Presseartikel 2021/2022

Atemlose, nie aufgelöste Spannung

Der Pianist Klaus Sticken sorgte für einen unvergesslichen Konzertabend in der Jakobikirche

26.04.2022; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Eine südliche Nacht am Meeresufer in Genua, dazu eine stürmisch aufgewühlte See, das waren die Eindrücke einer Erfahrung, die Alexander Skrjabin in seiner Sonate-Fantasie gis-Moll op. 19 aufnahm und die der Pianist Klaus Sticken am Beginn eines unvergesslichen Konzertabends verwirklichte.

Und das war nur der Programmeinstieg. Es herrschte am Samstagabend eine geradezu atemlose Spannung nach dem Klavierabend des Städtischen Musikvereins in der Lippstädter Jakobikirche. Das hatte nicht nur die Sonate B-Dur (D 960) von Franz Schubert bewirkt, und die war zweifellos ein Höhepunkt im Programm mit dem phänomenalen Pianisten Klaus Sticken.

Was berührte, war die Interpretation des ausführenden Künstlers bei diesem kompositorischen Wunderwerk. Es war das Bewusstsein für ein Werk, das sich in einer Fülle von Melodien ergeht und dabei doch immer der Grundtenor bestimmend einhält, sei es im ergreifenden Andante sostenuto, dem Scherzo, dessen Allegro dem Interpreten wahrlich „con delicatezza“ geriet oder bis in das Allegro des Schlusssatzes hinein.

Immer bleibt die Erinnerung an den Ausgangspunkt des Eingangsthemas erhalten. Und das gelingt dem Pianisten durch eine nie aufgelöste Innenspannung zwischen den Einzelsätzen, die dem Zuhörer nie verloren ging. Was für eine Wirkung an Intensität und Einfühlsamkeit in das Geheimnis dieser letzten Klaviersonate von Franz Schubert!

Einen trefflichen Beweis seines sensiblen Vermögens, eine Komposition zu durchleuchten, hatte Klaus Sticken im ersten Programmteil mit der „Kreisleriana“ op. 16 von Robert Schumann erreicht. Diese acht Phantasien (wie sie der Komponist selbst bezeichnet hat), sind von einer solchen Stimmungsbreite zwischen innigem Gefühl und Aufgeregtheit, dass die Sensibilität eines Interpreten wie Klaus Sticken verlangt, sein Bewusstsein für das Markato wie in gleicher Weise für die Cantilene und immer mit dem Gefühl für die Sicherheit eingeschlagener Tempi.

Was für ein Abend erfüllten Musizierens!

*Klaus Sticken bei seinem Konzert in der Jakobikirche. Foto: Li

„Man hat ständig Gänsehaut“ – Musikverein führt Friedensmesse „The Armed Man“ erneut auf

Mit „The Armed Man – A Mass for Peace“ hatte der Lippstädter Musikverein 2017 einen Riesenerfolg. Die Idee, das effektvolle Werk des walisischen Komponisten Karl Jenkins erneut auf die Bühne zu bringen – diesmal mit dem Udener Koor Karakter –, entstand bereits 2019. Dass die Friedensmesse bei der coronabedingt erst am 4. Mai 2022 stattfindenden Wiederaufführung von so bedrückender Aktualität sein würde, konnte da noch keiner ahnen.

22.04.2022; Der Patriot

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Gleich zweimal hat sich die Welt seit 2019 radikal verändert. Zuerst war es die Corona-Pandemie, die weite Teile des öffentlichen Lebens lahmlegte und dafür sorgte, dass sowohl der ursprüngliche Wiederaufführungstermin im April 2020 als auch der für 2021 anvisierte Ersatztermin gecancelt werden mussten. Und jetzt befindet sich Europa im Krieg. 

Der russische Überfall auf die Ukraine hat alles verändert. Und auch das Antikriegswerk „The Armed Man“ (Der bewaffnete Mensch) hat eine alarmierende Aktualität erhalten. Dabei wollten der Konzertchor Lippstadt und der Udener Koor Karakter mit Jenkins’ Friedensmesse eigentlich im Sinne eines „Nie wieder!“ vor allem der Kriegsopfer der Vergangenheit gedenken. 

2020 jährte sich die Befreiung der Niederlande von der deutschen Besatzung zum 75. Mal. Aus diesem Anlass hatte der Udener Chor den Lippstädtern vorgeschlagen, in zeitlicher Nähe zum „Bevrijdingsdag“ am 5. Mai ein gemeinsames Konzert auf die Beine zu stellen – mit jeweils einer Aufführung in Deutschland und den Niederlanden. 

Bei der Wahl des passenden Werkes fanden der künstlerische Leiter des Städtischen Musikvereins Lippstadt, Burkhard A. Schmitt, und sein Udener Kollege Lex Wiersma problemlos zusammen. „Wir kamen ganz schnell auf ‚The Armed Man‘ von Jenkins“, weil er das auch schon mal gemacht hat“, berichtet Burkhard Schmitt. „Dann war die Aufführung natürlich coronabedingt zwei Jahre lang nicht möglich. Wir sind aber bei diesem Werk geblieben und haben uns jetzt wieder auf den Nationalfeiertag festgelegt.“

Am 5. Mai, in den Niederlanden ein gesetzlicher Feiertag, ist „The Armed Man“ unter der Leitung von Lex Wiersma im Udener Theater Markant zu hören. Bereits am Vortag dirigiert Burkhard Schmitt das Konzert im Lippstädter Stadttheater. 

Die instrumentale Begleitung übernimmt das Zuidnederlands Begleidingsorkest, das der Udener Chorleiter Lex Wiersma extra für diesen Anlass zusammenstellt. Und die Solisten kommen aus den Reihen des Koor Karakter. „Das ist ein wirklich guter Chor, der auch Verpflichtungen am Udener Theater hat“, sagt Burkhard Schmitt. „Und da sind wir ganz schnell übereinkommen, dass die wenigen Solopassagen in der ‚Mass for Peace‘ von holländischen Chorsängerinnen und -sängern übernommen werden.“

Wird sich die Interpretation von der vor fünf Jahren unterscheiden? Immerhin gibt es nicht nur viele neue Mitwirkende, mit Lex Wiersma ist diesmal auch ein zweiter musikalischer Leiter mit an Bord. „Wir sind das Werk gemeinsam durchgegangen und haben gemerkt, dass man da eigentlich gar nicht weit voneinander weg liegen kann – das liegt auch ein bisschen an der Art dieser Komposition“, sagt Burkhard Schmitt. „Die liturgischen Messeteile – er verwendet hier das Kyrie, das Sanctus das Agnus Dei und das Benedictus – sind eher auf der Basis der abendländischen klassisch-barocken Musik komponiert. Da hat man ganz schnell den gleichen Zugang und die gleiche Vorstellung von der Interpretation. Und die anderen Stücke sind zum Teil fast schon volksliedhaft. Das sind sehr einfache, schlichte Gesänge, die gar keinen Raum lassen für extreme Tempi oder solche Sachen. Wir haben das zum Teil auch zusammen durchgesungen und waren irgendwo immer auf dem gleichen Level.“

Bei den Unterschieden in der Interpretation gehe es „höchstens noch um Nuancen“, betont der Lippstädter Dirigent. „Aber die Chöre, die ja gewohnt sind, auf ein Dirigat zu achten, werden da in der Gemeinschaftsprobe ganz schnell zusammenfinden. Da gibt es also keinerlei Probleme.“ Er selbst werde im Vergleich zu 2017 sogar „die eine andere Nummer etwas anders angehen, aber das wird das Publikum eigentlich nicht wahrnehmen“.

Radikal verändert hat sich natürlich der Kontext, in dem das Konzert stattfindet. „Das ist nicht nur für mich, sondern für den ganzen Chor seit Beginn dieses schrecklichen Krieges am 24. Februar ein Dauerthema“, erklärt Burkhard Schmitt. „Dieses Werk geht einem schon ohne einen aktuellen Bezug sehr nahe. Jenkins hat seine Friedensmesse den Opfern des Kosovokrieges gewidmet, der ja über 20 Jahre her ist, aber die Menschen leiden heute noch darunter, man spricht nur nicht darüber. Es gibt so viele Konflikte auf der Erde. Aber jetzt ist uns dieser Angriffskrieg so nah, und es gibt ja auch schon sehr viele Flüchtlinge in unserem Land, deshalb ist der Bezug unglaublich intensiv.“

Vor dem Hintergrund sowohl des Zweiten Weltkriegs als auch des aktuellen Krieges in der Ukraine mit zwei Chören aus benachbarten Nationen dieses Werk aufzuführen, sei unglaublich ergreifend. „Ich glaube, ich werde innerlich zitternd und bebend auf die Bühne gehen, weil mich das persönlich sehr berührt und nachdenklich macht. Kurz vor Schluss heißt es, ‚Krieg ist besser als Frieden‘, ‚Better is peace than always war‘, das ist so ergreifend, man hat ständig Gänsehaut.“

++++ Wo, wann und wie ++++

Die Aufführung von „The Armed Man“ im Lippstädter Stadttheater beginnt am Mittwoch, 4. Mai, um 20 Uhr. Karten gibt es in der Kulturinformation im Rathaus oder an der Abendkasse. Neben Karl Jenkins’ Friedensmesse erklingt der zweite Satz aus Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie. In Uden findet das Konzert am Donnerstag, 5. Mai, um 20 Uhr im Udener Theater Markant statt. Hier ist das zweite Stück des Abends die „Brabant-Sinfonie“ von Sjef van Rooij.

Burkhard A. Schmitt

Glück und Elend der großen Romantiker – Klavierabend mit Klaus Sticken

13.04.2022; Der Patriot

Klaus Sticken ist in Lippstadt längst kein Unbekannter mehr. Am Samstag, 23. April, ist der Pianist in der Kammermusikreihe des Städtischen Musikvereins zu hören. In der Jakobikirche erklingen die Sonate-Fantasie gis-Moll op. 19 von Alexander Skrjabin, Robert Schumanns „Kreisleriana“ op. 16 und die Sonate B-Dur D. 960 von Franz Schubert.

Lippstadt – Einen „ungewöhnlich faszinierenden Pianisten“ nannte Patriot-Kritiker Alfred Kornemann Klaus Sticken anlässlich eines Klavierabends im Oktober 2016. „Was fesselt an seinem Musizieren in einer Zeit, in der Künstler seiner Generation und jüngere so häufig ihr Ego über die Komponisten und deren Werke kleben? Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der das Musizieren von Klaus Sticken so klingt, als könnte es vom Komponisten gar nicht anders gemeint sein.“

In seinem aktuellen Programm lote der Wahl-Wiener „Glück und Elend großer romantischer Komponisten“ aus, schreibt der Musikverein in seiner Ankündigung. Franz Schuberts letzten drei Klaviersonaten entstanden im August 1828 und stellen laut Musikverein gewissermaßen sein kompositorisches Vermächtnis dar. „Die letzte in B-Dur beschließt sogar das gesamte Klavierwerk Schuberts, ist daher nicht zu Unrecht vom Nimbus des Schwanengesangs umgeben.“

Robert Schumann habe in seiner Rolle als Musikkritiker 1838 über „Franz Schubert’s letzte Compositionen“ geschrieben, sie seien dort angesiedelt, „wo die Phantasie durch das traurige ‚Allerletzte‘ nun einmal vom Gedanken des nahen Scheidens erfüllt ist“.

Im gleichen Jahr stellte Schumann seine „Kreisleriana“ fertig, die in acht Einzelsätzen die exzentrische literarische Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler charakterisiert. Die war das literarische Alter Ego von E. T. A. Hoffmann, der den skurrilen Kapellmeister in einer ganzen Reihe von Texten auftauchen ließ und ihn dabei nach Einschätzung des Paderborner Literaturwissenschaftlers Hartmut Steinecke zu der „Künstlerfigur der Romantik überhaupt“ machte.

„Da gibt’s zu denken dabei“, prophezeite Robert Schumann bezüglich seiner musikalischen Adaption. „Er sollte Recht behalten“, meint der Musikverein. „Generationen von Musikern und Musikwissenschaftlern haben sich den Kopf über den Sinn des Titels zerbrochen.“

Alexander Skrjabin hingegen habe seiner zweisätzigen 2. Sonate ein Programm unterlegt und damit der Fantasie des Hörers auf die Sprünge geholfen: „Der erste Teil stellt eine ruhige Nacht an einem Strand im Süden dar; die Durchführung besteht in der dunklen Bewegtheit der tiefen, tiefen See“, heißt es da. „Der Mittelteil in E-Dur beschreibt das sanfte, nach der ersten Dunkelheit der Nacht heraufsteigende Mondlicht. Der zweite Satz stellt den weiten, vom Sturm bewegten Ozean dar.“

Klaus Sticken absolvierte sein Konzertexamen an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Er war in bedeutenden Konzertsälen wie der Hamburger Laeiszhalle, dem Berliner Konzerthaus, der Tonhalle Zürich oder dem Großen Saal des Moskauer Tschaikowsky-Konservatoriums zu hören und arbeitete als Solist mit Orchestern wie den Warschauer Philharmonikern, dem Orchestre de Chambre de Lausanne, den Berliner Symphonikern oder den Moskauer Symphonikern zusammen. Sein Repertoire umfasst laut Presseinfo nicht zuletzt „vernachlässigte Kompositionen, darunter Meisterwerke von Muzio Clementi, Julius Reubke, Richard Strauss, Erich Wolfgang Korngold, Frank Martin, Arthur Honegger oder Nino Rota“.

Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 2941) 5 85 11, sowie an der Abendkasse.

++++ Zum Einlesen ++++

Wer sich ordentlich auf das Konzert vorbereiten will, kann sich schon mal in die Welt des Kapellmeister Kreisler einlesen. E. T. A. Hoffmann hat die Figur nicht nur in den Erzählungen seiner „Kreisleriana“ – die auch Robert Schumanns Klavierzyklus seinen Titel gab – auftauchen lassen, sondern zum Beispiel auch in dem Roman „Lebensansichten des Katers Murr“ und dem Kunstmärchen „Der goldne Topf“.

