Presseartikel 2020/2021

„Der Patriot“ 02.10.2020

Ein hoher Grad an Vollkommenheit

Das Notos-Quartett überzeugt in der Jakobikirche mit völliger Übereinstimmung in der Qualität des Instrumentariums

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Konzertvereinigungen haben seit langem ein hohes Niveau, und das betrifft weitgehend alle Kombinationen. Was aber, wenn man auf ein Klavier-Quartett trifft, dessen Musizieren einen Grad von Vollkommenheit trifft, der einen absoluten Ausnahmerang beschreibt wie das Notos-Quartett im Konzert des Musikvereins in der Jakobikirche.

Was ist das Merkmal dieses hohen Grades an Vollkommenheit? Es ist zunächst völlige Übereinstimmung in der Qualität des Instrumentariums. Die Violine ist in gänzlichem „Einklang“ mit der Bratsche, zwischen Bratsche und Violoncello herrscht klanglich beste Übereinstimmung, und alles verbindet sich mit sensibelstem Klaviereinsatz. Das bewirkt einen völlig ausgeglichenen Klangstrom, aus dem einzelne Momente eines Werkes ohne Herrschaftsanspruch herausgehoben werden. So wird ein Klangspektrum erreicht, in dem höchste Nuancierung für alle Werke des Programms selbstverständlich und in jeder Ausprägung getroffen erscheinen. Und die Ansprüche an die jeweiligen Charaktere liegen weit auseinander, sieht man von dem ungewöhnlichen Klaviersatz a-Moll von Gustav Mahler ab, der schon als ein einzigartiger Bezug zu Johannes Brahms und seinem Klavierquartett op. 26 gelten kann.

Aber welch ein Werk ist dem gerade erst 17-jährigen Komponisten gelungen, wenn man es einreihen darf in einen Zusammenhang mit Johannes Brahms! Wolfgang Amadeus Mozarts Es-Dur-Klavierquartett (KV 493) bildete programmatisch die Brücke zu dem immer wieder von Skrupeln begleiteten 2. Klavierquartett des Komponisten. Mozart wollte seinem im gleichen Jahr entstandenen „Figaro“ entsprechen, einem Ton mit ebenso intimem wie aufgelockert expressivem Stil. Wie prachtvoll erfüllten Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Bratsche), Philip Graham (Violoncello) und Antonie Köster (Klavier) diesem ganz spezifischen feingliedrigen Morzartanspruch.

Das Notos-Quartett erreichte einen völlig ausgeglichenen Klangstrom während seines Konzertes. Foto: Duan Li

Nach der Pause dann das Klavierquartett A-Dur op. 26 von Johannes Brahms, welches von so gewaltigem Ausmaß ist, dass dem Hörer beinahe der Atem stockt. „Niemand schrieb hier“, so M.E. Kornemann in seinem Buch zu Johannes Brahms, „über die Prozessualisierung der Form“, es schrieb überhaupt niemand viel. Den besonderen Schwierigkeiten dieses Stückes ging man aus dem Weg. Das Op. 26 hat das schattenlose Glück dieses Sommers ganz aufgenommen, und die erlebte Fülle weitet es auf über eine Dreiviertelstunde aus.

Subtile Beleuchtungswechsel

Brahms nimmt sich allen denkbaren Raum, aber nie erlahmt seine Erfindung in diesen Weiten. Klara Schumann war begeistert: „Der Ton innigster Zartheit wechselt schön mit frischer Lebenslust.“ Die Beleuchtungswechsel sind subtil, ebenso die Kontraste von Spannung und Entspannung. Zartheit hat hier eine lebendige, Lebenslust aber eine ganz versponnen-zögerliche Natur. Die Charaktere durchdringen sich gerade im ersten Satz. Vielleicht haben wir verlernt, solche Nuancen zu hören. Dieses Werk aber ist es wert, sich diese Fähigkeit wieder zu erwerben. Und das leistete das Notos-Quartett in einem Maße, das alle Worte der Begeisterung verdient.


„Der Patriot“ 19.09.2020

Musikverein verabschiedet Margit Lüer

Von Andreas Balzer

25 Jahre wirkte Margit Lüer hinter den Kulissen als die „gute Seele“ des Städtischen Musikvereins Lippstadt. Jetzt ist sie als Leiterin der Geschäftsstelle verabschiedet worden. In der coronabedingt nur im kleinen Rahmen stattfindenden Feierstunde erinnerte sich der Vorsitzende Dr. Peter Knop daran, wie er zum ersten Mal von Margit Lüer gehört hatte. Und zwar als seine Frau und sein Sohn vor 21 Jahren „begeistert von der Chorreise aus Kairo zurückkehrten und erzählten, wie Sie alles perfekt organisiert und den Chor umsichtig und fürsorglich begleitet haben“. Auch er selbst habe als Quereinsteiger in die Kulturarbeit von ihrer Erfahrung und Hilfe profitiert. Im Namen des Vorstands dankte er Margit Lüer nicht nur für ihre durch Wissen, praktische Erfahrung, Effektivität, absolute Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft geprägte Tätigkeit. Zur „Silberhochzeit“ mit dem Musikverein schenkte er ihr auch einen Kugelschreiber aus purem Silber mit der Aufschrift „Margit Lüer 25 Jahre“. Neue Leiterin der Geschäftsstelle ist Duan Li.


