Tianwa Yang und Nicholas Rimmer interpretierten „Winterträume“ von Johannes Brahms, Franz Liszt, Clara und Robert Schumann sowie Franz Schubert. Foto: Bettina Boronowsky

„Winterträume“ zum Ausklang

15.12.2025; Der Patriot

Von Bettina Boronowsky

Lippstadt – Immer kräftiger und wärmer wird der lange Anfangston der Violinsonate Nr. 1 D-Dur von Johannes Brahms, bis er rund und klar im Raum steht. Hier ist eine Künstlerin am Werk: die renommierte Geigerin Tianwa Yang aus Peking. An ihrer musikalischen Seite hatte sie einen Partner, bei dem es sträflich wäre, ihn einfach Begleiter zu nennen: Nicholas Rimmer ist nichts weniger als ein bravouröser Pianist.

„Winterträume“ hatte das Duo sein Programm genannt, mit dem es am dritten Adventsabend in der Jakobikirche die Konzertreihe des Musikvereins – abgesehen vom Silvesterkonzert – für dieses Jahr abschloss. Und tatsächlich leuchtete die Musikauswahl in gedämpfteren, sanftere, getrageneren Farben als im Sommer.

Mit Ausnahme des Werks, das Franz Liszt über die Romanze „Le Marine“ von Philip Lafont geschrieben hatte. Von diesem Meister erwartet man nichts anderes als anderes als Stücke, die seine Brillanz glänzen lassen. Und so triumphierte nach der gediegenen Brahms-Sonate die Virtuosität. Für die beiden musikalischen Gäste stellten aber weder die mehrstimmige 32-Läufe noch hochkomplizierte Unisono-Partien echte Herausforderungen dar. Ob Lyrik oder Dramatik. Tianwa Yang und Nicholas Rimmer zauberten ein spritziges, maritimes Bild.

Nach der Pause spielten die beiden die drei Romanzen op. 22, die Clara Schumann für sich und den Geiger Joseph Joachim geschrieben hatte. Mit diesen Romanzen beendete sie 1853 ihre eigene Kompositionstätigkeit, um sich fortan ihrem psychisch kranken Mann, ihrer Pianistinnentätigkeit und ihren Kindern zu widmen. Wie ihr Mann Robert lehnte Clara die auftrumpfende musikalische Art von Franz Liszt ab. Eher schätzte sie die poetisch-verhaltenen Klänge, wie in einem vertrauten Gespräch. Das wird in den Romanzen hörbar.

Dass die Eheleute eine ähnliche Tonsprache nutzten, ist wenig verwunderlich, hatte er ihr doch immer wieder seine Musik nahegebracht. Die Fantasie C-Dur D934, die Franz Schubert in seinem Todesjahr 1827 schrieb, beendete das Konzert. Schuberts Zeitgenossen hielten sie für zu lang und zu anstrengend. Es hätte ein Kenner-Publikum gebraucht, schrieb ein Kritiker nach der Uraufführung. Egal, welche Form- und Bezugsbetrachtungen angestellt werden, dieses Werk atmet auch in seinen unfassbar virtuosen, schwierigsten Partien, den rauschenden Tanzsätzen, Ahnung und Auflehnung gegen den nahen Tod. Es ist gleichermaßen tieftraurig und rasant.

Für den reichlichen Beifall, den das Publikum zum Teil stehend spendete, bedankten sich Tianwa Yang und Nicholas Rimmer mit einem Sonatensatz von Robert Schumann. Er habe zu allen Komponisten des Programms eine Beziehung gehabt, sagten sie zu Erläuterung. Die Freundschaft zwischen Brahms und den Schumanns ist bekannt. Bei Schubert war aber wohl die geistige Beziehung gemeint gewesen sein.