Auch Klaus Sticken wendet sich mit den „Davidsbündler Tänzen“ (op. 6) Robert Schumann zu, stellt dem Erzromantiker jedoch Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 5, die „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel sowie den Mephisto-Walzer Nr. 1 von Franz Liszt zur Seite.

*Klaus Sticken gestaltet am 23. April einen Klavierabend in der Jakobikirche. Foto: Teschner

Vollendete Dynamik

Ein Hörerlebnis ersten Ranges bot das Minguet Quartett dem Publikum in der Lippstädter Jakobikirche. Auf dem Programm standen Werke von Johann Wilhelm Wilms, Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy.

12.04.2022; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Es ist geraume Zeit her, dass ich mir berechtigt vorstellen konnte, die renommiertesten Quartettvereinigungen selbst live erleben zu können. Darüber ist viel Zeit vergangen, nicht aber die besondere Neigung zum Streichquartett. Über das hat sich ja auch ganz verständnisvoll Johann Wolfgang von Goethe zu seiner Zeit geäußert, und der hatte tiefen Einblick in die Verhältnisse einer Streichquartettformation.

Ist nicht diese Zusammenstellung eine der intimsten und dabei sich doch immer wieder selbst befragende Feinsensibilität? Diese Frage muss zu jeder Komposition neu gestellt werden, und das macht den Reiz dieses besonderen Miteinanders aus. Besonders dann, wenn die einzelnen Programmpunkte so eindeutig aufeinander bezogen sind, wie es beim jüngsten Kammerkonzert in der Lippstädter Jakobikirche der Fall war.

Hat man das Minguet Quartett schon einmal in Lippstadt gehört? Muss man nicht jeden Musikinteressierten bedauern, der das musikalische Erlebnis noch nicht haben konnte? Denn es war zweifellos ein Hörerlebnis ersten Ranges.

Am Beginn des Programms stand der auch unter Musikkennern weitgehend unbekannte Komponist Johann Wilhelm Wilms (1772 – 1847), der zwar mehrere Sinfonien geschrieben hat und zu seiner Zeit durchaus hohen Bekanntheitsgrad genoss, sich aber weitgehend auf brillantes Flöten- und Klavierspiel zurückzog.

So hat er nur zwei Streichquartette geschrieben, die sich durchaus auf die beiden Vertreter der Wiener Klassik, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart, bezogen, aber sehr wohl um eigenwillige Kompositionssprache bemüht waren. Die nahm das Minguet Quartett mit Ulrich Isfort (1. Violine), Annette Reisinger (2. Violine), Aida-Carmen Soanea (Viola) und Matthias Diener (Violoncello) bei aller vermeintlichen Simplizität von Anfang an mit großem Temperament, klanglichem Nuancenreichtum und großer Flexibilität wahr.

Dies war ebenso abverlangt in der wunderbaren Ausdrucksfähigkeit der weiteren Programmpunkte, die den Abend begeisternd sein ließen: die fantastische klangliche Absprache und der Nuancenreichtum, die selbstverständliche ungekünstelte „Künstlichkeit“, die das Streichquartett in G-Dur, op. 18, Nr. 2 von Ludwig van Beethoven ebenso auszeichnete wie das Streichquartett in D-Dur op. 44, Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Alle Klangräume durchmessen

Überall herrschte vollendete Dynamik, die alle Klangräume durchmaß, und das gereichte gerade dem Mendelssohn-Quartett zu besonderer Tiefe.

Wenn der Namenspatron, der spanische Philosoph Pablo Minguet (1733 - 1801), darum bemüht war, dem Volk Zugang zu den schönen Künsten zu verschaffen, so hat das Minguet Quartett das an diesem Abend in Vollendung geleistet.

*Das renommierte Minguet Quartett war auf Einladung des Musikvereins in der Jakobikirche zu Gast. Foto: Zandel

„Einer der Geistreichsten“ – Minguet Quartett spielt in der Jakobikirche

02.04.2022; Der Patriot

Das Minguet Quartett ist am Freitag, 8. April, zu Gast in der Kammermusikreihe des Städtischen Musikvereins. In der Lippstädter Jakobikirche erklingen Werke von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johann Wilhelm Wilms.

Lippstadt – Johann Wilhelm Wilms (1772 – 1847) mag im Vergleich zu den Giganten Beethoven und Mendelssohn deutlich weniger berühmt sein. Doch die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ nannte den niederländischen Komponisten im Jahr 1807 immerhin einen der „geistreichsten, lebhaftesten und ausgebildetsten Künstler“ seiner Zeit. Ein Jahr zuvor war sein Quartett op. 25 Nr. 1 in g-Moll entstanden, das das Minguet Quartett an diesem Abend spielt.

Komplettiert wird das Programm durch Beethovens Streichquartett op. 18 Nr. 2 sowie das Streichquartett op. 44 Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Natürlich schwebt über allen drei Werken der Geist des Übervaters Joseph Haydn, der die Gattung überhaupt erst buchstäblich salonfähig gemacht hatte“, schreibt der Musikverein in seiner Ankündigung. „Selbst ein Ludwig van Beethoven ging diese zunächst zögerlich, dann aber entschieden und mit größtem Ehrgeiz an. Seine Reverenz an seinen Lehrer erwies er in der Übernahme der Gepflogenheit, unter einer Opusnummer gleich ein Sechserpaket an Kompositionen vorzulegen. Auch beruft sich die Tonsprache noch auf Haydn oder Wolfgang A. Mozart, imitiert sie aber nicht einfach und zeigt sofort einen ganz unverkennbar eigenen Stil, der sich eher zum neuen Jahrhundert hinneigt.“

Namenspatron des 1988 gegründeten Minguet Quartetts ist Pablo Minguet, ein spanischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, der in seinen Schriften darum bemüht war, dem breiten Volk Zugang zu den Schönen Künsten zu verschaffen. 2010 wurde das Minguet Quartett mit dem „Echo Klassik“ und 2015 mit dem französischen „Diapason d’Or de l’Année“ ausgezeichnet.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, oder an der Abendkasse.

*Das Minguet Quartett musiziert am 8. April in der Jakobikirche. Foto: Rossbach

Glückliche Fahrt für die „Sea Symphony“

Ausgerechnet bei der Aufführung der anspruchsvollen „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams musste der Städtische Musikverein Lippstadt einige Hürden überwinden. Erst gab es eine coronabedingte Verschiebung, dann mussten sowohl die Solisten als auch der Dirigent ausgetauscht werden – und das zum Teil der kurzfristig. Doch unter der Leitung von Lothar R. Mayer wurde der Abend zu einem großen Erfolg.

29.03.2022; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Es gehört schon einiger Mut dazu, einen umfänglichen Oratorienabend einem Publikum anzubieten, das noch nicht frei ist von möglichen Krankheitssymptomen. Da muss man sich an diesem Abend schon auf glänzend vorbereitete Chöre verlassen können, und die verdienten sich im zweiten Programmteil jedes Lob mit einem ebenso fordernden wie doch etwas langatmigen Text von Walt Whitman.

Einige Aufregung war dem Konzertabend voraufgegangen. So musste der musikalische Leiter des Städtischen Musikvereins Lippstadt, Burkhard A. Schmitt, die lang vorbereitete Aufführung krankheitshalber in die Hände von Lothar R. Mayer übertragen. Das konnte nur gelingen, weil der dann zuständige Dirigent des Abends bei den Vorbereitungen seit langem gemeinsam mit Burkhard Schmitt verantwortlich tätig war.

Und so konnte das Programm am Beginn mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Meeresstille und glückliche Fahrt“ – nach Texten von Goethe – mit einer der regungslosen Stille des Wassers folgenden „Glücklichen Fahrt“ schließen. Davor allerdings hatte eine Trompetenfanfare die Ankunft des Schiffes im Hafen angekündigt.

Diese Konzertouvertüre Mendelssohns war zur Entstehungszeit so beliebt, dass allein 39 Aufführungen im Leipziger Gewandhaus stattfanden, bevor die Hebriden-Ouvertüre später an Zuneigung gewann. Die „Meeresstille und glückliche Fahrt“ dirigierte Lothar R. Mayer mit großer Souveränität. Das Orchester der Philharmonie Südwestfalen folgte aber zunächst noch nicht seinen angebotenen Differenzierungsvorstellungen, mit denen er die Chöre später im Konzert immer wieder mit großer Überlegenheit bedachte.

Markus Krause (Bariton) musste als weiterer Künstler ersetzt werden. Ihn vertrat der aus Kanada stammende Bariton Michael Adair bei der Auswahl von drei Liedern aus den „Songs of Travel“ von Ralph Vaughan Williams auf einem insgesamt volksliedhaften Ton. Die gerieten ihm aber so verhalten, dass sie am Ende kaum ausdruckshafte Gestalt gewannen.

Auch Manuela Uhl musste im Programm vertreten werden. Dies geschah durch die glänzende Sopranistin Alyona Rostovskaya. Sie war ein wirklicher Gewinn mit ihren mühelosen Höhen, ihrer Strahlkraft, die selbst chorische Elemente des brillant gesungenen, kompositorisch unglaublich dichten vierten Satzes der 1. Sinfonie „A Sea Symphonie“ von Ralph Vaughan Williams übertraf. So konnte man den leichten Schwulst der Texte von Walt Whitman (einem beliebten Dichter des Komponisten) als zeitbedingt akzeptieren.

Und da war der Dirigent Lothar R. Mayer, der die Chorsänger zu einer überragenden Leistung animierte und den differenzierten Klang selbst gegenüber einem Orchester zu regulieren wusste, das im Verlauf des Abends zu prachtvoller klanglicher Anpassung fand.

++++ Vier Chöre ++++

Die „Sea Symphony“ braucht ordentlich Stimmpower. Der Konzertchor Lippstadt wurde deshalb von Sängerinnen und Sängern aus drei befreundeten Chören unterstützt. Neben dem Konzertchor Wirges, der ebenfalls von Burkhard A. Schmitt geleitet wird, waren auch die von Lothar R. Mayer geleiteten Chöre aus Hamm und Siegen dabei, so dass insgesamt rund 100 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne standen.

*Der aus Kanada stammende Bariton Michael Adair vertrat den erkrankten Markus Krause, blieb stimmlich aber eher blass. Fotos: Tuschen

*Ein wirklicher Gewinn: die Sopranistin Alyona Rostovskaya.

*Der kurzfristig eingesprungene Lothar R. Mayer dirigierte mit großer Souveränität.

*Hervorragend vorbereitet: Der Konzertchor Lippstadt mit befreundeten Sängerinnen und Sängern aus Hamm, Siegen und Wirges.

„Sehnsucht nach Frieden ist die Verbindung“

Kurz vor der Aufführung der „Sea Symphony“ gab es noch einmal etwas Gegenwind. Erst musste das groß angelegte Chor- und Orchesterprojekt des Städtischen Musikvereins Lippstadt coronabedingt verschoben worden. Jetzt gibt es krankheitsbedingt kurzfristige Umbesetzungen. Doch das Konzert findet trotzdem wie geplant am Samstag, 26. März, im Stadttheater statt. Gewidmet wird es den Menschen in der Ukraine.

24.03.2022; Der Patriot

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Ausgerechnet Burkhard A. Schmitt kann nicht dabei sein, wenn die große Chorsinfonie von Ralph Vaughan Williams am Samstag endlich auf die Bühne kommt. Dabei sei das monumentale Werk „eine ausgesprochene Herzensangelegenheit“ des Städtischen Musikdirektors, betont der Musikvereinsvorsitzende Dr. Peter Knop.

Doch die Aufführung ist durch den krankheitsbedingten Ausfall des Dirigenten nicht in Gefahr. Für ihn springt kurzfristig Lothar R. Mayer aus Hamm ein. Der ist Leiter der befreundeten Chöre aus Hamm und Siegen, die den Konzertchor Lippstadt bei der Aufführung verstärken.

Hinzu kommt der ebenfalls von Burkhard Schmitt geleitete Chor aus Wirges, so dass laut Peter Knop insgesamt etwa 100 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne stehen. Nicht dabei ist indes der ursprünglich mit eingeplante Chor aus Gloucester. Das sei in der Pandemie organisatorisch zu schwierig gewesen, sagt Peter Knopp. „Das war zu aufwendig.“

Ganz verabschieden muss sich Burkhard Schmitt von der „Sea Symphony“ trotzdem noch nicht. Sollte er bis dahin wieder fit sein, sei es möglich, dass er die Leitung der am 3. April im Kurhaus Bad Hamm stattfindenden zweiten Aufführung übernehme, erklärt der Musikvereinsvorsitzende.

Umbesetzungen hat es auch bei den Vokalsolisten gegeben. Dass die ursprünglich angekündigte Sopranistin Manuela Uhl nicht dabei sein kann, stand schon länger fest. Der Sängerin sei es durch coronabedingte Terminverschiebungen nicht mehr möglich gewesen, nach Lippstadt zu kommen, erklärt Knop. „Sie hat uns aber die wohl sehr gute russische Sopranistin Alyona Rostovskaya empfohlen. Eine junge, aufstrebende, sehr temperamentvolle Künstlerin.“

Sehr kurzfristig fällt dagegen Markus Krause aus. Für den erkrankten Sänger konnte jedoch ebenfalls Ersatz gefunden werden. Der in Köln lebende Kanadier Michael Adair übernimmt den Bariton-Part in der „Sea Symphony“ und singt auch die ebenfalls auf dem Programm stehenden drei „Songs of Travel“ von Vaughan Williams.

Dass die Aufführung nicht nur mitten in einer Pandemie, sondern auch in Kriegszeiten stattfinden würde, konnte bei der Planung noch keiner ahnen. Der Musikverein hat sich deshalb entschlossen, das Konzert den Menschen in der Ukraine zu widmen. Thematisch geht es in den Werken des Abends zwar um etwas ganz anderes, doch für Burkhard Schmitt und Peter Knop gibt es durchaus inhaltliche Bezüge.

