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Ein donnerndes „Rule Britannia“ im Lippstädter Stadttheater

DER PATRIOT von Bettina Boronowsky

British Proms Night

 

Lippstadt –

So etwas hat Lippstadt lange nicht erlebt. Das proppenvolle Stadttheater verwandelte sich in ein Meer hunderter britischer Fähnchen, die Zuhörer flippten nahezu aus, und wie ein Mann donnerte der riesige Chor: „Rule Britannia!“

So weit hatten der schottische Dirigent Russel Harris und die Philharmonie Südwestfalen es gebracht. Zum Start der Musikvereins-Saison hatten der musikalische Leiter Burkhard A. Schmidt und der Vorsitzende Dr. Peter Knop absolut ins Schwarze getroffen, als sie zur „British Proms Night“ einluden. Das Konzert mit der Philharmonie Südwestfalen orientierte sich am traditionell in der Londoner Royal Albert Hall stattfindenden Abschlusskonzert der BBC Proms.

Es begann ganz harmlos. Wie stets steif in den Sitzen platziert, lernte das Publikum Werke von Hamish MacCunn und Granvill Bantock kennen, Komponisten, von denen die wenigsten etwas gehört hatten. Der frisch gebackene Brüder-Busch-Preisträger Sandro Hirsch steuerte ein Trompetenkonzert von Joseph Hadyn bei, der immerhin einige Jahre in London gelebt und gearbeitet hat. Die weibliche Solistin des Abends war Mirjam Theil, die das Publikum mit „The Last Rose of Summer“ verzauberte.

Zwischendurch galt es, die fantasievollen Outfits zu bewundern, in die sich einige Gäste geworfen hatten. Gestandene Herren lustwandelten mit imposanten Bärten, in kompletter Ausgehuniform mit ihren Damen am Arm umher. Damen hatten eigens aus dem Union Jack Kleider wie von damals kreiert und posierten im Foyer. Manchen reichten Bänder in den richtigen Farben, um britischen Charme zu verbreiten.

Nach der Pause kam das Publikum erst nur langsam in Wallung. Aber als dann der schottische Dirigent Russell Harris Programm Programm sein ließ und drauflos dirigierte, kam so richtig Schwung in die Reihen. Augenzwinkernd und mit typisch britischem Humor gab Harris, der sich zwischenzeitlich in eine thematischhundertprozentig passende Weste geworfen hatte, den Ton an. Die  Lippstädter folgten ihm voller Begeisterung.

Ob es galt, eine Suite rustikaler Tänze mit Fähnchen-Schwenken oder den River-Kwai-Marsch mit rhythmischen Klatschen zu begleiten, ob mit leuchtenden Handys Atmosphäre gezaubert werden sollte oder Ruhe beim traditionellen lyrische „Jerusalem“ angesagt war – überschwänglich und entzückt war das Publikum dabei.

Und endlich kamen auch die beiden echten Hits der „Last Nicht of the Proms“ groß raus. „Pomp and Circumstance“ von Edvard Elgar. Und schließlich – noch vor den beiden Nationalhymnen – das „Rule Britannia“. Und keiner von denen, die da laut und mit einem Lächeln im Gesicht mitsangen, dürfte wohl, trotz des Textes, imperialistische Gedanken gehabt haben, sondern einfach nur großen Spaß.