Presseartikel 2009/2010

Aus „Der Patriot“ vom 20.04.2010
Kostbarkeit zum Abschluss der Saison

Die Sinfonietta Köln und die Violinistin Tanja Becker-Bender begeisterten das Publikum im Lippstädter Stadttheater

LIPPSTADT Nicht nur wohlig zufrieden, sondern höchst angeregt konnten die Hörer nach dem letzten Saison-Konzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt mit der Sinfonietta Köln sein. Große Spannung, hohe Intensität war von der Bühne auf die Zuhörer übertragen worden.Und das schon von Beginn an, wo die begabte, aber bei allem schon erstaunlichen harmonischen Raffinement doch wenig aufregende Sinfonie KV 129 des jugendlichen Wolfgang Amadeus Mozart nicht zu einem Einspielstück verkam.

Klangliche Intensität, nie nachlassende Spannung, große dynamische Amplitude, das bewirkte ein temperamentvolles, sensibles Dirigat von Cornelius Frowein, das dem Orchester bei aller klanglichen Disziplin Luft zum musizierenden Atmen gab.

Das wurde dann erst recht deutlich in dem viersätzigen Stück „Company“ von Philip Glass, das nicht von aufregender Modernität bestimmt ist, aber mit großer klanglicher Attraktivität einen thematischen Kern in vier Sätzen auf seine dynamischen und rhythmischen Möglichkeiten auslotet.

In diesem Wechsel der dynamischen Breite stellte sich eine Beziehung zur Sinfonie Nr. 44 von Joseph Haydn dar. Man kann die Wandlungen der Lebens- aber auch der kulturhistorischen Erfahrungen in Joseph Haydns Sinfonien nachzeichnen.

Prachtvolles Tableau

Hohe Leidenschaftlichkeit, fast theatralische Momente bestimmen die Sinfonie Nr. 44 und andere in deren Umkreis, vom heftigen Ausbruch zu emotionaler Beruhigung auf schmaler Bühne. Cornelius Frowein schuf mit seiner Sinfonietta ein prachtvolles Tableau.

Große Bewunderung also für Cornelius Frowein und sein Orchester auch als einfühlsame Begleiter im Violinkonzert Nr. 4 D-Dur (KV 218). Begeisterung aber für Tanja Becker-Bender, die Violin-Solistin. Ihre artikulatiorische Variabilität, ihre musikantische Sensibilität, ihre klangliche Intensität – alles bewundernswert. Und sie spielt mit einer fesselnden, leicht nervösen Innenspannung, wie man sie von Gidon Kremer kennt, nur hat sie den schöneren Ton.

Nimmt man dazu den musikalisch abgesicherten Witz, den sie mit großer Differenzierungsbreite in der Zugabe-Gavotte aus Johann Sebastian Bachs E-Dur-Partita bot, wird die Publikumsbegeisterung verständlich. Dank allen Ausführenden, sie haben einen schönen Saisonabschluss beschert.

AK

Aus „Der Patriot“ vom 15.03.2010
Ein Leben ohne Musik ist einfach ein Irrtum

Laienmusiker boten professionelle Leistung im Stadttheater. Temperamentvolle Dissonanzen und Lektionen im „Loopen“

LIPPSTADT „Ein Leben ohne Musik ist einfach ein Irrtum.“ Mit diesem Zitat von Friedrich Nietzsche begrüßte Professor Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats am Samstagabend die Besucher des Festkonzertes im Rahmen der Tage der Chor- und Orchestermusik in Lippstadt. Gleichzeitig rief er die Laienmusiker und Musikliebhaber zu mehr politischer Einflussnahme hinsichtlich drohender Streichungen im musikalischen Bildungsbereich Deutschlands auf und bemängelte die alleinige Bewertung kindlicher Erziehung nach Pisa-Gesichtspunkten: „Nehmen Sie Einfluss auf die Politik in Ihren Ländern, damit den Kindern die Musikerziehung erhalten bleibt.“ Stete Veränderung sei hierbei wichtig.Eindrucksvoll bewiesen dies die Protagonisten auf der Lippstädter Bühne. Von Klassik bis Loop, von Jazz bis zu vertonten Gedichten – die Bandbreite der vielfach jungen Musiker kannte kaum Grenzen. Homogen abgestimmt im Gesamtbild und perfekt in Klarinetten- und Trompetensoli präsentierte sich das Jugendjazzorchester NRW bei „The James are coming“ und „Pan con Pan“ in bester Big-Band-Manier.

Wunderbar klassische Stimmvariationen zeigten die Kettwiger Vokalisten mit Markus Maurer am Klavier. Außergewöhnlich: Die Darbietung von „Mitoka Dragomirna op. 62“ durch das Mülheimer Zupforchester. Unter der Leitung von Dominik Hackner liefen die Saitenspieler temperamentvoll mit gewollten Dissonanzen zu Höchstform auf und ernteten „Bravo“-Zwischenrufe.

Nicht weniger beeindruckend waren die Young Voices Brandenburg. Der ausdrucksstarke Jugenjazzchor begeisterte besonders mit der gänsehautverdächtigen Interpretation von Rainer Maria Rilkes „Herbsttag“. Und wer bis dato nicht wusste, was „loopen“ ist, dem verpassten Frederike Holste (Gesang) und Florian Fennes (Saxophon) eine Lektion. Unterstützt von allerlei technischen Gerätschaften erzeugten die beiden mit ihrer „Orchestermusik für 2“ ein unter die Haut gehendes Klangerlebnis. Zum Ende des Konzerts war klar: Musik verschwindet nicht – allen Unkenrufen zum Trotz!

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Aus „Der Patriot“ vom 15.03.2010
Lippstadt ist stolz auf so hochkarätige Kulturträger

Kulturstaatsminister Bernd Neumann zeichnet Städtischen Musikverein und Posaunenchor mit Zelter- und Pro-Musica-Plaketten aus

LIPPSTADT Als Höhepunkt der „Tage der Chor- und Orchestermusik“ hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gestern Vormittag im Stadttheater die ersten Zelter- und Pro-Musica-Plaketten des Jahres an den Städtischen Musikverein und den Posaunenchor Lippstadt verliehen. Die vom Bundespräsidenten gestifteten Auszeichnungen gelten als die höchsten Ehrungen für Laienensembles in Deutschland. Insgesamt werden in diesem Jahr 131 Chöre mit der Zelter- und 45 Chöre mit der Pro-Musica-Plakette bedacht.Dem Festakt vorausgegangen war ein Wochenende, an dem sich die Laienmusik in ihrer ganzen Vielfalt präsentieren konnte. Entsprechend kurz war die Nacht für viele Gäste. „Wer von Ihnen keine Ringe unter den Augen hat, wer nicht müde ist, der hat heute Nacht wirklich etwas versäumt“, betonte Ernst Burgbacher in seiner Begrüßung. Der FDP-Politiker ist nicht nur Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sondern auch Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO), die die Musiktage in diesem Jahr ausrichtet.