„Die drei Werke, die wir aufführen, haben alle etwas gemeinsam, es geht um den Menschen und das menschliche Leben“, erläutert Peter Knop. So sprechen die drei „Songs of Travel“ laut Knop „über die Einsamkeit, über die Wanderschaft des Menschen und seine Sehnsüchte, über Liebe und den Abschied.“

Das zweite Werk, Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert-Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“, basiert auf zwei Goethe-Gedichten. Dort wird eine bedrohliche Situation während einer Flaute beschrieben. „Das Schiff kann sich nicht mehr bewegen, es herrschen Hilflosigkeit, Furcht und Todesangst. Im Grunde steht das symbolhaft für den Tod. Und dann kommt die Rettung durch den aufkommenden Wind, als Symbol für das Leben. Das zeigt die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und ihren Launen.“

Auch im Hauptwerk, „A Sea Symphony“, gehe es um die Natur. „Da geht es um das Meer und die Seefahrt. Das Meer wird dabei personalisiert. Es wird praktisch bildhaft übertragen auf das menschliche Leben – von Adam und Eva bis zu seinem Ende.“ Das Werk sei dabei stark religiös geprägt. „Am Ende kommt in einem Gebet der Seeleute zum Ausdruck, wonach sich die menschliche Seele sehnt, nämlich nach Sicherheit, nach Frieden, nach Geborgenheit und Gemeinsamkeit bei Gott.“

Gerade dieses Ende gehe ihm sehr nahe, betont Knop, der selbst als Sänger an der Aufführung mitwirkt. „Dieses innige Gebet ist für mich eine Brücke zu dem, was gerade in der Ukraine geschieht. Da kann man auch nur beten, dass dieses Schreckliche, was da passiert, zu Ende geht. Diese Sehnsucht des Menschen nach Frieden und Geborgenheit ist die Verbindung.“

Er denke bei der „Sea Symphony“ aber auch an die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa zu kommen versuchen. „Das haben wir ja auch erlebt, dass Menschen, die Freiheit und ein neues Leben haben wollen, den Gewalten des Meeres ausgesetzt sind und dort auch sterben. Insofern geht mir dieses Werk ziemlich nahe. Es fällt mir am Ende sogar schwer, das zu singen. Ich kann mich da von der augenblicklichen Situation nicht lösen.“

++++ Wo und wann ++++

Das Konzert beginnt am Samstag, 26. März, um 18 Uhr im Lippstädter Stadttheater. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, sowie an der Abendkasse.

*Rund 100 Sängerinnen und Sänger wirken an der Aufführung der „Sea Symphony“ im Lippstädter Stadttheater mit. Das Bild zeigt eine Probe in der der Konrad-Adenauer-Realschule in Hamm unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt.

„Sea Symphony“ legt endlich ab

16.03.2022; Der Patriot

Die gewaltige „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams steht am Samstag, 26. März, im Mittelpunkt des großen Chor- und Orchesterkonzerts im Lippstädter Stadttheater. Der Konzertchor des Städtischen Musikvereins wird dabei unterstützt von Mitgliedern der befreundeten Chöre aus Hamm, Wirges und Siegen.

Lippstadt – Ursprünglich sollte es schon im November 2020 so weit sein. Doch schon vor dem zweiten Lockdown war klar, dass das nicht klappen würde. Denn die ebenso anspruchsvolle wie umfangreiche Chorsinfonie „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams, 1910 uraufgeführt in Leeds, braucht das ganz große Besteck.

Neben den jetzt an der Aufführung beteiligten vier Chören sollten ursprünglich sogar noch Sängerinnen und Sänger aus dem englischen Gloucester mitwirken. Dass ein Konzert in dieser Größenordnung in jener Phase der Pandemie völlig utopisch war, ist offenkundig.

Corona ist noch lange nicht vorbei. Doch kulturell geht inzwischen wieder einiges. Und so steht auch der Aufführung der „Sea Symphony“ nichts mehr im Wege. Komplettiert wird das Programm durch Felix Mendelssohn Bartholdys „Meeresstille und glückliche Fahrt“ und Vaughan Williams“ „Songs of Travel“. Als Vokalsolisten sind Alyona Rostovskaya (Sopran) und Markus Krause (Bariton) zu hören, den Orchesterpart übernimmt die Philharmonie Südwestfalen. Die musikalische Leitung liegt bei Burkhard A. Schmitt.

Das Konzertprogramm beginnt schon sehr maritim mit der Konzert- Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ (op. 27) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Inspiriert von Johann Wolfgang von Goethes gleichnamigen Gedichten schuf Mendelssohn die romantisierte Vertonung einer Seereise.

Die schlägt eine Brücke zu den nachfolgenden Werken. Vor dem Hauptwerk des Abends erklingen von Ralph Vaughan Williams‘ „Songs of Travel“ die Lieder „The Vagabond“, „The Roadside Fire“ und „Bright is the Ring of Words“. Sie sind laut Vorankündigung die einzigen vom Komponisten persönlich für großes Orchester instrumentierten Lieder aus seinem berühmten Zyklus für Bariton und Klavier.

„Der Wanderer war schon in der Romantik zum Topos, zum feststehenden Sprachbild geworden“, heißt es im Pressetext. „Fast immer hat diese Figur den Hintergrund, sozial nicht mehr geborgen, eher ein Außenseiter zu sein. Verloren irrt er umher.“ Auch der Vagabund in den „Songs of Travel“ breche alle Verbindungen hinter sich ab. „Doch wohin ist er unterwegs? Kommt er jemals an?“

Vertonte Texte von Robert Louis Stevenson

Die textliche Grundlage bilden eine Sammlung von 44 Gedichten, die „Schatzinsel“-Autor Robert Louis Stevenson 1984 bei seinem Tod auf der Insel Samoa im Südpazifik hinterließ. Neun dieser Reiselieder vertonte Vaughan Williams zwischen 1901 und 1904. Während Stevenson die Größe der Sprache feiere, beschreibe der Komponist die Schönheit der heimischen Natur und des traditionellen Volkslieds, heißt es im Pressetext weiter.

In der Tradition großer Chorsinfonien von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn, und Gustav Mahler stehend, habe Ralph Vaughan Williams mit seiner ersten Sinfonie „A Sea Symphony“ dann Neuland betreten. „In keinem vorangegangenen Werk waren Chor und Solisten in allen Sätzen gleichermaßen durchgehend gefordert. Wiederum waren es Texte, die ihn zur Komposition anregten. Diesmal aus der Feder des Schriftstellers Walt Whitman, der die Seereise als Metapher für die immerwährende Suche nach dem tieferen Sinn des Seins benutzte. Bis es im vierten Satz zu dieser transzendenten Reise der menschlichen Seele in göttliche Sphären kommt, stehen in den drei vorangegangenen Sätzen das Meer und der mit ihm eng verbundene Mensch, Stimmungsbilder auf hoher See und Naturbeschreibungen im Mittelpunkt.“

Die Interpretation „dieses Meisterwerks des 20. Jahrhunderts“ stelle „in jeder Hinsicht für die beiden Gesangssolisten, den Chor sowie das reich und farbenprächtig orchestrierte Orchester eine lohnende Herausforderung dar“. Die junge russische Sopranistin Alyona Rostovskaya ist kurzfristig für die ursprünglich angekündigte Manuela Uhl eingesprungen. Sie studierte den Angaben zufolge an der Russian Musical Academy Gnessin und absolvierte zudem eine Ausbildung in Schauspiel und Tanz. In der Spielzeit 2020/2021 war sie Ensemblemitglied am Volkstheater Rostock.

Der Bass-Bariton Markus Krause war schon mehrfach in Lippstadt zu hören. Seine solistische Konzerttätigkeit als Lied- und Oratoriensänger führte ihn laut Vorankündigung in Konzertstätten wie die Musikhalle Hamburg, den Münchener Herkulessaal, die Thomaskirche Leipzig und das Berliner Konzerthaus.

Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Karten gibt es in der Kulturinformation im Rathaus.

*Der Konzertchor Lippstadt wird von Chören aus Hamm, Wirges und Siegen unterstützt.

Wer jazzt denn da im Walde? „Der Freischütz“ mal ganz anders

Sie gilt als die romantische deutsche Oper schlechthin, „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Wie mutet es da an, dieses Werk in der Version eines Swing-Trios zu hören? Eine Oper im Jazzformat: Die erlebte am Sonntag das Publikum des Musikvereinskonzerts in der Lippstädter Jakobikirche. Es wurde ein außergewöhnlicher Abend mit einem exzellenten Ensemble.

15.03.2022; Der Patriot

Von Marion Heier

Lippstadt – Das Rüschenbaum-Trio ist mit Namensgeber und Schlagzeuger Harald Rüschenbaum, Professor Daniel Mark Eberhard am Klavier und Uli Fiedler am Kontrabass hochkarätig besetzt. Als Erzähler haben sie den Historiker und Germanisten Wolfgang Griep dabei, der mit seiner gewitzten Art die Handlung der tragischen Oper (Libretto: Friedrich Kind) in die Gegenwart transportiert.

Das Programm, eines von mehreren Experimenten, in denen das Ensemble Klassisches und Traditionelles wie Volkslieder mit Modernem verbindet, wird zu einem außerordentlichen Erlebnis. Hier spürt man sogleich, dass sich Musiker zusammengefunden haben, die sich ganz kreativ damit beschäftigen, Tradiertes im Hier und Jetzt einzuordnen und es mit einem neuen Geist zu versehen.

Während Griep sich gewissenhaft am Libretto entlanghangelt und mit aktuellen Bezügen inhaltlich voranführt, wird die Leidenschaft der Musiker für den Jazz deutlich spürbar. Fragmentarisch an der Partitur festhaltend, an der sich Melodien der bekannten Lieder und Arien ausmachen lassen, gleiten die drei sogleich in die Ebene der Blue Notes. Wie intensiv und doch gleichzeitig von einer selbstverständlichen Leichtigkeit getragen, geben sie quasi einer neuen Gattung Raum.

Nicht, dass die Vermischung von Klassik und Jazz neu wäre, aber mit dem Rüschenbaum-Trio erlebt die Melange eine ganz besondere Form der Darbietung. Die harmonische Ausgestaltung wechselt ständig zwischen Klassik und Jazz, die Stile sind nicht voneinander zu trennen, sie verschwimmen zu einem neuen Klangbild.

Da werden Melodiefetzen hörbar, doch verschmelzen sie sogleich mit reichhaltigen und wohltuenden Jazzharmonien. „Durch die Wälder, durch die Auen“ ist so ein Gassenhauer aus dem „Freischütz“, den fast jeder kennt. Aber auch Agathas Arie „Wie naht mir der Schlummer“, der Chor der Brautjungfern oder der Jägerchor werden zu feinfühligen Jazzballaden und schwungvollen Bebop-Nummern von großartiger Weite.

Da lässt Daniel Mark Eberhard das Barpiano erklingen, gleitet er – die Töne präzise auswählend – über die Klaviatur hinweg, vertieft sich Uli Fiedler in einen treibenden Bass. Und Harald Rüschenbaum? Der ist ein Kaliber für sich. Stick, Besen oder Schlägel – er weiß die Stimmung des Schlagwerks haarfein auszuloten und verleiht den Arrangements so eine perfekte Würze. Der Herr, der da so verschmitzt hinter Snare und Becken sitzt, ist so fröhlich bei der Sache, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen.

Wie Eberhard in der Pause erzählt, „sitzt er zwar hinter mir, aber ich spüre ihn“. Umso anerkennenswerter ist das großartige Zusammenspiel der drei, die selbst die hervorragende Akustik in der Kirche loben. Das Publikum ist gefesselt und bedankt sich in Worten und Taten: mit stehenden Ovationen.

Wenn Klassik auf 90er-Pop trifft

Neue Philharmonie Westfalen begeistert mit Crossover-Konzert

03.03.2022; Der Patriot

Von Marion Heier

Lippstadt – Dass Klassik und Rock oder Pop miteinander fusionieren, ist seit den späten Sechzigern eine durchaus populäre, mitunter auch pikante Mischung. Am Dienstag ließ die Neue Philharmonie Westfalen beim Crossover-Konzert des Städtischen Musikvereins mit den Solisten Viviane Essig und Henrik Wager die 90er auferstehen – in einer bunten Mischung aus Evergreens, die generationenübergreifend für jeden einen Ohrwurm parat hatte.

Die Beat-Box der 90er ist musikalisch gesehen vielleicht nicht gerade eine herausragende, dennoch fand in jener Zeit mit neuen Technologien und Kommunikationsmöglichkeiten ein neuer Austausch statt, der auch die Musikszene belebte. Wer erinnert sich nicht an Grunge, den Britpop von Oasis und Blur, an Take That oder die Spice Girls? Das Konzert des Musikvereins, der sich damit auf neues Terrain begab, war ein herrlicher Ritt durch diese Zeit. Und das muss man sagen: Orchester, Band und Solisten lieferten eine starke Performance. Alle Elemente klanglich unter einen Hut zu bringen, gelang dem musikalischen Direktor Rasmus Baumann ganz hervorragend.

Der Sound der Neunzigerjahre, passend arrangiert für eine Besetzung wie diese, wurde zu einem authentischen Live-Erlebnis, zu dem sich einige sicher auch gerne bewegt hätten. Moderator Carsten Kirchmeier machte die nötigen Bemerkungen dazu. Neben Erläuterungen zu den Musik-Moden, gab er auch einiges über sich preis. Dass er als Reiseleiter einer Busgruppe nüchtern zu „Macarena“ tanzen musste, das sei für ihn ein einschneidendes, hoffentlich nie wiederkehrendes Erlebnis gewesen. Nachvollziehbar.

Bei dieser Zeitreise kamen besonders bei der Generation X, die als Twens die Neunziger erlebten, so einige Erinnerungen an Erlebnisse und Emotionen wieder hoch. Liebeskummer zu Gary Moores „Still Got The Blues“, Partylaune zu Jamoriquais „Cosmic Girl“ und Lenny Kravitz’ „It Ain’t Over Till Its Over“ oder Abhängen im Partykeller zu Stings „Fields Of Gold“: Das alles durfte noch einmal mental durchlaufen werden. „Wannabee“ von den Spice Girls und „I Want You Back“ von Take That bedienten den Pop-Mainstream, Metallicas „Nothing Else Matters“ oder Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ übten sich im gemäßigten Rock-Sound.