„Der Patriot“ 16.09.2020

Saison startet mit Notos Quartett

Von Andreas Balzer

Das Notos Quartett eröffnet am Sonntag, 27. September, in der Jakobikirche die neue Konzertsaison des Städtischen Musikvereins Lippstadt. Im Gepäck haben Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) den Kalvierquartettsatz in a-Moll von Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart Es-Dur Quartett (KV 493) sowie das Klavierquartett in A-Dur op.26 von Jahannes Brahms. Das Konzert gibt es in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (02941) 5 85 11. Bei der Veranstaltung gelten übliche Corona Schutzregeln.


„Der Patriot“ 09.09.2020

Konzertchor des Musikvereins probt wieder live

Proben mit Abstand

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Der Konzertchor Lippstadt beginnt wieder mit Liveproben. Seit Mitte März mussten die Sängerinnen und Sängern des Städtischen Musikvereins coronabedingt auf die wöchentlichen Chorproben im Forum des Ostendorf-Gymnasiums verzichten. Dabei befanden sich die Sänger mitten in den Vorbereitungen auf die für Ende August geplante festliche Wiedereröffnung des Stadttheaters und das Konzertprojekt „A Sea Symphony“ im November.

Beide Konzerte mussten abgesagt werden. Chorleiter Burkhard A. Schmitt startete jedoch Ende April mit virtuellen Proben per Videokonferenz. Dabei sitzt jedes Chormitglied alleine zu Hause – das Mikrofon ist stumm geschaltet – und singt seine Chorstimme solistisch zusammen mit dem Dirigenten, der am heimischen Klavier alle Stimmen einstudiert. „Dabei ist die Effizienz der musikalischen Arbeit erstaunlich hoch, da jeder Einzelne auf sich selbst gestellt seine Stimme halten und kontrollieren muss“, betont Schmitt.

Darauf kann der Konzertchor jetzt aufbauen, wenn es am Montag, 14. September, mit den Proben im Ostendorf-Forum weitergeht. Nach den abgesagten Konzerten arbeitet Schmitt am neuen Programm: Wenn Corona nicht wieder dazwischengrätscht, führt der Musikverein am Samstag, 27. Februar 2021, „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms auf. Neue Chormitglieder können noch hinzustoßen. Die Proben beginnen um 19.30 Uhr und finden unter Berücksichtigung der Corona-Hygienemaßnahmen statt.


Aus „Der Patriot“ 08.09.2020

Spende für Zukunft klassischer Musik

Die Sparkasse Lippstadt hat 2000 Euro an den Städtischen Musikverein gespendet. Bei der Übergabe des symbolischen Schecks durch Sparkassen-Vorstand Jürgen Riepe bedankte sich der Vorsitzende Dr. Peter Knop im Namen des Vereins. Die Spende sei für das Eröffnungskonzert des Stadttheaters gedacht: „Das Geld ist eine Investition in die Zukunft der klassischen Musik in Lippstadt.“ Die regelmäßigen Spenden der Sparkasse würden insbesondere große Chorkonzerte finanziell erleichtern, ergänzte Stellvertreterin Beate Mainka.

Spendenübergabe Städtischer Musikverein Lippstadt.jpg

Der Patriot, 22.08.2020

Musikverein startet mit Notos Quartett

Wie geht es weiter? Und wann? Das waren auch beim Städtischen Musikverein Lippstadt die bangen Fragen der letzten Wochen. Jetzt steht es fest: Die Konzertsaison beginnt am Sonntag, 27. September, in der Jakobikirche. Zu Gast ist das Notos Quartett. Dass das preisgekrönte Klavierquartett trotz der angespannter Lage auftreten kann, sei „ein Glücksfall“, so der Musikverein.

Lippstadt – Zumindest was die Kammermusikreihe betrifft, startet der Städtische Musikverein damit nach der großen Unsicherheit der letzten Monate tatsächlich wie geplant in die Saison. Zwischendurch war die Veranstaltung ins größere Stadttheater verlegt worden. Da das bis Mitte November nicht zur Verfügung, zugleich aber die Corona-Regeln für Veranstaltungen gelockert wurden, findet das Konzert jetzt – wie ursprünglich vorgesehen – in der Jakobikirche statt.

Im Gepäck haben Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Cello) und Antonia Köster (Klavier) den Klavierquartettsatz in a-Moll von Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozarts Es-Dur Quartett (KV 493) sowie das Klavierquartett in A-Dur op. 26 von Johannes Brahms. Das 2007 gegründete Notos Quartett spüre gerne „verschollene oder schlicht vergessene Werke der Gattung Klavierquartett“ auf, um sie einem breiten Publikum zu präsentieren, heißt es in der Ankündigung. Dazu zähle auch das in Lippstadt gespielte Jugendwerk des Sinfonikers Gustav Mahlers.