Burgbacher betonte, dass zum ersten Mal in der Geschichte die Gastgeberstadt zugleich auch beide Musikvereinigungen stelle, die im Rahmen des bundeszentralen Festaktes mit der Zelter- bzw. und Pro-Musica-Plaketten ausgezeichnet werden. „Das liegt natürlich an den Vereinen, das liegt aber auch an der Stadt.“ Die Laienmusik sei trotz aller Unkenrufe äußert lebendig, erklärte Burgbacher. Dies sei Zigtausenden, darunter vielen junge Menschen, zu verdanken, die sich ehrenamtlich engagierten. „Die Gesellschaft wäre arm, wenn wir dieses Ehrenamt nicht hätten.“
Dem schloss sich auch Kulturstaatsminister Neumann an. „Ohne das Ehrenamt würde das Musizieren in Deutschland zusammenbrechen“, sagte Neumann. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dies dürfe aber keineswegs dazu führen, dass sich der Staat aus der Kulturförderung zurückziehe.

Angesichts der Lippstädter Debatte um das drohende Haushaltssicherungskonzept hatte die Rede des Staatsministers dabei möglicherweise mehr Sprengkraft, als dem Gast aus Berlin selbst bewusst war. Neumann warnte eindringlich davor, angesichts leerer Kasse ausgerechnet in der Kultur den Rotstift anzusetzen. Der Spareffekt sei marginal, die Folge für das kulturelle Leben aber möglicherweise verheerend: „Finger weg von der Kultur, wenn es um drastische Einsparmaßnahmen geht“, so Neumann. „Ausgaben für Kultur sind nicht Subvention, sondern Investition in die Zukunft.“
In dasselbe Horn stieß als Vertreter der Landesregierung der Staatssekretär für Kultur Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU), der darauf verwies, dass Nordrhein-Westfalen den Kulturetat sogar verdoppelt habe.

Die von Neumann und Grosse-Brockmann angekündigte Ausdehnung des Grundschulprojekts „Jedem Kind ein Instrument“ (Jeki) über das Ruhrgebiet hinaus ist in Lippstadt freilich schon Realität, wie Bürgermeister Christof Sommer in seinem Grußwort betonte. „Ich freue mich sehr, dass Lippstadt die Chance hatte, diese besondere Veranstaltung als herausragendes Beispiel für die Lebendigkeit, Vielseitigkeit und Qualität der Laienmusik in Deutschland ausrichten zu dürfen“, sagte der Bürgermeister. „Ich bin aber auch selbstbewusst zu sagen, dass dies die richtige Stadt für diese Veranstaltung ist.“
Dabei ging Sommer auch auf die besonderen Leistungen der beiden an diesem Tag geehrten Musikvereinigungen ein. Der 1905 ins Leben gerufene Musikverein und der vor 100 Jahren gegründete Posaunenchor hätten Lippstadt mit zahlreichen Konzerten weit weit über die Landesgrenzen hinaus hervorragend repräsentiert. „Beide Musikvereinigungen können stolz auf das bisher Erreichte sein, und ich kann Ihnen versichern: Lippstadt ist stolz darauf, Heimat solcher hochkarätigen Kulturträger zu sein.“

Bei der Verleihung der Plaketten nahmen Evelyn Adam und Burkhard A. Schmitt vom Städtischen Musikverein sowie Christa Kirschbaum und Eckhard Visarius vom Posaunenchor Lippstadt die Auszeichnungen entgegen, stellvertretend für alle Musikvereinigungen, die die Ehrungen in diesem Jahr erhalten.
In einer Veranstaltung, die ganz der Feier des Musizierens gewidmet ist, dürfen Musikbeiträge natürlich nicht fehlen. Wie anspruchsvoll Laienmusik sein kann, bezeugten das Landesblasorchester Nordrhein-Westfalen, der Mädchenchor Wernigerode und der Orchesterverein Solingen 1910 mit Beitragen, die den Bogen von Renaissance-Liedern bis zu Tangos von Astor Piazzolla spannten. Zum feierlichen Abschluss interpretierte der Konzertchor des Musikvereins mit dem Orchesterverein Solingen und der Sopranistin Stephanie Lönne Auszüge aus John Rutters „Magnificat“.

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Aus „Der Patriot“ vom 15.03.2010
Ergreifende Momente

Die Nacht der Musik eröffnete mit über 20 Ensemblesan elf Spielstätten ungewöhnliche Klangspektren

LIPPSTADT „Ich wünsche Ihnen einen bewegten Abend“, gab Margarete Wilke vom Städtischen Musikverein den Zuhörern auf den Weg. Sie sollte Recht behalten. Die „Nacht der Musik“, die am Samstagabend im Rahmen der bundesweiten „Tage der Chor- und Orchestermusik“ in Lippstadt stattfand, schuf mit rund 20 Ensembles aus der ganzen Republik an elf Spielstätten mit ganz besonderem Charme einzigartige Momente von starkem Charakter.Das Programm wartete mit zum Teil ungewöhnlichen Ensembles auf, die dem Ohr neue Klangspektren eröffneten. Dreist und erfrischend spielte sich Too Saxy mit gnadenlos badischem Dialekt in die Herzen eines super gut aufgelegten Publikums in der Rathausgalerie. Kein Wunder, die Musik-Komiker sorgten mit einfallsreichen Musikhappen und ohne Berührungsängste für gehörigen Spaß. Was Musik auch ist, zeigten Holste & Fennes aus Wien, Vertreter einer jungen Musikgeneration, die mit Tönen experimentieren und so eine ungewöhnliche Darstellungsform von Musik präsentierten. In Sekunden verquickten sie aufgenommene Gesangs- und Instrumentalphrasen zu mehrstimmigen Stücken voller musikalischer Kraft. In diese Kategorie reihte sich auch das Theremin-Konzert im Metzgeramtshaus, wenngleich es hier sehr viel ruhiger und andächtiger zuging. Lydia Kavina und die Teilnehmer des Workshops an der Conrad-Hansen-Musikschule schufen in Raum ausnutzender Aufstellung einen sphärisch dichten Omnisound. „Anfangs anstrengend für die Ohren“ könne die gewaltige Kraft der über 20 Akkordeon-Spieler sein, hieß es beim Akkorden-Orchester aus Oberhausen in der Jakobikirche, die ein klangliches Wellenbad mit Filmmusikqualitäten in Dolby-Surround kredenzten.
Kontrastprogramm stellte das Nachwuchsband-Festival der Evangelischen Jugendkirche in der Werkstatt mit Alternative-Rock von Not Like Jeff, Far Fetched und der Komakapelle dar. Das für Mai geplante Event wurde in das Programm der „Nacht der Musik“ verlegt, nicht zuletzt um das Potential der heimischen Musikgruppen zu zeigen, die ihre Qualitäten mit viel Elan unter Beweis stellten.
Ein „Heimspiel“ hatten in der „Nacht der Musik auch die Lipperoder Burgschwalben, die Lippstädter Chorgemeinschaft und The Hansen-Electrics. Geradezu magisch zog es die Nachtschwärmer zum Abschlusskonzert mit dem Langenberger Gospel-Chor Rejoice in die Marienkirche. Eine so prall gefüllte Kirche wurde selten gesehen. Als Rejoice sich mit satter Stimmgewalt im Kirchenraum erhob, war das ein ergreifender Moment. In der Tat war das ein bewegender Abend. rio