Hervorheben muss man einfach die starken und so wandelbaren Stimmen von Viviane Essig und Henrik Wager, die von Schmuse-Pop bis Rock-Röhre, von Soul bis Musical wirklich alles bewältigten – immer im erforderlichen Timbre und dennoch mit eigener, charakteristischer Note. Und was sonst nur mit Band oder aus der Konserve zu hören ist, geriet in der Doppelbesetzung mit Orchester und Band mit Piano, Leadgitarre, Bass und Drums zu einem akustischen 3D-Hörerlebnis. Da formierte sich ein unglaublich plastisches Klangbild.

Gemeinsam mit dem sowieso schon voluminösen Orchesterklang passierte da unheimlich viel auf der Bühne. Die wendigen Streicher und die stimmungsvollen Bläser mit ihren Hörnern, Fagotten und Oboen ergänzten sich mit den anderen Akteuren zu einem geballten Klangerlebnis, das manchmal zwar ordentlich Dezibel erreichte, aber nie übersteuert wurde.

Das Lippstädter Stadttheater ist zwar kein Stadion, aber was es bedeuten kann, dem Rausch der Musik erliegen, das konnte man am Dienstag erahnen.

*Voller Einsatz: Vokalsolist Henrik Wager im Lippstädter Stadttheater. Foto: Heier

Verjazzter „Freischütz“ in der Jakobikirche

03.03.2022; Der Patriot

Lippstadt – Viele Veranstaltungen sind in der Pandemie ausgefallen, doch jetzt kommen auch kurzfristig welche hinzu. „Swing frei, Schütz“ heißt der Abend, den der Städtische Musikverein Lippstadt neu in sein Programm aufgenommen hat. Es handelt sich dabei um eine verjazzte Version des „Freischütz“, die am Sonntag, 13. März, in der Jakobikirche aufgeführt wird. Zu Gast sind das Rüschenbaum-Trio und der Moderator Wolfgang Griep.

Es sei ein Novum für den Städtischen Musikverein, heißt es in der Vorankündigung: die Präsentation einer klassischen Oper mit einem Swing-Trio und einem „literarischen Moderator“, der durch das Libretto führt. Der 1821 im Berliner Schauspielhaus uraufgeführte „Freischütz“ von Carl Maria von Weber gelte als die romantische deutsche Oper schlechthin. „Bündnisse mit den Mächten der Finsternis gelten in Deutschland schon immer als publikumsträchtiges Sujet – siehe Goethes ‚Faust‘.“

Für die verjazzte Version des „Freischütz“ und ähnliche musikalisch-literarische Experimente hat sich das Rüschenbaum-Trio mit dem Historiker und Germanisten Wolfgang Griep zusammengetan. Bandleader und Schlagzeuger Harald Rüschenbaum leitet unter anderem das Landes-Jugendjazzorchester Bayern. Bassist Uli Fiedler ist laut Vorankündigung mit Jazzmusikern wie Lee Harper und Bruce Foreman aufgetreten. Pianist Daniel Mark Eberhard ist Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Der Vierte im Bunde ist der Historiker und Germanist Wolfgang Griep, der in seiner Moderation augenzwinkernd durch die Handlung des „Freischütz“ führt. Die Swingversion des Opernklassikers wurde von Daniel Marc Eberhard arrangiert, der sich dabei den Angaben zufolge einerseits nahe am Original orientierte, andererseits aber in bester Swingmanier der Improvisationslust breiten Lauf lasse. „Da kriegt der Jägerchor den Blues, ein veritabler Boogie hallt durch die Wolfsschlucht, das Winden des Jungfernkranzes wird fingerschnippsend inszeniert und ‚Durch die Wälder, durch die Auen‘ wandelt sich zum treibenden Latin.“

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11.

Verblüffender Klangreichtum

Die Sinfonietta Cracovia bescherte den Zuhörern im Lippstädter Stadttheater einen großen Abend. Besonders begeisterte dabei der spanische Oboist Ramón Ortega Quero. Neben Werken von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy prägten polnische Komponisten das Programm.

16.02.2021; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Es war ein Geschenk zum Valentinstag, das eine große Zahl von Zuhörern aus den Händen der wunderbaren Musiker der Sinfonietta Cracovia entgegennahm. Ein breites Feld von Vertretern verschiedenster musikalischer Epochen wurde vorgestellt, dazu als Einleitung eine Art von Polonaise von Grzegorz Gerwazy Gotczycki, die erst 1962 wiederentdeckt wurde, die aber nur in einer Violinstimme erhalten war.

Dieser für uns weithin unbekannte Komponist galt zu seiner Zeit als „polnischer Händel“, der nach seinem Theologiestudium in Wien und seiner Priesterweihe nach Krakau zurückkehrte und dort als Organist weitgehend geistliche Musik von großer Wirkung schrieb.

Zu den bekanntesten polnischen Komponisten, und das nicht nur nach der in Münster uraufgeführten bedeutenden „Lukas–Passion“, gehört Krzysztof Penderecki. Aus seinen sehr häufig in Verbindung mit der Sinfonietta Cracovia entstandenen Werken spielten diese unter der Leitung von Jurek Dybal „Drei Stücke im alten Stil für Streicher“ von 1963. Liebenswürdige Stücke aus einer rückwärtsgewandten Phase seines Komponierens, noch nicht mit der Kühnheit seiner Werke der Postmoderne. Aber trotz seiner Berühmtheit nach der Uraufführung 1960 bei den Donaueschinger Musiktagen war sein Werk immer wieder von der Nähe zum Katholizismus geprägt, bis hin zu seiner „Polnischen Messe“ aus seiner Schaffensperiode von 1980 bis 1984.

Zu Zeiten auch Johann Sebastian Bachs war der Umgang mit instrumentaler Verschiedenartigkeit durchaus geläufig. So konnte der Hinweis auf etwaige Möglichkeit einer Besetzung verschiedenster Instrumente überzeugen. Und damit war die Bühne bereitet für den wunderbaren Oboisten Ramón Ortega Quero im Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo, BWV 1055, von Johann Sebastian Bach. Der Klangreichtum dieses Oboisten, seine Variabilität, seine Nuancierungskunst waren verblüffend.

Hinreißende Farbigkeit und Intensität

Damit gewannen auch die „Sieben Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt mit hinreißender Farbigkeit und Intensität, ihre jeweils eigene Intimität. Der Beifall danach war enthusiastisch und forderte eine Zugabe.

Welche Qualität den Konzertabend mit der Sinfonietta Cracovia noch auszeichnete, war die Tatsache, dass die Konzertmeisterin als Mitglied des Ensembles wie selbstverständlich die Solopartie „Roxanas Lied“ aus der Oper „King Roger“ von Karol Szymanowski mit feinstem Nuancenreichtum spielte.

Voller Klanggefühl war das Schlussstück des Abends von dem volksmusiknahen, uns bisher unbekannten Komponisten Mieczyslaw Karlowicz. Und dem allem verlieh der Dirigent Jurek Dybal hohe Suggestion. So wurde es ein großer, erfüllender Abend in Coronazeiten.

++++ Wer ist Ramon Ortega Quero? ++++

Der 1988 im andalusischen Granada geborene Ramón Ortega Quero ist seit 2008 Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, wo er mit Dirigenten wie Riccardo Muti, John Eliot Gardiner und Daniel Barenboim zusammengearbeitet hat. Große Aufmerksamkeit erregte er, als er 2007 beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD mit dem seit 1961 nicht mehr vergebenen 1. Preis im Fach Oboe ausgezeichnet wurde. Seine Debüt-CD „Shadows“ wurde 2011 mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt er den Preis erneut, diesmal mit seinen Kollegen Sebastian Manz, Marc Trenel, David Alonso und Herbert Schuch für die beste Kammermusikeinspielung des Jahres.

*Der Oboist Ramón Ortega Quero begeisterte im Konzert der Sinfonietta Cracovia mit Werken von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy. Foto: Li

Weltklasse: Atos Trio und das Drama des Lebens

Mal Carnegie Hall, mal Jakobikirche, in jedem Fall Weltklasse: Das Atos Trio begeistert mit böhmischer Romantik

atos atostrio atos-trio musikverein jakobikirche foto: marion heier
atos atostrio atos-trio musikverein jakobikirche foto: marion heier

*Voller Hingabe und Leidenschaft zelebrierte das Atos-Trio am Samstag in der Lippstädter Jakobikirche ein Konzert auf Weltklasse-Niveau. Links Annette von Hehn (Violine), rechts Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier). Fotos: Heier

31.01.2022; Der Patriot

Von Marion Heier

Lippstadt – Es kann auch schon mal die Carnegie Hall sein. Am Samstagabend war es die Jakobikirche, in der das Atos Trio beim Konzert des Musikvereins Lippstadt sein Publikum restlos begeisterte.

So eine musikalische Intensität, gepaart mit einer so großartigen Emotionalität spürt man nur, wenn sich die Akteure – hier: Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier) – vollkommen in ihrer Musik verlieren. Beim Atos-Trio spricht Leben aus jeder Note, spürt man seine kraftvolle Spontaneität gleich beim ersten Strich im Allegro zu Josef Suks Klaviertrio c-Moll op.2.

Thema des Abends ist die „Böhmische Romantik“. Wer da nur an Volkstänze und Smetanas „Moldau“ denkt, hat weit gefehlt. Die böhmische Kultur wie auch die Geschichte unterlag stets starken Wechselwirkungen und Einflüssen. Wie packend dieses Lebensgefühl die Komponisten der Romantik vertonten, wird am Samstag erlebbar. Das Konzert wird zu einem einzigartigen orchestralen Erlebnis, das dieses Trio mit einer ungeahnten Wucht zelebriert.

Dabei gelingt dem Trio die Einbindung der dritten Dimension auf unvergleichliche Weise. Auf die gleiche Stufe des Hörens und Sehens setzen sie die sinnliche Komponente des Fühlens. Das macht ihre Musik so zeitlos, macht sie zur Bereicherung.

Wie sehr das Publikum neben Suk auch die Klaviertrios von Bedrich Smetana in g-Moll und Antonin Dvorak in f-Moll aufsaugt spürt man daran, dass es nach den furiosen Finalen zu den Sätzen mit gewaltigem Abstrich mucksmäuschenstill ist. Wo sonst ein Bravo-rufendes Publikum aufspringen würde, herrscht absolute Stille. Fast schon schmerzhaft ist das, aber zu intensiv wirkt das Gehörte nach.

Dass ihr Spiel auch eine körperliche Herausforderung ist, sieht man den drei Musikern durchaus an. Doch es scheint eine Selbstverständlichkeit, genauso wie seine absolute Hingabe. Heinemeyer ist diese Emotionalität in einem gestisch artikulierten Temperament besonders anzusehen. Da schluchzt er, lächelt er, löst sich so manches Rosshaar vom Bogen. Gleichwohl das Notenwerk im Kopf, geben sie der eigenen Interpretation Raum, sich zu entwickeln. Da ist alles drin, das Drama des Lebens. Viel Moll, aber auch Dur, Liebe, Leidenschaft, Trauer, Anfang und Ende. Da wird klangvoll orchestriert, wird ein stürmisches Allegro von Smetana abgelöst von einem beseelten Moment der Zärtlichkeit und überschüssiger Freude.

Auffällig ist die saubere, präzise Spielfertigkeit der Streicher, die so exzellent miteinander kommunizieren, sich mit einem Lächeln zunicken und mit ihrem virtuosen Pianisten eine großartige Symbiose eingehen. Hoppe bietet dem starken Vibrato der Violine und dem energischen Cello mit den vielschichtigen Harmonien der Romantik und ihrer Mehrstimmigkeit in einem sehr beweglichen Spiel Paroli. So erwächst eine nuancierte, spannungsreiche Dynamik, in der Crescendi und Chromatik punktgenau gesetzt sind.

Bei Dvorak ist dann doch ein volkstümliches Element zu spüren, wird die liebliche Melodie, die sich in allen drei Stimmen fortsetzt, in eine tänzerische Rhythmik eingebunden.

Die Zugabe mit Fritz Kreislers „Wiener Marsch“ lässt alle wieder runterfahren und entlässt in der Absicht, die Freude am Leben nicht zu vergessen. Wow, das war Weltklasse und darf lange nachwirken. Bravo!

Atos-Trio bringt „Böhmische Romantik“ in die Jakobikirche

22.01.2022; Der Patriot

Unter dem Titel „Böhmische Romantik“ tritt das Atos-Trio am Samstag, 29. Januar, um 18 Uhr in der Jakobikirche auf. Karten gibt es allerdings nicht mehr. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Das Trio besteht aus Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier). Vier Jahre nach Gründung wurde das Ensemble im Oktober 2007 mit dem „Kalichstein-Laredo-Robinson International Trio Award“ geehrt, dem renommiertesten amerikanischen Preis in der Gattung Klaviertrio. Damit verbunden waren Konzerte in den gesamten USA. „Eine berechtigte Einstufung, denn die technische Perfektion und Leidenschaftlichkeit, mit der das Ensemble jedes Werk angeht, ist uneingeschränkt Weltklasse“, finden die Veranstalter. Mittlerweile werde es nach der Auflösung des Beaux Arts Trios als dessen würdiger Nachfolger gehandelt.

Parfenov Duo überzeugt mit teuflisch gutem Spiel

Komponist André Parfenov und die Violinistin Iuliana Münch führen die alten Meister in der Jakobikirche zusammen

*Am Samstag schuf das Parfenov Duo mit Piano und Violine Begegnungen in der Musik. Foto: Heier

18.01.2022; Der Patriot

Von Marion Heier

Lippstadt – Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Zumindest trifft diese Redewendung für das Konzert mit dem Parfenov Duo zu, das am Samstagabend in der Jakobikirche unter dem Titel „Eine Wechselbeziehung zwischen zwei genialen Meistern“ gastierte. Der Komponist und Pianist André Parfenov und die Violinistin Iuliana Münch lieferten sich darin einen meisterlichen Schlagabtausch ihrer Kunst.

Grundlage sind die Kompositionen Parfenovs, der in seinen Arrangements über die Epochen hinweg die alten Meister zusammenführt. Corelli mit Rachmaninow, Tschaikowski mit Paganini und als Herzstück Camille Saint-Säens mit Franz Liszt. Es ist eine große Freude, den beiden zuzuschauen und zuzuhören, wie sie die doch so unterschiedlichen Klangwerke zu einem neuen, eigenständigen Werk zusammenführen. Dabei liegt es beiden spürbar am Herzen, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen, in der die Pariser Bohéme bei einer Flasche Wein künstlerische Ideen austauschte.