Im nostalgischen Rückblick habe der Komponist 1896 geäußert, er sei mit manchen seiner Frühwerke so leichtsinnig umgegangen, dass kaum noch etwas davon vorhanden sei, schreibt der Musikverein und zitiert Mahler mit den Worten: „Das Beste davon war ein Klavierquartett, welches am Schluss der vierjährigen Konservatoriumszeit entstand und großes Gefallen erregte (…). Bei einer Preiskonkurrenz, zu der ich das Quartett nach Russland schickte, ist es mir verloren gegangen.“

Einzig der a-Moll Quartettsatz blieb den Angaben zufolge erhalten. Nun sei Mahler von Jugend an ein leidenschaftlicher, fast besessener Buchleser gewesen. Insofern sei der Fingerzeig des Dirigenten Pierre Boulez sehr erhellend: „Von allem Anfang an kommt bei Mahler die musikalische Form vom Epos und vom Roman her. Er erzählt in Musik“. In diesem Sinne zeigt sich laut Musikverein auch hier das Erzählerische in einer Art Klangrede, die kurz vor der Koda eine ungewöhnlich ausufernde Violinkadenz als Monolog einbaue, um am Schluss in zart getupften Streicher-Pizzicati zu ersterben.

Notos ist in der griechischen Mythologie der Südwind, der wie seine drei Brüdern als Gottheit verehrt wurde. Seine Aufgabe war es laut Musikverein, „das Land im Herbst mit Sturm und Regen durchzuwirbeln“. Für einigen Wirbel sorgte auch das nach ihm benannte Quartett. 2017 wurde das Ensemble in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres“ mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet. Die Freude währte allerdings nicht lange. Schon im nächsten Jahr gaben die vier Musiker die Auszeichnung zurück, um gegen die Verleihung des Schwesterpreises „Echo Pop“ an Farid Bang und Kollegah zu protestieren.

Deren Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ wurde in einer breiten gesellschaftlichen Debatte als antisemitisch und gewaltverherrlichend kritisiert. Viele bekannte Künstler wie Daniel Barenboim, Igor Levit und Marius Müller-Westernhagen schlossen sich dem Notos Quartett an und gaben ihre Preise ebenfalls zurück. Infolge der Debatte wurden die „Echo“-Verleihungen eingestellt. Nachfolgepreis des „Echo Klassik“ ist der „Opus Klassik“.

Wie, wo, wann

Das Konzert beginnt am Sonntag, 27. September, um 18 Uhr in der Jakobikirche. Der freie Vorverkauf beginnt am Freitag, 4. September, in der Kulturinformation im Rathaus, (0 29 41) 5 85 11. Bei der Veranstaltung gelten übliche Corona-Schutzregeln wie die Maskenpflicht auf dem Weg zum Sitzplatz. Dort kann der Schutz abgenommen werden.


Aus „Der Patriot“ 10.07. 2020

Musikverein will Kammerkonzert retten

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Für die Lippstädter Kulturszene ist es nichts weniger als eine Katastrophe. Da das Stadttheater nicht wie geplant Ende August fertig wird, musste KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms am Dienstag der Presse mitteilen, dass das gesamte Theater- und Konzertprogramm für die zweite Jahreshälfte 2020 zur Disposition steht.

Ebenso wie die KWL ist auch der Städtische Musikverein von dem massiven Rückschlag betroffen. Der Musikverein hofft jedoch, zumindest seine Kammerkonzertreihe retten zu können. Die findet normalerweise sowieso in der Jakobikirche statt und wäre in der kommenden Saison nur coronabedingt ins deutlich größere Stadttheater verlegt worden. Da die Regeln für Veranstaltungen inzwischen aber deutlich gelockert wurden, wäre aber auch eine Rückkehr an den eigentlichen Spielort grundsätzlich möglich.

Das würde bedeuten, dass zumindest das für den 27. September geplante Gastspiel des Notos Quartetts sowie das Konzert des Minguet Quartetts am 29. November stattfinden könnten. „Wenn wir die entsprechenden hygienischen Maßnahmen einhalten können, wollen wir das auf jeden Fall versuchen“, erklärte der Musikvereinsvorsitzende Dr. Peter Knop gestern auf Patriot-Anfrage. „Wir machen ein Konzept, und wenn es eben geht, werden wir die Kammerkonzerte durchführen. Da mache ich mir schon Hoffnung, dass wir das hinkriegen.“ Denkbar wäre es dabei Knop zufolge auch, ein Programm zweimal an einem Abend stattfinden zu lassen, um mehr Abstände im Publikum zu ermöglichen. „Das könnte man alles mit den Musikern vereinbaren.“

Ob der Raum überhaupt zur Verfügung steht, muss der Musikverein zunächst mit dem Förderverein der Jakobikirche klären, doch auch da ist Knop zuversichtlich. Nicht zuletzt, weil er seit vielen Jahren einen engen Kontakt zu den Verantwortlichen hat und selbst beratendes Mitglied des Vereins ist. „Da habe ich einen ganz kurzen Draht.“

Sollte der Umzug klappen, würde der Musikverein auch die fürs kommende Jahr geplanten Kammerkonzerte nach Möglichkeit am angestammten Ort stattfinden lassen. Deutlich schlechter sieht es dagegen für die größeren Konzerte aus, die für dieses Jahr vorgesehen waren. Sowohl beim für den 8. November geplanten Chor- und Orchesterkonzert als auch bei der für den 11. Dezember geplanten „Himmlischen Weihnacht“ mit dem Folkwang-Kammerorchester aus Essen geht Peter Knop eher nicht davon aus, dass sie stattfinden können.

