Programm steht. Und auch sonst läuft „The Armed Man“ gewissermaßen außerhalb der Reihe, findet es doch zusätzlich zu den beiden üblichen großen Chor- und Orchesterkonzerten pro Saison statt.

Zum ersten Mal in der Spielzeit präsentiert sich der Konzertchor des Musikvereins am Sonntag, 10. November, in der Elisabethkirche mit dem Programm „Harmonie im Licht“. Der Titel verbindet die beiden Werke des Abends, das fünfsätzige Chorwerk „Lux Aeterna“ des US-amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen aus dem Jahr 1997 und die „Harmoniemesse“ in B-Dur von Joseph Haydn.

Diese Kombination entspreche dem Ansatz des Musikvereins, in seinen eigenen Programmen immer wieder auch Kontraste auf die Bühne zu bringen, betont der künstlerische Leiter. „Und das ist in diesem Konzert ganz besonders gravierend.“ Die „Harmoniemesse“ sei Haydns letzte große Messe und seine am größten besetzte überhaupt. „Sie zeigt einen Joseph Haydn, der zurückblickt auf Vergangenes, auf sein eigenes Schaffen, auf seine kompositorischen Ziele und Methoden. Aber er blickt in Form unglaublich gewagter Harmonien, mit dem Dissonanzreichtum und seinen chromatischen Endungen auch Jahrzehnte in die Zukunft.“ Hier sei „Papa Haydn“ wirklich „der Vater der Wiener Klassik. Ohne ihn hätten Mozart, Beethoven, Schubert nie so schreiben können.“

Lauridsens „Lux Aeterna“ habe er dagegen erst vor drei Jahren kennengelernt, sagt Schmitt. „Und mir war sofort klar, dass muss in Lippstadt auf die Bühne. Das ist ein requiemartiges Werk, bei dem sich die ganz eigene, unglaublich intensive dissonante Tonsprache immer wieder auflöst in sphärischen, lichtartigen Aufhellungen, so dass die Hoffnung und die Erlösung immer wieder ganz groß über diesem Werk steht.“ Direkt gegenübergestellt seien „beide Werke gar nicht so weit entfernt voneinander, wie man denken könnte“.

Am Samstag, 8. März, steht dann ebenfalls in der Elisabethkirche „Mozart pur“ auf dem Programm. Auch dies ist ein Kooperationsprojekt, diesmal mit dem Konzertchor des Städtischen Musikvereins Hamm und dessen Leiter Lothar R. Mayer. Burkhard A. Schmitt ist erklärter Mozart-Fan. Es war aber sein Kollege Meier, der unbedingt die „Vesperae solennes de Confessore“ (KV 339) im Programm haben wollte. Flankierend erklingen unter anderem die Motette „Exsultate, jubilate“ (KV 165) und die Sinfonie A-Dur (KV 201).

Der Choreinsatz bleibt bei diesem Abend, an dem unter anderem auch die Sopranistin Marietta Zumbült mitwirkt, auf die gerade mal halbstündige Vesper beschränkt. Das ist kein Zufall. Denn im Herbst 2020 steht mit „The Sea Symphony“ des amerikanischen Komponisten Edward Williams (1921-2013) ein ebenso umfangreiches wie anspruchsvolles Werk an, das der Konzertchor Lippstadt ebenfalls gemeinsam mit den Hammer Kollegen singt.

„Das wird den Chor sehr fordern“, sagt Burkhard Schmitt. „Und deshalb haben wir gesagt, wir müssen aufpassen, dass wir unsere Chöre im ersten Halbjahr nicht überlasten mit neuen Stücken, damit wir schon parallel auf die ‚Sea Sympony‘ hinarbeiten können.“