Wie lebendig, sinnlich und erfüllend diese Musik ist, das vermittelt das Duo auf faszinierende Art und Weise. „Lassen Sie uns wieder die Nähe zueinander finden und uns in der Musik begegnen“, sagt Iuliana Münch. Diese Begegnung in der Musik gelingt den beiden vollumfänglich – sowohl programmatisch, als auch als aufführendes Duo. Während sie den kommunikativen Part gibt, musikalische Anliegen und Informationen zu den Stücken und Komponisten erläutert, ist er der eher Introvertierte, der voll und ganz in seiner Musik versinkt.

Beide glänzen mit großartiger Virtuosität, vereinen die tonale Tonkunst eines Corelli mit dem modernen, harmonisch ausgeprägten und emotionalen Rachmaninow. Auch widmen sie sich Tschaikowski, der die beiden zusammengeführt hat oder dem Geiger Paganini, der in einer illustren Bearbeitung am Klavier zu hören ist. In ihr legt Parfenov ein aufbrausendes, gar widerspenstiges Spiel voller voluminöser Kraft an den Tag, tänzelt durch die Chromatik und demonstriert eine Fülle an Harmonien. Da passiert so viel, wird es schon fast ein wenig jazzig.

Kapriziös bewegt sich Münch durch das „Cinderella-Ballett“ von Sergei Prokofiew. Das ist ihr Stück, wird sie zur koketten Teufelsgeigerin. „Da war der Teufel los“, verdeutlicht sie angesichts der Lust Liszts, seine Musik zu offerieren. Wie dieser es bei seinen Aufführungen schaffte, ein Klavier kaputt zu spielen, passiert Parfenov zwar nicht, doch lässt er dies beim Mephisto-Walzer Nr.2 durchblicken. Das zwischen 1878 und 1881 entstandene Werk widmete Liszt seinem jüngeren Kollegen Camille Saint-Saëns, der sich bereits 1872 mit dem „Danse macabre op. 40“ düsteren Klangwelten zugewandt und damit das wohl bekannteste musikalische Totentanzstück kreiert hatte.

Der makabere Tanz kommt auch am Samstag kühn daher. Hier bündelt sich noch einmal das sinnliche Spiel der Violinistin mit dem gewaltigen, dramaturgischen Spiel des Pianisten, der darin immer wieder die besänftigenden, typischen Saint-Säens-Läufe aufblitzen lässt, wie man sie von den „Fischen“ aus dem „Karneval der Tiere“ kennt. Es ist ein erschöpfendes Spiel, das sieht man den beiden nach knapp zwei Stunden an. Umso mehr gebührt ihnen der anerkennende Applaus.

Violine und Klavier im Einklang

Das Parfenov Duo tritt in der Jakobikirche auf

08.01.2022; Der Patriot

Lippstadt – Die Kammerkonzertreihe des Musikvereins wird am Samstag, 15. Januar, vom Parfenov Duo unter dem Motto „Eine Wechselbeziehung zwischen zwei genialen Meistern“ fortgesetzt. Auf dem Programm stehen Camille Saint-Saëns „Dance Macabre“ sowie der Mephisto Walzer Nr. 2 von Franz Liszt – in einer Bearbeitung für Violine und Klavier von André Parfenov. Ziel ist, dem Publikum die Werke auf humorvolle und lebendige Art näher zu bringen, weswegen der Pianist zusammen mit der Geigenvirtuosin Iuliana Münch mit Moderationen durch das Programm führt.

Die eigentlich literarische Inspiration hatte den Pianisten-Komponisten Parfenov zur Neukomposition gereizt. Es sei die bislang größte Herausforderung seines Komponistendaseins gewesen, gibt Parfenov zu, und er hoffe, dass seine Ideen das Publikum erreichen werden.

In der Mephisto-Dichtung von Nikolaus Lenau gibt es die Szene, in der Faust und Mephisto durch das Fenster einer Dorfschenke springen, in der gerade Hochzeit gefeiert wird. Während sich Faust an Gretchen heranmacht, schnappt sich Mephisto die Fidel eines Bauern und spielt einen atemberaubend wilden Tanz auf. Das zwang Liszt zur musikalischen Übersetzung für das Klavier. Fasziniert von der selbstgeschaffenen, zukunftsweisenden Klangwelt löste er die Grundidee von der literarischen Vorlage und spannte die Idee weiter.

Die Veranstaltung des Städtischen Musikvereins Lippstadt beginnt um 18 Uhr in der Jakobikirche. Karten können in der Kulturinformation im Rathaus oder telefonisch unter (0 29 41) 5 85 11 erworben werden.

Photo: Marco Borggreve

*Iuliana Münch und André Parfenov sind das Parfenov Duo.*

Ganz viel Strauss und „tierisch gute“ Klänge bei Silvesterkonzert

*Die Neue Philharmonie Westfalen begeisterte ihr Publikum am Freitag beim Silvesterkonzert in der Stadthalle Lippstadt. Fotos: Wissing

„Echt tierisch“. unter diesem ungewöhnlichen Motto präsentierte die Neue Philharmonie Westfalen am Freitag das traditionelle Silvesterkonzert im Lippstädter Stadttheater. Und so zog sich das tierische Thema auch komplett durch das zweistündige Programm, für das es am Ende vom begeisterten Publikum Standing Ovations gab.

03.01.2022; Der Patriot

VON HELGA WISSING

Lippstadt – Das Konzert beginnt mit einer eindrucksvollen Ouvertüre zur Opéra-Comique „Vert-Vert“, bevor Markus Wallrafen das Publikum mit herzlichen Worten begrüßt. Dabei erzählt er, dass er eigentlich Geiger sei.

Dass er durchaus auch Talent zum Moderator hat, beweist er im Verlauf des Abends, durch den er die Zuschauer souverän, gespickt mit kleinen Anekdoten und Informationen, führt. Gleich am Anfang weist er darauf hin, dass sich der eigentlich für diesen Auftritt vorgesehene musikalische Leiter, Aurélien Bello, kurzfristig in die Quarantäne begeben musste, und nun von dem israelischen Dirigenten Noam Zur vertreten werde.

Allein der Hinweis, dass Noam Zur, der unter anderem Chefdirigent im argentinischen Staatsorchester von Salta und Hauptgastdirigent des Dubrovnik Symphony-Orchestra ist, nur ganz kurze Zeit hatte, mit dem Orchester zu proben, bringt ihm den ersten Applaus vom Publikum ein. Und diese Vorschusslorbeeren erweisen sich im Verlauf der Veranstaltung als absolut angemessen, so harmonisch und sicher führt er seine Musikerinnen und Musiker durch das Programm. Dabei macht es gleichzeitig Freude, der klaren und geschmeidigen Gestik des charismatischen Dirigenten zuzusehen.

Im ersten Teil des Konzerts bestimmen in erster Linie gefiederte Tiere das Programm des Abends . Vom Tanz der Vögel aus der Suite „Schneeflöckchen“ von Nikolai Rimski-Korsakow über Tschaikowskys Schwanentanz aus dem bekannten Ballett „Schwanensee“ bis zum tierischen Dreivierteltakt mit dem Lockvögel-Walzer von Johann Strauss Sohn.

Vom „Walzerkönig“ gibt es in diesem Konzert noch einige weitere Kompositionen zu hören, wie auch den Nachtfalter-Walzer und die Nachtigall-Polka. Ein bisschen Abwechslung in der offensichtlichen „Walzer-Seligkeit“ bieten da das Ballett der unausgeschlüpften Küken aus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky oder „La Paloma“ (Habanera) von Sebastián de Yradier.

Spielfreude und Präzision

Und natürlich darf auch ein weiteres Mitglied der Familie Strauss, nämlich Josef Strauss, nicht fehlen, unter anderem mit dem Walzer „Dorfschwalben aus Österreich“, bei dem die Bläser wunderbar ihr Können präsentieren. Auch einige Solisten sorgen für Begeisterung. So erlebt das Publikum beispielsweise beim Schwan aus „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns ein zauberhaftes Duett der Harfenistin Lucilla Weyer und des Cellisten Felix Drake.

Überhaupt spürt man durchgehend die Präzision, Flexibilität und Spielfreude des gesamten Orchesters. Ein musikalischer Abend, so leicht und spritzig wie ein Glas Sekt, genau passend zu Silvester. Dafür gibt es, wie schon gesagt, den verdienten stehenden Applaus des begeisterten Publikums.

Die Musikerinnen und Musiker bedanken sich ihrerseits mit dem Zugaben-Klassiker, dem wohl bekanntesten Strauss-Walzer „An der schönen blauen Donau“ und dem temperamentvollen „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss (Vater).

*Der israelische Dirigent Noam Zur konnte mit dem Orchester nur wenige Male gemeinsam proben.

Kleine klangliche Abenteuer

Mit stimmungsvollen Stücken stimmte der Kammerchor Con Brio seine Zuhörer auf Weihnachten ein. Im Mittelpunkt des Musikvereinskonzerts standen dabei Werke von Gegenwartskomponisten.

*Stephanie Lönne war die Sopransolistin beim Konzert des Kammerchors Con Brio. Foto: Heier

14.12.2021; Der Patriot

Von Marion Heier

Lippstadt – „Sie haben mir den Abend gerettet!“ Die Zuhörerin ist noch ganz beseelt von dem gut einstündigen Chorkonzert mit dem Kammerchor Con Brio. Ihr kurzer Dank geht an den Städtischen Musikverein und somit an die Akteure des Abends. Damit ist sie nicht die einzige, die am Sonntag mit guten Gedanken zum Advent die Jakobikirche verlässt.

Unter dem Motto „O Magnum Mysterium“ hat der Chor unter der künstlerischen Leitung von Burkhard A. Schmitt ein klangreiches Programm eingesungen, das mit einem guten Dutzend an Stücken gut 100 Jahre an weihnachtlicher, vorrangig zeitgenössischer Chormusik bietet. Zu den ältesten gehört der Choralsatz „Es kommt ein Schiff geladen“ von Max Reger, zu den jüngsten Liedern „O Magnum Mysterium“ von Christ Artley, „O Nata Lux“ von Morten Lauridsen und „You Are The Light“ von Tom Fettke.

Allen gemein ist ein großartiges Klangvolumen, das Schmitt in seinem Dirigat dem Chor angedeihen lässt. In ihm entfalten sich die Töne, nehmen sie sich ihren Raum und erfüllen ihn. Grundlage hierfür sind die spannungsvollen Kompositionen, die sich so wunderbar in ihren Harmonien reiben. Je mehr, desto lebendiger und erfüllender sind sie. Nicht klangliche Homogenität, sondern ein reibungsvolles Miteinander voller kleiner klanglicher Abenteuer offenbart sich da.

Im Leittitel „O Magnum Mysterium“, das wie ein Glockengeläut beginnt, wird die gebündelte Kraft der Harmonien besonders deutlich. Auch in den anderen Stücken geht es einmal quer durch die Chromatik des Quintenzirkels, wird vermindert und erhöht, erklingt der Schluss im prachtvollen mehrstimmigen Schlussakkord, der so manches Mal für einen Schauer sorgt.

Das ist auch bei dem Satz von Simon Wawer zu dem Text von Joseph von Eichendorffs „O du stille Zeit“ so. Der Chor ist leidenschaftlich dabei. Er hat die Werke verinnerlicht und lässt das Publikum spüren, wie sehr das gemeinsame Singen und der Gesamtklang sie tragen.

Die chorischen Herausforderungen meistern die Sängerinnen und Sänger souverän. Die Sopranistin Stephanie Lönne vermag mit ihrem klaren Sopran präzise die Atmosphäre und Intention der Werke zu erfassen. In Regers „Mariä Wiegenlied“ und Gustav Holsts „In the bleak Midwinter“ lässt sie teilhaben an einer sehnsuchtsvollen wie tröstlichen Stimmung.

Die große Klammer bilden die Paradestücke aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Der Nussknacker“ – der Ballett-Klassiker zu Weihnachten schlechthin –, dem wohl auch dieses Jahr in vielen Häusern die große Bühne verwehrt bleiben dürfte. Allen bekannt und im Ohr sind da „Der Tanz der Zuckerfee“ und der „Pfeifertanz“, die Daniel Tappe und Duan Li vierhändig am Klavier liebevoll und schwungvoll interpretieren. John Rutters „Christmas Lullaby“ lädt mit seinem bekannten „Ave Maria“-Refrain geradezu zum Mitsingen ein.

„O Magnum Mysterium“ – mit kleinen Oden des Chorklangs springt die Magie der Weihnacht über, und die Kirche wird für einen Moment zum musikalischen Zufluchtsort.

*Burkhard A. Schmitt

„Dankbar für sein von Visionen geprägtes Wirken“

Joshard Daus leitete von 1980 bis 1997 den Lippstädter Musikverein, jetzt ist er im Alter von 74 Jahren gestorben

11.12.2021; Der Patriot

Lippstadt – Der Städtische Musikverein Lippstadt trauert um seinen frühen künstlerischen Leiter Professor Joshard Daus. Der aus Hamburg stammende Chorleiter und Dirigent starb bereits am 26. November im Alter von 74 Jahren. Zuletzt war er künstlerischer Leiter der von ihm gegründeten Europa Chor Akademie in Görlitz.

Joshard Daus habe in Lippstadt musikalisch viel bewegt, betont der Städtische Musikverein in einer Würdigung. „Er war und bleibt eine wichtige Säule in der Geschichte des Städtischen Musikvereins und hat das Musikleben unserer Stadt mitgeprägt und bereichert.“

Daus hatte in seiner Heimatstadt Hamburg ein Schulmusik- und ein Kapellmeisterstudium absolviert. 1980 wurde er Karlheinz Straetmanns’ Nachfolger als Leiter des Städtischen Musikvereins Lippstadt und Dirigent des vereinseigenen Konzertchors. Neben der Chorleitung war er auch für die Gestaltung und Organisation des Konzertprogramms verantwortlich.