„Was noch in der Luft hängt, ist das Silvesterkonzert“, betont der Musikvereinsvorsitzende. Laut Programm soll Jahresend-Veteran Hermann Breuer den launigen Abend als Moderator und Dirigent mit der Philharmonie Lemberg gestalten. „Das müssen wir abwarten. Da müsste das Stadttheater spätestens im November eröffnet sein, und dann muss man noch gucken, ob das Orchester überhaupt aus Lemberg kommen kann. Das steht ja auch noch in den Sternen.“


Aus „Der Patriot“ 06.06.2020

Musikverein blickt nach Vorn

Burkhard A. Schmitt Städtischer Musikdirektor

Die gute Nachricht zuerst: Die Kammerkonzerte des Städtischen Musikvereins Lippstadt sollen in der kommenden Saison alle wie geplant stattfinden – allerdings im Stadttheater. Und auch bei den größeren Konzerten hofft der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt, dass sie unter Corona-Bedingungen möglich sein werden. Wenn auch mit einigen Änderungen.

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Die Absage des großen Festkonzerts, mit dem Musikverein und KWL am 29. August die neue Saison im frisch sanierten Stadttheater eröffnen wollten, war ein ziemlicher Schlag – allerdings kein unerwarteter. Doch wie sieht es für die Zeit danach aus?

Die Landesregierung hatte ab dem 1. September die Wiederaufnahme des regulären Betriebes auch in großen Theatern, Opern- und Konzerthäusern in Aussicht gestellt. Das dürfte jedoch angesichts strikter Abstandsregeln und Hygienevorschriften kaum möglich sein. Die KWL hat deshalb bereits angekündigt, alle Veranstaltungen ihres Theaterprogramms auf den Prüfstand zu stellen und auf Machbarkeit abzuklopfen.

Ähnlich sieht es beim Musikverein aus. Und hier gibt es bereits ein erstes, durchaus optimistisch stimmendes Ergebnis: „Wir haben die wirklich gute Nachricht für das Publikum, dass bis auf Weiteres alle Konzert, die in unserer Kammermusikreihe geplant sind, stattfinden können“, sagt der künstlerische Leiter Burkhard Schmitt. „Allerdings aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht in der Jakobikirche. Deshalb gehen wir ins Theater.“

Für Kammerkonzerte ist im Theater genug Platz

Dort gebe es nämlich zumindest bei den Kammerkonzerten der Reihe K „keinerlei Platzprobleme“. Nach aktuellem Stand dürften Schmitt zufolge höchstens 170 Besucher in den Zuschauerraum des großen Hauses gelassen werden. „Das sind nur etwas weniger, als wir sonst maximal in die Jakobikirche setzen können.“ Auch terminlich gibt es keine Probleme. Er habe sich beim „Umzug“ der Kammerkonzertreihe intensiv mit KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms abgestimmt, berichtet Schmitt. „Frau Harms ist alles durchgegangen und hat keinerlei Bedenken, was Terminkollisionen betrifft.“

Im Stadttheater werden nicht nur die Zuhörer ausreichend Platz haben. Auch die Musiker selbst – für die Kammerkonzertreihe sind neben den drei Solisten der „Klaviernacht“ vier Quartette angekündigt – können auf der großen Bühne den gebotenen Abstand halten. „Das ist alles absolut regelkonform. Da gibt es auch auf der Bühne überhaupt keine Probleme“, sagt der Städtische Musikdirektor.

„Sea Symphony“ wird verschoben

Das sieht bei den großen Orchesterkonzerten ganz anders aus. Dass alle sechs Konzerte der Reihe O genau wie geplant durchgezogen werden können, ist deshalb utopisch. Bei zwei Veranstaltungen geht Schmitt trotzdem davon aus, dass sie ohne große Änderungen stattfinden können. „Hier haben wir das Glück, dass wir Konzerte mit zwei Kammerorchestern haben.“ Und die rücken nun mal naturgemäß mit kleiner Besetzung an.

Für den 11. Dezember ist das Folkwang Kammerorchester aus Essen mit der „Himmlischen Weihnacht“ angekündigt. „Das sind nur 16 bis 18 Musiker, nach jetzigem Stand des Programms ohne Bläser“, sagt Schmitt. Blasinstrumente sind in Corona-Zeiten kritisch, weil sie – ebenso wie Gesang – „atmungsaktiv“ sind.

