Die Sängerin des Abends: Angela Simkin, eine Mezzosopranistin, deren Stimme für Opernarien wie gemacht schien. Foto: Bettina Boronowsky

Publikum beim Silvesterkonzert in Lippstadt war Feuer und Flamme

01.01.2026; Der Patriot

Von Bettina Boronowsky

Lippstadt –

Ein paar Schmeicheleien gleich am Anfang und schon läuft der Abend, mag sich der beliebte Moderator Markus Wallraben gedacht haben. Und siehe da, sein Rezept für den Silvesterabend ging auf: Schon mit der Begrüßung im „schönsten Stadttheater auf dem europäischen Kontinent“ hatte er das Publikum im ausverkauften Lippstädter Haus auf seiner Seite.

 

Die Sache mit
der Zahnlücke

Und als er dann mit der Geschichte seiner Zahnlücke nachlegte, die nur die erste Reihe hätte erkennen können, war’s um die Zuhörer geschehen. Zu hören, dass der Moderator angeblich in der Stadt Soest, der ewigen Rivalin, eine siegreiche Schlacht um die Ehre Lippstadts geschlagen hatte, ging dem überwiegend älteren Publikum runter wie Honig. Und das umso mehr, als die Neue Philharmonie Westfalen, das Landesorchester NRW, das Ihre dazu tat, den Abend gleichermaßen festlich und schwungvoll zu gestalten.

Mit einem Ohrwurm, der Ouvertüre zu Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“, wurde dieses Versprechen sofort eingelöst. Und schon ging’s weiter mit einer der bekanntesten Arien aus dieser Oper, „Una voce poco fa“. Bei dieser Gelegenheit lernten die Besucher die Sängerin des Abends kennen: Angela Simkin, eine Mezzosopranistin, deren Stimme für Opernarien wie gemacht schien.

15 Mal ist die Philharmonie Westfalen mit diesem Programm in diesen Tagen im Einsatz. Sie gestaltet nicht nur Silvesterabende, sondern auch manches Neujahreskonzert.

Richtig rund ging’s nach der Pause. Stücke à la Johann Strauß Vater und Sohn, dessen 200. Geburtstag 2025 gefeiert wurde, gaben den Ton an. Ob man wollte oder nicht: Unwillkürlich begannen die Fußspitzen zu wippen und am liebsten hätte man sich im Walzertakt gedreht oder wäre im Galopp gesprungen.

Nach der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ war endlich auch das Motto-Lied des Abends zu hören: „Ich lade gern mir Gäste ein“. In dieser Hosenrolle konnte Sängerin Angela Simkin reüssieren. Dazu wurden ein rasanter Latin-Galopp nach Art von Vater Strauß, der bekannte „Cancan“ aus Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ und ein Bekenntnis nach Gershwins „By Strauß“ serviert.

Jede Instrumentengruppe des gekonnt und gewohnt solide aufspielenden Orchesters stellte sich vor. Beim markanten „Capriccio espagnol“ von Rimsky-Korsakow gaben die Musiker noch einmal alles. Das Landesorchester war in voller sinfonischer Stärke angetreten. Statt des erkrankten Harry Ogg hatte der französische Dirigent und Harfenist Aurélion Bello die musikalische Leitung übernommen. Und alle wussten, worauf das Ganze hinauslaufen sollte: Auf den zünftigen Radetzky-Marsch, der jedes Lippstädter Silvesterkonzert beendet. Da war das Publikum Feuer und Flamme – und ließ seiner Begeisterung mit Klatschen und Pfeifen freien Lauf.