Zu diesem Zeitpunkt leitete Joshard Daus bereits die Musikvereine in Hamm und Kamen, 1978 hatte er darüber hinaus den Brahms-Chor Bremen gegründet. „Nun kam Lippstadt hinzu, und das Publikum rieb sich verwundert die Augen ob des frischen Windes, der durch das musikalische Programm des Musikvereins wehte“, erinnert sich der Verein. Daus habe nicht nur die Festkonzerte zur Eröffnung der Herbstwoche durch neuere klassische Musik bereichert, sondern auch das Lippstädter Konzertangebot durch das bis heute sehr beliebte Silvesterkonzert und die Reihe „Konzerte – nicht nur für Kinder“ erweitert.

Dank Daus’ Tätigkeit als Dirigent verschiedener Chöre sei es dem Lippstädter Chor nun möglich gewesen, auch größere Oratorienwerke mit Hilfe von Gastsängern aufzuführen, heißt es im Text des Musikvereins. „Wie nachhaltig diese Kooperation noch immer funktioniert, konnte man unlängst bei der Aufführung des ‚Deutschen Requiems‘ von Johannes Brahms erleben. Hier waren Mitwirkende aus Hamm, Siegen und Wirges, Chören des heutigen Leiters Burkhard Schmitt, mit auf der Bühne.“

Das eindrucksvollste Ergebnis dieser Zusammenarbeit zu Daus’ Zeiten sei wohl die Aufführung des „War Requiems“ von Benjamin Britten in Danzig und Coventry gewesen. 1989 fand das Konzert anlässlich des 50. Jahrestages des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges in der Marienkirche in Danzig statt. 1992 wurde das Werk aus Anlass des 30. Jahrestages der Eröffnung der wiedererbauten Kathedrale von Coventry aufgeführt.

Zusätzlich übernahm Joshard Daus 1985 eine Professur für Chor- und Orchesterleitung an der Johannes-Gutenberg-Universität. Den Lippstädter Musikverein verließ er 1997, um die Europa Chor Akademie zu gründen, ein Kooperationsprojekt mit der Universität Mainz und der Hochschule Bremen. Das seit 2017 in Görlitz ansässige Weiterbildungsinstitut für europäische Nachwuchssänger und -dirigenten nennt Daus in einem Nachruf auf seiner Homepage einen „der bedeutenden Chordirigenten in Europa“.

Auch in Lippstadt ist Joshard Daus nicht vergessen. Er werde „wegen seines von Visionen geprägten Wirkens, seiner hohen musikalischen Kompetenz, seiner Leidenschaft und Liebe zur klassischen Musik und seiner Begeisterungsfähigkeit für die Chormusik mit großer Dankbarkeit in Erinnerung behalten“ werden, betont der Städtische Musikverein in seiner Würdigung.

*Professor Joshard Daus (1947-2021) hat das Lippstädter Musikleben stark geprägt.

Con Brio stimmt auf Weihnachten ein

Kammerchor des Städtischen Musikvereins singt Sonntag in der Jakobikirche

08.12.2021; Der Patriot

Lippstadt – Weihnachtliche Chormusik steht im nächsten Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt auf dem Programm. Unter dem Motto „O Magnum Mysterium“ singt der vereinseigene Kammerchor Con Brio am Sonntag, 12. Dezember, in der Jakobikirche. Im Mittelpunkt steht dabei Chormusi von Gegenwartskomponisten. Zu hören sind Werke von John Rutter, Morten Lauridsen, Eriks Esenvalds, Simon Wawer, Tom Fettke, Max Reger, Peter Tschaikowski und anderen. Solistin ist die aus Lippstadt stammende Sopranistin Stephanie Lönne, am Klavier begleiten Daniel Tappe und Duan Li. Die Leitung hat Burkhard A. Schmitt.

Der Wechsel der Jahreszeiten habe schon so manchen Komponisten zu Werken angeregt, heißt es in der Vorankündigung. Bei Tschaikowski sei es offensichtlich der Winter gewesen, der ihn als wiederkehrendes Motiv zu stimmungsvollen Klangbildern angeregt habe. Weltberühmt sei beispielsweise die „Nussknacker“-Ballettsuite op. 71a. Daraus wird an dem Abend unter anderem der „Tanz der Zuckerfee“ in der vierhändigen Klavierfassung gespielt.

Das Programm umfasst aber auch weniger bekannte Namen. So ist der neuseeländische Komponisten Chris Artley mit dem laut Musikverein „an brillanten Klangfarben reichen“ bis zu achtstimmigen Chorstück „O Magnum Mysterium“ vertreten. Artley lehrt den Angaben zufolge am King’s College in Auckland und schrieb zahlreiche Chorkompositionen. Erste Preise gewonnen habe er beim Kompositionswettbewerb für Weihnachtslieder des Amadeus Choir in Toronto und beim Kompositionswettbewerb der European Choral Association.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt im Schaffen eines Gegenwartskomponisten ist laut Musikverein das sechsstimmige „O nata Lux“ von Morten Lauridsen. Das Licht der Welt sei hier in sphärischen Klängen und in einer breit gefächerten Dynamik in Töne gesetzt. „Eine Herausforderung und ein Genuss zugleich für ambitionierte A-cappella-Chöre.“

Die Sopranistin Stephanie Lönne fügt sich unter anderem mit Max Regers „Mariä Wiegenlied“ in das Programm ein.

Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus sowie an der Abendkasse.

*Der Kammerchor Con Brio widmet sich am Sonntag insbesondere Gegenwartskomponisten.

Sensibles Zusammenspiel

„Beethoven und seine Verleger“: Wiener Ensemble überzeugt in Jakobikirche

beethoven angerer jakobikirche konzert foto: wissing

*Das Ensemble des Concilium musicum Wien begeisterte das Publikum in der Jakobikirche mit seinem leidenschaftlichen Spiel auf Originalinstrumenten aus der Zeit von 1700 bis Ende des 19. Jahrhunderts. Foto: Wissing

22.11.2012; Der Patriot

Von Helga Wissing

Lippstadt – „Beethoven und seine Verleger“ ist das Konzert überschrieben, mit dem der Lippstädter Musikverein am Freitag in der Jakobikirche seine Kammerkonzertreihe fortgesetzt hat. Nicht zum ersten Mal in Lippstadt, begeistert das Ensemble des Concilium musicum Wien auch diesmal das Publikum mit seinem leidenschaftlichen Spiel auf originalen Instrumenten aus der Zeit von 1700 bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Christoph Angerer, der das Ensemble 1982, da war er gerade 16 Jahre alt, gemeinsam mit seinem Vater Paul gegründet hat, spielt an diesem Abend nicht nur virtuos seine Violine, sondern führt auch mit interessanten Informationen und kleinen Anekdoten durch das Programm. Interessant etwa ist, dass der in Österreich lebende Künstler in Bonn geboren wurde, wo auch Beethoven aufgewachsen ist.

Auch wenn das Ensemble immer wieder in unterschiedlicher Besetzung auftritt, vom Duo bis zum Kammerorchester, spürt man in der Jakobikirche die große Harmonie des Quintetts. Neben Christoph Angerer spielen Milan Nikoli (Violine), Ute Groh (Violoncello), Robert Pinkl (Flöte) und Mennan Bërveniku (Klavier).

Das Konzert beginnt mit der Sonate in C-Dur für Klavier, Violine und Violoncello von Muzio Clementi, der sich Ende des 18. Jahrhunderts auch als Musikverleger und Klavierbauer profilierte. Dieser sei einer der Hauptverleger Beethovens gewesen, erklärt Christoph Angerer, bevor er mit seinem Instrument für einen temperamentvollen, wunderbar fröhlichen Einstieg in ein Allegro molto sorgt.

Im Verlauf des Konzerts erfährt das Publikum auch, dass Ludwig van Beethoven zeitlebens im Kampf mit sich und seiner Umwelt gewesen sei und entsprechend häufig auch mit seinen Verlegern gehadert habe, die ja nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Komponisten gewesen seien.

Neben Werken von Anton Diabelli, Ignaz Pleyel und Franz Anton Hoffmeister kommt auch ein Stück von Beethoven selbst zu Gehör. Im Anschluss an den ersten Satz aus der Klaviersonate Nr. 8, Grave- Allegro di molto e con brio, auch als „Grande Sonate Pathétique“ bezeichnet, sorgt das Ensemble für einen Moment Stille im Publikum, bevor nicht zum ersten Mal großer Applaus aufbrandet.

Das Konzert endet mit dem Quartett in G-Dur von Tobias Haslinger. Auch hier spürt man wieder, wie wunderbar die Künstler aufeinander eingespielt sind. Es macht nicht nur Freude, ihnen zuzuhören, sondern auch zu sehen, wie sensibel sie musikalisch aufeinander eingehen, sich anschauen, ihre Instrumente miteinander korrespondieren lassen.

Natürlich kommen die Cellistin und ihre vier Kollegen nicht ohne Zugabe von der Bühne. Mit dem „Türkischen Marsch“, auch als „Rondo alla Turka“ bekannt, von Wolfgang Amadeus Mozart verabschieden sich die fünf Musikerinnen und Musiker vom begeisterten Publikum.

Vollendete Musik für die Leidtragenden: Brahm-Requiem im Lippstädter Stadttheater

*Klanglich etwas unausgeglichen, fand Manuela Uhl (Sopran) aber trotzdem die Wärme mütterlicher Zuwendung. Fotos: Tuschen

Auch in der klassischen Musik hat sich das Leben zumindest einigermaßen wieder normalisiert. Und so konnte der Städtische Musikverein Lippstadt am Samstag endlich das eigentlich schon für Februar geplante „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms im Stadttheater aufführen. Das Publikum erlebte dabei einen großen Oratorienabend.

03.11.2021; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Es ist schon ein großer Trost-Zuspruch, dieses „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms, das er selbst nach Bibeltexten zusammengefügt hat. Trost möchte er damit den Hinterbliebenen vermitteln. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Und so bleibt diesen auch die Grundaussage erhalten, selbst wenn der Beginn des Requiems eine bedeutend schwere Last aufzuladen scheint, die im Schlusschor durch die Bestätigung des Eingangschors aufgelöst wird.

So wird die gewollte Tendenz des überwältigenden Werkes als vollendete Musik für die Leidtragenden zur Zentralaussage. Dass dies aber in der gebotenen Vollkommenheit gelingen konnte, das hatte wohl insgesamt mit einer Art von Befreiung zu tun, die allgemein dem endlich möglichen künstlerischen Wirken Raum zu geben schien.

Burkhard A. Schmitt, künstlerischer Leiter des Abends, war in jedem Augenblick von hochkonzentriertem Elan, ganz dem Werk zugewandt, das dem weiten Feld von Choristen und Orchester eindrucksvoll gelang. Eine bedeutende Leistung, denn immerhin versammelten sich der Konzertchor Lippstadt, Mitglieder des Konzertchors des Städtischen Musikvereins Hamm, des Philharmonischen Chors Siegen und des Konzertchors Wirges sowie die Neue Philharmonie Westfalen zu anspruchsvollem Überbringen der Botschaft von Johannes Brahms. Der Chorsopran erschien neben den Alt- und Männerstimmen leicht dominant, was aber bei den Pianissimostellen dem Chorklang diente.

Bei den Solisten war Manuela Uhl (Sopran) nicht ganz auf der Höhe ihrer üblichen Leistungsfähigkeit und darum klanglich etwas unausgeglichen, fand aber trotzdem die Wärme mütterlicher Zuwendung.

Jaco Venter (Bariton) war als Solist für den erkrankten Jean-Christophe Fillol eingesprungen, war jedoch mit dem Requiem vertraut. Dem erfahrenen Opernsänger aber geriet die Partie etwas ungewohnt rau.

Das Publikum im Stadttheater hatte einen großen Oratorienabend erlebt und dankte dafür mit großer Herzlichkeit.

*Jaco Venter war kurzfristig für den erkrankten Jean-Christophe Fillol eingesprungen.

*In jedem Augenblick von hochkonzentriertem Elan: Burkhard A. Schmitt

Hoffnung auf Ewigkeit: Musikverein führt Brahms-Requiem auf

Manuela Uhr Sopran Foto: Beate Kazimitowicz REPRO manuell 180

*Die Sopranistin Manuela Uhl wirkt als Solistin an allen drei Chor- und Orchesterkonzerten des Städtischen Musikvereins Lippstadt in dieser Saison mit. Foto: Kazimitowicz

20.10.2021; Der Patriot

Nur ein einziges, dafür umso gewichtigeres Werk steht am Samstag, 30. Oktober, beim Chor- und Orchesterkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt auf dem Programm. Der Konzertchor Lippstadt singt mit Mitgliedern der befreundeten Chöre aus Hamm, Siegen und Wirges „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms.

Lippstadt – Das „Deutsche Requiem“ sei „Johannes Brahms’ frühestes und bedeutendstes Chorwerk, das sich bis heute einer ungebrochenen Aufführungstradition rühmen kann“, heißt es in der Ankündigung des Städtischen Musikvereins. Als Brahms 1861 mit der Konzeption begann, war er zwar bereits ein erfolgreicher Pianist und Komponist, hatte aber noch kein musikalisches Amt bekleidet, um auch als gesellschaftlich etabliert zu gelten. Mit der Uraufführung der vorläufigen Fassung des Requiems im Bremer Dom 1868 trat der 35-jährige endgültig ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Das Werk sei keineswegs, wie der Titel vermuten lasse, ein kirchlich-liturgisches, betont der Musikverein. „Ganz genreuntypisch stellte Brahms als intimer Kenner der Bibel eigenhändig Zitate aus dem Alten und Neuen Testament zusammen und vertonte sie zu einer gewaltigen Chorkantate, die Tod und Vergänglichkeit der Hoffnung auf Erhebung und Ewigkeit gegenüberstellt.“ So verstehe sich Brahms Requiem nicht mehr als musikalisches Bittgebet, das die Verstorbenen begleite, sondern richte sich an die Hinterbliebenen, „denn sie sind es, die Hilfe und Trost brauchen und sich mit dem Tod auseinandersetzen müssen.“

Durch Corona hat das Werk eine bedrückende Aktualität erhalten. Teile davon seien in der Gedenkveranstaltung des Bundespräsidenten für die Verstorbenen in der Pandemie zu hören gewesen. Und genau dieser Bezug solle auch in Lippstadt hergestellt werden, hatte der künstlerische Leiter des Musikvereins, Burkhard A. Schmitt bereits im Sommer im Gespräch mit dem Patriot erklärt. „Aufgrund seines deutschen Textes erreicht dieses Werk ja eine ganz andere Nähe zum Zuhörer als andere Requiem-Vertonungen, die in der Regel auf Lateinisch gesungen werden.