Aus „Der Patriot“ vom 09.03.2010
Mit großer Sensibilität

Das Schemann-Klavierduo überzeugte mit einem ungewöhnlichen Kammermusikabend

LIPPSTADT Ein Kammerkonzert mit zwei Pianisten, die entweder vierhändig oder an zwei Klavieren spielen, gehört zu den weniger häufigen Angeboten, obwohl die Literatur so ganz spärlich ja nicht ist. Der Musikverein Lippstadt machte in seinem jüngsten Kammerkonzert in der Jakobikirche mit dem Schemann-Klavierduo ein solches Angebot, das auch noch einen zusätzlichen Reiz durch die knappen Einführungen in das Programm durch die sympathischen Künstler Susanne und Dinis Schemann gewann.Wolfgang Amadeus Mozart stand mit der Sonate D-Dur KV 48 am Beginn, und dieses dreisätzige Werk, technisch sehr anspruchsvoll, machte die breite Skala der Klangmöglichkeiten einer Zusammenführung zweier Klaviere deutlich. Musste man sich im Eingangsallegro noch ein wenig an den manchmal etwas mulmigen Klang gewöhnen, so nahm im weiteren Verlauf die Transparenz zu, mündete in souveränen, packenden Parallelläufen des Schlusssatzes.

Merkwürdig viel Musik im Kopf

„Merkwürdig viel Musik hat der Mensch im Kopf und ist trotz seiner – oder wohl weil – seiner Schweigsamkeit … ein reizender Kerl. Übrigens hängt er mit schwärmerischer Verehrung an Ihnen …“ So schreibt Verleger Simrock über Antonin Dvor
ák an Johannes Brahms. Der hatte ihn auf den ihn zutiefst verehrenden Komponisten in seiner etwas knorrigen Art aufmerksam gemacht. „Dvorák hat alles Mögliche geschrieben, Opern (böhmische), Sinfonien, Quartette, Klaviersachen. Jedenfalls ist er ein sehr talentierter Mensch.
Nebenbei arm! Und bitte ich das zu bedenken!“
Und noch fast zwanzig Jahre später, Antonin Dvor
ák war längst auf der Höhe seines Ruhmes, schreibt er an Brahms: „…und vieles andere sagt mir, welch einen unschätzbaren Gönner ich in Ihnen habe – und so kann ich heute nur die schlichten Worte sagen: Dank, herzlichen Dank Ihnen für alles, was
Sie mir und für mich getan haben!“
Die Auswahl aus Antonin Dvor
áks „Legenden“ op. 59, in eine musikalisch logisch abwechslungsreiche Reihe gebracht, konnte die gegenseitige Wertschätzung der beiden Komponisten Brahms und Dvorák verständlich machen, denn Susanne und Dinis Schemann spielten die Stücke mit technischer Bravo
ur und allem Farb- und Temperamentsreichtum.

Nicht nur der große Klavierdonnerer

Sergej Rachmaninows Suite Nr. 1 op. 5 ist eine wahrhaft raumsprengende Komposition, eine Bilderfolge auf jeweils vorangestellte Versepigramme. Sie zeigt, wenn es denn heute überhaupt noch nötig wäre, dass Rachmaninow eben nicht der häufig so titulierte etwas oberflächliche Klavierdonnerer ist, sondern einer, der mit großer Sensibilität dem jeweiligen Gehalt der vorgegebenen Textinhalte nachgehen kann.
Den beiden Künstlern gelang es, den Stücken bei all ihrer Dichte eine erfreuliche Durchsichtigkeit zu geben, filigrane Momente auch dann, wenn es wie in „La nuit …“ dynamisch etwas zu direkt geriet, sehr einfühlsam dagegen „Les larmes“. Große Entwicklungsmomente bestimmten dann den Schlusssatz, eine Klangwucht von orchestralem Ausmaß.
Ein ungewöhnlicher Kammermusikabend, an dem das Künstlerpaar Susanne und Dinis Schemann das Publikum für sich gewann.

AK

Aus „Der Patriot“ vom 09.03.2010
Gottesdienst und Festkonzert im Rahmen der „Tage der Musik“

Nach der „Lippstädter Overtüre“ werden die „Tage der Chor- und Orchestermusik“ am Samstag, 13. März, um 16.30 Uhr mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Marienkirche offiziell eröffnet. Die musikalische Gestaltung übernehmen neben dem Posaunenchor Lippstadt, der am Sonntag mit der Pro-Musica-Plakette geehrt wird, der Kleine Chor der Kantorei und der Kammerchor Lippstadt. Die musikalische Leitung liegt bei Christa Kirschbaum und Harduin Boeven (Orgel). Für Liturgie und Predigt sind Pfarrer Ulrich Möller (Pastoralverbund Esbeck-Hörste-Bökenförde) und Pfarrer Thomas Hartmann (Evangelische Kirchengemeinde Lippstadt) verantwortlich. Um 19.30 Uhr geht das Programm im Stadttheater weiter. Im Festkonzert präsentieren sich das Jugendjazzorchester NRW (Bild), die Kettwiger Vokalisten, das Mülheimer Zupforchester und die Young Voices Brandenburg sowie die beiden Loop-Künstler Frederike Holste und Florian Fennes. Auf dem Programm stehen unter anderem Kompositionen von Johnny Griffin, Gustav Jenner, Kurt Schwaen und Hoffmann von Fallersleben. Das Grußwort kommt vom Präsidenten des Deutsche Musikrats, Professor Martin Maria Krüger. Kostenlose Platzkarten sind in der Kulturinformation im Rathaus erhältlich.

