
Der Patriot, 12.+17.02.26
Bettina Boronowsky
Lippstadt – Krankheitsbedingt muss das Duo Cello Duello sein Konzert am Samstag, 14. Februar, in der LippstädterJakobikirche absagen. Doch der Städtische Musikverein hat sehr kurzfristig einen nicht wenigervielversprechenden Ersatz gefunden. Das junge Ensemble springt mit seinem Programm „Traumwelten“ ein.Mari Ángeles del Valle Casado (Sopransaxofon), Eva Kotar (Altsaxofon), Ajda Antoloviè (Tenorsaxofon) undFilip Orloviæ (Baritonsaxofon) interpretieren als Originalwerke für die Besetzung Jean-Baptiste SingeléesPremiere Quatuor, op. 53, Eugène Bozzas Andante und Scherzo und Thierry Escaichs „Tango virtuoso“.Nach der Pause erklingen mit Maurice Ravels „Le tombeau de Couperin“ und einer Suite aus GeorgeGershwins Jazzoper „Porgy and Bess“ für vier Saxofone neu arrangierte musikalische Klassiker. Gegründetwurde das Eternum Saxophone Quartet 2017 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sich die vierMusiker in der Klasse von Professor Daniel Gauthier kennenlernten. 2022 schlossen sie ihrKammermusikstudium bei Han-An Liu ab.
Hervorragender Ersatz: das Eternum Saxophone Quartet inLippstadt
Lippstadt –
Kaum eine Instrumentengruppe wäre im Quartettspiel schwieriger zu identifizieren gewesen alsein Saxofonquartett. Das Publikum in der Lippstädter Jakobikirche aber brauchte am Samstagabend nichtlange zu rätseln. Peter Knop, Vorsitzender des Musikvereins, verkündete gleich zu Beginn: „Heute bieten wirIhnen statt zwei Streicher vier Bläser.“
Hintergrund dieser überraschenden Änderung: Das Cello-Duo, das sich einen konzertanten Wettstreit aufden Saiten liefern wollte, musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Aber dem rührigen Musikverein wares gelungen, innerhalb eines Tages mit dem Eternum Saxophone Quartet einen Ersatz zu finden. Das jungeKölner Ensemble spielt in internationaler Besetzung mit der Spanierin Mari Ángeles del Valle Casado amführenden Sopransaxofon, den beiden Rumäninnen Eva Kotar am Alt- und Ajda Antolovic am Tenorsaxofonsowie dem Serben Filip Orlovic am Baritonsaxofon. In ihrem Programm „Traumwelten“ ließen die vier ihreSaxofone mit all ihren warmen, weichen und beißenden, glänzenden, biegsamen, strahlenden undkraftvollen Aspekten hören.
1840 von Adolphe Sax erfunden und 1846 patentiert, wurde dem neuen Instrument schon wenig später daserste Quartett gewidmet – nämlich das Premiere Quatuor, op. 53 von Jean-Baptiste Singelée. Dieses Werkstellten die Musiker natürlich zuerst vor. Die vier Sätze finden ohne große Umstände den Beifall desPublikums. Sie sind melodisch, eingängig, im romantischen Stil komponiert und enthalten etliche Einschübe.
Bekannt wurde das Saxofon mit dem Aufkommen des New-Orleans-Jazz, obwohl Adolphe Sax es als„ernsthaftes“ Instrument konstruiert hatte, das eine klangliche Lücke im klassischen Orchester schließensollte. Dieses Bestreben und den ganzen Facettenreichtum der Instrumente ließen die beiden anderenOriginalwerke im ersten Teil des „Traumwelten“-Programms deutlich hören: Eugène Bozzas Andante undScherzo sowie der Tango von Thierry Escaich zeigen klanglich deutliche Anklänge an die klassischeModerne.
Der zweite Teil dagegen brachte Bearbeitungen von Maurice Ravels Barock-Replik „Le tombeau deCouperin“, arrangierte von Christoph Enzel, und eine fünfsätzige Suite aus George Gershwins „Porgy andBess“, arrangiert von Sylvian Dendon. Dieser zweite Teil setzte in Sachen Virtuosität, Inspiration undHomogenität noch einen drauf. Einfach faszinierend zu beobachten, wie die vier Musik nicht nur im gleichenTakt schwangen, sondern auch ihren Atem wunderbar koordiniert fließen ließen. Zum Schluss bündelten sienoch einmal alle Kräfte.
Obgleich das Spiel auf dem Saxofon physisch anstrengend ist, vor allem das auf Bariton und Sopran,gelang es den vier Holzbläsern auch nach anderthalb Stunden noch mit bewundernswerter Kraft und Vervezu spielen. Schade, dass die Zeit zu kurz war, um noch Zettel mit dem Programm zu drucken. Gerade amAnfang hätten diese dem Publikum die Orientierung erleichtert. Die vier Spieler sagten die Werke und ihreSchöpfer selber an.
Es gab eine Zugabe. Das Publikum applaudierte freundlich. Aber man hat es schon deutlichenthusiasmierter gesehen.
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