Unter der Leitung von Burkhard Schmitt werden die Chorsängerinnen und -sänger das Requiem gemeinsam mit der Neuen Philharmonie-Westfalen aufführen. Als Solisten wurden die Sopranistin Manuela Uhl und der Bariton Jean-Christophe Fillol gewonnen.

Manuela Uhl hat sich als Interpretation auf die Werke von Richard Strauss und Richard Wagner sowie die Oper der Spätromantik und der klassischen Moderne spezialisiert. Seit 2015 ist sie zusätzlich zu ihrer internationalen Tätigkeit als Sängerin Professorin an der Musikhochschule Lübeck.

Laut Schmitt ist Uhl „eine der gefragtesten Sopranistinnen in Europa“, die mit bedeutenden Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Simon Rattle und Zubin Mehta musiziere. In Lippstadt wird sie auch bei den anderen beiden großen Chor- und Orchesterkonzerten der Saison mitwirken. Am Samstag, 26. März, singt sie im Stadttheater in „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams. Und am Sonntag, 22. Mai, bestreitet sie ein „Gipfeltreffen“ zusammen mit dem Klaviervirtuosen Matthias Kirschnereit.

Jean-Christophe Fillol war nach Musikvereinsangaben bereits bei mehreren internationalen Gesangswettbewerben erfolgreich. So habe er den 2. Preis beim Internationalen Schumann-Wettbewerb in Zwickau, einen 1. Preis beim Internationalen Lieder-Wettbewerb in Toulouse sowie den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb im französischen Marmande gewonnen.

Das Konzert beginnt um 18 Uhr im Stadttheater. Karten gibt es in der Kulturinformation im Rathaus und an der Abendkasse.

Burkhard A. Schmitt leitet die Aufführung des „Deutschen Requiems“ im Lippstädter Stadttheater.

Von Beethoven bis zu den Beatles

*Spark präsentierte am Samstag ihre „Hommage an musikalische Heroen“. Foto: Duan Li

„Spark – die klassische Band“ überzeugt im Stadttheater

06.10.2021; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Es war eine gute Idee, die Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ (wir berichteten) zusammenzubringen mit Johann Sebastian Bach, Luciano Berio und den Beatles: „Eine Hommage an musikalische Heroen“, wie es bereits in der Ankündigung hieß. Denn was „Spark – die klassische Band“ in der Breite musikalischer Klassik-Szene erspielte, wie hier das scheinbar Unvereinbare sich gegenseitig zu vereinbaren wusste, das musste offenbar auch für junge Zuhörer deutlich überraschen und bereichern.

Vielleicht vermisste man ein wenig Johannes Brahms, nachdem in der vergangenen Zeit viel Raum für Ludwig van Beethoven geräumt war. Aber Luciano Berio dafür ins Zentrum zu rücken, das verdiente einen hohen Kunstverstand. Und das dann auch noch mit den Beatles zu kombinieren, war so begeisternd, als hätte man eine solche Kombination schon längst vermisst.

Allerdings gehörten dann auch Musikanten von solchem Format dazu, wie „Spark – die klassische Band“, die mit musikalischer Hingabe und gleichzeitig selbstverständlicher Kunstfertigkeit die unterschiedlichen Flötenbereiche ausloteten (selbst die etwas ungewöhnliche Melodika hatte dabei ihren Platz).

Mutmacher für musikalische Jugend

Und das wurde dann in ein Gegenüber vollkommener Violine/Viola, Cello und Klavier gebracht. Man muss eigentlich noch feststellen, von welcher sympathischen Ausstrahlung die genannten Musikanten waren: Andrea Ritter (Blockflöte), Daniel Koschitzki (Blockflöte/Melodika), Stefan Balaszovics (Violina/Viola), Victor Plumettaz (Violoncello) und Christian Fritz (Klavier).

Aber um dem Abend schließlich noch eine Abrundung zu geben, bekamen die Preisträger von „Jugend musiziert“ noch eine ganz liebevolle Ermunterung, dem jeweiligen Instrumenteneinsatz die Treue zu halten. Es muss ja vielleicht nicht bis zu „Spark – die klassische Band“ führen, aber zumindest könnte man sich einer großen Leistung erfreuen.

Klassik auf Youtube

Bei wem der Auftritt im Stadttheater Lust auf mehr geweckt hat, dem sei an dieser Stelle der Youtube-Kanal von Spark empfohlen. Hier präsentiert die Band weitere musikalische Kostproben sowie Hintergrundinterviews.

youtube.com/user/SPARKclassicalband

Ehrung für den musikalischen Nachwuchs

10.04.2021; Der Patriot

Es sei das 58. Mal, dass der Wettbewerb „Jugend musiziert“ stattgefunden habe, und eine Million Kinder und Jugendliche hätten bisher daran teilgenommen, erklärte Bürgermeister Arne Moritz (r.) anlässlich der Ehrung der Lippstädter Preisträger im Stadttheater. Vor dem Beginn des Konzerts der Band Spark überreichte er den sechs jungen Menschen, die beim Regionalwettbewerb und beim Landeswettbewerb erfolgreich abgeschnitten haben, Urkunde und Wunscherfüller. Es freuten sich (v.l.) Dr. Peter Knop vom Städtischen Musikverein, Anna Lechler, Tugba Kellermann, Linus Hilgenkamp, Laura Kanevski, Zehra Boz, Benjamin Walz und Dirigent Burkhard Schmidt. Foto: Wissing

Publikum feiert Geigenvirtuosin Tianwa Yang

*Die chinesische Geigenvirtuosin Tianwa Yang erwies sich beim 1. Violinkonzert in g-Moll von Max Bruch als vollkommene Künstlerin. Fotos: Li

Mit Werken von Max Bruch, Richard Wagner und Johannes Brahms hat das Staatsorchester Rheinische Philharmonie die Konzertsaison des Städtischen Musikvereins Lippstadt eröffnet. Für Begeisterung sorgte insbesondere die phänomenale Geigenvirtuosin Tianwa Yang.

15.09.2021; Der Patriot

Von Alfred Kornemann

Lippstadt – Ein Orchestermitglied hat mir erzählt, wie sehr das gemeinsame Spiel des Orchesters gefehlt habe. Wenn das das Empfinden des Tubaspielers war, und dem sind ja nicht gerade die weitreichendsten Spielanteile in manchen Werken zugeteilt, dann mag damit die Stimmung der Orchestermitglieder beschrieben sein.

Zugleich aber scheint damit die Intensität des Musizierens umso erkennbarer geworden sein, wie es das Staatsorchester Rheinische Philharmonie zum Auftakt der neuen Konzertsaison im Lippstädter Stadttheater bot. Das war ringsherum ein Musizieren „auf der vordersten Stuhlkante“, und dieser meisterliche Anspruch begleitete den gesamten Konzertabend, eingeleitet von Richard Wagners „Siegfried-Idyll“.

Dies genau waren die Ausdruckswerte, die der musikalische Leiter des Abends, Róbert Farkas, glänzend erstellte, eine Anforderung, die den gesamten Konzertabend durch die Reihe vom 1. Violinkonzert in g-Moll, op. 26, von Max Bruch bis hin zur Serenade Nr. 1 in D-Dur von Johannes Brahms in jedem Moment mit gespannter Zuwendung erfüllte.

Dazu aber trug besonders die phänomenale Geigenvirtuosin Tianwa Yang den entscheidenden Beitrag des Abends bei. Ihre vielfach preisgekrönte und bewunderte Musikalität, die sie in das sehr bekannte Max-Bruch-Konzert hineintrug, ihre technische Souveränität bis in die schwierigsten Doppelgriffpartien hinein, und alles mit ihrem in allen Lagen wunderbar ausgeglichenen Instrument, machten das Konzert zu einem musikalischen Ereignis, das lange nachwirken kann.

So wurde es zu einer verständlicherweise vom Publikum gefeierten Interpretation, nicht zu einem „Allerweltskonzert“, zu dem der Komponist Max Bruch fast klagend anmerken musste: „Ich kann dieses Konzert nicht mehr hören, als hätte ich nur dieses eine Konzert geschrieben!“ Aber wenn das Alter ihn auch zu zunehmender Verbitterung geführt hat, sieht man, je länger je mehr, seinen großen Beitrag zu biblischen und historischen Stoffen.

Einen kantablen Einstieg leistet die Serenade Nr. 1 in D-Dur, op. 11, von Johannes Brahms, hier in einer Nonett-Version, die der Fassung für großes Orchester 1860 vorausgegangen war. Auch in dieser Satzfolge ist das eindrucksstarke Adagio das Herzstück der gesamten Serenade (darin dem Herzstück auch im Violinkonzert von Max Bruch ähnlich) , das mit dem Eingangs-Allegro und dem Serenadenschluss den musikalische Rahmen erstellte. Auch darin wurde das Brahms-Werk von Róbert Farkas mit seiner Sensibilität und seinem Temperament vollendet getroffen. Ein äußerst gelungenes Werk zum Einstieg in die neue Saison.

Die Zugabe aber der Solistin, fast im Zentrum des Konzertes nach Max Bruch: Die war einfach nur mitreißend mit allen musikalischen und virtuosen Erfordernissen. Wann wird eine solch vollkommene Künstlerin einmal wieder das Publikum im neuen Haus begeistern können?

*Der musikalische Leiter des Abends, Róbert Farkas, mit der Solistin Tianwa Yang.

Die „klassische Band“ Spark springt für Venezuelan Brass Ensemble ein

Musikverein bietet am 2. Oktober hochkarätigen Ersatz

01.09.2021; Der Patriot

Von Andreas Balzer

Lippstadt – Das für Samstag, 2. Oktober, geplante Konzert des Venezuelan Brass Ensemble im Lippstädter Stadttheater fällt aus. Der städtische Musikverein hat jedoch kurzfristig hochkarätigen Ersatz für den Termin gefunden. Die in Lippstadt bereits durch drei Konzerte bekannte „klassische Band“ Spark kommt mit einem Programm, das den Bogen von Johann Sebastian Bach über den italienischen Komponisten Luciano Berio (1925 – 2003) bis hin zu den Beatles spannt.

Unsicherheiten für Tournee zu groß

Dass Verstaltungen coronabedingt ausfallen, ist deutlich seltener geworden. Gerade für international agierende Künstler ist die Pandemie jedoch immer noch eine große Hürde. Das Venezuelan Brass Ensemble hatte eigentlich eine große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz geplant. Die fällt jedoch in diesem Jahr aufgrund der weiterhin schwierigen Coronalage mit wieder steigenden Infektionszahlen und sich ständig ändernden Regeln komplett ins Wasser. „Es gibt einfach nach wie vor eine große Unsicherheit“, erläutert der künstlerische Leiter des Musikvereins, Burkhard A. Schmitt. „Hinzu kommt, dass das Ensemble durchgeimpft ist – aber mit einem Impfstoff, der in Deutschland nicht anerkannt ist. Dass Ensemble müsste sich also wahrscheinlich vor jedem Konzert noch einmal testen lassen.“

Nachholtermin im nächsten Jahr

Das Ensemble, die Agentur und die örtlichen Veranstalter – wie der Musikverein – seien deshalb übereingekommen, die Tour abzusagen. „Wir haben uns abgestimmt und sind der Meinung, wir gehen lieber auf Nummer sicher, bevor wir im schlimmsten Fall das Ensemble in Europa hätten und plötzlich können die keine Konzerte geben.“

Gerade dieses Konzert wäre für Schmitt eines der Highlights der Saison gewesen, „insofern blutet das Herz da wirklich“. Abgemildert wird das jedoch nicht nur dadurch, dass es bereits einen Ersatztermin gibt. Wenn alles gut geht, soll das Venezuelan Brass Ensemble, das sich ebenso als künstlerisches wie als soziales Projekt versteht, das ausgefallene Gastspiel am Donnerstag, 29. September 2022, nachholen. Sondern auch dadurch, dass mit Spark ein absoluter Hochkaräter als Ersatz für den 2. Oktober gefunden werden konnte.

Die „klassische Band“ schert sich wenig um traditionellen Genregrenzen und kreuzt Klassik munter mit Rock, Folk, Electro-Sounds und Minimal Music – und das nicht zuletzt auf der Blockflöte. „Dieses Genreübergreifende spiegelt sich auch im Publikum wider“, sagt Burkhard Schmitt. Die Lippstädter Konzerte hätten Jazz-, Folklore-, Klassik- und sogar Popfans vereint. „Da waren auch viele junge Leute da, das ist das große Plus dieses Ensembles.“ Deshalb mache er sich keine Sorgen, dass der „Ersatz“ gut angenommen werde. „Diese Lebendigkeit, dieses Feuer, die Begeisterung, die die Truppe ins Publikum überträgt, ist bekannt in Lippstadt.“

Von Bach bis zu den Beatles

Das Programm „Bach – Berio – Beatles“ sei „eine Hommage an musikalische Heroen“, sagt Schmitt. „Bach als der Wegbereiter, der klassischen Musik, der Harmonieerfinder. Dann Berio, einer der wegweisenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, der in Bach ein großes Vorbild hatte. Und dann die Beatles. Selbst bei den Beatles findet man ja Strukturen des Barock, und sie selbst sind wiederum wegweisend für eine Unzahl von Bands und Musikrichtungen, die nach ihnen kamen.“

Los geht’s um 18 Uhr. Bereits gebuchte Karten für das Venezuelan Brass Ensemble können für das Konzert von Spark verwendet oder zurückgegeben werden.