Aus „Der Patriot“ vom 06.03.2010
Mächtig viele Töne

Die „Nacht der Musik“ bietet volles Programm an elf Spielstätten. Bandbreite reicht von Klassik bis zu abgedrehten Soundexperimenten

LIPPSTADT Von zünftige Zupfmusik bis zu abgedrehten Soundexperimente, von Klassik über Jazz bis zu Rock und Gospel reicht die Bandbreite der „Nacht der Musik“, bei der sich unzählige Ensembles am Samstag, 13. März, im Rahmen der „Tage der Chor- und Orchestermusik“ dem Publikum präsentieren. Ab 21 Uhr finden an neun Spielstätten in der Innenstadt Konzerte unterschiedlichster musikalischer Richtungen statt. Dazu gibt es Führungen im Stadtmuseum (21 und 22 Uhr), bei denen nicht zuletzt das restaurierte Hammerklavier vorgestellt wird, und ein komplettes Bandfestival in der Musikkneipe Werkstatt (Beginn: 20 Uhr). Die Ensembles spielen jeweils etwa eine Stunde. Die Aufführungen verstehen sich dabei als „Wandelkonzerte“. Die Veranstalter ermuntern die Besucher ausdrücklich, in der Pause – oder auch schon während der Darbietungen – den Spielort zu wechseln, um so die Veranstaltung in ihrer ganzen Bandbreite erleben zu können.

Um 21 Uhr beginnt die erste Runde mit Konzerten von Too Saxy (Theaterfoyer), Holste & Fennes (Rathaus-Galerie) dem Zitherquartett Collegium Concertante (Rathaussaal), den Ruhrcellophonikern (Metzgeramtshaus), dem Jugendorchester Duisburg (Marienkirche), den Lipperoder Burgschwalben (Sparkasse), dem Mädchenchor Wernigerode (Brüderkirche), dem Akkordeon-Orchester Oberhausen (Jakobikirche) und dem Ersten Badischen Alphorntrio (Thomas-Valentin-Stadtbücherei).

Nach einer kurzen Pause geht es um 22 Uhr weiter mit Too Saxy (Rathaus-Galerie), der Gitarren-Bigband The Hansen Electrics (Rathaussaal), dem Theremin-Konzert „Without Touch“ der Conrad-Hansen-Musikschule (Metzgeramtshaus), der Lippstädter Chorgemeinschaft (Marienkirche), dem Jugendjazzorchester NRW (Sparkasse), den Kettwiger Vokalisten (Brüderkirche), den Young Voices Brandenburg (Jakobikirche) und dem Mülheimer Zupforchester (Stadtbücherei).

Um 23 Uhr findet schließlich in der Marienkirche das Abschlusskonzert der „Nacht der Musik“ mit dem Gospelchor Rejoice aus Langenberg statt. Doch damit ist der Abend noch nicht zu Ende. Ganz hartnäckige Nachtschwärmer werden ab 24 Uhr in der Rathaus-Galerie von dem Quartett Too Saxy und den Loop-Künstler Florian Fennes und Friederike Holste in den Schlaf gewiegt.
Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei. Bei den Führungen im Stadtmuseum ist die Teilnehmerzahl allerdings begrenzt. Kostenlose Karten können deshalb in der Kulturinformation im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, reserviert werden.

Aus „Der Patriot“ vom 02.03.2010
Außergewöhnlicher Weg

Das Schemann Klavierduo interpretiert in der Jakobikirche Kompositionen von Mozart, Dvorák und Rachmaninow

LIPPSTADT Das Schemann Klavierduo ist am Samstag, 6. März, in der Lippstädter Jakobikirche zu Gast. Das Programm hat sich gegenüber der ursprünglichen Ankündigung etwas verändert. Neben Mozarts Sonate D-Dur (KV 448) und den „Legenden“ (op. 59) von Antonin Dvorák erklingt Sergej Rachmaninows Suite Nr.1 in g-Moll (op. 5). Weggefallen sind dagegen die „Trois Danses andalouses“ von Manuel Infante und Gabriel Faurés „Dolly“. Die Veranstaltung des Städtischen Musikvereins beginnt um 19 Uhr. Das deutsch-portugiesische Künstlerehepaar konzertiert seit 1985 zusammen. Der Karriereweg von Susanne und Dinis Schemann sei dabei außergewöhnlich verlaufen, heißt es im Presseinfo der Künstler: „Nach einigen gewonnenen nationalen und internationalen Jugendwettbewerben hielten sie sich bewusst abseits vom Wettbewerbsgeschehen.“ Inzwischen seien die Schemanns häufig in renommierten Musikzentren, bei Festspielen und Musikfestivals zu Gast, etwa beim Schleswig-Holstein-Musikfestival, in der Berliner Philharmonie oder in der Dresdner Frauenkirche. Ihre bislang sechs CD-Produktionen entstanden unter anderem in Koproduktion mit Deutschlandradio Berlin und dem Bayerischen Rundfunk.

Susanne Schemann spielte bereits als Elfjährige Werke von Domenico Scarlatti auf Schallplatte ein. Zweimal gewann die 1965 geborene Künstlerin einen ersten Preis auf Bundesebene bei „Jugend musiziert“, später war sie Preisträgerin beim internationalen Rundfunkwettbewerb „Concertino Praga“.
Dinis Schemann, 1964 im portugiesischem Coimbra geboren, erhielt seit seinem vierten Lebensjahr Klavierunterricht und gab bereits mit zwölf Jahren seinen ersten Klavierabend.

Karten gibt es in der Kulturinformation im Rathaus, oder an der Abendkasse.

Aus „Der Patriot“ vom 27.02.2010
Ordentlich was auf die Ohren

Die „Tage der Chor- und Orchestermusik“ locken mit einem breit gefächerten Programm – „Lippstädter Overtüre“ macht den Auftakt

LIPPSTADT In ihrer ganzen Breite präsentiert sich die Laienmusik bei den „Tage der Chor- und Orchestermusik“. Anlass ist der bundeszentrale Festakt zur Verleihung der Zelter- und der Pro-Musica-Medaillen, mit denen am Sonntag, 14. März, der Städtische Musikverein und der Posaunenchor Lippstadt im Stadttheater ausgezeichnet werden.Doch die Ehrung durch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) ist nur der krönende Abschluss des Musikwochenendes, das sich mit einem breit gefächerten – und für die Besucher überwiegend kostenlosen – Programm gezielt an die ganze Bevölkerung richtet.

Bevor die eigentlichen „Tage der Chor- und Orchestermusik“ beginnen, gibt es am Freitag, 12. März, schon einmal eine „Lippstädter Overtüre“. Die Veranstaltung des Musikvereins gibt ab 19 Uhr im Stadttheater Einblicke in das schulische Musikleben der Stadt. Unter dem Motto „Was auf die Ohren“ präsentieren sich sechs Grundschulen, die am Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ beteiligt sind, während Bläserklassen, Pop- und Folk-Bands, Percussion-Ensembles und Musicalprojekte Ausschnitte aus ihren Konzertprogrammen und Musical-Produktionen zeigen.