„Auch dieses Konzert können wir mit Sicherheit durchführen“, betont Schmitt. Er sei außerdem mit dem Orchester in Verhandlungen, um das – dafür vielleicht leicht verkürzte – Konzert an dem Tag zweimal stattfinden zu lassen, damit ein größeres Publikum erreicht werden kann.

Eine solche Lösung könnte sich Schmitt auch beim Konzert des Hungarian Chamber Orchestra am 12. März 2021 vorstellen, falls es eine entsprechende Nachfrage gibt. Auch der Auftritt dieses Ensembles, „das maximal 20 Musiker auf der Bühne hat“, lässt sich seiner Einschätzung nach gut realisieren.

Die übrigen Orchesterkonzerte stellen den Musikverein da schon vor sehr viel größere Herausforderungen. „Die sind wirklich groß besetzt, das sind Orchester mit 45 bis 65 Musikern“, sagt der künstlerische Leiter. „Da habe ich einen Plan B.“

Mit den Orchestern werde es sicher möglich sein, die Programme so zu verändern, dass sie auch mit kleiner Besetzung aufführbar seien. „Da bin ich schon in Gesprächen mit den Orchesterintendanten.“ So könne er sich vorstellen, dass die Neue Philharmonie Westfalen beim Konzert „The English Way of Heaven“ am 26. März 2021 Ralph Vaughan Williams’ große „London Symphony“ durch ein Werk ersetzt, das mit deutlich weniger Musikern auskommt.

Ähnlich will Burkhard Schmitt bei den eigenen Chor- und Orchesterkonzerten vorgehen. „Man sagt ja, Chor sei im Moment das gefährlichste Hobby der Welt“, sagt Schmitt. Ab dem 10. Juni seien Chorproben – die aktuell nur per Videokonferenz stattfinden können – zwar wieder erlaubt, aber nur unter sehr strengen Auflagen „Da müssen wir noch sehr vorsichtig und abwartend sein.“

In dieser Situation kommt es dem Musikverein entgegen, dass er neben dem großen Konzertchor auch noch den Kammerchor Con Brio hat. „So dass wir eventuell nur mit einem kleinen Chor auf der Bühne stehen, damit die Abstände gewahrt werden können“, erklärt Schmitt.

Natürlich lässt sich auf diese Weise nicht alles umsetzen. Die anspruchsvolle „Sea Symphony“, ebenfalls von Ralph Vaughan Williams, braucht zum Beispiel das ganz große Besteck. Um das Werk adäquat aufführen zu können, wollte sich der Konzertchor Lippstadt eigentlich mit Sängerinnen und Sängern aus vier weiteren Chören verstärken – in Corona-Zeiten schlicht undenkbar.

„Die ‚Sea Symphony‘ ist ganz offiziell verschoben in die Saison 2021/2022“, stellt der musikalische Leiter klar. Das Konzert am 8. November soll aber trotzdem stattfinden. „Wir denken darüber nach, dass der Chor vielleicht nur mit einer kleinen Sache auftritt, mit einem geistlichen Werk.“ Und zwar mit „Lux Aeterna“ von Morten Lauridsen.

Das fünfsätzige Chorwerk hat der Konzertchor erst im November 2019 gesungen, allerdings in der Elisabethkirche, „wo wir ja viel weniger Publikum erreicht haben als im Theater“. Die Wiederaufführung könnte also durchaus neue Zuhörer erreichen. Und für den Chor hätte es den Vorteil, dass es keiner langen Proben bedürfte. „Das muss nur aufgefrischt werden“, sagt der Chorleiter. Außerdem könne das eh schon klein besetzte Werk notfalls auch mit dem Kammerchor Con Brio aufgeführt werden.

Brahms funktioniert auch ganz reduziert

Noch reduzierter geht es bei Johannes Brahms’ „Deutschem Requiem“. Das ist für den 27. Februar 2021 angesetzt, und hier gibt es Schmitt zufolge eine deutlich eingedampfte Fassung, bei der der Chor nur von zwei Klavieren und Pauke begleitet wird. „Man könnte es also im Notfall ganz extrem herunterbrechen, so dass man es auch ohne Orchester aufführen könnte.“ Aber auch eine „mittlere“ Lösung mit kleinerem Chor und Orchester wäre denkbar.

Die Chance, dass die eigentlich groß besetzten Konzerte in einer abgespeckten Form stattfinden können, sieht der musikalische Leiter des Musikvereins derzeit bei „fünfzig-fünfzig“. Völlig offen ist dagegen zurzeit, was mit den beiden Silvesterkonzerten geschieht. Die sollen eigentlich wieder von Hermann Breuer dirigiert und moderiert werden. Als Orchester ist die Philharmonie Lemberg vorgesehen. Ob die ukrainischen Musiker aber Ende des Jahres nach Deutschland reisen dürfen, steht noch in den Sternen.