Liesborner Museumskkonzerte REPRO manuell 180

*Die „klassische Band“ Spark schert sich wenig um traditionelle Genregrenzen. In Lippstadt hat sie mit ihrem furiosen Mix bereits dreimal das Publikum begeistert. Foto: Hohenberg

Das Werk, das seinem Schöpfer zu erfolgreich war

Die Geigensolistin Tianwa Yang eröffnet die Saison des Musikvereins mit dem Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch

31.08.2021; Der Patriot

Lippstadt – Die chinesische Geigensolistin Tianwa Yang und die Staatsorchester Rheinische Philharmonie eröffnen am Sonntag, 12. September, die Konzertsaison des Städtischen Musikvereins Lippstadt. Die musikalische Leitung hat Gerd Schaller.

Coronabedingt spielt das Orchester in reduzierter Besetzung, um größere Abstände auf der Bühne wahren zu können. Das Programm wurde deshalb etwas abgeändert. Im Mittelpunkt steht nach wie vor das Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll (op. 26) von Max Bruch. Flankiert wird es von Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ (WWV 103) und der Serenade Nr. 1 in D-Dur, op. 11 von Johannes Brahms. Ursprünglich sollten die Ouvertüre zu Wagners „Tannhäuser“ und Brahms’ Sinfonie Nr. 3 in F-Dur (op. 90) den Rahmen bilden.

Wagners „Siegfried-Idyll“ und die Brahms-Serenade zählen laut Vorankündigung „zu den ausdrucksvollsten, anrührendsten und gefühlvollsten Kompositionen aus der Feder dieser beiden Komponisten“. Sie erlaubten „einen tiefen Blick in deren Seelen- und Gefühlsleben und bilden einen passenden Rahmen zum im Mittelpunkt stehenden Violinkonzert“.

Das 1. Violinkonzert in g-Moll, op. 26 vollendete Max Bruch in der bis heute gespielten zweiten Fassung im Jahr 1868. Es gehört zu den wenigen seiner Stücke, die bis heute regelmäßig gespielt werden.

Dem Komponisten selbst war der Erfolg seines Werkes freilich nicht geheuer. Er wetterte gegen Geiger, die ihm immer nur dieses Konzert vorspielen wollten: „Ich kann dieses Concert nicht mehr hören – habe ich vielleicht nur dieses eine Concert geschrieben? Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Concerte, die ebenso, wenn nicht besser sind!“

Tianwa Yang kommt am 12. September mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie nach Lippstadt. Foto: Reinhold

Und in polemischen Versen forderte er sogar ein Verbot: „Da sich in neuester Zeit das erstaunliche Factum ereignet, / Daß die Geigen von selbst spielten das erste Konzert, / Machen wir schleunigst bekannt zur Beruhigung ängstlicher Seelen, / Daß wir besagtes Concert hierdurch verbieten mit Ernst.“

Der Popularität des Werkes tat das freilich keinen Abbruch. „Das erste Violinkonzert Bruchs hat einen ähnlichen Stellenwert wie die Violinkonzerte von Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy. Die ausdrucksstarke Melodik, die Klangschönheit und die klare Struktur des Werkes begründen seine anhaltende Beliebtheit bei Solisten und Zuhörern“, heißt es dazu bei Wikipedia.

In Lippstadt wird das Konzert von Tianwa Yang gespielt. Die 1987 in Peking geborene Solistin kam 2003 über ein Stipendium zum Kammermusikstudium nach Deutschland, wo sie ihre internationale Karriere begann. So trat sie mit ihren Kammermusik- und Rezitalprogrammen unter anderem in der Berliner Philharmonie, der Kölner Philharmonie, der Wigmore Hall in London und dem New Yorker Lincoln Center auf.

Seit 2018 ist Tianwa Yang Professorin an der Hochschule für Musik in Würzburg. Darüber hinaus unterrichtet sie an der Hochschule der Künste in Bern. Für ihre künstlerischen Leistungen wurde sie zweimal mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet. 2014 als Nachwuchskünstler des Jahres und 2015 als Instrumentalistin des Jahres. 2014 erhielt sie außerdem einen der renommierten Jahrespreise der Deutschen Schallplattenkritik.

Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, oder an der Abendkasse.

„Die Zeiten haben sich absolut geändert“

Lippstädter Musikverein: Burkhard A. Schmitt über die kommende Konzertsaison

Die vergangene Saison fiel fast komplett aus. Dafür will der Städtische Musikverein Lippstadt in der Spielzeit 2021/2022 ordentlich auffahren. Das Programm lockt mit anspruchsvollen Eigenproduktionen und hochkarätigen Gästen.

Von Andreas Balzer

10.07.2021; Der Patriot

Lippstadt – Mit definitiven Aussagen ist man ja sehr vorsichtig geworden. Aber zumindest was den Saisonstart betrifft, blickt der Städtische Musikdirektor Burkhard A. Schmitt optimistisch in die Zukunft. „Wir wissen alle nicht, was der Winter bringen wird. Aber es hat sich ja Gott sei Dank wirklich was getan. Das Theater wird wieder bespielt, es läuft wieder etwas. Wir sind deshalb sehr guter Hoffnung dass wir die Saisoneröffnung wie geplant im Stadttheater durchführen können“, sagt der künstlerische Leiter des Musikvereins.

Tianwa Yang spielt bei der Saisoneröffnung. Foto: Reinhold

Eingeladen sind am Sonntag, 12. September, das Staatsorchester Rheinische Philharmonie und die aus China stammende Violinsolistin Tianwa Yang. Auf dem Programm stehen Richard Wagners Ouvertüre zu „Tannhäuser“, das Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll (op. 26) von Max Bruch und Johannes Brahms’ Sinfonie Nr. 3 in F-Dur (op. 90). „Das ist ein wunderschönes Eröffnungsprogramm. Und ich wünsche vor allem unserem Publikum, dass viele das erleben können“, sagt Schmitt.

Auch danach hat der Musikverein in der kommenden Saison einiges zu bieten. Zu den Highlights gehören natürlich die eigenen Chor- und Orchesterkonzerte mit dem Konzertchor Lippstadt. Davon sind gleich drei geplant – und sie alle greifen Programme auf, die in der vergangenen Saison Corona zum Opfer gefallen sind, Burkhard Schmitt und seinen Mitstreitern aber so wichtig sind, dass sie einen neuerlichen Anlauf wagen.

Eine bedrückende Aktualität hat dabei „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms gewonnen, das jetzt am 30. Oktober im Stadttheater zu hören sein soll. Teile davon seien ja in der Gedenkveranstaltung des Bundespräsidenten für die Verstorbenen in der Pandemie zu hören gewesen, sagt der Städtische Musikdirektor. Und dieser Bezug solle auch in Lippstadt hergestellt werden. „Den Gedanken hatten wir schon vorher“, erklärt der Dirigent. „Aufgrund seines deutschen Textes erreicht dieses Werk ja eine ganz andere Nähe zum Zuhörer als andere Requiem-Vertonungen, die in der Regel auf Lateinisch gesungen werden.“

Burkhard A. Schmitt

Verstärkt wird der von Schmitt geleitete Konzertchor Lippstadt durch Mitglieder befreundeter Chöre aus Wirges, Siegen und Hamm, die selbst ihre Konzertprojekte für die kommende Saison abgesagt haben. „Die freuen sich deshalb wahnsinnig, bei uns mitsingen zu können.“

Noch mehr vokale Unterstützung gibt es bei „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughn Williams, die am 26. März 2022 ansteht. Denn das monumentale Werk des britischen Komponisten ist so umfangreich, dass neben den bereits genannten vier Chören noch ein fünfter mit an Bord ist, und zwar aus Gloucester. Nun ist gerade in Großbritannien die Corona-Situation aktuell ziemlich schwierig. Burkhard Schmitt hofft trotzdem, dass die kanalüberschreitende Kooperation zustande kommt. „Die Engländer wollen alles versuchen, um mit einer Abordnung teilnehmen“, betont er. Und nicht nur das, das Chorprojekt soll überdies mit Lippstädter Unterstützung auch in Gloucester über die Bühne gehen – unter dem Dirigat des dortigen Chorleiters. Für Burkhard Schmitt kein Grund, selbst untätig zu bleiben. „Ich möchte da mitsingen, dieses Erlebnis möchte ich unbedingt haben.“

Das dritte große Chor- und Orchesterkonzert heißt „Gipfeltreffen“ und findet am 22. Mai 2022 statt. Inhaltlich greift es auf das abgesagte Festkonzert zurück, mit dem am 29. August 2020 eigentlich das sanierte Stadttheater eröffnet werden sollte. „Und genau dieses Programm werden wir nicht ersatzlos ausfallen lassen“, sagt Burkhard Schmitt.

Im Mittelpunkt des Programms steht Ludwig van Beethoven, von dem neben der „Chorfantasie“ (op. 80) auch das Klavierkonzert Nr. 5 zu hören ist, laut Schmitt „die Krönung der Klavierkonzerte überhaupt“. Gespielt wird es von Matthias Kirschnereit, einem nicht nur in Lippstadt durch diverse Konzerte bestens bekanntem Solisten. Kirschnereit sei „einer der bedeutendsten deutschen Pianisten“, betont Schmitt.

Sehr hochkarätig ist auch die Partie der Vokalsolistin besetzt. Manuela Uhl ist laut Schmitt „eine der gefragtesten Sopranistinnen in Europa“, die mit bedeutenden Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Simon Rattle und Zubin Mehta musiziere. Beim„Gipfeltreffen“ – der Titel lässt sich sowohl auf die Komponisten als auch auf die Solisten beziehen – interpretiert sie Arien von Beethoven, Antonin Dvorák und Carl Maria von Weber. Und nicht nur das, auch im Brahms-Requiem und „A Sea Symphony“ wird sie als Solistin zu hören sein.

Auch der Kammerchor des Konzertchors Lippstadt kommt in der nächsten Saison zum Einsatz. Con Brio gibt am 12. Dezember ein adventliches A-cappella-Konzert in der Jakobikirche. Und er tritt nicht alleine an. Teile des Programms werden von der Sopranistin Stephanie Lönne und dem Pianistenpaar Daniel Tappe und Duan Li gestaltet.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzertprogramms sind neben den Eigenproduktionen natürlich die „eingekauften“ Konzerte. Und auch da hat der Musikverein viel Hochkarätiges – und zum Teil auch Ungewöhnliches – zu bieten.

Seit Deep Purples „Concerto for Group and Orchestra“ 1969 die Welten aufeinanderprallen ließ, hat es deutliche Annäherungen zwischen Klassik und Rock bzw. Pop gegeben. Dennoch dürfte das Programm, mit dem der Abend „Neue Philharmonie Westfalen Goes Pop: Back to the 90s“ am 1. März 2022 aufwartet, die Augenbrauen mancher Klassikfans hochschnellen lassen. Finden sich dort doch Stücke von Interpreten wie Take That, den Spice Girls, Robbie Williams und Jennifer Lopez.

„Wir wollen unser Stammpublikum natürlich nicht vergraulen, aber wir wollen versuchen, auch mal ein anderes Publikum in dieses tolle neue Haus zu bekommen“, sagt der Städtische Musikdirektor. Und dafür wird einiges aufgefahren. Neben zwei Gesangssolisten ist auch eine Band dabei, hinzu kommen gleich zwei Sounddesigner. „Das bekommt einen richtigen Showcharakter“, verspricht Schmitt.

Zu Deep Purples Zeiten beäugten sich Orchester und Rockband übrigens noch mit äußerstem Misstrauen. Davon kann heute keine Rede mehr sein. „Ich habe in vielen Gesprächen mit Orchestermusikern erlebt, dass die einen Heidenrespekt diesen Musikern gegenüber haben, ob das Pop oder Rock ist“, berichtet Burkhard Schmitt „Die schätzen diese unglaubliche Qualität, die Genauigkeit, die Ernsthaftigkeit des Musizierens. Die Zeiten haben sich da absolut geändert.“

Ähnlich grenzüberschreitend, und das gleich in mehrfacher Hinsicht, ist das Venezuelan Brass Ensemble, das sich ebenso als künstlerisches wie als soziales Projekt versteht. Am 2. Oktober macht die muntere Truppe im Rahmen ihrer Europatournee in Lippstadt halt. „Das ist einfach ein phänomenales Orchester, die reißen mit ihrer Show alle vom Sitz“, schwärmt Schmitt.

Musizieren auf Weltniveau: das ATOS Trio
Foto:Jerke

Aber natürlich werden auch die Freunde traditioneller Klassik nicht vernachlässigt. Zu den Highlights gehört sicher das Gastspiel des Atos Trios, das am 29. Januar 2022 mit „Böhmischer Romantik” vorstellig wird. „Das ist eines der wenigen Ensembles, die wirklich auf allen Kontinenten gefeiert werden“, sagt Burkhard Schmitt. „Da bin ich wirklich stolz drauf, so ein Ensemble in der Konzertreihe haben zu dürfen.“ Und das bereits zum dritten Mal. In der gleichen Liga spielt das für den 8. April 2022 angekündigte Minguet Quartett, das sich laut Schmitt „auf dem gleichen Niveau wie das Artemis Quartett“ bewegt.

Das renommierte Minguet Quartett spielt am 8. April 2022 in der Lippstädter Jakobikirche. Foto: Rossbach

Weitere Gäste der kommenden Saison sind das Concilium musicum Wien (19. November), das Parfenov Duo (15. Januar 2022), die Sinfonietta Cracovia mit dem Oboensolisten Ramón Ortega Quero (13. Februar 2022) und der Klaviersolist Klaus Sticken (23. April 2022).

Und auch viele Klassiker sind wieder im Programm, allen voran das beim Publikum beliebte Silvesterkonzert. Das wird jedoch nicht mehr moderiert und dirigiert von Hermann Breuer. Der Jahresendveteran hat sich nämlich aus den Silvesterveranstaltungen zurückgezogen. Den Taktstock schwingt stattdessen Aurélien Bello, der mit der Neuen Philharmonie Westfalen anrückt. Eine Kooperation mit dem Jazzclub (mit noch unbekanntem Programm) ist für den 13. März 2022 in Planung. Und auch die Kurzen kommen nicht zu kurz: Unter der Leitung von Burkhard Schmitt erklingt am 8. März 2022 Der „Karneval der Tiere“ im Kinderkonzert des Musikvereins.