Ein ökumenischer Gottesdienst in der Marienkirche eröffnet dann am Samstag, 13. März, um 16.30 Uhr das eigentliche Festivalprogramm. Für Liturgie und Predigt sind Pfarrer Ulrich Möller und Pfarrer Thomas Hartmann verantwortlich. Die musikalische Gestaltung übernehmen der Kleine Chor der Kantorei, der Posaunenchor, der Kammerchor Lippstadt und der Organist Harduin Boeven.

Festkonzert und „Nacht der Musik“

Um 19.30 Uhr folgt im Stadttheater ein Festkonzert, bei dem sich unter anderem das Jugendjazzorchester NRW, die Kettwiger Vokalisten, das Mülheimer Zupforchester und das Landesjugendjazzchor Young Voices Brandenburg präsentieren.

Ein richtig volles Programm bietet dann ab 21 Uhr die „Nacht der Musik“, in der sich an neun Spielorten Ensembles der verschiedensten Stilrichtungen dem Publikum präsentieren. Mit dabei sind unter anderem das Collegium Concertante, das Jugendsinfonieorchester Duisburg, die E-Gitarren-Bigband The Hansen Electrics und das Erste Badische Alphorntrio.

Zusätzlich gibt es in der Musikkneipe Werkstatt ab 20 Uhr ein ganzes Bandfestival. Als elfter Veranstaltungsort kommt das Stadtmuseum hinzu, in dem im Rahmen von zwei Führungen (21 und 22 Uhr) auch das restaurierte Hammerklavier vorgestellt wird.

Um 23 Uhr findet das Abschlusskonzert der „Nacht der Musik“ in der Marienkirche mit dem Gospelchor „Rejoice“ statt. Doch damit ist noch nicht Schluss. Ab 24 Uhr lassen das Quartett Too Saxy und die Loop-Künstler Frederike Holste und Florian Fennes den Abend in der Rathaus-Galerie ausklingen.

Den Höhepunkt erreicht das Festivalwochenende dann am Sonntag, 14. März, um 11 Uhr mit der feierlichen Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plaketten im Stadttheater. Für den musikalischen Rahmen sorgen neben dem Konzertchor des Musikvereins unter anderem das Landesblasorchester Nordrhein-Westfalen, der Mädchenchor Wernigerode und der Orchesterverein Solingen 1910.

Aus „Der Patriot“ vom 23.02.2010
Musik aus der Stille

Das Arte Ensemble Hannover bot in der Jakobikirche ein wunderbares Konzerterlebnis

LIPPSTADT Was eigentlich kann ein Programm noch anbieten, wenn der Hörer auf das große C-Dur-Quintett, dieses unfassbare Werk von Franz Schubert, wartet? Das Arte Ensemble Hannover hat sich beim Kammerkonzert des Musikvereins Lippstadt in der Jakobikirche im ersten Programmteil für Antonin Dvoráks Quintett G-Dur op. 77 entschieden. Und die wunderbaren Musiker taten alles, den Hörer nicht ungerecht werden zu lassen in der Hörnähe der Schubert-Komposition.Das Dvor
ák-Werk ist wahrlich nicht leichtgewichtig. Temperamentvoll, wenn auch etwas zerstückelt ist das Eingangsallegro, reizvoll in stimmungsvoller Gegensätzlichkeit das Scherzo, voller Emotion der langsame Satz, spielfreudig das Finale.
Das Arte Ensemble wurde dem allen absolut gerecht. War das Scherzo vielleicht noch etwas atemloser denkbar, dann war danach das Andante sehr spannungsvoll und höchst einfühlsam, getragen von dem der Quartettbesetzung ungewöhnlicherweise hinzugefügten Kontrabass als tiefere Unterstimme (Albert Sommer, Kontrabass), erfüllt aber besonders vom sensiblen Celloklang (Nikolai Schneider).
Kathrin Rabus und Theresia Vit (Violinen) und Christian Pohl (Viola) spielten gemeinsam mit diesen aus gleichem Musiziergeist: Alle Musik kommt aus der Stille.
Und dieser gemeinsame Interpretationsansatz machte dann auch Franz Schuberts C-Dur-Quintett zu einem wunderbaren Konzerterlebnis. 22 Jahre nach der wahrscheinlichen Entstehung 1828 wurde dieses Wunderwerk wieder entdeckt, letzte Kammermusikkomposition des jung gestorbenen Komponisten und – ohne etwas hineinzugeheimnissen – vom Gespür für das Lebensende eines sich elend und unglücklich fühlenden Menschen bestimmt.
Was hier die Interpreten an Intensität und dynamischer Differenziertheit leisteten, welche Klanglichkeit bis hin zu fast orchestraler Fülle erreicht wurde (bereichert durch die ungewöhnliche Besetzung mit dem zweiten Cello, von Ute Sommer klangintensiv der bravurösen Quartettbesetzung hinzugefügt) war packend.
Da war bei aller emotionaler Erfülltheit nichts schwiemelig, das Eingangsallegro hatte durchaus seine klanglichen Kanten. Und wer vom herzergreifenden Adagio – für mich einer der unbegreiflichsten Sätze der Kammermusik – nicht ergriffen wird, der muss für Musik unempfindlich sein.
Das Arte Ensemble Hannover wird nach diesem Abend in dankbarer Erinnerung bleiben. AK

Aus „Der Patriot“ 09.02.2010
Luftige Klanglichkeit

Das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode interpretierte Werke von Mozart und Schumann – Star des Abends war der Pianist Matthias Kirschnereit