Trotzdem blickt Burkhard Schmitt inzwischen wieder deutlich optimistischer in die Zukunft. „Ich muss wirklich sagen, ich hatte vor einigen Wochen trotz meiner grundsätzlich positiven Grundeinstellung schon gewisse Sorgen, was die Durchführbarkeit der Saison betrifft“, gesteht er ein. „Aber jetzt sieht doch alles viel positiver aus.“


Aus „Der Patriot“ 05.05.2020

Kultur wieder live erleben

Das Folkwang Kammerorchester Essen stimmt mit dem Geiger Moritz Ter-nedden auf eine „Himmlische Weihnacht“ ein. www.petergwiazda.de

Noch weiß niemand, wie die Saison 2020/2021 wirklich aussehen wird. Doch wenn der Städtische Musikverein Lippstadt sein Programm Corona zum Trotz wie geplant umsetzen kann, darf sich das Publikum auf eine ganze Reihe hochkarätiger Konzerte und Gastkünstler freuen. Erste Einblicke gibt der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt.

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Die Höhepunkte jeder Musikvereinssaison sind natürlich die eigenen Chor- und Orchesterkonzerte. In der Regel sind das zwei pro Konzertjahr. Doch diesmal kommt der Konzertchor Lippstadt – so die Pandemie es zulässt – sogar viermal zum Einsatz.

Los geht es mit dem großen Festkonzert, mit dem der Musikverein am Samstag, 29. August, in Kooperation mit der KWL das frisch sanierte Stadttheater eröffnen will. Mit dem Pianisten Matthias Kirschnereit und der Sopranistin Manuela Uhl hat der Musikverein zwei renommierte Gäste verpflichtet. Und auch der vereinseigene Chor darf natürlich nicht fehlen. Mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford intonieren die Sängerinnen und Sänger des Musikvereins Ludwig van Beethovens „Chorfantasie“.

Ob das Konzert stattfinden kann, ist allerdings aufgrund der aktuellen Beschränkungen noch offen. Burkhard A. Schmitt hatte die Chancen vergangene Woche „bei fifty-fifty“ gesehen.

Einen sehr viel größeren Auftritt hat der Konzertchor Lippstadt dann am Sonntag, 8. November, wenn im Stadttheater „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams erklingt. Um das ebenso umfangreiche wie anspruchsvolles Werk zu stemmen, holen sich sie heimischen Sänger Unterstützung bei Chören aus Hamm, Siegen, Wirges und Gloucester.

„Das ist ein ganz großartiges Chorwerk dieses englischen Komponisten, das wir in vier Konzerten machen wollen, drei in Deutschland und eins in Gloucester – natürlich alles unter dem Vorbehalt Corona“, sagt Dirigent Burkhard A. Schmitt. „Das ist wirklich ein absoluter Höhepunkt der Saison.“ Mit dabei ist wieder Manuela Uhl, die sich die Solistenparts mit dem Bariton Andrew Finden teilt. Den Orchesterpart übernimmt diesmal die Philharmonie Südwestfalen.

Von Johannes Brahms bis Karl Jenkins

Wenn alles gut geht, ist die Sopranistin Manuela Uhl in der kommenden Saison gleich dreimal im Lippstädter Stadttheater zu hören. Foto: kazimitowicz

Ein weiteres bedeutendes Werk steht am Samstag, 27. Februar 2021, auf dem Programm, wenn der Konzertchor Lippstadt unter Schmitts Leitung „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms intoniert. Wieder unterstützt von den Kollegen aus Hamm, Siegen und Wirges. Auch diesmal ist Sopranistin Manuela Uhl dabei. Den Baritonpart übernimmt Jean Christophe Fillol, als Orchester ist die Neue Philharmonie Westfalen mit an Bord.

Das wuchtige Werk hatte der Musikverein bereits 2012 aufgeführt. Es sei „in der großen Zahl von Requiem-Vertonungen eines der ergreifendsten, erschütterndsten, von einer Wirkung, der sich kein Hörer entziehen kann“, schrieb Patriot-Kritiker Alfred Kornemann damals in seiner Rezension. „Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass es so nahe bei dem Hörer ist, ihn begleitet durch die Erfahrung von tiefer Trostlosigkeit, Resignation hin zu einem getrösteten Aufgerichtetsein, von flehentlicher Bitte zu fugengefestigter Danksagung.“

Und wenn alles läuft wie vorgesehen, wird der Konzertchor Lippstadt in der nächsten Saison noch ein viertes Mal im Stadttheater zu hören sein. Nämlich um die coronabedingt ausgefallene Neuaufführung von Karl Jenkins’ „The Armed Man: A Mass for Peace“ nachzuholen. Er habe bereits mit KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms abgestimmt, „dass wir ‚The Armed Man‘ in 2021 aufführen wollen, voraussichtlich auch wieder unter dem gemeinsamen Dach von Musikverein und KWL“, sagt Burkhard Schmitt. „Und zwar im Rahmen der 50-jährigen Städtepartnerschaft von Lippstadt und Uden. Da haben wir noch keinen Termin, und das ist auch gut so. Da sind wir nicht im Druck und können die Entwicklung der nächsten Monate in Ruhe abwarten, was Corona betrifft.“

Sehr freut sich der musikalische Leiter des Musikvereins aber auch auf die eingekauften Konzerte. Zum Beispiel auf die „Himmlische Weihnacht“, mit der das Folkwang Kammerorchester Essen und der Geiger Moritz Ter-Nedden am Freitag, 11. Dezember, im Stadttheater aufs Fest einstimmen. Das Kammerorchester sei in den letzten beiden Spielzeiten bei seinen Konzerten in der Marienschule „wirklich gefeiert“ worden, sagt Schmitt, der für das Weihnachtskonzert „auch einige Überraschungsmomente“ verspricht, bei denen Dirigent Johannes Klumpp auch das Publikum einbinden werde.

