17.11.2025; Der Patriot
Kindertotenlieder und eine musikalische Totenfeier für einen Soldaten – das klang nach schwerer Kost am Volkstrauertag. Doch das Chor- und Orchesterkonzert des Städtischen Musikvereins vermittelte im Lippstädter Stadttheater vor allem eins: Hoffnung.
Lippstadt – Als „Musikalischer Trost am Volkstrauertag“ war das Konzert betitelt. Doch Worte allein vermögen nicht den emotionalen Tiefgang der sorgfältig ausgewählten Stücke in ihrer höchst qualitativen Darbietung zu erfassen. Womit die große Schar der Akteure unmittelbar ins Herz traf. War die musikalische Botschaft doch eine der Hoffnung und ja, eines liebevollen Trostes angesichts des Todes, der zumindest die Endlichkeit des Irdischen bedeutet, für viele aber auch die Hoffnung auf ein Mehr danach.
Am Sonntag kam unter der künstlerischen Leitung von Burkhard A. Schmitt mit der Philharmonie Südwestfalen, dem Konzertchor Lippstadt und dem Bariton Lars Conrad ein motiviertes Ensemble zusammen, das mit Gustav Mahlers „Kindertotenliedern“, Edward Elgars „Nimrod“ aus den „Enigma Variationen“ op. 36, Lili Boulangers „Pour les Funérailles d’un Soldat“ und Gabriel Faurés „Requiem“ op. 48 die Botschaft himmlischer Musik vom Trost über den Tod hinaus in ein perfekt abgestimmtes Klangwerk bettete.
Harmonische Dichte und lebendige Dynamik
Der Chor im hinteren Bühnenbereich sah sich einer akustischen Herausforderung gegenüber und durfte alles geben. Im Zusammenklang mit dem vorgelagerten Orchester meisterte er dies bravourös, so wie es Dirigent Burkhard A. Schmitt gelang, alle Akteure in Präzision zusammenzuführen.
Alle Werke stammen von Komponisten aus der Epoche der sogenannten Nationalromantik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, was unüberhörbar war. Wer Elgars royale Hymne „Pomp and Circumstance March“ kennt, weiß, welch triumphale, eindringliche Kraft diese Musik besitzt. Ausgezeichnet durch harmonische Dichte und lebendige Dynamik berührt sie in unvergleichlicher Weise, am Sonntag auf eine sehr behutsame, andächtige, schöngeistige Art und Weise. Und dies, obwohl Mahler selbst durch den Tod seiner vierjährigen Tochter von traurigen Gefühlen übermannt wurde.
Trotz einer von Trauer grundierten Klangsprache lenkt er den finalen fünften Satz seiner „Kindertotenlieder“ auf ein strahlendes D-Dur. Der weiche Bariton von Conrad fügt sich in diese klangmalerischen Welten, die annähernd die Kraft von Opernarien eines Puccinis entwickeln, an die Leichtigkeit der damals aufkommenden Strauss’schen Walzerseligkeit oder sogar an Filmmusik erinnern. Dazu tragen satte Kontrabässe, trillernde Querflöten, Glockenspiele und sanfte Oboen bei.
Seelenfutter liefert auch Elgars „Nimrod“ aus den „Enigma-Variationen“, die eigentlich Charakterporträts von Freunden beschreiben sollen. Die bekannte Melodie wird von ausschweifenden Legati-Bögen der Streicher getragen.
Das berührt, ebenso wie Lili Boulangers Kantate im Gedenken an die Soldaten, die sie 1912 als Studentin schrieb. Einführende Trommeln und murmelnde Männerstimmen erwachsen zu einem geradezu monumentalen, die Sinne stimulierenden Chor- und Orchesterwerk, das ein Schlachtfeld assoziieren lässt.