LIPPSTADT Schön, wenn man einem Programm eine überlegte Zusammenstellung abspüren kann. So war es im Orchesterkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt.Zwei Werke Wolfgang Amadeus Mozarts bildeten den Rahmen, beide mit einem fast theatralischen Gestus. Die rasante Presto-Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“, als Eingangsstück schwierig genug, aber vom Orchester trotz etwas dünnen Streicherklanges und damit verbundenen Missverhältnisses zwischen Streichern und Bläsern temperamentvoll geboten.
Am Schluss die „Haffner-Sinfonie“ Nr. 35, KV 385, ein charmantes, opernhaftes Stück, dem im Eingangsallegro der Charme der Lockerheit ein wenig fehlte, das aber im Andante eine erfreulich luftige Klanglichkeit bekam und in den heiklen Unisono-Klippen des Presto virtuos gemeistert wurde.
Burkhard A. Schmitt leitete das Orchester sehr präzise, sehr straff, und so spielte es dann auch. Manchmal wünschte man sich, der Dirigent würde den Ausführenden ein wenig mehr Spiellockerheit zugestehen. Aber das ist leicht gesagt, wenn er nur begrenzte Probenzeit mit einem unbekannten Orchester hat. Da ist absolute Verlässlichkeit schon ein sehr hoher Wert.
Star des Abends, wenn dieser Begriff für einen wirklich großen Künstler heutzutage nicht schon fast beleidigend ist, war Matthias Kirschnereit. Der Pianist spielte das in einer schweren Lebensphase Mozarts entstandene letzte Klavierkonzert Nr. 27, KV 595 mit wunderbar melancholischer Anmut, bei allem deutlichen Konturenreichtum mit klanglicher Elastizität und völlig selbstverständlicher Farbabschattierung, das es fast in die Nähe des im Programm folgenden Robert Schumann geriet, zu dem er mit dem Eingangsstück aus Schumanns Kinderszenen „Von fremden Ländern und Menschen“ überleitete, mit schlichter Poesie gespielt.
Das Stück dieses Komponisten, an den man zu seinem 200. Geburtstag in diesem Jahr gerne erinnert, seine „Introduktion und Allegro Appassionato“ G-Dur op. 92 erklingt merkwürdig selten im Konzertsaal. Eigentlich unverständlich, denn die Komposition, aus einem kleinen Motivkern entwickelt, hat ein durchaus mitreißendes Moment, bietet dem Solisten eine dankbare, wenn auch etwas spröde Partie, die Matthias Kirschnereit virtuos auskostete, lässt das Orchester farbreich aufleuchten.
Wenn das Horn dann auch noch so hingebungsvoll „romantisch“ erklingt wie bei den Wernigerodern, dann begeistert die Komposition Robert Schumanns und fordert den Dank an den gewissenhaft und musikalisch-musikantisch musizierenden Burkhard A. Schmitt, dieses Werk im Programm geboten zu haben. AK

Aus „Der Patriot“ vom 26.01.2010
Prachtvolles Programm

Das rumänische Arcadia String Quartet begeisterte durch einen absolut homogenen Klang und eine faszinierende dynamische Sensibilität

LIPPSTADT Ein prachtvolles Programm für die wohl schönste, sensibelste Kammermusikformation die denkbar ist, das Streichquartett. Das erlebten die Zuhörer bei der Veranstaltung des Städtischen Musikvereins Lippstadt in der Jakobikirche mit dem Arcadia String Quartet.Es gibt immer wieder Phasen, in denen gerade das Musizieren der vier Streichermusikanten eine besondere Bevorzugung erfährt, und seit einigen Jahren ist das so. Immer wieder erscheinen junge, hochqualifizierte Streichquartetts, die sich neben den großen Namen der Etablierten, dem Amadeus-, dem Alban-Berg-, oder dem Melos-Quartett verblüffend selbstverständlich behaupten können.
Streichquartette brauchen zur höchsten Reife lange Zeit der Zusammenarbeit. Das rumänische Arcadia String Quartet wurde erst vor fünf Jahren gegründet, aber welche Reife hat es doch schon! Man kann verstehen, dass ihm der erste Preis beim 1. Internationalen Kammermusikwettbewerb zugesprochen worden ist, und das für die Interpretation des Werkes von Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Streichquartett a-Moll op. 13 auch am Beginn des Programms in der Jakobikirche stand.
Was sind die besonderen Merkmale dieses noch jungen Quartetts? Da ist zunächst der absolut homogene Klang, dem fast alles untergeordnet wird, was natürlich durchaus Einschränkungen im Ausdruckswert zur Folge haben kann. Und da ist eine faszinierende dynamische Sensibilität, die sich in einer breiten dynamischen Palette niederschlägt. Unter diesen Voraussetzungen gelang Mendelssohns Streichquartett mit wunderbarer dynamischer Differenzierung, melancholisch grundiert, einer klanglichen Intimität, die das Werk des erst 18-jährigen Komponisten umso staunenswerter erscheinen ließ.
Die interpretatorische Fähigkeit des Arcadia String Quartet (mit Ana Bogatila und Rasvan Dumitru, Violinen und am 1. Pult alternierend, Traian Boala, Viola und scheinbar der Kopf des Ensembles, und Zsoltan Török, Violoncello) bewies sich nicht minder im Streichquartett Nr. 1 von Leos Janacek. Die an eine Erzählung von Leo N. Tolstoj angelehnte, diese aber nicht bebildernde Komposition bekam innerhalb des höchst sensiblen Klangbewusstseins auch die expressiven Ausdrucksmomente, die das Werk von Leos Janacek zu einem bedeutenden Stück der Quartett-Literatur macht, übertroffen vielleicht noch von „Intime Briefe“, die noch stärker die Gefühlslage des Komponisten durchscheinen lassen.
Ludwig van Beethovens cis-Moll-Quartett op. 131 ist in seiner Siebensätzigkeit ein Kosmos an schöpferischer Gestaltungskraft von der streng polyphonen Adagio-Fuge bis zum Sonatansatz-Finale. Mit bewundernswerter Intensität nahmen sich die Künstler des Werkes an, charakterisierten die ausdrucksgeladenen Einzelsätze, prachtvoll dabei besonders der knappe Variationssatz.
Aber das Bemühen um andauernde Ausdrucksvertiefung, bei einem noch jungen Ensemble wohl verständlich, lässt den natürlichen Duktus der Musik etwas verlorengehen. Da wird dann wunderbar gespielt, aber es klingt dann ein wenig nach Beethoven aus den Händen Mendelssohn Bartholdys. Wie auch immer: Es war ein langer nachklingender Quartettabend mit hochbegabten Künstlern. AK

Aus „Der Patriot“ vom 23.12.2009
Rauschhafte Klangfülle

Der verblüffende Pianist Michael Korstick war beim Konzert der Bochumer Symphoniker der durch viel Beifall gekrönte König des Abends

LIPPSTADT Mit einem erfreulich unkonventionellen Programm gastierten die Bochumer Symphoniker unter der Leitung des ebenso rhythmusbewussten wie Klangdisziplin fordernden Dirigenten Steven Sloane im Lippstädter Stadttheater. Seiner Fähigkeit zu großräumiger Disposition war es zu danken, dass die durch unterschiedliche Besetzung jeweils bestimmten Einzelteile der einsätzigen 4. Sinfonie op. 29 des Dänen Carl August Nielsen nicht auseinander fielen in stimmungsvolle, melancholische, stilistisch weit zurückverweisende Bläserabschnitte oder auftrumpfende Bombastik, bestimmt durch explodierendes Schlagwerk.Bemerkenswert die klangliche Disziplin und Flexibilität der Bochumer, deren Holzbläser Steven Sloane zurecht heraushob, sehr klangelastisch auch die Streicher, deren Violen ein Sonderlob verdienen. So begegnet man mit Gewinn einem Werk, dass sich selten im Programm findet, das große Überzeugungskraft in seiner tonalen Verarbeitung beweist, mir allerdings ein wenig „gemacht“ erscheint.