Dritte Klaviernacht in der Jakobikirche

Die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska ist bei der dritten Klaviernacht in der Jakobikirche wieder dabei.
Foto: Hoffmann

„Besonders hochkarätig ist auch wieder die dritte Klaviernacht in der Jakobikirche besetzt“, sagt der Städtische Musikdirektor. Aleksandra Mikulska und Vadim Chaimovich waren schon 2019 beim Tastenmarathon mit dabei. Dritter im Bunde ist diesmal Dinis Schemann. „Mein persönlicher Wunsch ist, dass diese Klaviernacht eine Institution werden soll“, sagt Schmitt. „Drei Pianisten zu erleben, die in ihrer eigenen Persönlichkeit diese Werke interpretieren, ist immer wieder ein Erlebnis.“

Auch auf das Notos Quartett freut sich Schmitt sehr. Das Kammerensemble interpretiert am Sonntag, 27. September, in der Jakobikirche Werke von Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms. „Das ist im Moment das am höchsten preisdotierte deutsche Streichquartett überhaupt. Es ist ein Geschenk, dass dieses Quartett im Rahmen der Kammerkonzertreihe nach Lippstadt kommt.“ Wobei Schmitt mit Blick auf den Termin gleich hinzufügt: „Das ist früh, ich weiß. Man weiß nicht, ob das klappt.“

Mit einem englischen Programm kommt die Neue Philharmonie Westfalen am Freitag, 26. März, nach Lippstadt. „Dabei wird auch noch mal Ralph Vaughan William die Ehre erwiesen“, sagt Schmitt. Das im Ruhrgebiet ansässige Landesorchester hat nämlich die 2. Sinfonie („A London Symphony“) des Briten im Gepäck. Der Höhepunkt sei allerdings „das selten gespielte wunderschöne Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 von Edward Elgar“. Eingeleitet wird der Abend eher unbritisch, aber, wie Schmitt betont, musikalisch durchaus passend mit Gaetano Donizettis Ouvertüre zu seiner Oper „Roberto Devereux“.

Eine ganz andere Zielgruppe spricht ein Konzert an, auf das sich der Städtische Musikdirektor ebenfalls sehr freut. Nach längerer Pause ist die Neue Philharmonie Westfalen wieder mit dem Kinderkonzert „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew zu Gast. Und da ist die Bude immer rappelvoll, wie der Städtische Musikdirektor aus Erfahrung weiß. Geplant ist das Konzert für den 4. Mai. „Da können wir wirklich realistisch hoffen, dass es stattfindet. Und da freue ich mich jetzt schon drauf, dass das Theater voll sein wird und Kinder Kultur wieder live erleben können.“

Aus „Der Patriot“ 29.04.2020


Warten auf Politik

Es soll ein fulminanter Neustart werden. Mit einem festlichen Chor- und Orchesterkonzert will der Städtische Musikverein am Samstag 29. August, das frisch sanierte Lippstädter Stadttheater eröffnen. Doch kann die Kooperationsveranstaltung mit der KWL überhaupt stattfinden? Der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt sieht die Chancen „bei fifty-fifty“.

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Im Moment sind wir alle Sokrates: Wir wissen, dass wir nichts wissen. Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen coronabedingt bundesweit verboten. Doch fallen Konzerte und Theaterabende im rund 800 Besucher fassenden Stadttheater überhaupt darunter?

Was genau unter Großveranstaltungen zu verstehen ist, befinde sich gerade „in der Länderabstimmung“, teilte gestern die Pressestelle der Landesregierung auf Patriot-Anfrage mit. Und natürlich ist auch noch völlig offen, wie es mit all den anderen Veranstaltungen weitergeht, die ja bis auf Weiteres ebenfalls untersagt sind.

Fulminantes Programm zur Neueröffnung

Niemand weiß, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Davon wird aber wohl maßgeblich abhängen, ob es weitere Lockerungen oder vielleicht sogar – bei einer von vielen befürchteten „zweiten Welle“ der Pandemie – eine Verschärfung der bisherigen Maßnahmen gibt.

In so einer zutiefst unsicheren Situation musste Burkhard A. Schmitt noch nie in eine neue Saison starten. Trotzdem versucht der künstlerische Leiter des Musikvereins, die Sache so optimistisch und pragmatisch wie möglich anzugehen. „Realistisch gesehen müssen wir uns in dieser Situation ein bisschen einrichten“, sagt er.

