Eric Schneider (l.) und Giacomo Schmidt. Foto: Helga Wissing

Wenn aus Gedichten Lieder werden

03.11.2025; Der Patriot

Lippstadt – Gefühlvolle Lyrik, romantische Gedichte, Zeilen, die eigentlich gesprochen werden, in wunderbaren Gesang verpackt. Der Musikverein Lippstadt hat am Wochenende zu einem ganz besonderen Kammerkonzert eingeladen. In der Jakobikirche bot der junge Bariton Giacomo Schmidt, begleitet von seinem ehemaligen Lehrer Eric Schneider, einen unvergesslichen Hörgenuss.

Das, was man unter dem schlichten Titel „Herbst“ zu hören bekommt, ist ebenso ungewöhnlich wie anspruchsvoll. Dabei spannen die beiden Musiker den Bogen von der Romantik bis zur Moderne. Die Veranstaltung beginnt mit Liedern, die Robert Schumann nach Gedichten von Wilfried von der Neun verfasst hat. Was wie ein Pseudonym klingt, ist auch eines. Dahinter verbirgt sich der Leipziger Theologiestudent Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff.

Passend zum Titel gibt es auch ein „Herbstlied“. Der Sänger intoniert die Lieder mit einer hervorragenden Stimme voller Wärme, Empathie und Ausdruckskraft. „Durch die Tannen und die Linden, spinnt schon Purpur her und hin. Will mich Wehmut überwinden, dass ich bald im Herbste bin.“ Giacomo Schmidt singt die Texte mit dem für das 19. Jahrhundert typischen Pathos. Das wirkt für einen Moment befremdlich und gleichzeitig unglaublich authentisch.

Der Abend ist eine faszinierende Zeitreise. Pianist Eric Schneider geht dabei so harmonisch mit, dass man spürt, dass diese beiden schon oft gemeinsam aufgetreten sind. Einen großen Sprung ins nächste Jahrhundert gibt es mit drei Stücken aus den „Neuen Alexanderliedern“ von Wolfgang Rihm. Der Titel erklärt sich daraus, dass der Verfasser Ernst Herbeck, der fast sein ganzes Leben in der Psychiatrie verbrachte, seine Gedichte unter dem Pseudonym „Alexander“ veröffentlicht hat. In direkter Übertragung der Texte durch eine intensive, oft brüchige Klangsprache habe Rihm versucht, die Ausdrucksmittel romantischer Subjektivität neu auszurichten, ist im Programm zu lesen. Eindrucksvoll setzt Eric Schneider das am Klavier um. Gezielt eingesetzte Dissonanzen unterstreichen die Verse.

Wie sorgfältig und zeitlich passend die Stücke ausgesucht wurden, zeigt auch die „Litanei auf das Fest Allerseelen“ von Franz Schubert aus der Sammlung „Schwanengesang“. Das Duo bekommt begeisterten Applaus und bedankt sich mit dem Lied „Der Kirschdieb“ von Hanns Eisler und Bertolt Brecht.