Sergei Rachmaninows 3. Klavierkonzert d-Moll op. 30 ist ein Überwältigungswerk, wenn es den der Komposition kongenialen Solisten findet. Und Lippstadts wohl durch die Wetterlage leicht dezimiertes Publikum erlebte einen phänomenalen Pianisten, den durch reichen Beifall gekrönten König des Abends: Michael Korstick. Wie er diesem durch riesige formale Dimension bestimmten Werk, dieser rauschhaften Klangfülle, dieser breiten Skala von Ausdruckswerten, die von Melancholie bis klangliche Eruptionen reichen, auf den Klavierleib rückte, das verdiente jede Begeisterung.
Da wurde der große Bogen gespannt vom liedhaft-lyrischen Beginn über die große Steigerung mit der umfangreichen Solo-Kadenz des ersten Satzes, bis zum spielerischen Finale mit der bravurösen Stretta: packend!

Verblüffend dabei die raschen Farbwechsel, die ihm seine phänomenale Technik wie selbstverständlich ermöglicht. Dabei werden auffallend die vermeintlich überemotionalen Momente fast distanziert zurückgenommen, wodurch dann der durchaus erhaltene Wohlklang für die hohe Kompositionstechnik durchscheinend wird.

Michael Korsticks letzte Franz-Liszt-CD führt genau vor, was der Hörer hier erleben durfte: sein kluges, werkerschließendes Vermögen zu Spannung und Entspannung, zu packender Kraftentfaltung wie zum entspannten Leggiero.

Und Steven Sloane führte das Orchester genau auf dieser Linie, rhythmisch präzise und doch mit innerer Entspannung, klanglich differenziert und klangfarbenbewusst.

Ein Konzertabend also auf hohem Niveau. Man muss die Hörer bedauern, die ihn nicht erleben konnten.

AK

Aus „Der Patriot“ vom 24.11.2009
Frohlocket ihr Völker auf Erden

In seinem zweiten A-Capella-Programm präsentiert der Kammerchor Con Brio „Chormusik zum Advent“. Das Konzert in der Jakobikirche bietet Altvertrautes und fast Vergessenes aus vier Jahrhunderten

LIPPSTADT „Chormusik zum Advent“ steht am Sonntag, 29. November, in der Lippstädter Jakobikirche auf dem Programm. Nach seinem Debüt im März präsentiert sich der Kammerchor Con Brio des Städtischen Musikvereins mit seinem zweiten A-cappella-Programm dem Publikum. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.Unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt unternimmt Con Brio einen musikalischen Streifzug durch vier Jahrhunderte und mischt dabei Altvertrautes und fast Vergessenes. Anknüpfend an das zur Neige gehende Jubiläumsjahr von Felix Mendelssohn Bartholdy erklingt das sich zur Acht-Stimmigkeit entfaltende „Weihnachten – Frohlocket ihr Völker auf Erden“ und das doppelchörige „Im Advent“. Vertraute Werke wie der vierstimmige Satz „Es ist ein Ros entsprungen“ von Michael Praetorius oder „Unser lieben Frauen Traum“ von Max Reger stimmen ebenso auf die Adventszeit ein wie Motetten von Johann Eccard, Michael Praetorius, Heinrich Schütz, Max Reger und Anton Bruckner sowie fast schon volkstümliche Choräle aus dem „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach. Abgerundet wird das Programm durch Prosatexte und Gedichte zur Advents- und Weihnachtszeit.
Karten sind in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Telefon: (0 29 41) 5 85 11, bei den bekannten auswärtigen Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse erhältlich.

Aus „Der Patriot“ vom 24.11.2009
Musikalischer Sprengstoff

Das Armonia-Bläserensemble präsentierte in der Jakobikirche Raritäten der Musikliteratur

LIPPSTADT Normalerweise spielen sie im großen Sinfonieorchester: Die Solisten des Armonia-Bläserensembles, das vor zehn Jahren von Mitgliedern des Leipziger Gewandhausorchesters gegründet wurde, nutzen die spielfreien Tage, um sich intensiv der Pflege groß besetzter Bläserkammermusik zu widmen.Auf Einladung des Städtischen Musikvereins präsentierte das Ensemble seine musikalische Visitenkarte mit klangedlen Perlen der Musikliteratur vor dem stilvollen Ambiente der Lippstädter Jakobikirche. Jeder Solist des Ensembles erwies sich als Virtuose auf seinem Instrument: Henrik Wahlgren (Oboe), Andreas Lehnert (Klarinette), Clemens Röger (Horn) und David Petersen (Fagott) dokumentierten spielfreudig mit ihrem dynamisch-prägnanten Zusammenspiel die hohe Schule lupenreiner Blasmusik der gehobenen Konzertliteratur.

Das begann recht lebhaft mit adretten Spielstückchen als solistisch eigenständiges Bläsertrio mit Erwin Schulhoffs Divertimento für Oboe, Klarinette und Fagott, bevor das Ensemble mit einem zauberhaft klingenden Concertino bei Wolfgang Amadeus Mozarts viersätzigem Klavierquintett Es-Dur Maßstäbe setzte.

Hier gesellte sich der in Österreich gebürtige Pianist Franz Vorraber hinzu, um das Auditorium mit teils sensibler Klangsprache, aber auch mit resoluten, kraftstrotzenden Sequenzen und brillanten Manualläufen solistisch zu begeistern.

Bei Mozart erwies sich das Quartett der Bläser, das die Intonationen des Pianisten aufnahm, als durchaus ebenbürtig, während bei Heinrich von Herzogenbergs Klavierquintett Es-Dur der Pianist seinen dominierenden Part am Flügel mit faszinierenden Glanzparaden wahrhaft auslebte.
Kraftvoll-resolut ging das Ensemble die zwingende Thematik im ersten Allegro-Satz an, der vom zartfühlenden Adagio in feinster Cantabile-Gangart abgelöst wurde. Musikalischen Sprengstoff barg das finale Allegro giocoso mit der äußerst lebhaft nachempfundenen Thematik und den ruhigeren Motiven im Mittelteil.

Die vorgestellten Raritäten der Musikliteratur gediehen in diesem Kammerkonzert zu hörenswerten Juwelen.