Für das große Festkonzert zur Wiedereröffnung des Stadttheaters nach zwei Jahren Sanierung soll – dem Anlass angemessen – ordentlich aufgefahren werden. „Im Eröffnungskonzert huldigen wir dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven, der fällt ja in diesem Jahr aufgrund der Krise auch ein bisschen hinten runter“, sagt Burkhard Schmitt. Denn vom 250. Geburtstag des genialen Tonsetzers spricht zu Corona-Zeiten niemand mehr. Das soll sich zumindest in Lippstadt ändern. „Er steht zentral im Programm mit seinem berühmtesten Klavierkonzert Nr. 5. – und das mit dem grandiosen Pianisten Matthias Kirschnereit, den man in Lippstadt kennt und auch sehr schätzt.“ Den Orchesterpart übernimmt die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, die an diesem Abend – wie die gesamte Veranstaltung – von Schmitt geleitet wird.

In Lippstadt ein alter Bekannter: Matthias Kirschnereit

„Echo Klassik“-Preisträger Kirschnereit sei „nicht nur ein absoluter Pianisten-Star, sondern auch ein guter Freund“ schwärmt der Dirigent. Ebenso begeistert ist er von der Sopranistin Manuela Uhl, die „zwei wunderbare Arien“ singen wird, nämlich „Leise, leise, fromme Weise“ aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ und Antonin Dvoráks „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka”. Die Sängerin sei „ein Star der Deutschen Oper in Berlin“ und habe schon mit allen großen Dirigenten in Europa auf der Bühne gestanden“. Mit der „Freischütz“-Ouvertüre leitet das Orchester den Arien-Teil ein.

Der Konzertchor Lippstadt kommt schließlich bei Beethovens Chorfantasie op. 80 zum Einsatz. „Damit schließt sich der Kreis“, sagt Schmitt. Das Werk wird wegen der Ähnlichkeit der Hauptmelodie mit dem Schlusschor der „Ode an die Freude“ auch die „Kleine Neunte“ genannt. „Das ist ein fulminanter Abschluss des Eröffnungskonzerts. Die Kraft des Menschen in der Schöpfung findet hier ihren Widerhall. Von daher ein angemessenes Programm für so ein besonderes Konzert.“

Doch wie groß ist die Chance, dass dieses Konzert überhaupt stattfinden kann? „Ich gehe da mit einer grundsätzlich positiven Einstellung ran, die ich natürlich auch haben muss, und sehe die Chance im Moment noch bei fifty-fifty“, sagt der Dirigent. „Ich klammere mich ein bisschen an den kleinen Hoffnungsfaden, dass das Ende des Veranstaltungsverbots vielleicht doch um ein, zwei Wochen vorgezogen wird. Das ist vielleicht nicht ganz realistisch, aber optimistisch.“

Fest steht für Schmitt, dass es bei dem Konzert „nur ein Entweder-oder geben kann“ und keine Aufführung unter erschwerten Corona-Bedingungen. Denn bei einem großen Chor- und Orchesterkonzert lassen sich vor allem auf der Bühne strikte Abstandsregeln einfach nicht umsetzen. Und der Chor muss auch die Möglichkeit haben, vorher gemeinsam zu proben. „Das erschwert die Sache natürlich. Ohne ein frühzeitiges klares Go sind die Chancen sehr schlecht, dass das umzusetzen ist.“

Deshalb setzt Schmitt auf möglichst schnelle Vorgaben seitens der Politik. „Ich hoffe, dass wir Anfang Mai Klarheit haben, damit wir entscheiden können“, sagt der Städtische Musikdirektor. „Und dann müssen wir das auch entscheiden. Wir können Solisten, Chor und Orchester ja nicht erst vier Wochen vorher informieren. Das wäre unrealistisch.“

Entscheidung muss bis Mitte Juni fallen

Ein bisschen Luft ist aber noch. Spätestens „Anfang bis Mitte Juni“ müsse er endgültig Gewissheit haben, um das Konzert noch stattfinden zu lassen“, betont Schmitt. „Das wäre noch machbar. Das habe ich auch so mit dem Intendanten des Orchesters (Andreas Kuntze; Anm. d. A.) besprochen.“

Der Konzertchor Lippstadt trete ja nur bei der kleinen Chorfantasie gemeinsam mit dem Orchester und dem Pianisten auf. Bei den anderen Werken sei der Chor außen vor. „Das hat in dieser Situation natürlich Vorteile.“ Hinzu kommt, dass der Konzertchor die Chorfantasie bereits kennt, wurde sie doch bereits 2005 unter Schmitts Leitung im Stadttheater aufgeführt.

Die Sängerinnen und Sänger seien gut instruiert und probten das Werk bereits fleißig im Selbststudium ein, erklärt der musikalische Leiter. „Der Chor steht also in den Startlöchern, und dieses Werk ist auch sehr kurzfristig auf die Bühne zu bringen. Der Chor ist nicht nur musikalisch in der Lage, das zu leisten, sondern auch von seiner ganzen Disziplin und Grundeinstellung her. Da mache ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen. Und die übrigen Werke mit dem Orchester und den Solisten sind relativ schnell und einfach, zur Not zwei Tage vorher, gemeinsam zu proben.“