LB

Aus „Der Patriot“ vom 03.11.2009
Mit großer Intensität

Dem Musikverein gelang unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt eine bewundernswerte Interpretation der „Matthäus-Passion“ von Bach

LIPPSTADT Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ ist wohl eines der monumentalsten Werke der Oratorienliteratur, ein geistig-geistlicher Kosmos, dem sich eine Interpretation mit höchster Demut zu nähern hat. Und es ist doch nicht allzu konservativ, einem solchen Werk den angemessenen Raum und weniger eingespieltes Pausenverhalten zu wünschen.Die Aufführung des Lippstädter Musikvereins unter der Leitung von Burkhard A. Schmitt hatte im Stadttheater gegen ein geläufiges Konzertverhalten anzuspielen, und es gelang mit großer Intensität. Es war mehr als bewundernswert, wie Burkhard A. Schmitt ein Konzept über das ganze Werk legte, das diesem Riesengemälde eine geistige wie emotionale Durchdringung verschaffte, die in jedem Moment der textlichen und klanglichen Anforderung entsprach.
Dazu verhalf im besonderen Maße der Konzertchor des Lippstädter Musikvereins, konzentriert, klanglich in beiden Chören – und die Aufspaltung in zwei Chöre stellt ja besondere Aufforderungen – von großer Ausgeglichenheit, präzise in der von Schmitt abverlangten Artikulation und überzeugend in den Chorälen. Gerade diese, eigentlich der Maßstab einer Interpretation von Johann Sebastian Bachs Passionen, gewannen in ihrem jeweils durch den dramatischen Ablauf bestimmten Tempo den für die Konzeption entscheidenden Stellenwert, nicht emotional aufgeladen, nicht betrachtender Gemeindegesang. Mit großer Stahlkraft und beachtlicher klanglicher Disziplin überzeugte in den beiden großen Rahmenchören der Knabenchor Gütersloh.
Mit den Mitgliedern der NDR Radiophilharmonie aus Hannover hatte Burkhard A. Schmitt ein Instrumentalensemble, das zwar nicht streng auf klanglich historische Spielweise zielte, aber die dabei gewonnenen Elemente besonders der Artikulation selbstverständlich aufgenommen hat. Durchsichtigkeit, Elastizität, musikalische Intelligenz und klangliche Differenzierungskunst zeichnete das Orchester und die Instrumentalsolisten aus.

Stimmlich beklemmend indisponierter Christus

Die Gesangssolisten des Abends blieben nicht unbeeinflusst von der momentanen Wetterlage. Beklemmend indisponiert war dabei Dieter Goffing als Christus. Eine wohl überzeugende Mikrophonstimme hat Marcus Ullmann, für den Theaterraum reichte diesmal die locker, aber sehr schmal geführte Stimme mit Höhenschwierigkeiten nicht. Zudem müsste ein deutlicheres Verhältnis zwischen distanziertem Berichterstatter und etwas aufgesetztem Textausdeuter definiert werden.
Stimmlich und rollenbewusst souverän war Ulf Bästlein, leider etwas distanziert in einem der Werkhöhepunkte, dem Rezitativ „Am Abend, da es kühle war“.
Es sind die großen Frauen-Arien und Rezitative, die in Bachs „Matthäus-Passion“ die emotional erfüllten Ruhepunkte setzen. Den beiden Damensolisten gelang das bewunderungswürdig, Marietta Zumbült mit ihrem dem Werk so angemessenen, etwas abgedunkelten, texteinfühlsamen Sopran, der „Ich will dir mein Herze schenken“ ebenso wie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ erfüllte. Ebenso Margit Diefenthal mit ihrem heute so selten gewordenen warm timbrierten Alt, dessen individuelle Gestaltungsmöglichkeit „Buß und Reu“ ebenso anrührend erfüllte wie die „Erbarme dich“-Arie.
In Lippstadt erklingt Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ in großen zeitlichen Abständen. Das ist gut so und lässt das Werk nicht zu einem Passions-Ritual werden. Die Aufführung durch den Städtischen Musikverein unter Burkhard A. Schmitt war des Anspruchs eines solchen Werkes würdig. AK

Aus „Der Patriot“ vom 03.11.2009
Prachtvolle Demonstration
Begann das Konzert des Delos Trios klanglich noch ein wenig bieder, so bewiesen die drei Künstler später durchaus Mut zum Risiko

LIPPSTADT So wie beim jüngsten Kammerkonzert des Städtischen Musikvereins Lippstadt mit dem Delos Trio Köln könnte man sich eine Hausmusik vorstellen, wenn es das heute noch gäbe: intim, qualitätsvoll, von begrenzter technischer Anforderung, sich durchaus auch weniger spektakulärer Kompositionen annehmend.Ein solches Hauskonzert bekommt seinen Charakter natürlich auch besonders durch die instrumentale Besetzung, und die war beim Delos Trio Köln mit Gudrun Höbold (Violine), Dietmar Berger (Violoncello) und Hubert Käppel (Gitarre) gegeben.Nun ist das erste Werk des Programms, Joseph Haydns Cassation C-Dur, die Bearbeitung eines frühen Streichquartetts, aber nicht ohne Charme. So erfreut das Adagio mit dem Violin-Sordino und der Pizzikato-Begleitung durchaus als hübsches Ständchen, und auch der Schlusssatz ist recht reizvoll. Aber insgesamt klangen Komposition und Interpretation neben einigen Schärfen der Violine doch ein wenig bieder und deuteten eher an, was später aus diesem Joseph Haydn für ein glänzender Komponist hatte werden können.
In gleicher Trio-Besetzung spielte das Delos Trio die Nr. 3 G-Dur von Isidro de Laporta (ich schäme mich nicht, diesen Komponisten nicht gekannt zu haben), freundliche Kleinigkeiten, die besonders dem Primissimus inter Pares, wenn es so eine Bezeichnung gibt, Hubert Käppel (Gitarre) die Gelegenheit gab, sein technisches wie lustvoll musikantisches Vermögen vorzuführen.
Niccol ò Paganinis Terzetto Nr. 1 war sicherlich das bedeutendste Werk des Abends für das Trio. Und hier spielten die drei Künstler mit großem Nuancenreichtum und klanglichem Raffinement, bewies der Komponist, wie souverän anspruchsvoll er Violine und ebenso Gitarre einzusetzen wusste, und die hohen Anforderungen an die Ausführenden wurden prachtvoll bewältigt.
Im eigentlichen Zentrum des Programms aber standen zwei andere Werke. Da spielte Hubert Käppel das populäre Prelude e-Moll und das in D-Dur mit klanglicher Erfülltheit und perfektem, geräuschlosen Lagenwechseln, eine prachtvolle Demonstration der schwierigen Kompositionen von Heitor Villa-Lobos.
Nichts aber war so packend im Programm wie das Duo für Violine und Violoncello von Erwin Schulhoff. Gudrun Höbold (Violine) und Dietmar Berger (Violoncello) spielten das Duo mit temperamentvollem Einsatz, mit Mut zu klanglichen Risiken bis in heikle Flageolett-Partien hinein, trafen den Tanzcharakter der Zingarese ohne aufgesetzte Tanzseligkeit mit distanzierter technischer Bravour. Das war eine dankbar akklamierte Begegnung mit einer spannungsvollen Komposition.
Viel Beifall am Konzertende und auch die Ermunterung dazu, die akustischen Gegebenheiten der Jakobikirche noch einmal kritisch zu bedenken. AK